Die Sonne über Berlin - Nebelwände

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Martini & Loersch, 2018, Seiten: 387, Originalsprache

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Annette Wolter
Ermittler verlieren sich im Berliner Nebel

Buch-Rezension von Annette Wolter Okt 2018

Ein Chemielabor fliegt in die Luft, der Chefchemiker ist tot. Niemand mochte ihn. Er hatte die Formel für ein neues Produkt, das bahnbrechende Wirkung bei Cellulitis und Co zeigen sollte. Und diese Formel ist es, die alle suchen.
Verdächtig können alle sein. Kommissar Dahlberg macht sich auf, um den Fall zu lösen. Leider ist sein Team seit dem ersten Fall nicht mehr komplett. Alexander ist zum Geheimdienst gegangen und muss dort ganz schön leiden. Auch Dahlberg leidet, denn er vermisst seinen alten Kumpel und Mitarbeiter sehr.

Der neue Kollege könnte bei Stromberg mitspielen

Dafür bekommt er jetzt wieder einen festen Mitarbeiter namens Mahlmann. Auch ihn mag keiner, bzw. geht er dem Team gehörig auf die Nerven. Er ist ein Bürokrat vom Feinsten. Ich musste sofort an die Serie Stromberg denken und hätte mir diesen Charakter dort gut vorstellen können.
Dann noch das lausige Wetter. Alle sind leicht deprimiert. Trotzdem versuchen sie den Fall zu lösen.

Und dann versachwindet eine Frau, eine Dame kann man nicht grade sagen, denn Vanessa Taub war ziemlich umtriebig und hatte Spaß an Sexspielchen und an Kostümierungen. Jedenfalls verreist Frau Troost nach Italien und wird auch nicht so schnell vermisst.

Gibt es einen Serienkiller?

Erst als zwei Frauenleichen brutal  entstellt gefunden werden, wird eine Verbindung vermutet. So viele haben Motive. Da wird Verena Troost wieder interessant. Hatte sie doch das ein oder andere Geheimnis? Auch ihre Haushälterin hielt keine großen Stücke auf sie.
Auch in Carla Kalkbrenners zweiten Thriller gibt es viele Handlungsstränge. Dann ist Alexander ja noch im Spiel. Allerdings soll er jetzt – nachdem er eine Aktion in Kairo versaut hat – hinsichtlich eines russischen Mafiosis Licht ins Dunkel bringen. Dabei bringt er sich in eine nahezu aussichtslose Lage.

Kein Privatleben für die Kommissare

Dahlberg hat ja jetzt ein Kind und muss sich zudem mit seinen Alkoholiker-Eltern rumschlagen, bei Claudia und ihrer Partnerin ist die Luft raus, Jo treibt sich in Technoclubs wie dem Berliner Berghain rum -  und Mahlmann wartet auf den Feierabend. Herbst eben.
Schließlich hat Claudia aber einen zündenden  Gedanken, und die losen Fäden verbinden sich. Auch Alexander ist bei seinem Alleingang einer extremen Sache auf der Spur.

Carla Kalkbrenner will zu viel

Ich finde das Buch sehr spannend, habe es direkt im Anschluss an Band 1 gelesen. Zwischen den Büchern liegen ein paar Jahre. Logischerweise habe ich gedacht, dass Band 2 ausgewogener ist, als Band 1. Stimmiger vielleicht. Aber es ist eher umgekehrt.
Kalkbrenner will eine spannende Story, sie will noch eine Nebenhandlung mit dem Geheimdienst, dann Alexanders Dämonen und zudem will sie das Privatleben der Kommissare genau unter die Lupe nehmen.
Andere Autoren schaffen das, aber bei ihr wirkt es überladen und schadet dem Buch. Zum Beispiel wäre die Handlung um Alexander ein eigenes Buch wert gewesen, statt das dann so zusammen zu wurschteln. Dann hätte sie auch die diffizilen Charaktere der Kommissare und Mahlmann liebevoller zeichnen und detailverliebter sein können.
Es ist immer noch ein spannender Krimi, aber ich muss sagen, dass Nebelwände im Vergleich zu Mordshitze irgendwie „abstinkt“. Mordshitze war ein Erstling vielleicht mit heißerer Nadel gestrickt, aber insgesamt stimmig. „Nebelwände“ ist einfach überladen.

Fazit:

Wer Berlin mag kommt hier sicher auf seine Kosten. Der Club, in den Jo jetzt immer geht, ist wie das Berghain, auch verschiedene andere Plätze wirken authentisch. Da es aber kein Reiseführer, sondern ein Thriller sein soll, muss ich ein paar Abstriche machen.
Das meiste habe ich oben schon gesagt. Das Buch ist durchaus lesenswert. Aber: Weniger wäre viel mehr gewesen. Auch Band 3 werde ich noch lesen, sollte es noch einen geben.

Die Sonne über Berlin - Nebelwände

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