Gefährliche Fracht

Erschienen: Januar 1965

Bibliographische Angaben

  • London: John Long, 1964, Titel: 'The Scavengers', Seiten: 183, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1965, Seiten: 192, Übersetzt: Heinz Otto

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Michael Drewniok
Toter Froschmann im Fischernetz

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2019

Kapitän Munsen ist ein Fischer, der wenig von Fangvorschriften hält. Heimlich holt er Heringe innerhalb der Drei-Meilen-Zone aus dem Meer vor der westschottischen Küste - und hat Pech: Kapitän Shannon vom Fischereischutzboot „Marlin“ kommt ihm auf die Schliche und erwischt Munsen auf frischer Tat. Als dieser sein Netz leeren muss, damit geprüft werden kann, was er erbeutet hat, rutscht auch ein toter Froschmann heraus.

Seit zehn Tagen wurde Biologe Ernest Elgin vermisst. Seit das neue Atomkraftwerk an der Küste seinen Dienst aufnahm, prüfte er Wasser, Tiere und Sedimente auf eventuelle Strahlenbelastung. Die Proben nahm Elgin selbst; er hatte sich das Tauchen beigebracht, ging aber normalerweise nicht allein unter Wasser. Nur seine letzte Fahrt unternahm er solo und fiel offenbar einem Unfall zum Opfer.

Webb Carrick, Erster Offizier an Bord der „Marlin“, glaubt dies nicht und stellt Nachforschungen an, nachdem die Polizei den Fall zu den Akten legen will. Er taucht selbst und entdeckt verdächtige Indizien, die darauf hindeuten, dass Elgins Ende gewaltsam herbeigeführt wurde. Seltsam ist auch, dass die Aufzeichnungen des Biologen verschwunden sind, wie Carrick von Helen, Elgins trauernder (und hübscher) Tochter, erfährt.

Je tiefer Carrick stochert, desto deutlicher wird, dass er richtig liegt. Mehrfach entkommt er nur knapp hinterhältigen Mordattacken. So wird auch die Polizei wieder aufmerksam. Zudem stellt man im Kraftwerk fest, dass 700 Kapseln mit Uranfüllung verschwunden sind. Was eigentlich dem Atommeiler zur kontrollierten Energieerzeugung zugeführt wird, eignet sich auch zur Herstellung von Atombomben. Der Tod von Dr. Elgin gewinnt dadurch eine neue Dimension. Schnelle Aufklärung ist nötig - dies auch deshalb, weil sich plötzlich weitere tödliche ‚Unfälle‘ ereignen …

Das fremde, faszinierende Element

Neue Ideen sind vor allem, aber nicht nur in der Unterhaltungsliteratur rar gesät, aber nicht unbedingt notwendig, wie Autor Bill Knox hier exemplarisch und unterhaltsam beweist: Der Plot seines Kriminalromans ist keineswegs raffiniert, und er wird routiniert, aber nicht raffiniert umgesetzt. Für mehr als den entsprechenden Ausgleich sorgt die Kulisse: Knox lässt seine ‚Cops‘ auf hoher See ermitteln!

Selbst ein ‚simpler‘ Mord wirkt interessanter, wenn es das Opfer unter Wasser erwischt. Das nasse Element erschreckt und fasziniert den Menschen, seit er sich dorthin begibt, wo bekanntlich keine Balken existieren. Auf dem Wasser lassen sich schwere Lasten relativ leicht transportieren, und unter der Oberfläche wimmelt es von leckeren Kreaturen. Gleichzeitig ist das Meer gefährlich. Wetter und Wogen zogen und ziehen unzählige Pechvögel dorthin, wo sie sich unfreiwillig dort der Nahrungskette einfügen, wo sie es ganz sicher nicht wollen.

Das Ergebnis ist bei denen, die vom Meer leben, eine Mischung aus Respekt und Vorsicht. In der Neuzeit droht diese Balance zu kippen. Immer größere Fangschiffe mit immer engmaschigeren Netzen drohen die Weltmeere buchstäblich leer zu fischen. Der Fortschritt der Technik muss deshalb kontrolliert werden, denn Fischer leben traditionell nach dem Grundsatz „Nach uns die Sintflut“. So lange ihre Netze und damit ihre Geldbörsen gefüllt sind, kümmern sie sich nicht um Fangquoten, sondern klagen lieber über restriktive Vorschriften und Fangrückgänge, für die stets andere verantwortlich sind.

Gelegenheit macht Diebe (und Mörder)

Die Regierung rüstet für den Ressourcenschutz auf und ist auch auf dem Meer präsent. Knox stellt uns das Fischereischutzboot „Marlin“, seine Besatzung und die Behörde vor, für die man ausfährt. Wir stellen fest, dass die Kriminalität auf dem Meer ebenso lebendig ist wie auf dem Festland. Für den Unterschied sorgt das nasse Element, das Einschränkungen, aber auch Möglichkeiten bietet. Wer als Strolch das Meer nicht fürchtet, kann außer Sicht beachtliche ‚Geschäfte‘ machen. Knox arbeitete die entsprechende Liste ab 1964 ab und ließ Webb Carrick bis 1991 15-mal ermitteln, wenn Fische gewildert, Giftabfälle verklappt, Wertgüter geschmuggelt oder Uran geraubt wurde.

In den 1960er Jahren galten Atomkraftwerke als der Stein der Weisen in Sachen Energiegewinnung. Dass die Ölvorräte der Erde nicht ewig reichen würden, war inzwischen klar. Als Alternative sah man ausgerechnet auf die Atomkraft. Dass sie nicht die Lösung sein konnte, wurde verdrängt bzw. die Nachteile auf eine Zukunft abgewälzt, die erschreckend lange dauerte: Knox spricht selbst an, dass ‚ausbrannte‘ Meilerstäbe keine harmlose Asche erzeugen, sondern für viele Jahrtausende tödliche Strahlung absondern. 1964 steckte man solchen Atommüll noch in ‚stabile‘ Container und versenkte sie in der Nordsee - ein Irrsinn, den man auf den Weltmeeren inzwischen nur noch dort fortsetzt, wo es keine Verbote gibt oder niemand hinsieht, wenn man weiterhin Atomschrott ins Wasser wirft.

„Gefährliche Fracht“ ist ein erstaunlich ‚moderner‘ Thriller. Mit Atommüll lassen sich „schmutzige“ Bomben herstellen, weshalb irre Diktatoren damals wie heute interessiert sind, sich solches Material zu verschaffen. Knox spricht nicht aus, wer hinter den Lumpen steckt, von denen sie sich beliefern lassen. Heute fallen dem Leser spontan viel zu viele Namen ein.

Rau, aber herzlich

„Gefährliche Fracht“ fesselt mit wunderbaren Kulissen mindestens ebenso wie durch eine zügig erzählte Handlung. Knox kennt sich mit der westschottischen Küstenwelt aus, und er verfügt über das Talent, ihre Eigenheiten ins Geschehen einfließen zu lassen, ohne es damit zu dominieren. Er verdichtet die Handlung, statt sie durch endlose Beschreibungen zu ‚ersetzen‘ - ein Fehler, den gerade Autoren begehen, die sich auf „Regionalkrimis“ konzentrieren. Während sie übertreiben und langweilen, sorgt Knox für einen interessanten, ereignisrelevanten Mikrokosmos.

Dazu gehören stimmige Figuren wie Kapitän Munsen und seine ebenfalls zur See fahrende Gattin, die als hart arbeitende, stets von der Pleite oder dem nassen Tod bedrohte Fischer und Seeräuber keineswegs Witzfiguren darstellen. Knox beschreibt eine Welt im Umbruch. Die traditionellen Fischer werden von international agierenden Trawlern, die eher schwimmenden Fischfabriken gleichen, aus dem Geschäft gedrängt. Das lassen sie sich nicht gefallen, weshalb der Fischereischutz nicht nur Fische schützen, sondern auch verfeindete Fischergruppen beaufsichtigen und notfalls bändigen muss.

Weil Knox diese landrattenfremde Welt so lebensecht beschreibt, verzeiht man ihm allzu offensichtliche Klischees. Zwar ist Webb Carrick ein betont ‚vernünftiger‘, pflichtschuldiger Mann, aber selbstverständlich kann er problemlos auf ‚typische‘ Seemänner wie Bootsmann Bell zurückgreifen, die dafür leben, sich in jede Schlägerei zu stürzen oder Schürzen zu jagen. Kapitän Shannon ist ebenso selbstverständlich ein brummiger Seebär mit einem Herz aus Gold. Erwartungsgemäß gibt es eine hübsche Frau, die sich in Carrick verliebt. Aber nie wird etwas Festes daraus: Schon in diesem ersten Band der Serie hat Carrick final nur 48 Stunden Freizeit, bis er zurück auf See muss - und seine Braut ist natürlich das Meer …

Fazit:

Erster Roman einer Serie, die an Bord des Fischereischutzkreuzers „Marlin“ spielt. Vor einer glänzend geschilderten Landschaftskulisse und im Wissen um eine gleichermaßen moderne wie traditionsreiche Seefahrt entwickelt Autor Knox zügig einen spannenden Kriminalfall: wunderbar!

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