The Mayfly - Die Chemie des Bösen

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

  • London: Zaffe, 2017, Titel: 'The mayfly', Originalsprache
  • München: Blanvalet, 2019, Seiten: 448, Übersetzt: Kristof Kurz

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Thomas Gisbertz
Düsterer, schockierender Thriller

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jun 2019

In einer einsamen Hütte mitten in den walisischen Wäldern findet die Polizei eine bestialisch zugerichtete Leiche. Die Arme und der Unterleib sind mit tiefen Schnitten bedeckt, die Brust regelrecht zerfetzt, so dass ein blutrotes Netz aus Muskeln und Gewebe zum Vorschein kommt. Kaum ein Körperteil scheint unversehrt. Anscheinend hat sich das Opfer selber gehäutet.

Ein Gift hat ihm über viele Stunden hinweg unvorstellbare Schmerzen verursacht. Deshalb versuchte das Opfer, sich selbst zu zerfleischen, um an sein Herz gelangen - die einzige Möglichkeit, seine Qualen zu beenden.

Anwalt auf der Suche nach der Wahrheit

Kurz nach dem Auffinden der Leiche wird der Anwalt Charlie Priest in seiner Londoner Wohnung überfallen. Der unbekannte Täter ist auf der Suche nach einem USB-Stick, der im Besitz von Priest sein soll. Dieser kann nach längerem Kampf den Täter in die Flucht schlagen. Nur Stunden später wird der Angreifer tot in einer Lagerhalle gefunden. Schnell gehört auch Priest zu den Verdächtigen. Beim Toten handelt es sich um Miles Ellinder, Stiefsohn des mächtigen Chefs eines Pharmakonzerns. Dieser beauftragt den Anwalt, den Mörder zu finden.

Bald wird deutlich, dass der Fall des toten Mannes in der Hütte und die Ermordung von Ellinder anscheinend zusammenhängen, da bei beiden im Rachen eine Eintagsfliege gefunden wurde. Was hat dies zu bedeuten? Priest stößt im Rahmen seiner Recherche auf ein dunkles Geheimnis, dass bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs reicht. Die Wahrheit ist so grausam, dass sie alles Vorstellbare übersteigt.

Früherer Anwalt nun als Thrillerautor

Es scheint immer mehr in Mode zukommen, dass britische Anwälte - wie zum Beispiel aktuell Tony Kent („3-2-1- Im Netz der Verschwörer“) - neben ihrer beruflichen Tätigkeit Schriftsteller werden oder ihren Beruf hierfür ganz aufgeben. Letzteres trifft auf James Hazel zu, der vor seiner Arbeit als Thrillerautor als Anwalt im Bereich Unternehmens- und Arbeitsrecht tätig war.

Seit seinem Schulabschluss träumte Hazel davon, Schriftsteller zu werden. Mit der Unterstützung seiner Frau hat der Engländer dies in den letzten Jahren mehr und mehr umgesetzt. Wenn er nicht gerade Thriller und Krimis schreibt, führt er gemeinsam mit seiner Frau mehrere Unternehmen, unter anderem im Bereich Wohnbauentwicklung, Rechts- und Unternehmensberatung. Sein großes Vorbild ist Jo Nesbø. Dessen Figur Harry Hole inspirierte ihn auch zu seiner Charlie-Priest-Reihe, bei der „Mayfly“ den Auftakt darstellt. Aktuell schreibt Hazel am dritten Band um den eigenwilligen Anwalt.

Skrupelloser, perverser Geheimclub

Der Thriller spielt auf zwei Zeitebenen. Neben den aktuellen Geschehnissen stehen Ereignisse unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. Dem deutschen KZ-Arzt Kurt Schneider ist es im Rahmen von Menschenexperimenten gelungen, das hochwirksame und tödliche Gift Strychnin so zu modifizieren, dass es unvorstellbare Schmerzen hervorruft, welche die Opfer in den Wahnsinn treiben - allerdings ohne sie unmittelbar zu töten.

Schneider wird 1946 an einem geheimen Ort in England verhört. Dabei gelangt die unbekannte Formel in die falschen Hände und das Unheil nimmt seinen Lauf. Was die skrupellosen Mitglieder eines Geheimclubs damit über Jahrzehnte machen, ist an Widerlichkeit und Perversität nicht zu überbieten. Zum Glück erspart uns der Autor größtenteils eine detailreiche Beschreibung, aber alleine das Kopfkino beim Lesen reicht vollkommen aus.

Figuren mit Entwicklungspotential

Schnell merkt man bei der Lektüre, dass „Mayfly“ der Start einer neuen Reihe um den Anwalt Charlie Priest ist. Dafür wählt der Autor zahlreiche Nebenhandlungen und lässt zudem bei der ein oder anderen Figur noch einiges zugunsten der Nachfolgebände im Dunkeln. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Figuren-Konstellation noch etwas „einspielen“ muss. Oftmals ist Hazel bei der Einführung seiner Figuren aber noch zu direkt, statt die verschiedenen Charaktere langsam zu entfalten.
Dennoch gibt es zahlreiche Protagonisten, die mehr als interessant sind. Da wäre zum einen Priests junge Assistentin Georgie Someday, die in Priest verliebt ist und alles versucht, ihn zu beeindrucken. Dabei kennt sie keine Angst und tritt unerbittlich gegen sich selbst sowie sehr prinzipientreu auf.

Auch Dr. William Priest, Charlies Bruder, ist, obwohl - oder gerade weil - er wegen achtfachen Mordes in einer forensischen Psychiatrie für Schwerverbrecher eingesperrt ist, eine faszinierende Persönlichkeit. Wahnsinn und Intelligenz liegen bei ihm nahe zusammen und Charlies Besuche bei seinem Bruder zählen sicherlich zu den erzählerischen Höhepunkten des Thrillers.

Dynamischer Anwalt mit Erkrankung

Im Zentrum der Handlung des Thrillers steht aber eindeutig der 43-jährige Anwalt Charlie. Zunächst machte dieser eine steile Karriere bei der Londoner Polizei und stieg dort bis zum Detective Inspector auf, bis er 2004 plötzlich den Dienst quittierte und Anwalt wurde. Grund hierfür war sein damals als Serienmörder überführter und hierdurch zu trauriger Berühmtheit erlangter Bruder William.

Priest selber leider an einer dissozialen Störung, dies bedeutet, dass er die Realität gelegentlich „verlässt“ und sich vollständig von seinem Selbst und seiner Umwelt löst. Im schlimmsten Fall können extreme Anfälle über Stunden dauern, wobei er nicht weiß, ob er schläft, wach oder überhaupt am Leben ist. Wie man sich denken kann, kommen diese Anfälle meistens zu den ungünstigsten Augenblicken.

Kleinere Schwächen sind zu verschmerzen

Wenn Leser wert auf einen feingesponnenen Psychothriller legen, der durch geschickte Verknüpfungen der Handlungsstränge, eine überzeugende Darstellung der Figuren und sprachliche Stärke überzeugt, der liegt hier falsch. Der Autor überzeugt aber durch einen ununterbrochenen und kurzweiligen Lesefluss sowie einen guten Spannungsbogen.
Dabei leidet die inhaltliche Darstellung zuweilen unter dem Zwang, Verbindungen aufzuzeigen bzw. Finten zu legen. Wenn Priest einen Einbrecher überrascht, der vom „Kapuzenmann“ beauftragt wurde, einen USB-Stick aus einem leerstehenden Haus zu stehlen, wundert man sich, warum dieser dies nicht selber erledigt, zumal er das Haus beobachtet und im nächsten Moment auch tatsächlich plötzlich selber im Haus steht und Priest angreift.

Fazit:

James Hazel bietet im Prinzip nichts Neues: Nazis, Geheimbund, Hauptfigur mit Problemen. Aber der Autor unterhält den Leser mit seinem Thriller bestens. Sicherlich gehört die Figurenzeichnung (noch) nicht zu seinen Stärken. Dafür bietet Hazel ein hohes Erzähltempo mit Spannung ab der ersten Seite - und genau das zeichnet einen guten Thriller aus. Wer gerne Mark Griffins „Dark Call“ oder auch „Hänschen klein“ von Andreas Winkelmann gelesen hat, wird hier richtig liegen.

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