Die Todesbotin

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

  • München: Blanvalet, 2019, Seiten: 480, Originalsprache

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Thomas Gisbertz
Wendungsreicher Thriller mit aktuellem Thema

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jul 2019

Berlin-Neukölln: Der Deutsch-Türke Oktay Yavuz liegt erschossen in seinem Handyladen. Vom Täter fehlt zunächst jede Spur. Oberkommissarin Begüm Duran nimmt aber heimlich das Handy des Toten mit, da ein kompromittierender Chatverlauf über WhatsApp zwischen dem Opfer und ihrem Bruder Gökhan letzteren mit dem Fall in Verbindung bringen würde.

Wenig später kommt es zu einer Explosion in der verlassenen Kinderklinik „Weißensee“. Am Tatort findet man zwei Leichen und eine Schwerverletzte. Seltsamerweise sind die Überreste eines Toten aber nicht vollständig – unter anderem fehlt das Gehirn. Dennoch legen die Spuren eine Verbindung zu dem Mord in Neukölln nahe.

Der Staatsschutz vermutet einen terroristischen Hintergrund und reißt beide Fälle an sich. Oberkommissar Viktor Puppe und Hauptkommissar Kenji „Ken“ Tokugawa sind wenig begeistert davon, und setzen ihre Ermittlungen heimlich fort. Eine Spur führt zum „Freistaat Thule“, einer nationalistischen „völkischen Siedlung“ im Landkreis Nordwest-Mecklenburg. Viktor schleust sich in die Gemeinschaft ein und ist von nun an auf sich allein gestellt.

National befreite Zone

Die Spur der vermeintlichen Tatwaffe, mit der der Handy-Besitzer erschossen wurde, führt Viktor Puppe in den Ort Wemel. Weitab vom Radar vermeintlich feindlich gesinnter Behörden und Presseorgane hat sich der Rechtsradikale Ralph Kunersdorf hier mit Gleichdenkenden von der Außenwelt abgeschottet. Als Fassade dient der Handel mit Produkten aus biologischer Landwirtschaft. Nachdem Kunersdorf mit der Zeit die früheren Bewohner mit Nachdruck aus dem Dorf vertrieben hat, ist die Siedlung zu einem Kristallisationspunkt der völkischen Szene mutiert.

Honoratioren rechter Parteien, Führungsgestalten der Reichsbürgerszene und der Identitären Bewegung, rechts-esoterische Verschwörungstheoretiker, Altnazis - sie alle finden Gleichgesinnte in diesem Dorf. Es werden heidnische Feste gefeiert, Häuser mit germanischen Runen geschmückt und im „Volksschulzentrum“ die von ihnen vertretene „richtige“ Geschichte unterrichtet.

Großvater des Ermittlers ist ein Idol der Neonazis

Zugang zu diesem „auserlesenen Kreis“ erhält Viktor Puppe durch seinen als verschollen geltenden 99-jährigen Großvater Wilhelm von Puppe, der im Zweiten Weltkrieg noch mit dem Nazi-Arzt Mengele zusammengearbeitet hat und von den Neonazis als Idol verehrt wird. Als Lehrer getarnt ermittelt Oberkommissar Puppe, um den Täter zu überführen. Dabei lernt er auch die blinde junge Frau Magda Mayerhofer kennen, die mit ihrem Vater außerhalb der Siedlung lebt und sich in Victor verliebt – sehr zum Unwollen von Thorsten Kunersdorf, dem Sohn des inoffiziellen Dorfvorstehers und dringend Tatverdächtigen Ralph Kunersdorf. Mehr und mehr wird Oberkommissar Puppe skeptisch von den Dorfbewohnern beäugt und begibt sich dadurch in immer größere tödliche Gefahr.

Thomas Elbel, geboren 1968 in Marburg, studierte Rechtswissenschaften in Göttingen, Hannover und den USA. Er arbeitete für eine amerikanische Anwaltskanzlei, das Bundesministerium des Innern und das Land Berlin. Seit 2011 ist er Professor für Öffentliches Recht an der Hochschule Osnabrück. In seiner Freizeit singt er klassischen Bariton und schreibt Romane. „Die Todebotin“ ist nach „Der Todesmeister“ (2017) sein zweiter Thriller im Blanvalet Verlag.

Der Autor hat ein ungewöhnliches Ermittlertrio zusammen geführt

Die vom Autor zusammengestellte Ermittlergruppe scheint alle ethnischen, religiösen und gesellschaftlich-sozialen Schichten abdecken zu sollen: Oberkommissar Viktor Puppe stammt aus einer alten Berliner Adelsfamilie, verzichtet aber auf den Namenszusatz „von“. Er hat sich aus privaten Motiven in die Mordkommission des LKA „geschlichen“ und begeistert die anderen immer wieder mit seinem Wissensschatz.

Hauptkommissar Ken Tokugawa ist Sohn einer Krankenschwester und eines japanischen Diplomaten. Er scheint ohne Sprüche – zumeist sexistischer Art – nicht auskommen zu können. Er gilt trotz seiner großen Klappe und seiner unkonventionellen Art als bester Mordermittler Berlins.
Oberkommissarin Begüm Duran ist Deutsch-Türkin in zweiter Generation, alleinerziehende Mutter und ausgewiesene Kratzbürste. Sie ist für ihre ermittlerischen Alleingänge bekannt, was sie auch in diesem Fall unter Beweis stellt.

Stereotyper, aber auch unkonventioneller, fast schon absurder könnten die Ermittler kaum sein – aber es funktioniert, das muss man dem Autor lassen. In der Tat sorgen die drei Hauptfiguren für Kurzweil, auch wenn - oder weil - sie sich nicht immer an die rechtlichen Vorgaben halten. Natürlich entspricht das nicht immer dem polizeilichen Alltag und bricht dadurch des Öfteren mit der Realität, aber es ist zugleich auch mehr als unterhaltsam und lesenswert.

Dialekt als stilbildendes Element

Der Thriller beginnt bereits mit dem Satz „Keen schöner Anblick, so wat.“ Ein Leser, der nicht aus Berlin stammt, wird sich über diesen Dialekt sicherlich freuen und amüsiert sein, wirkt er doch zum einen mitunter lustig und ist er zum anderen Ausdruck für eine bestimmte soziale Haltung. Schwierig wird es aber, wenn gefühlt irgendwann fast nur noch in Mundart gesprochen wird. Ist es anfänglich nur Schmulke, der Teamleiter der Spurensicherung, der sein Berlinerisch zum Besten gibt, so scheinen die nicht im Soziolekt sprechenden Personen innerhalb des Thrillers irgendwann in der Minderheit.

Wenn Oberbrandmeisterin Petra Ziegler, Security-Mitarbeiter Slavic und Kriminalhauptkommissar Majewski berlinern, eine Mutter aus der Nazi-Siedlung schwäbisch spricht und Ove van Houten, Mitglied der rechtsgerichteten Gruppierung, nicht nur mit niederländischem Akzent spricht, sondern äußerlich auch noch an Rudi Carrell erinnert, merkt man doch, dass ein Autor es mit dem Humor und dem Witz nicht übertreiben sollte.

Auch das Kiez-Deutsche, die Sprache der türkischen oder auch libanesischen Banden, die in Berlin ihr Unwesen treiben, entspricht absolut der Realität, wirkt auf Dauer aber auch klischeehaft. Gleiches gilt für das vereinzelte Fehlen von Vornamen. Stattdessen werden Figuren, wie der Ermittler des Verfassungsschutzes Sikorski oder der Teamleiter der Spurensicherung Schmulke, nur mit Nachnamen präsentiert und angesprochen.

Fazit:

Elbel gelingt nach „Der Todesmeister“ erneut ein Thriller, der kurzweilig erzählt ist und den Leser unterhält. Dazu tragen vor allem die unterschiedlichen Ermittlertypen bei, die sich gut ergänzen, die aber auch gerne einmal „diskutieren“. Thematisch greift der Autor aktuelle Themen wie den NSU-Fall, die Flüchtingsdebatte und Fremdenhass auf und setzt diese - für einen Thriller - überwiegend gut um.
Sprachlich dominieren Umgangssprache, Kiez-Deutsch und Berliner Dialekt, was nicht jedem zusagen wird. Insgesamt ist das sprachliche Niveau eher durchschnittlich. Wenn man den Roman in der Darstellung der Figuren, die gerade bei den Kommissaren fast schon blockbusterwürdig und „hollywoodesk“ erscheinen, nicht zu ernst nimmt, dann liest man einen gelungenen Thriller, der auch ein überraschendes Ende aufweist.

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