Sühnekreuz

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2019, Seiten: 464, Originalsprache

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Thomas Gisbertz
Etwas konfuser Krimi aus dem Taunus

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2019

Auf dem Kreuzhof, einem Gestüt im hessischen Wetterbach, wird die Besitzerin Carla Mandler tot in einem Brunnen gefunden –  erstochen, und mit einem kleinen Kreuz in ihrem Intimbereich. Ralph Angersbach, Ermittler bei der Mordkommission Gießen, nimmt sich des Falles um die ermordete Gutsbesitzerin an. Seine alte Kollegin Sabine Kaufmann, mit der Angersbach bis vor vier Jahren beim neugegründeten Kommissariat in Bad Vilbel zusammen gearbeitet hat, versucht währenddessen, die seltsamen Umstände beim vermeintlichen Selbstmord ihrer Mutter aufzuklären, die seit Jahren unter Depressionen litt, diese aber überwunden zu haben schien. Plötzlich hängt sie allerdings tot in einer Trauerweide.

Altes Team findet wieder zusammen

Angersbach merkt schnell, dass er Unterstützung bei seinem Fall auf dem Pferdehof benötigt. Da seine Kollegen in Gießen allesamt mit einem Magen-Darm-Virus ausfallen, bittet er kurzerhand seine alte Partnerin Sabine Kaufmann, ihm zu helfen. Diese nimmt das Angebot an, ermittelt aber zunächst heimlich parallel im Fall ihrer toten Mutter weiter. Es scheint sogar eine merkwürdige Gemeinsamkeit in beiden Fällen zu geben: Sowohl am Tatort der ermordeten Carla Mandler als auch an der Trauerweise, an der Sabines Mutter scheinbar Selbstmord beging, befindet sich jeweils ein Sühnekreuz, die bereits vor Jahrhunderten dort aufgestellt wurden. Alles nur Zufall oder ist dies der entscheidende Schlüssel, um dem Täter auf die Spur zu kommen?

Und was haben die getöteten Schafe und Lämmer, die zuletzt mit aufgeschlitzter Kehle in der Gegend gefunden wurden, mit dem Fall zu tun? Als Rechtsmediziner Professor Hack auf Ungereimtheiten bei der Obduktion von Sabines Mutter stößt, scheinen sich die Befürchtungen der Ermittlerin zu bestätigen. Dann geschieht ein weiterer Mord. Kaufmann und Angersbach bleibt nicht mehr viel Zeit, den Mörder endlich zu finden, bevor er ein weiteres Mal zuschlägt.

Fortsetzung der Reihe nach langer Pause

Daniel Holbe ist kein Unbekannter. Im Herbst 2011 übernahm er den literarischen Nachlass von Andreas Franz und vollendete dessen Werk „Todesmelodie“, welches posthum erschien. Später setzte Holbe die Krimireihe um die Frankfurter Hauptkommissarin Julia Durant in sechs weiteren Bänden fort. Parallel dazu entwickelte der gebürtige Hesse unter anderem eine eigene Reihe um das Ermittlerteam Kaufmann/Angersbach. Der bis dato letzte Band „Schwarzer Mann“ erschien aber bereits 2015. Holbe selber erklärt seine lange Pause im Nachwort mit einem Trauerfall im engsten Familienkreis, der ihn lange daran hinderte, in seinen Rhythmus zurückzufinden.

Hilfe und Unterstützung beim aktuellen Roman erhielt er deswegen von Ben Tomasson, einem Kollegen, mit dem Holbe seit längerem beruflich und freundschaftlich verbunden ist. Gemeinsam veröffentlichten sie bereits 2017 den Krimi „Verschwörung in der Camarque“. Auch für den nächsten Fall von Kaufmann/Angersbach ist eine gemeinsame Arbeit geplant.

Logikschwächen stören das Lesevergnügen

Da Holbe und Tomasson bereits bei einem gemeinsamen Projekt zusammen gearbeitet haben, verwundert es doch, dass sie sich als Team noch nicht eingespielt haben. Obwohl diese Zusammenarbeit und der Austausch der Autoren während des Schreibprozesses - und nicht erst im Lektorat, wie Holbe im Nachwort seines Romans betont - gewinnbringend sein müsste, stellen sich dem Leser bei der Lektüre von „Sühnekreuz“ doch einige Fragen: Warum werden die Kommissare oftmals derart unprofessionell und schablonenhaft dargestellt? Warum geht das Ermittlerteam einfachen Spuren nicht nach? Warum lässt man sich bei den Ermittlungen eher von Gerüchten als von Fakten leiten?

Mehrfach hat der Leser darüber hinaus das Gefühl, doppelt über einzelne Hintergründe informiert zu werden. Hier kann vermutet werden, dass sich die Autoren während des Schreibprozesses die beiden Hauptfiguren aufgeteilt haben, so dass zum Beispiel Informationen zu dem Ermittlerduo auf diesem Weg doppelt genannt werden.

Behäbiges Ermittlerteam

Derweil diese Wiederholungen kein größeres Problem darstellen, wirkt das Verhalten von Kaufmann und Angersbach aber zu klischeehaft: Während sie die einfühlsame Kommissarin ist, wird er als grober Klotz, der anderen mit seiner direkten Art vor den Kopf stößt, gezeichnet. Dieses andauernde „Bad-Cop-Good-Cop“-Gehabe stört doch zunehmend.

Statt sich an die Fakten zu halten, spekuliert das Ermittlerteam munter darauf los und stellt die wildesten – wenn auch nicht utopischen – Vermutungen über die Motive und Hintergründe der Taten an. Dabei wird der Täter bereits sehr früh im Roman offensichtlich – zumindest für den Leser, leider aber nicht für Kaufmann und Angersbach. Bei jedem einfachen Polizisten würden beim eigenartigen Verhalten einer bestimmten Person sofort die Alarmglocken schrillen, während vor allem Sabine Kaufmann nicht nur hier in vielerlei Hinsicht vollkommen unprofessionell agiert. Da nützt auch ihre schwierige familiäre Situation nicht als Ausrede.

Selbst als Professor Küfer, Dozent für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Universität Gießen, die beiden Ermittler über die Bedeutung der Sühnekreuze aufklärt und damit eine eindeutige Spur zur Ergreifung des Täters legt, tappen Kaufmann und Angersbach weiter im Dunkeln.

Gesamtpaket des Romans schwächelt

Der Markt eher regional einzuordnender Kriminalromane ist hart umkämpft. Besonders das Taunus-Gebiet ist mit Nele Neuhaus' Reihe um die Kommissare Pia Sander und Oliver von Bodenstein prominent besetzt. Wenn man aus der breiten Masse herausragen will, benötigt man neben einem starken Ermittlerteam auch besondere Inhalte. Scheinbar mystische Orte bzw. Monumente wie das Sühnekreuz sind allzu bekannt und reichen da nicht mehr aus. Man merkt Holbe diesmal an, dass er sich zu lange nicht mehr mit den beiden Kommissaren, die ihm laut Nachwort „sehr am Herzen liegen“, beschäftigt hat. Auch die Unterstützung von Ben Tomasson kann diese Lücke nicht schließen.

Fazit:

Daniel Holbe gelingt ein mäßig spannender, eher durchschnittlicher Kriminalroman, bei dem vor allem das Ermittlerteam blass bleibt. Die Handlung wirkt etwas zusammengeschustert, wirklicher Lesefluss kommt selten auf. Fast sämtliche Figuren, egal ob es die dominante Krankenschwester, die loyale, aber bestimmende Sekretärin, die tratschenden Einheimischen in der Wirtsstube oder die einfältigen Handlanger des Geschäftsführers sind, erscheinen zu stereotyp und wirken dadurch langweilig und nicht originell.

Während andere regionale Krimiromane wenigstens mit Humor und skurrilen Charakteren die Leser für sich zu gewinnen versuchen, fehlt Holbes „Sühnekreuz“ neben überraschenden Wendungen vor allem eines: das Besondere. Negative Kritik, die auch im Zusammenhang mit der von ihm fortgesetzten Julia-Durant-Reihe immer wieder angeführt wurde, trifft leider auch diesmal zu: sprachlich zu schlicht, in der Figurengestaltung zu klischeehaft und inhaltlich nach altbekanntem Schema.

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