Der Hunger der Lebenden

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2019, Seiten: 385, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Leben und sterben in der Nachkriegszeit

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2019

Juni/Juli 1947. In Köln setzt eine Hitzewelle der hungernden Bevölkerung zu. Als im Bergischen Land die Hofbesitzerin Ilse Röder durch vier Schüsse ins Gesicht zu Tode kommt, scheint die Sache klar. Der Knecht des Hofes, Gottfried Büchler, überrascht die junge Franziska Wagner am Tatort. Nicht nur, dass sie die Mordwaffe in der Hand hält, sie schießt auch auf Büchler, der sie anschließend überwältigen kann.

Für Hauptkommissar Heimerzheim ist der Fall gelöst, dennoch soll Friederike Matthée von der Weiblichen Polizei aus Köln herangezogen werden, um eine Aussage von Wagner zu erhalten. Wagner, die bereits mehrfach mit der Polizei Ärger hatte, schweigt beharrlich. Erst als Matthée in einer Ruine, wo die Frau lebte, auf die elfjährige Elli trifft, ergeben sich Hinweise für Wagners abweisendes und aggressives Verhalten.

Sie wurde in einem polizeilichen Jugendschutzlager in der Uckermark untergebracht, wo menschenunwürdige Zustände und brutale Misshandlungen an den inhaftierten jungen Frauen deren Alltag bestimmten. Röder, die früher bei der Polizei arbeitete, war für die Einweisung Wagners in die Anstalt verantwortlich.

Währenddessen wird Lieutenant Richard Davies von der Royal Military Police in England gebeten, trotz seiner bereits eingereichten Kündigung, noch einmal für Ermittlungen ins Rheinland zu fahren, da er die dortige Gegend kennt. Ein britisches Militärflugzeug kehrte nach einem Bombenangriff im Krieg nicht zurück, nun wurden überraschend die Leichen der dreiköpfigen Besatzung gefunden. Die englischen Soldaten wurden damals ermordet und verscharrt.

Der zweite Fall führt Friederike Matthée und Richard Davies erneut zusammen

Spielte der erste Roman „Echo der Toten“ noch in der kalten Winterzeit zu Beginn des Jahres 1947, so setzt der zweite Band, im heißen Juni desselben Jahres spielend, die Reihe (so denn noch weitere Fälle folgen) kongenial fort. Zunächst steht die junge und noch immer manchmal etwas unschlüssige Matthée im Vordergrund, die den Mord an der ehemaligen Polizistin beziehungsweise Hofherrin „untersucht“. Angesichts des Leids, das der verdächtigen Franziska Wagner wiederfahren ist, will Matthée der jungen Frau gerne helfen und glaubt, dass die Tat womöglich auch eine andere Person begangen haben könnte. Denn die „ehrenwerte“ Röder war attraktiv, begehrt und brachte erst kürzlich einen Jungen zur Welt; obwohl sie verheiratet war und ihr Mann womöglich noch lebt. Seine Spur verlor sich 1943 in Russland.

Der aktuelle Kriminalfall bestimmt zunächst die Handlung, Davies kommt erst spät ins Spiel. Gleichwohl sind die Gedanken der beiden Protagonisten nicht selten beim jeweils anderen, kam man sich doch bei der ersten Zusammenarbeit ein wenig näher. Für einen zaghaften Kuss reichte es immerhin.

Wer nun eine schwülstige Liebegeschichte vor ernsthaftem Hintergrund befürchtet, der (oder die) kann beruhigt werden. Zwar spielt die Beziehung zwischen den Beiden weiterhin eine tragende Rolle, drängt sich aber nicht übermäßig in den Vordergrund. Im Gegenteil, es bestimmen eher die Zweifel auf beiden Seiten das Verhalten der Figuren, zumal Davies noch immer einen tiefen Hass gegen alle Deutschen verspürt. Schließlich ist er Jude, seine Eltern starben in einem Konzentrationslager.

Die Folgen des Krieges werden detailliert beschrieben

Im Vergleich zu „Echo der Toten“ werden in dem nun vorliegenden Roman „Der Hunger der Lebenden“ die Auswirkungen des Krieges noch eindringlicher aufgezeigt. Die Zerstörung der Stadt Köln, die Notlage der hungernden Menschen, aber auch die Kriegsgräuel deutscher Soldaten sowie die unerträglichen Zustände in dem so genannten Jugendschutzlager, welches in Wirklichkeit ein Konzentrationslager für Mädchen war, werden genauer beschrieben. Es ist harter Stoff, der im deutlichen Gegensatz zum mitunter unschlüssig-naiven Verhalten der Protagonistin steht, und dadurch noch klarer auf den Leser einwirkt.

Fazit:

Wer neben einem durchaus spannenden „Doppelfall“ (Ermordung einer ehemaligen Polizeibeamtin in der Gegenwart, Ermordung britischer Soldaten in der Vergangenheit) eine kleine Geschichtsstunde erleben möchte, der kann hier gerne zugreifen. Beate Sauer beschönigt weder die Verbrechen und Massaker der deutschen Soldaten noch die Zustände in dem Mädchen-KZ in der Uckermark. Auch die Frage nach Schuld, Vergebung und vor allem Verdrängung werden beleuchtet. Somit erhält das Buch eine über den Krimiplot hinausgehende, beklemmende Nachwirkung. Zum Ausgleich stellt sich bis zum Schluss die Frage, ob denn die beiden Hauptfiguren wenigstens ein bisschen privates Glück finden.

Der Hunger der Lebenden

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Letzte Kommentare:
23.04.2019 07:22:03
anyways

Sommer 1947 in und in der unmittelbaren Umgebung von Köln

In Odenthal wird die Leiche der Gutsbesitzerin Ilse Röder gefunden. Der Tat war mit vier Schüssen ins Gesicht äußerst brutal, neben der Leiche wird eine junge Herumtreiberin mit der Mordwaffe aufgefunden. Friederike Matthée von der weiblichen Polizei wird von ihrer Vorgesetzten mit der Vernehmung der Mordverdächtigen betraut. Da sie selbst keine Fahrerlaubnis besitzt bringt sie ein Streifenwagen ins Bergische. Hauptkommissar Heimerzheim ist nicht sonderlich begeistert von der jungen Frau, erst recht nicht, als sie bei der Tatortbegehung schwächelt. Doch wider Erwarten findet Friederike Zugang zu der jungen Tatverdächtigen, die auch sofort ihre Unschuld beteuert, doch kann Friederike beweisen, dass sie ihr Baugefühl nicht trügt?
Ungefähr zur selben Zeit werden drei Leichen einer englischen Jagdbomberbesatzung aufgefunden. Richard Davies von der Royal Military Police, der als Kind noch rechtzeitig nach England emigrieren konnte, wird wieder in sein verhasstes Heimatland geschickt, um die Vorfälle zu untersuchen. Er fordert Friederike wieder als Unterstützung an, obwohl er seine ehemaligen Landsleute hasst, hat es ihm die junge Frau angetan.

„Der Hunger der Lebenden“ - eine ausgezeichnete Wahl für diesen Krimi. Beate Sauer zeigt nicht nur die (fast) verzweifelte Suche der Überlebenden des 2. Weltkrieges nach Nahrungsmitteln und Wohnraum, sondern auch den Hunger nach Normalität und Leben. Die Situation im Nachkriegsdeutschland beschreibt die Autorin in all ihren unterschiedlichen Fascetten. Das Zurechtfinden in einer „neuen“ Welt, obwohl man doch fast zwei Jahrzehnte die Ideologie der Nazis indoktriniert bekommen hat, der Hass der wenigen Überlebenden dieser Schreckensherrschaft, unzähligen Waisen für die kein Platz ist in einer Pflegfamilie ist und die deshalb zwischen den Trümmern einer Großstadt zu überleben versuchen. Diese wirklich realistische Darstellung hat mir sehr gefallen. Der eigentliche Kriminalfall ist ebenso vielschichtig und wartet mit vielen Wendungen auf. Spannung ist bis zum Ende garantiert.

Ich habe die Serie um Friederike Matthée und Richard Davies mit diesem Buch begonnen, der Einstieg war jedoch problemlos. Die beiden Protagonisten sind sympathisch, obwohl die Figur der Friederike wesentlich nahbarer ist, als die des Richard.

Fazit: Ein packender Krimi der in der Nachkriegszeit spielt und eine Fülle an historischen Details aufweist.

25.03.2019 10:27:01
Orange

1947. Zwei Jahre nach Ende des Krieges ist nichts mehr, wie es mal war. Das Land liegt noch immer in Trümmern, die Bevölkerung hungert und auch die Wohnungsnot ist riesig.
Vor diesen Hintergrund schreibt Beate Sauer den zweiten Teil um Friederike Matthée, die bei der Weiblichen Polizei in Köln arbeitet.
Die junge Franziska Wagner wird des Mordes an einer angesehenen und beliebten Gutsbesitzerin bezichtigt. Sie wurde am Tatort mit der Tatwaffe in der Hand festgenommen. Friedericke, die zu den Ermittlungen hinzugezogen wird, glaubt jedoch nicht an die Schuld der Frau und stellt eigene Nachforschungen an.
Im Zuge der Ermittlungen stellt sich heraus, dass die Ermordete für die Einweisung Franziska´s in ein Jugendschutzlager verantwortlich ist.
Zeitgleich werden in der Nähe des Tatortes die Leichen von drei englischen Soldaten gefunden. Diese sind mit ihrem Flugzeug abgestürzt und wurden brutal ermordet.
Richard Davies wird gebeten die Ermittlungen zu übernehmen.
Hierbei kreuzen sich die Wege zwischen Friedericke und Richard, die schon im ersten Fall zusammen ermittelt und zarte Gefühle füreinander entwickelt haben.
Doch im Laufe der Handlung werden diese zarten Bande auf eine harte Probe gestellt.
Mir hat auch „Der Hunger der Lebenden“ wieder sehr gut gefallen. Die Autorin lässt in ihren Beschreibungen die harten Lebensumstände und den täglichen Überlebenskampf im zerstörten Köln der Nachkriegszeit einfließen und zeichnet so ein Bild dieser Zeit.
Friedericke selbst ist mir sehr sympathisch. Sie geht nicht den leichten Weg, steht zu ihrer Meinung und setzt sich für Gerechtigkeit ein, auch wenn sie dafür mit persönlichen Konsequenzen rechnen muss.
Die Krimihandlung ist spannend und bietet einige Wendungen, die ich so nicht erwartet hätte und nach und nach fallen alle Puzzleteile an ihren Platz und führen so zum Mörder.
Ein ausführliches und interessantes Nachwort rundet den Roman ab
Ich hoffe, dass es ein erneutes Wiedersehen mit Friedericke Mattheé geben wird.

01.03.2019 17:03:40
HexeLilli

Schon das Cover und der Titel haben mir gut gefallen. Man bekommt gleich eine Ahnung in welcher Zeit der Roman spielt. Dies ist der zweite historische Krimi um Friederike Matthée die bei der weiblichen Polizei arbeitet. Die Geschichte umfasst einen Zeitraum von ca. 4 Wochen. Sie spielt in Köln und im Umland, im Bergischen.
Eine Gutsbesitzerin ist grausam ermordet worden. Friederike glaubt nicht an die Schuld der Verhafteten Franziska Wagner. Gleichzeitig arbeitet die englische Militär Polizei an einem anderen Fall. Die dreiköpfige Besatzung eines abgestürzten Flugzeugs wurde ermordet im Wald verscharrt. Haben diese beiden Fälle womöglich miteinander zu tun?
Friederike die Hauptprotagonistin war mit auf Anhieb sympathisch. Sie ist sich für keine Arbeit zu schade. Obwohl oft nur ein Laufbursche hinterfragt sie für sich die Dinge und versucht Antworten zu bekommen. Dabei muss sie stark aufpassen, bei den Vorgesetzten nicht in Ungnade zu fallen.
Das Buch ist unterhaltsam und flüssig geschrieben. Ich konnte gut in die damalige Zeit eintauchen. Hunger, Wohnungsnot, Schwarzmarkt, kaum vorstellbar, was die Menschen damals durchmachen mussten.
Ich werde auf jeden Fall noch den ersten Band lesen.

27.02.2019 16:51:35
malin19

Hebt sich positiv von der breiten Masse ab :

Da ich vor kurzer Zeit schon den ersten Band dieser Reihe um Friederike Matthee gelesen habe, gelang mir der Einstieg sofort. Friederike Matthee von der weiblichen Polizei wird diesmal zu einem sehr abscheulichen Mord an einer ehemaligen Kollegin angefordert, sie soll die noch jugendliche Mörderin vernehmen. Obwohl im Anfang der Fall schon gelöst scheint, kommen Friederike schon bald Zweifel. Ihre Befugnisse reichen aber nicht sehr weit und sie ermittelt heimlich alleine weiter. So richtig Fahrt nimmt die Geschichte auf, als Lieutenant Richard Davies wieder nach Deutschland zurückkehrt , um den Mord an einer jungen Fliegercrew aufzuklären.
Ich finde Beate Sauer konnte sich im zweiten Band noch steigern . Die Story ist fesselnd und glaubwürdig gestaltet, die einzelnen Personen gut ausgearbeitet. Besonders Friederike macht so langsam eine Wandlung durch, sie wird schon selbstbewusster und gewinnt immer mehr Gutes ihrer Arbeit ab. Es gab einige überraschende Wendungen und einen Storyverlauf , mit dem ich nicht gerechnet habe. Es beschönigt nichts, und zeigt auf, wie mit unangepassten Kindern und vor weiblichen Jugendlichen umgegangen wurde. Die Schilderung der Nachkriegszeit ist wieder sehr gelungen und authentisch. Positiv aufgefallen ist mit auch das Personenverzeichnis am Ende des Buches und Erklärungen zur damaligen Zeit. Von mir aus kann es noch einige Bände mit Friederike Matthee geben, sie hebt sich für mich von der breiten Masse der Ermittlerinnen ab.

23.02.2019 16:15:46
Büchermaulwurf

Bewegender Nachkriegskrimi
Beate Sauer ist es wunderbar gelungen, einen spannenden Kriminalfall mit der sehr schwierigen und entbehrungsreichen Nachkriegszeit zu verbinden.
Es ist bereits der zweite Fall für Friederike Matthée, die Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei in Köln ist. Diesmal wird sie zum Mord an einer wohlhabenden Gutsbesitzerin, die früher ebenfalls bei der Weiblichen Polizei war, hinzugezogen. Sie soll die junge Frau, die als Täterin verdächtigt wird, verhören. Da sie nicht an deren Schuld glauben kann, beginnt sie eigenmächtig zu ermitteln. Gleichzeitig werden die verscharrten Leichen von drei im Krieg verschollenen britischen Soldaten gefunden. Richard Davies von der Royal Military Police kehrt deswegen zurück nach Köln und fordert wieder Friederike für seine Ermittlungen an. Schon bald stellen sie fest, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt.

Obwohl ich den ersten Band nicht kenne, gelang mir der Einstieg ins Buch mühelos, denn es gab im Verlauf genügend eingestreute Hinweise auf die Vergangenheit der Protagonisten und die Steckbriefe in der Umschlagklappe waren auch sehr hilfreich.
Schauplatz der Geschichte ist das zerbombte Köln und das Bergische Land, das im Sommer 1947 von einer Hitzewelle geplagt wird. Der Autorin ist es durch ihren bildreichen Erzählstil sehr gut gelungen, die damalige Zeit lebendig werden zu lassen. Man fühlt förmlich die Hitze, spürt den Staub und riecht den Brandgeruch. Die Stadt ist vom Krieg noch schwer gezeichnet, der Hunger allgegenwärtig und Lebensmittel rationiert. Schlange stehen nach Lebensmitteln und Schwarzmarktgeschäfte gehören zum Alltag, ebenso wie Mangel an Wohnraum. Beate Sauer hat den historischen Hintergrund sehr anschaulich und atmosphärisch in die Handlung einfließen lassen.

In Friederike konnte ich mich sehr gut hineinversetzen. Sie ist sensibel und mitfühlend, aber auch sehr hartnäckig bei ihren Ermittlungen. Sie überschreitet ihre Kompetenzen, um die Wahrheit herauszufinden und Franziska, die sie für unschuldig hält, zu entlasten. Außerdem fühlt sie sich sehr zu Richard hingezogen. Die Beziehung zwischen den beiden trug auch zur Spannung bei.
Der Charakter von Richard ist auch sehr tiefgründig angelegt und ich konnte seine innere Zerrissenheit gut nachvollziehen. Er fühlt sich hin und hergerissen zwischen seiner Herkunft und seiner Liebe zu Friederike, einer Deutschen.
Sehr berührt haben mich auch die Nebenfiguren Franziska, die junge Frau, die während der Naziherrschaft als „Asoziale“ in ein polizeiliches Jugendschutzlager gesteckt wurde, in dem furchtbare Zustände herrschten. Ebenso ihr kleiner Schützling Elli, eine Waise, die auf der Flucht furchtbares erlebt hat. Die geschilderten Zustände in dem Lager sowie in einem Waisenhaus zur Nachkriegszeit haben mich sehr erschüttert.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen, insbesondere die Einbettung des Kriminalfalls in den historischen Hintergrund. Der Fall war spannend und lies Platz für eigene Spekulationen. Erst gegen Ende des Buches wurde klar, wer der wahre Täter ist. Abgerundet wurde das Ganze durch ein Nachwort der Autorin, in dem es noch einige Hintergrundinformationen gibt und in dem sie beschreibt, welche Ereignissse real sind und welche fiktiv. Das überaus passende Cover mit den Kindern, die auf Trümmern spielen, rundet das Lesevergnügen ab. Ich kann das Buch jedem Krimifan nur ans Herz legen und vergebe die volle Punktzahl.
Den ersten Band werde ich auf jeden Fall noch nachholen!

23.02.2019 13:28:30
jusch

Fast ein Jahr ist Friederike Mathée nun bei der Weiblichen Kriminalpolizei, die für Kinder und Jugendliche, sowie weibliche Straftäter zuständig ist. In diesen heißen Sommer 1947 wird sie zu einer Mordermittlung ins Bergische Land geschickt. Die beliebte Gutsbesitzerin Ilse Rödel wurde ermordet aufgefunden. Es gibt bereits eine Tatverdächtige, diese bestreitet aber die Tat.
Eine schwierige Ermittlung beginnt für Friederike, denn sie möchte mehr über Franziska Wagners Vergangenheit wissen. Dabei ermittelt sie des öfteren alleine, obwohl für die meisten Ermittler die Täterin schon feststeht. Schnell findet sie eine Verbindung zwischen Ilse Rödel und Franziska und erfährt wie mit den sogenannten „Asozialen“ in der NS-Zeit umgegangen wurde.

Durch den Fund dreier Skelette kommt auch wieder Richard Davies von der RMP ins Spiel, denn es handelt sich um eine vermisste englische Flugzeugbesatzung und diese wurde ermordet. Richard fordert Friederike an und beide ergänzen sich nicht nur bei der Ermittlung ihrer Fälle.

Zwei Jahre nach Kriegsende ist von Normalisierung noch wenig zu spüren. Die Besatzungsmacht wird misstrauisch beobachtet, es gibt noch Nahrungsmittelrationierungen und man bemerkt die unterschiedlichen Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land. In den Ruinen lebende Kinder und Jugendliche ohne Angehörige, die zum Teil schwer traumatisiert sind und wie der Umgang mit ihnen ist, wird von der Autorin emotional geschildert.

Nicht nur die Mordermittlungen stehen im Mittelpunkt, sondern auch die Schicksale der einzelnen Protagonisten. Thematisiert wird: wie gehe ich mit meinen Handeln in der Vergangenheit um, erkenne ich die Schuld oder verdränge ich das Geschehen. Friederike gerät hier in einen sehr persönlichen Gewissenskonflikt.

Der Roman lässt sich flüssig lesen und ist spannend , da lange Zeit offen ist, wer hinter den Taten steckt. Es kommt zu diversen Wendungen . Zum Schluss hätte man gerne mehr über Elli und Hans erfahren, aber vielleicht folgt noch ein weiterer Band um Friederike und Richard.

Beate Sauer hat mit diesem zweiten Band wieder einen beeindruckenden Roman über die Nachkriegszeit geschrieben.

Ein Personenregister, sowie Literaturverzeichnis und das Nachwort, aber die WKP 1920 gegründet auf Anraten der englischer Besatzer ?? , ergänzen den Roman.

20.02.2019 11:05:39
Milli0910

Das Cover des Buches erscheint in seinen Farben sehr schlicht und doch lässt es einen direkt an die Zeiten nach oder auch während des zweiten Weltkrieges in Deutschland denken.
Das Buch ist der zweite Teil (Vorgänger: Echo der Toten) rund um die Ermittlerin Friederike Matthée. Ich persönlich habe den ersten Teil nicht gekannt, was meiner Meinung nach jedoch kein Problem ist, da dieser losgelöst von seinem Vorgänger ist. Einzig, dass man die Verbindung zwischen Lieutenant Davies und ihr noch nicht kennt, ist ein Nachteil- wobei auch diese nicht schwer zu erkennen ist.
Der Inhalt:
Eine ehemalige Kollegin von Friederikes Vorgesetzten wird auf ihrem Gutshof im Bergischen Land erschossen. Hintergrund der Tat scheint die Aufgabe der Frau im Krieg gewesen zu sein: Sie war dafür verantwortlich, junge Mädchen an ein Schutzlager zu überbringen, wo diese misshandelt und größtenteils ermordet wurden. Verdächtigt für den Mord wird Franziska, eine überlebende des damaligen Schutzlagers und seiner Zeit die Magd der Gutsherrin. Als diese jedoch- trotz all der Anschuldigungen und scheinbar erdrückenden Beweislage- weiterhin ihre Unschuld beteuert, verlässt Friederike sich auf ihre Instinkte und ermittelt auf eigene Faust weiter. Im Zuge dieser Ermittlungen trifft sie, wiedermals, auf Lieutenant Davies, welcher für die britische Militärpolizei in einem anderen Fall ermittelt. Doch hängen diese beiden Fälle enger miteinander zusammen, als Davies und Friederike es sich wünschen würden?
Meine Meinung:
Erstaunlich, und zum Großteil für meine Begeisterung verantwortlich, finde ich, dass die Autorin es schafft, das Leben in Köln, als auch auf dem Land in den Nachkriegsjahren so anschaulich darzustellen. Man fühlt sich beinahe mitgenommen in diesem Strudel der Historie, kann sich die Schauplätze bildlich vorstellen und auch die Ansichten der verschiedenen Charaktere verstehen.
Auch den Konflikt zwischen “ich weiß von nichts” und “vielleicht steckt mein Umfeld doch mehr mit in all dem” von Friederike finde ich stilistisch, sowie sprachlich wunderbar greifbar und wird zu einer weiteren großen Stärke des Buches. Schlussendlich finde ich alle Charaktere so ausgearbeitet und charakterstark, dass es mich nicht wundern würde, wenn die Geschichte von einem Zeitzeugen erzählt und von der Autorin aufgeschrieben wurde.
Von mir eine definitive Leseempfehlung und alle Daumen nach oben!

14.02.2019 23:31:35
Oberchaot

Im extrem trockenen Hitzesommer 1947 wird die Gutsbesitzerin Ilse Röder brutal ermordet. Franziska, eine junge Frau, welche schon öfters straffällig geworden ist, steht mit der Waffe bei der getöteten Frau, als sie beobachtet wird. Schnell wird klar, dass sie die Mörderin sein muss. Friederike Matthée, die Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei, erfährt, dass Franziska einen schlechten Ruf hat, doch für eine Person ist Franziska sehr wichtig, nämlich für Elli, ein Waisenmädchen, das mit Franziska aufwachsen darf. Friederike versucht nun zu beweisen, dass nicht Franziska den Mord begangen hat. Zur gleichen Zeit soll Richard Davies, Lieutnant bei der Royal Military Police, wieder in Deutschland ermitteln, und zwar an einem Mord an drei englischen Soldaten, deren Flugzeug abgestürzt ist, und dessen Leichen man in der Erde verscharrt gefunden hat. Und so kommt es wieder, dass Friederike Matthée und Richard Davies zusammen ermitteln.
Dieses Buch ist, wie das erste von Beate Sauer, wunderbar zu lesen. Es erzählt eindrücklich vom harten Leben in einem zerstörten Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Was mir erneut positiv ins Auge gestochen ist: Hinten findet sich ein Personenverzeichnis und ein Nachwort. Genau in diesem erfährt man, was so statt gefunden hat und was fiktiv ist, und wie die Autorin auf ihre Ideen kam. Vieles ist ja erfunden, aber das Wetter war an jedem beschriebenen Tag genau so in der Wirklichkeit.
Natürlich passieren wieder sehr, wenn nicht zu viele, Zufälle und das wirkt neben den traurigen Szenen fast ein bisschen kitschig, aber das machen die Bücher um Friederike und Richard auch so liebenswert. Ich bin begeistert und hoffe, dass Friederikes schwierige Chefin, Gesine Langen, sie noch in mehreren Fällen ermitteln lassen wird.

03.02.2019 09:28:33
leseratte1310

Der Sommer 1947 ist sehr heiß, und Friederike Matthée ist nun schon fast ein Jahr bei der weiblichen Polizei von Köln. Sie wird zu einem Mordfall ins Bergischen Land geschickt, da man dort eine weibliche Tatverdächtige ausgemacht hat. Das Opfer ist die Gutsbesitzerin Ilse Rödel, die auch schon einmal bei der weiblichen Polizei gearbeitet hat. Die vermeintliche Täterin ist die junge Franziska Wagner, die aber die Tat leugnet. Doch sie wurde mit der Tatwaffe in der Hand neben dem Opfer aufgefunden. Außerdem hat sie ein starkes Motiv, denn die Rödel hat in das Frauenkonzentrationslager Uckermarck einweisen lassen, wo es Franziska Wagner sehr schlecht ergangen ist. Friederike ist die einzige, die Franziska für unschuldig hält. Daher ermittelt sie heimlich.
Auch Richard Davies von der britischen Military Police hat wieder in Köln zu tun, denn die Skelette einer vermissten englischen Flugzeugbesatzung tauchen auf und es stellt sich heraus, dass sie ermordet wurden. Richard fordert Friederike zur Unterstützung bei den Ermittlungen an.
Dieses Buch ist nach „Echo der Toten“ der zweite Band der Reihe. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und die Geschichte interessant und spannend.
Für Friederike geht es langsam aufwärts. Es fehlt ihr immer noch ein wenig an Durchsetzungsvermögen, was sie aber durch Beharrlichkeit wieder wettmacht, wie in diesem Fall. Sie hat etwas gegen Ungerechtigkeit und schon deshalb mag ich sie. Ihre Befugnisse als weibliche Polizistin sind sehr eingeschränkt. Mit Richard tue ich mich etwas schwer, aber er ist auch nicht unsympathisch. Die Dämonen der Vergangenheit haben ihn immer noch im Griff, aber im Laufe der Geschichte macht er eine Entwicklung durch und kann sein Leben wieder in den Griff bekommen. Er arbeitet nun wieder mit Friederike zusammen. Sie sind ein gutes Team und fühlen sich zueinander hingezogen. Aber auch die anderen Charaktere sind sehr gut und authentisch beschrieben.
Der Fokus liegt nicht unbedingt auf der Ermittlungsarbeit, denn genauso wichtig sind die Umstände, die die Zeit mit sich bringt. Die Nachwirkungen des Krieges sind immer noch zu spüren. Der Autorin ist es gut gelungen, diese schwierige Zeit einzufangen. Die Städte sind noch immer Trümmerfelder und die Wohnungsnot ist groß. Aber auch die Versorgung der Menschen ist schwierig und viele sind traumatisiert nach dem, was sie erlebt haben.
Ein interessantes und spannendes Buch.

28.01.2019 16:51:53
Miss Marple

Friederickes 2. Runde

In Jahresfrist legt die Autorin nun den zweiten Band um die junge Polizeibeamtin Friedericke Matthée und den britischen Lieutenant Davies von der Royal Military Police vor.
Trennten sich am Ende des ersten Bandes ihre Wege- Davies zog es zurück nach England- hilft Friedericke nun einige Monate später im sehr heißen Sommer 1947, den Mord an einer Gutsbesitzerin aufzuklären, die früher eine Kollegin in der Weiblichen Polizei war. Am Tatort wurde ein junges Mädchen aufgegriffen, mit einer Pistole in der Hand, was sie schnell zur Täterin abstempelt, zumal alsbald herauskommt, dass sie vom Opfer während des Krieges in ein Jugendschutzlager eingewiesen wurde. Ihr Motiv scheint auf der Hand zu liegen. Doch Friedericke kann das nicht glauben und beginnt auf ihre gewohnte Weise, alles hinterfragen zu müssen, auch mit eigenen Nachforschungen. Dieser Fall soll sich als ein sehr persönlicher für sie herausstellen. Als auch noch die Leichen dreier vermisster britischer Soldaten gefunden werden, verknüpfen sich die Fälle und Davies als Militärpolizist nimmt wieder seine Tätigkeit in Köln auf.
Zwei Jahre nach dem II. Weltkrieg liegt Deutschland immer noch in Schutt und Trümmern. Die Versorgungssituation ist katastrophal, Lebensmittelkarte, Anstehen nach Essen, Schwarzmarkgeschäfte kennzeichnen das Leben der Menschen. Der Autorin gelingt es gut, eingebettet in die Kriminalgeschichten, diese Situation vor den Augen des Lesers aufleben zu lassen. Sie zeichnet mit den beiden Ermittlern sympathische Figuren, die durch die Kriegserlebnisse selbst schwer gekennzeichnet sind und nun versuchen, einen Weg in ein neues Leben zu finden. Die Kenntnis des ersten Bandes sei angeraten, um vor allem wichtige Informationen zum persönlichen Hintergrund der Hauptfiguren zu erfahren.

27.01.2019 12:10:45
Ilmo

Im zweiten Band der Reihe der Kriminalfälle um die junge Polizistin Friederike Mathée darf sie wieder gemeinsam mit dem englischen Offizier Richard Davies ermitteln. Die Schauplätze befinden sich erneut in der Region um Köln, Düsseldorf und dem Bergischen Land. Diesmal kommt das Geschehen sehr nah an die beiden Hauptpersonen heran und reicht bis in die eigene Familie. Die Autorin schildert das Leben des Sommers 1947 sehr lebendig, so dass man einen guten Eindruck von den damaligen Verhältnissen erhält. Die Nachwirkungen des Krieges sind noch zu spüren. Im aktuellen Fall geht es sehr grausam zu, andere Taten liegen in der Kriegszeit. Das Leid von jugendlichen Schutzbefohlen in den staatliche Einrichtungen wird ebenfalls sehr anschaulich dargestellt.
Das Buch wird zum Ende hin immer spannender, der gut lesbare Stil der Autorin tut ein übriges dazu, das man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Außerdem ist ihr ein treffendess Zeitporträt mit diesem interessanten Fall gelungen.