Die Ratten von Perth

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Camberwell: Viking, 2010, Titel: 'Line of sight', Seiten: 272, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2017, Seiten: 297, Übersetzt: Sven Koch

Couch-Wertung:

85°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

2 x 91°-100°
2 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:91
V:4
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":1,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":0,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":0}
Jörg Kijanski
Furioser hardboiled Krimi aus der einsamsten Großstadt der Welt

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2018

November 1975, Perth, West-Australien. Sechs Monate ist es her, dass die Bordellchefin Ruby Devine mit vier Kopfschüssen getötet wurde. Es gibt keinen Zweifel, wer dahinter steckt: die Polizei.

"Den Täter kriegen die nie. Diese Schweine wissen doch genau, wie's geht. Zuschlagen, ohne das hinterher was zu sehen ist."
"Irgendwen kassieren sie schon. Drauf kannst du einen lassen. Ist halt nur nicht der, der's war."

So beginnt der fulminante Auftakt der Swann-Trilogie, in dessen Mittelpunkt der inzwischen beurlaubte Superintendent Frank Swann. Dieser steht vor einer Royal Commission, die die Rolle der Polizei zur Durchsetzung des "Gesetzes zur Regelung der Prostitution" beleuchten soll.

Swann selber hatte den Fall ins Rollen gebracht, indem er sich gegen seine Kollegen stellte und diesen Korruption vorwarf. Seit langer Zeit ist gewiss, dass die Polizisten einen Purple Circle betreiben, dessen Aufgabe darin besteht, die Bosse des organisierten Verbrechens zu schützen; selbstredend gegen eine ansprechende Vergütung.

"Warum ist das, was wir gesehen haben, denn so wichtig?"
"Weil die anderen Zeugen alle ihre Meinung geändert haben, nachdem die Polizei mit ihnen gesprochen hat."

Doch die Probleme von Swann sind viel größer, denn seit Monaten ist seine Tochter Louise verschwunden. Zudem belasten eine Affäre mit einer Ex-Kollegin und zahlreiche Gerüchte über seine Labilität und Unzuverlässigkeit den Prozess. Ausgerechnet sein ehemaliger Partner Detective Inspector Donald Casey ist sein größter Gegenspieler, dessen Skrupellosigkeit und Habgier keine Grenzen kennen.

Richter Harold Partridge, der die Royal Commission leitet, ist eigentlich schon im Ruhestand. Er stammt nicht aus West-Australien, sondern - zum Glück für Swann - aus Melbourne und gerät in ein grandioses Wespennest. Sehr schnell signalisiert ihm - allen voran - der Premierminister wie das Ergebnis seiner Untersuchung auszusehen hat. Derweil ist ein Auftragskiller unterwegs, dessen Job es ist, einen Polizisten auszuschalten...

Den Namen Whish-Wilson sollte man sich merken

Perth ist weit weg von der nächsten großen Stadt; rund 3000 Kilometer. Somit steht einer eigenen Gesetzgebung nichts im Wege. Die Stadt boomt und alle wollen daran verdienen; jedenfalls die Einflussreichen und Mächtigen, so dass es kaum verwundert, dass die Korruption bis in die höchsten Ämter führt. Fünfstellige Beträge müssen schon gezahlt werden, damit der Polizeiminister einer neuen Unternehmungsgründung nicht im Weg steht.

Da hält auch gerne die Polizei die Hand auf, zumal es eine neue Einnahmequelle gibt. Heroin aus Kuala Lumpur wird in Perth zum Vielfachen des Einkaufspreises verkauft, die gefährlichen Kurierdienste übernehmen nicht selten junge Prostituierte, deren mögliches Ableben niemand interessiert.

"Anders als unsere Politiker sind Huren wenigstens keine Heuchler."
"Hab dich noch nie mit einem Moralischen erlebt."
"Hast mich heute an einem schlechten Tag erwischt."

David Whish-Wilson zeichnet in diesem Noir der Extraklasse ein sehr detailliertes Bild von Perth, Mitte der 1970er Jahre. Die musikalischen Stars sind neben anderen Queen und AC/DC, eine Prostituierte schwärmt leidenschaftlich von Bon Scott. Die Polizei nimmt derweil das Gesetz selbst in die Hand. Wer nicht spurt, also zahlt, hat Probleme, oftmals tödliche.

So geht selbst der Protagonist davon aus, dass er nach Ende der Royal Commission ermordet wird, doch zuvor gilt es noch den Fall Ruby Devine, dem übrigens ein wahrer (ungelöster) Fall als Grundlage dient, aufzuklären; ebenso wie den Verbleib von Louise.

Swann und Partridge werden ausführlich dargestellt. Mit beiden Figuren fiebert man mit, wobei es bis zum - vielleicht überraschenden - Finale zu mehreren Todesfällen und weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt. Nein, in dieser Stadt möchte man (1975) nicht leben, aber dennoch - oder gerade deswegen - die Fortsetzung der Trilogie ("Die Gruben von Perth") auf keinen Fall verpassen.

Der in diesem Jahr verstorbene Peter Temple und der großartige Gary Disher galten bislang als die führenden Krimistars Australiens. Mit Autorinnen wie Candice Fox (Crimson-Lake-Reihe) und Jane Harper (Aaron-Falk-Reihe) sowie deren Kollegen Alan Carter (Philip-"Cato"-Kwong-Reihe) oder eben auch David Whish-Wilson gibt es nun ordentlich Konkurrenz. Von wegen "down under".

Die Ratten von Perth

Die Ratten von Perth

Deine Meinung zu »Die Ratten von Perth«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
16.03.2020 10:53:10
Gwyn

»Die Stufen knarrten unter seinen Schritten, der Lärm in dem schmalen, mit einer Blumentapete ausgekleideten Treppenhaus war erstaunlich. Doch noch erstaunlicher fand er die Leichtigkeit, mit der er immer weiter hinaufstieg, so als würde im Gehen alles Schwere aus seinem Körper verschwinden, ihm wie Sand aus den Taschen rieseln.«

Wie befinden uns in den 70-gern, Perth, Australien, die Stadt ist von Korruption verfilzt. Die Besitzerin eines Luxusbordells wird ermordet. Für Superintendent Frank Swann liegt es auf der Hand: Wer nicht spurt, stirbt, Polizei und Verbrechen arbeiten Hand in Hand, jeder hält die Hand weit auf, ist bereit auch zuzudrücken. Swann, der letzte gerechte Bulle … Er wird vor Gericht demontiert, gibt nicht auf, und offen wird er damit konfrontiert, dass eine Lösegeldsumme auf seinen Kopf ausgeschrieben ist, ein Profikiller auf ihn angesetzt ist. Niemand gibt mehr einen Penny auf sein Leben.

Swanns Tochter verschwindet. Haben Kriminelle sie entführt oder ist die Jugendliche mal wieder schlicht abgehauen? Und was ist mit dem alten Richter los, der dem Untersuchungsausschuss vorsteht? Ist auch er geschmiert? Wem kann man trauen? Niemandem.

»… und Ihre Geschichte über den Polizeiminister scheint zu stimmen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass er Geld nimmt. Außerdem hat er ein paar ungewöhnliche Gewinne bei Pferderennen gemacht. Dauernd hör ich, dass es hier zugeht wie im Wilden Westen. Er ist aber nicht der Einzige. Haben Sie etwas zu schreiben?«

Ein wundervoller Noir-Krimi, nichts für oberflächliche Leser. Es geht langsam vorwärts im Sumpf. Perth liegt mitten in der Wüste, der Sumpf in der Wüste, am Swann-River, der hier fast ein kleines Meer bildet. David Whish-Wilson beschreibt seine Stadt unsagbar klar, detailliert, wie die darin lebenden Menschen. Seine Erzählkraft ist die Spannung des Buchs. Es gibt ziemlich vielen Protagonisten, die er mit ihren Eingenarten alle zu fassen bekommt. Ein Krimi, bei dem man aufpassen muss, um nicht die Übersicht zu verlieren, den man Dank der Tiefe nicht aus der Hand legen mag. Sehen, riechen, hören, spüren, man fühlt sogar die Wellen auf der Haut, sieht das Licht … Eine Empfehlung für einen literarisch hochwertigen Krimi.

Film & Kino
Knives Out

Bestsellerautor Harlan Thrombey feiert mit seiner Großfamilie, der Haushälterin und seiner jungen, hochgeschätzten Pflegerin Marta Cabrera, seinen fünfundachtzigsten Geburtstag im eigenen luxuriösen Herrschaftshaus. Jeder der anwesenden Verwandten bekommt an diesem Abend eine gut gemeinte, aber existentiell bedrohliche Abfuhr mit auf den Weg. Der Beginn einer unruhigen Nacht, an deren Ende der Hausherr tot aufgefunden wird. Titel-Motiv: © MRC II Distribution Company L.P.

zur Film-Kritik