In deinem Namen

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Dutton, 2017, Titel: 'Don't let go', Seiten: 351, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2018, Seiten: 420, Übersetzt: Gunnar Kwisinksi

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Sabine Bongenberg
Ein cooler Held, der die Welt retten will

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jan 2019

Das verlorene „Früher“

Es ist eine mehr oder weniger bekannte Tatsache, dass der Pinsel der Erinnerung immerzu golden malt. Ob es danach also eine gute Idee ist, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu vergleichen und zu behaupten, dass doch früher sowieso alles besser war, ist zumindest fraglich. Dennoch gibt es nachvollziehbare Gründe für die Unfähigkeit, sich nicht aus der Vergangenheit lösen zu können.

Wer unvermittelt aus einer glücklichen Zeit mit einem harmonischen Familien- und Freundeskreis herauskatapultiert wurde, der tut sich möglicherweise nach diesen traumatischen Erfahrungen sehr schwer damit, in die Zukunft zu sehen und das neue Leben anzunehmen. Der verliert sich möglicherweise in seiner Trauer – auch wenn er vordergründig funktioniert.

Wenn die Welt urplötzlich zerbricht

Für Napoleon Dumas hat die Zukunft mit dem tragischen Tod seines Zwillingsbruders und dem gleichzeitigen Verschwinden seiner Jugendliebe Maura aufgehört zu existieren. Alles zerbrach, sein zweites Ich, seine zweite Hälfte – wen wundert es, dass er nicht nach vorne schauen kann und immer noch in Dialogen mit seinem Bruder gefangen ist. Dennoch ist es nicht so, dass er nicht sein Leben meistert.

Hier aber sieht er es als seine Aufgabe, Katastrophen zu verhindern. Es überrascht daher nicht, dass er Polizist geworden ist – wenn er auch das Gesetz nach eigenen Maßstäben auslegt – verwundern muss auch nicht, dass er wildfremde Menschen, die rauchend an der Ecke stehen, ihrer Gesundheit zuliebe bittet damit aufzuhören. Ein Psychologe braucht man hier nicht zu sein – Nap konnte seine Familie nicht retten – jetzt macht er das bei Anderen.

Dennoch muss er sich mit der Vergangenheit und dem tragischen Abend erneut auseinandersetzen, als die Fingerabdrücke seiner damaligen Freundin in einem brandaktuellen Mordfall wieder auftauchen. Hin- und hergerissen zwischen der aufflammenden Hoffnung, Maura wieder zu sehen, und der stetig wachsenden Erkenntnis, dass der Freundeskreis seines Bruders mehr als ein „Rätselclub“ war, der möglicherweise auch jetzt noch seine Mitglieder in Gefahr bringt.

Ein Held ohne Rüschen und Lametta

Harlan Coben schildert das Leben und die Ermittlungen seines Helden Nap Dumas in einer Sprache, die an den Stil des berühmten Privatdetektivs Philipp Marlowe erinnern. Erzählt wird in der Gegenwart, Schnörkel oder Rüschen sind nicht seine Sache, Geradlinigkeit und Unbestechlichkeit dagegen schon und somit vermittelt der Ich-Erzähler seine eigene entspannte Coolness. Im ruhigen Tempo entspinnt sich daher die Geschichte, die sich nicht nur die Tragödie der Vergangenheit widmet, sondern auch schildert, wie Verleumdungen im Internet ein Leben zerstören können.

Coben führt seine Leser geschickt auf unterschiedliche Spuren: Was hatte es mit der alten Raketen-Basis auf sich? Ist es ein Zufall, dass alle Mitglieder eines Jugendclubs, der sich mit unerklärlichen Vorkommnissen auf der Basis befasste, verstarben – und zwar nicht friedlich in ihren Betten? Mit der Aufklärung aller Rätsel behält der Autor seinen ruhigen und geradlinigen Stil bei, wenn auch angemerkt werden kann, dass man die Urheberin oder den Urheber der Todesfälle recht zeitig erahnen kann.

Aber immerhin – erahnen ist nicht wissen. Als Fazit bleibt, dass auch dem Pinsel der Erinnerung im Licht neuer Erkenntnisse manchmal die goldene Farbe ausgeht – aber dass das auch im Angesicht der Gegenwart und der Zukunft, die auch zu leben ist, auch eine gute Sache sein kann.

In deinem Namen

In deinem Namen

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Letzte Kommentare:
29.07.2018 12:27:13
Oldman

Der neue Coben, schnell zugegriffen, schnell gelesen. Mittlerweile kann ich schon gar nicht mehr genau sagen, warum ich diese Stories so gut finde. Eigentlich passiert gar nicht so viel, auch diese Geschichte spielt sich in einer ruhigen Gegend an wenigen Tagen ab. Man wird aber auf subtile Weise in sie hineingezogen, weil man unbedingt wissen will, was tatsächlich geschehen ist. Und die Meisterschaft Cobens besteht darin, dass alle Geheimnisse tatsächlich aufgelöst werden, dabei nehmen die letzten 40 - 50 Seiten an Fahrt auf, und darin kann sich der Leser noch auf einige überraschende Wendungen freuen. Kurz und gut, auch dieser Coben hält wieder das gewohnte Niveau, sein Stil ist einfach mit anderen Autoren kaum vergleichbar, mögen ihm noch lange die Ideen für solche Plots nicht ausgehen.

18.06.2018 14:11:29
Krimisofa.com

Harlan Coben nimmt in der Liste meiner Lieblingsautoren mittlerweile eine besondere Rolle ein. Früher habe ich ihn jahrelang ignoriert, wenn ich ein Buch von ihm nicht prickelnd fand. Heute warte ich sehnsüchtig auf sein neuestes., auch wenn ich sein letztes nicht so gut fand. Coben hat seinen eigenen Stil und immer ein ähnliches Thema, das das Fundament seiner Bücher bilden. Er hat eine ruhige Erzählweise und die Bücher haben nie martialische Titel, weil in seinen Büchern selten Blut fließt. Für sein aktuelles Werk müsste man eigentlich zwei verschiedene Bewertungen für zwei verschiedene Lesegruppen abgeben - aber dazu weiter unten mehr. Sehen wir uns zunächst die Geschichte näher an.

Napoleon Dumas hat, wie man am Vornamen erkennen kann, französische Wurzeln. Sein Vater starb an Lungenkrebs, was ihn einerseits zum Raucher werden ließ und andererseits zum Missionar, denn er sagt jedem, den er rauchend sieht, dass er damit aufhören soll. Das ist nicht konsequent, aber selbstlos. Nap, wie er von allen genannt wird, ist vor fünfzehn Jahren der Boden unter den Füßen weggezogen worden – einerseits starb sein Zwillingsbruder und bester Freund Leo und andererseits verschwand seine Freundin Maura. Als einzige Menschen, die ihm was bedeuten, blieben seine beste Freundin Ellie und sein Mentor Augie. Naps Charakter wirkt deprimiert, so als hätte er keinen Spaß im Leben, aber dadurch, dass wir im Buch nur ein paar Tage mit ihm verbringen, wissen wir nicht, ob dem wirklich so ist. Jedenfalls ist er Gerechtigkeitsfanatiker, der auch vor Selbstjustiz nicht zurückschreckt, wie man bereits im ersten Kapitel sieht, wo er einen Typen mit einem Baseballschläger traktiert. Das ist auch so ziemlich das einzige Mal in dem Buch, wo Nap Emotionen zeigt.

Wie oben geschrieben, müssten in dieser Rezension zwei verschiedene Bewertungen her - eine für jene Leute, die „In ewiger Schuld“ - Cobens Buch, das 2017 erschien - gelesen, und jene, die es nicht gelesen haben. Ich fand „In ewiger Schuld“ großartig, aber „In deinem Namen“ weist leider einige Parallelen mit dem Vorgänger auf. Wenn man „In ewiger Schuld" gelesen hat - und das habe ich -, fällt die Bewertung deshalb, auch wenn es schwer fällt, eher mittelprächtig aus,. Denn es wirkt, als hätte Coben „In ewiger Schuld“ genommen, ein paar Namen ausgetauscht, die Handlung etwas abgeändert und ein anderes Ende genommen. Der Hauptcharakter ist meiner Meinung nach nahezu exakt der selbe wie in „In ewiger Schuld", nur dass er ein Mann ist und Napoleon statt Maya heißt. Okay, und er ist Cop statt Pilotin, aber das ist völlig sekundär, weil er der Spur von Maura ohnehin inoffiziell nachgeht.

Eines ist noch anders: es gibt den Conspiracy Club, dem sein Bruder, Maura, der oben in der Einleitung erwähnte Rex und noch ein paar andere damals in der High School angehörten. Dieser ging dem Geheimnis der Nike-Raketenbasis nach, die hinter der Schule im Wald steht und nichts mit Turnschuhen zu tun hat. Aber auch „In ewiger Schuld“ hatte eine sehr ausgeprägte militärpolitische Komponente, nur dass ihr Coben diesmal einen persönlichen Anstrich verpasst hat, wie man es dem Vorwort entnehmen kann.

Die Geschichte ist an Naps toten Zwillingsbruder gerichtet, der Leser nimmt also gewissermaßen Leos Rolle ein, was ich dann doch ziemlich genial finde. Auch den trockenen Humor, den Napoleon hat und der immer wieder aufblitzt, finde ich großartig. Es gibt weit weniger Dialoge wie in manch anderen Coben-Büchern, was die Handlung zeitweise etwas langatmig macht. Aber ab zirka der Hälfte zieht die Geschichte an Tempo an und am Ende erwartet uns ein ruhiger und sachlicher Showdown, wobei ich mich am Ende gefragt habe, ob es nun ein Happy End ist oder nicht. Ich konnte diese Frage bis heute nicht beantworten, was dann doch wieder etwas Positives ist, weil man länger über das Buch nachdenkt. Alles in allem lässt mich das Buch dennoch mit gemischten Gefühlen zurück. Vielleicht habe ich auch irgendetwas übersehen und „In ewiger Schuld" und „In deinem Namen" hängen sogar über fünf Ecken zusammen, aber irgendwie glaube ich das nicht. Für sich betrachtet hat das Buch eine kohärente, gut konstruierte Geschichte mit einer düsteren bis depressiven Stimmung. Die offensichtlichen Parallelen mit „In ewiger Schuld" hinterlassen aber einen faden Beigeschmack. Werde ich deshalb jetzt aufhören, Coben zu lesen? Nope. Werde ich dem nächsten Coben wieder entgegenfiebern? Aber hallo!

Tl;dr: „In deinem Namen“ von Harlan Coben hinterlässt mich mit gemischten Gefühlen und müsste eigentlich mit zwei verschiedenen Bewertungen rezensiert werden. Das Buch hat einiges von seinem Vorgänger „In ewiger Schuld“, aber in abgewandelter Form und mit anderem Ausgang.