Mörderwald

  • Klett-Cotta
  • Erschienen: Januar 2002
  • Barcelona: Alba, 1999, Titel: 'El interior del bosque', Originalsprache
  • Stuttgart: Klett-Cotta, 2002, Seiten: 415, Übersetzt: Svenja Becker
  • München: dtv, 2004, Seiten: 366, Bemerkung: ungekürzte Taschenbuchausgabe
Mörderwald
Mörderwald
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Wolfgang Reuter
90°

Krimi-Couch Rezension von Wolfgang Reuter Mai 2003

Literarisch absolut hochwertig, wunderbar zu lesen

"Mörderwald" - ein Titel wie aus einem Märchen. Der Wald als Hintergrund für diesen spanischen Krimi, im Nationalpark Paternoster.

 

" ... und vielleicht bewahrt der Wald deshalb seine Einsamkeit und sein Mysterium, weil er wie ein blutrünstiger alter Gott von Zeit zu Zeit seinen Blutzoll fordert.
Hin und wieder ein Toter, das ist der Tribut, der ihm zu zahlen ist, damit die Kinder weiter von ihm träumen können als dem Ort, an dem die Ungeheuer hausen."

 

Der Wald als Opfer des Menschen, die Flora zertrampelt durch Touristenströme, die Fauna geschlachtet von profitgierigen Jägern. Doch hinter der romantischen Kulisse lauert der Tod, das Entsetzen. Aus der Treibjagd auf Hirsche wird eine Menschenjagd, das Jägerlatein verstummt, Angst breitet sich aus.

Eine junge Frau wird im Wald grausam ermordet, ihr Lebensgefährte beauftragt den Privatdetektiven Ricardo Cupido mit der Aufklärung des Falles. Der durchleuchtet das Umfeld der Frau, Anwälte, Künstler, Bauern, auf die die Tote eine starke Faszination ausgeübt hat.

Da geschieht ein zweiter Mord, das Opfer hatte keinerlei Verbindung zum ersten Fall. Und Cupido muss davon ausgehen, dass es sich um einen wahnsinnigen Serienmörder handelt.

Ein dritter Mord macht die Verwirrung perfekt, aber Ricardo Cupido kann in seiner ruhigen, intuitiven, überlegten Art, niemals aufzugeben und der kleinsten Spur zu folgen, den Fall schließlich aufklären...

Eugenio Fuentes ist ein spanischer Autor der jüngeren Generation, der seinen Krimi von der Struktur her eher konservativ angeht, in Form eines typischen "Whodunnit", mit eingehender Beschreibung aller Beteiligten, die naturgemäß allesamt verdächtig sind, und einem Schlussresumeé mit der Auflösung.

Das Besondere aber ist seine Sprache, literarisch absolut hochwertig, wunderbar zu lesen, mit einem Hang zur Poesie einerseits, aber auch der Fähigkeit, das Schreckliche mit einer eiskalten Distanz und einer brutalen Genauigkeit zu schildern. Diesbezüglich dürfen sich zarter besaitete Gemüter vom Anfang nicht abschrecken lassen, es lohnt sich, bis zum Schluss zu lesen.

Fuentes entwickelt seine Figuren mit einem bemerkenswerten psychologischen Einfühlungsvermögen, ganz natürlich und lebendig, er legt seine Spuren und versteht es, bis zum Schluss die Spannung aufrecht zu halten. Er bleibt nie an der Oberfläche, manches ist sehr eindringlich und tiefgehend erzählt, wie etwa das Schicksal der alten Dona Viktoria.

Ricardo Cupido ist als Ermittler eine recht interessante Figur, mit kleinkrimineller Vergangenheit, Hang zum schönen Geschlecht und zum einsamen Wolf. Ein genauer Beobachter und unbestechlicher Analytiker.

Fazit: Ein sehr guter, spannender, sprachlich absolut hochwertiger Krimi aus Spanien.

Mörderwald

Eugenio Fuentes, Klett-Cotta

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