Blindes Eis

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Reykjavík: Veröld, 2012, Titel: 'Rof', Seiten: 308, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2017, Seiten: 336, Übersetzt: Helga Augustin

Couch-Wertung:

70°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
1 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
1 x 21°-30°
0 x 11°-20°
3 x 1°-10°
B:44.857142857143
V:6
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":1,"9":0,"10":2,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":1,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":1,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":1}
Jörg Kijanski
Alte und neue Verbrechen wollen aufgeklärt werden

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2017

Siglufjörður steht unter Quarantäne, ein Ebola-Virus hält die isländische Kleinstadt in Atem. Da das öffentliche Leben nicht mehr stattfindet, hat Dorfpolizist Ari Pór Arason viel Zeit, um sich mit einem rätselhaften Fall zu beschäftigen. Mitte der 1950er Jahre bewohnten zwei Ehepaare und ein Kleinkind ein altes Bauernhaus in Héðinsfjörður, welches damals von jeglicher Zivilisation abgeschnitten war.

Nur über einen beschwerlichen Bergpass war das Gebiet fußläufig erreichbar, Strom und Telefon gab es nicht. Im März 1957 ereignete sich dann ein Drama, bei dem eine der beiden Frauen ums Leben kam.

Angeblich ein Unfall, da sie sich versehentlich Rattengift in den Kaffee schüttete statt des Zuckers, der in einer ähnlichen Dose aufbewahrt wurde. Der damals acht Monate alte Hedinn bittet nun Ari Pór, den Vorfall nochmals zu untersuchen, da ein Foto aufgetaucht ist, auf dem eine weitere, ihm völlig unbekannte Person zu sehen ist.

"Ein Kind? Willst du damit sagen, ein kleines Kind ist verschwunden?"
"Richtig."
"O Gott, das ist ja unglaublich! In Island entführt doch niemand ein Kind..."

In Reykjavik beschäftigt sich derweil die Fernsehjournalistin Irsun mit einer Kindesentführung und einem Unfall mit Fahrerflucht. Snorri Ellertsson wurde überfahren und verstarb noch an der Unfallstelle. Snorris Vater stand einst kurz davor Premierminister zu werden, bevor er sich überraschend aus der Politik zurückzog, und sein Stellvertreter Marteinn Helgason, einst der beste Freund von Snorri, Regierungschef wurde.

Abwechslungs- und temporeich, aber die Auflösungen überzeugen nicht immer

"Blindes Eis" ist nach "Schneebraut" und "Todesnacht" der dritte Teil der so genannten "Dark Iceland"-Serie von Ragnar Jónasson, weitere Bände liegen im Original bereits vor und harren ihrer deutschen Übersetzung. Auf knapp 330 großzügig gedruckten Seiten treiben stolze 50 Kapitel das Tempo voran. Dabei wechseln die Szenarien nicht nur zwischen Ari Pór und Isrun, sondern stellen auch weitere Figuren in den Vordergrund.

Anfangs ist es etwas unübersichtlich, und es dauert einige Zeit, bis dann tatsächlich die eingangs geschilderten Verbrechen stattfinden. Dann geht es jedoch zügig voran, wobei bei es mit den Auflösungen teilweise etwas zu schnell geht. So überführt man den Autofahrer nahezu beiläufig, in dem man in einer Garage unverhofft den Unfallwagen sicherstellt.

"Wir haben ihr Haus durchsucht, aber die wirkliche Überraschung war in der Garage."
"Klingt interessant. War da noch etwas anderes als ein Auto drin?"
"Nein. Das Auto war das Interessante, besonders das Blut an der Kühlerhaube."

Manchmal kann Polizeiarbeit ganz einfach sein. Erwähnenswert ist auch die "Auflösung" des Falles, der über fünf Jahrzehnte zurückliegt. In bester Agatha-Christie-Manier (Hercule Poiriot lässt grüßen) trägt Ari Pór einem erlauchten Kreis seine abschließenden Erkenntnisse vor, wobei es Hedinn und den Lesern überlassen bleibt, deren Plausibilität anzuerkennen oder nicht.

Private Probleme in bester skandinavischer Tradition

Von dem "kriminellen Plot" abgesehen, bietet "Blindes Eis" in bester skandinavischer Krimi-Tradition viele private Probleme, was womöglich den dortigen unwirtlichen klimatischen Verhältnissen geschuldet sein mag. Ari Pór und dessen Chef Tómas hinterfragen aktuell den jeweiligen Stand ihrer Beziehungen, die beide auf wackligen Beinen stehen.

Zudem muss sich Ari Pór womöglich darauf einstellen Vater zu werden, wobei dummerweise nicht seine Freundin in spe die Mutter wäre.

Die Journalistin Isrun wartet derweil auf das Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung, da sie an einer bedrohlichen Erbkrankheit leidet, und sie muss zudem für ihre mittlerweile getrennt lebenden Eltern als Übersetzerin fungieren, da eigentlich beide wieder zueinander finden wollen.

Bei allem kriminellen und privaten Durcheinander soll ein weiterer Hauptdarsteller nicht unerwähnt bleiben, denn Ragnar Jónasson setzt die wunderschöne Landschaft des Öfteren gekonnt in Szene.

Blindes Eis

Blindes Eis

Deine Meinung zu »Blindes Eis«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
25.09.2020 14:12:40
nordkommission

Was vergessen: ich lese (nicht nur hier!!), dass die Beschreibung der schönen isländischen Landschaft ein Pluspunkt der Bücher dieser Reihe sei. Also bitte........das kann doch kein Bewertungskriterium für einen Thriller sein. Da hätte man als Autor lieber mehr Logik in seine Werke bringen können/müssen! Aber wahrscheinlich war die Vorgabe, dass die Romane ca. 350 Seiten haben müssen. Ok...dann schreibt man halt Wetterberichte und Elemente eines Reiseführers. Auf den verbleibenden Seiten schustert man dann die Story zusammen.

25.09.2020 14:02:27
nordkommission

Wundert mich das? Teil 3 liest sich wie Teil 1. Gleiches Strickmuster. Langeweile pur. Nach 40 Seiten entnervt zugeklappt.
Merkt man das als Autor nicht? Oder sind da einfach zu viele Schulterklopfer im Spiel?
Ich bleibe dabei: das sind keine Thriller!!! Das sind einfach Mainstream-Krimis der gewöhnlichsten Sorte. Merkwürdigerweise habe ich Teil 1 und Teil 2 für gutes Geld verkauft. Das macht das Fiasko gerade noch erträglich.

10°....*gähn*

12.02.2018 12:52:18
Hulda1963

Gut, dass ich die Kritik hier vorher nicht gelesen hatte. Ich kann dieser nur vollständig zustimmen.
Da ich sehr gerne Islandkrimis lese, habe ich mich an dieses aktuelle Buch herangewagt.

Das größte Manko sehe ich, wie in der obigen Kritik bereits beschrieben, in den mindestens fünf verschiedenen Handlungssträngen mit ihren verschiedenen Hauptpersonen, die alle wieder ihre privaten Probleme haben.
Außerdem haben die alle fast nichts miteinander zu tun.
Nur insofern, als Isrún, eine Reporterin, über diese Fälle berichtet.
Am langweiligsten ist noch der Handlungsstrang von Ari Pór, einem Polizisten in Siglufjördur, einer Kleinstadt in Nordisland.
Dort ist anscheinend den ganzen Tag absolut nichts zu tun.
Da fragt man sich, warum tatsächlich zwei Leute auf der Wache sitzen.
In dem ganzen Durcheinander der wechselnden Protagonisten habe ich auch mal den Chef, Tomasz, mit Ari Pór verwechselt und mußte wieder mehrere Blätter zurückblättern.
Schade, eigentlich ist das Buch gut lesbar, die Personen gut gezeichnet und die Landschaft und Eigenarten der Menschen sehr eingängig beschrieben, obwohl die Übersetzung nicht aus dem Isländischen, sondern dem Englischen erfolgte.
Bei dem Autor sehe ich noch sehr viel Potential nach oben.
Einen der beiden Vorgängerbände lesen würde ich nur, wenn ich sehr viel Langeweile hätte.
Fazit: kann man lesen, muss man nicht.

Echte Täter,
wahre Ereignisse

Wir berichten über spannende Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen, skrupellose Täter und faszinierende Ermittlungsmethoden – historisch, zeitgeschichtlich, informativ. Aktueller Beitrag: Der große Wall-Street-Anschlag von 1920, ein Krimi-Couch Spezial von Dr. Michael Drewniok. Titel-Motiv: © istock.com/EXTREME-PHOTOGRAPHER

mehr erfahren