Crimson Lake

Erschienen: Oktober 2017

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp, 2017, Seiten: 380, Übersetzt: Andrea O'Brien

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Jörg Kijanski
Fulminanter Start für Conkaffey und Pharrell

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2019

An einem Highway bei Mount Annan wird die dreizehnjährige Claire Bingley verschleppt, misshandelt und schwer verletzt. Unmittelbar vor der Tat wurde Ted Conkaffey von mehreren Autofahrern gesehen, wie er sich anscheinend mit dem Mädchen unterhielt. Dann bricht die Welt des Drogenfahnders der New South Wales Police zusammen, denn er wird der Vergewaltigung und des versuchten Mordes an Claire angeklagt.

Seine Frau und seine Kollegen wenden sich von ihm ab, er muss für acht Monate ins Gefängnis, bis sein Verfahren aus Mangeln an Beweisen eingestellt wird. Dank der medialen Berichterstattung gilt er trotzdem landesweit als Kinderschänder und versucht einen Neustart in der Kleinstadt Crimson Lake; weit entfernt von seiner Heimatstadt Sydney.

Ausbildung zur Privat-Ermittlerin im Gefängnis gemacht

Hier lernt er die stark tätowierte Amanda Pharrell kennen, die ihrerseits als Mörderin gebrandmarkt ist. Ihre beste Freundin soll sie vor Jahren mit mehreren Messerstichen erstochen haben und saß dafür mehrere Jahre im Gefängnis. Dort erlang sie die Lizenz zur Privatdetektivin und arbeitet nun als einzige private Ermittlerin in Crimson Lake.

Pharrell und der seelisch schwer angeschlagene Conkaffey raufen sich zusammen und ermitteln über das Verschwinden des Bestsellerautors Jake Scully. Wenig später ist klar, dass Scully einem Krokodil zum Opfer fiel, doch seine wenig trauernde Witwe benötigt zum Erhalt der Lebensversicherung ihres Mannes einen Nachweis, dass es sich dabei nicht um Selbstmord handelte…

Viele Erzählstränge sorgen für großes Tempo

Wer sich für die boomende Krimi-Szene Australiens interessiert, kennt vor allem den im März 2018 verstorbenen Peter Temple und Gary Disher, die beiden Topstars der Szene. Seit geraumer Zeit bekommen diese allerdings ordentlich Konkurrenz, beispielsweise von zwei vielversprechenden Autorinnen: Jane Harper und eben Candice Fox. Diese erhielt für ihre Archer-Bennett-Trilogie („Hades“, „Eden“ und „Fall“) etliche Preise, darunter für „Eden“ den renommierten Ned Kelly Award in der Kategorie „Bester Roman“. Peter Temple konnte übrigens als einziger Autor bislang diesen Preis vier Mal gewinnen, kein Wunder wenn auch weitere Starautoren wie Michael Robotham oder Adrian McKinty (2017 für „Dirty Cops“) am Start sind.

Doch zurück zu Candice Fox und dem Auftakt der Conkaffey-Pharrell-Reihe. Ein angeblicher Kinderschänder und eine vermeintlich brutale Mörderin arbeiten als Privatdetektive zusammen und versuchen den Tod eines Autors zu untersuchen, der einem Krokodil zum Opfer fiel. Zugegeben, bei diesem Plot würde man bei einem unbekannten Autor vermutlich gar nicht erst anfangen, aber da sich Fox schon einige Auszeichnungen verdient hat, lässt man sich neugierig auf das Abenteuer ein. Zunächst scheint der Plot überfrachtet, denn in etlichen Rückblenden wird der Übergriff auf die dreizehnjährige Claire vorgestellt. Der anschließende Prozess gegen Conkaffey sowie der Mord an der vermeintlich engsten Freundin Amandas werden betrachtet.

In der Provinz wird mächtig Stimmung gemacht

Daneben der aktuelle Fall sowie ein paar durchgeknallte Jugendliche, die mehr Probleme haben als es in ihrem Alter üblich ist. Hinzu kommen zwei frustrierte Polizisten, die nie Karriere machten und die Kleinstadt, die nach dem gleichnamigen Fluss benannt ist, als ihre betrachten. Schnell machen sie dem „Kinderschänder“ klar, dass er hier nicht erwünscht ist. Schikanen und Gewaltanwendungen eingeschlossen. Als dann noch eine Journalistin die Bildfläche betritt und über Conkaffey berichtet, erwacht das verschlafene Nest. Die Stimmung ist aufgeheizt, eine Bürgerwehr droht Conkaffey mit Gewalt. Währenddessen lauern in den naheliegenden Mangroven vor allem Krokodile und Schlangen.

Derweil nimmt der Fall des Schriftstellers die eine oder andere Wende. Eine interessante Blindspur führt den Leser geschickt aufs Glatteis, doch am Ende werden die meisten Erzählstränge nachvollziehbar aufgelöst; Überraschungen ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Die Figurenzeichnungen sind ausführlich und gelungen, wenngleich Amanda zunächst etwas nervig wirkt, da sie gerne in Reimform spricht. Allerdings gleicht sie dies durch ihr mehr als lockeres Mundwerk wieder aus.

Fazit:

„Crimson Lake“ ist ein vielschichtiger Mainstream-Krimi mit teils überraschenden Auflösungen. Ich-Erzähler Ted Conkaffey ist zwar psychisch angeschlagen, aber keineswegs unsympathisch, und so kann man sich gerne auf eines der wohl ungewöhnlichsten Ermittlerduos der Welt einlassen. Allerdings wird nicht jede Frage beantwortet, sondern wartet auf die Fortsetzung in „Redemption Point“.

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