Brand

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Transit, 2016, Seiten: 144, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Dunkle Erinnerungen an Tschernobyl

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2016

29. November 1985. Eine Tagung in New York führt auf dem Rückflug zu einer Zwischenlandung in Mexiko City. Da ein Weiterflug erst am nächsten Tag möglich ist, nimmt Alwin Heller vom BKA eine Einladung seines Kollegen Juan Valverde zur Übernachtung an. Im Präsidium wartet indes die Leiche eines Mannes, der, nackt und durch einen Herzdurchschuss getötet, hinter einem abgelegenen Schutthaufen gefunden wurde. Mehrere Zeugen sprechen von Drogen, bekommen dafür eine kleine Geldprämie. Am nächsten Tag ist der Fall abgeschlossen.

26. April 1986: Heller ist mit seiner Frau Kerstin ins Krankenhaus geeilt, die Geburt des ersten Kindes steht an. Doch der erwartete Sohn stirbt unmittelbar nach der Geburt. Um sich abzulenken setzt sich Heller vor den Fernseher und ist elektrisiert. Die Katastrophe von Tschernobyl zieht ihn in seinen Bann. Es folgt ein Bericht über den "Vater der russischen Wasserstoffbombe", Andrei Dmitrijewitsch Sacharow. Auf einem der Bilder ist im Hintergrund sein Assistent zu sehen. Heller erkennt in ihm den Toten aus Mexiko: Fjodor Lebedew, ukrainischer Atomphysiker.

Oktober 1992: Irina Golubewa, einst Agentin des KGB, bietet Heller Informationen über die Familie Lebedews an. Heller hat ungezählte Überstunden, die Scheidung von Kerstin lange vorbei und so fühlt er ein gewisses Loch. Kurzentschlossen fliegt er nach Kiew, um dort den Bruder von Lebedew zu besuchen. Was er von ihm und von Fjodors Sohn Wiktor erfährt, lässt Heller keine Ruhe und plötzlich erscheint das Reaktorunglück von Tschernobyl in einem völlig neuen Licht.

Auflösung eines Mordes sowie intensive Einblicke in das atomare Wettrüsten

In seinem zweiten Fall nach Alias Toller (spielt 1978) ermittelt Alwin Heller nun im Oktober 1992. Der Mord in Mexiko City ist lange zu den Akten gelegt, die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl scheint geklärt. Doch Hellers Neugier ist geweckt und so führen ihn seine Recherchen nach Kiew, nach Prypjat in der Sperrzone des Reaktors sowie über Genf und München schließlich zum Kernkraftwerk Three Mile Island, dem TMI in Harrisburg (USA), wo es bereits 1979 zu einer Kernschmelze kam. Ulrich Effenhauser gibt in seinem aktuellen Roman einen interessanten Einblick in den Wettlauf der Atomrüstung, bei dem die Russen bekanntlich einen Nachholbedarf hatten. So "warben" sie ganz gezielt deutsche Physiker nach Ende des Zweiten Weltkrieges ab und drohten diesen alternativ offen mit einem Straflager in Sibirien. Nicht wenige Forscher wurden später linientreue Kommunisten.

"Er hat den Funktionären erklärt, wie man die Sicherheit der Reaktoren erhöhen kann. Aber sie haben abgelehnt. Sie haben gesagt, unsere Reaktoren sind die besten der Welt, genauso wie unsere Raketen und Sportler. In der Sowjetunion gibt es keine Schwachstellen."

Die Entwicklungsgeschichte des Atomwaffenbaus, das Aufrüsten der Sowjetunion, die Zündung der Zar-Bombe im Jahr 1961 bis hin zu Tschernobyl werden eindrucksvoll beschrieben, wobei der Autor - wie schon beim Vorgänger - nicht viele Seiten benötigt, um komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Die Forscher wechselten mitunter die Seiten, während Heller zunehmend klarer sieht. Die Ermordung von Fjodor Lebedew war die Tat des KGB, der dessen Überlauf zu den Amerikanern - während der Genfer Abrüstungsverhandlungen zwischen Ronald Reagan und Michail Gorbatschow - verhindern wollte. Erst spät erkennt Heller, dass man nicht jedem Menschen trauen kann; was er als erfahrener BKA-Ermittler eigentlich wissen sollte. So erfährt der Fall die eine oder andere brisante Wendung - und dies alles auf knapp 130 Seiten.

Wer sich für einen Mordfall, eingerahmt in das atomare Wettrüsten nach Ende des Zweiten Weltkrieges interessiert, findet hier einen anspruchsvollen Roman sowie eine neue "Erklärung", wie es zu der Katastrophe von Tschernobyl kommen konnte. Allerdings sollte man ein gewisses technisches Grundverständnis für die Thematik mitbringen.

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