Der dunkle Ritter

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Turin: Einaudi, 2013, Titel: 'Buio', Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Kindler, 2016, Seiten: 384, Übersetzt: Susanne Van Volxem

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Jörg Kijanski
Die Gauner von Pizzofalcone ermitteln weiter

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2016

Während eines Klassenausflugs verschwindet der zehnjährige Dodo. Eine blonde Frau, so ein Schulfreund, habe ihn mitgenommen. Die Überwachungskameras helfen nicht weiter. Allerdings wird erkennbar, dass Dodo mit der Frau freiwillig das Museum verlässt. Da Inspektor Lojacano mit seiner Partnerin an einem mysteriösen Wohnungseinbruch arbeiten, übernehmen die temperamentvollen Kollegen Romano und Aragona den Fall. Diese lernen zunächst die Familie des Kleinen kennen oder viel mehr das, was noch davon übrig geblieben ist. Mutter Eva ist geschieden und lebt seither mit einem mittellosen Künstler zusammen. Das Verhältnis zu Evas schwerreichem Vater ist zerrüttet, ebenso wie zu Dodos Vater, einem Unternehmer aus Norditalien. So verwundert es nicht, dass gegenseitige Vorwürfe und Hass die Szenerie beherrschen. Nur mühsam gelingt es den Polizisten, den Blick der Angehörigen auf die Entführung zu lenken. Doch selbst nachdem ein Anruf Klarheit bringt, dass Dodo entführt wurde, kommen die Ermittler nicht weiter. Stattdessen verlieren die Entführer zunehmend die Kontrolle über die Aktion. Nur Dodo bleibt ganz cool. Er hofft auf Batman, die Actionfigur, die er stets bei sich hat...

Auch der dritte Fall für Guiseppe Lojacono überzeugt

Nach Das Krokodil und Die Gauner von Pizzofalcone setzt der dritte Teil, der in Neapel spielenden Lojacono-Serie, die bisherigen Geschehnisse kongenial fort. Es ist noch nicht allzu lange her, da wurden vier Polizisten wegen Drogenhandels vom Dienst suspendiert. Die Dienststelle stand vor dem aus, ihr Ruf war ruiniert. Es sollte jedoch noch einen Versuch geben und so rückte neues Personal an, wobei die "helfenden" Dienststellen dankbar ihre Problemfälle zur Verfügung stellten. Ein kurioser Haufen fand sich also zusammen und siehe da, es formierte sich trotz aller Unterschiede ein funktionierendes und vor allem motiviertes Team. Dies ist der Verdienst von Kommissar Palma, der mit Lojacono schon auf dessen Jagd nach dem Krokodil zusammenarbeitete.

 

"Sei vorsichtig, Lojacono, verdammt vorsichtig! Denn wenn du versuchen solltest, mir das Herz zu brechen, werde ich dir als gute Sardin mit einer Pattada die Kehle durchschneiden. Ich warne dich."
"Und ich bin Sizilianer, Dottoressa. Von daher weiß ich ziemlich genau, wie man mit einer Lupara umgeht. Aber eigentlich glaube ich nicht, dass ich dich erschießen möchte..."

 

Der dunkle Ritter ist vor allem in zwei Handlungsstränge unterteilt. Die beiden laufenden Ermittlungen (Wohnungseinbruch und Entführung) sowie die Privatleben der Ermittler. Daneben erfährt man ab und an von der aktuellen Situation, in der sich Dodo befindet und die zunehmend außer Kontrolle zu geraten droht. Vor allem die so unterschiedlichen Polizisten hauchen den Romanen von Maurizio De Giovanni besonderen Flair ein, wobei diese allesamt, wenngleich aus verschiedenen Gründen, ein eher verkorkstes Privatleben vorweisen können. Freunde skandinavischer Krimis können somit beherzt zugreifen. So gut sie als Polizisten arbeiten, so wenig sind sie in der Lage, mit ihren Gefühlen offen umzugehen. Nach wie vor sind diverse Beziehungsfragen ungelöst. Ebenso offen ist auch die private Ermittlung des Kollegen Pisanelli, der sich nach dem Suizid seiner schwerkranken Frau über die auffällig hohe Selbstmordrate in der Stadt wundert. Er glaubt nicht an Zufälle, sondern dass hier jemand nachgeholfen hat. Anders als beim letzten Roman wird diese Side-Story nunmehr aufgelöst, allerdings (vorerst) nur für den Leser.

Alles in allem ist Der dunkle Ritter ein kurzweiliges Lesevergnügen, dass trotz der wenigen in Verdacht stehenden Personen mit einem ungewöhnlichen Finale aufwartet. Die Vorfreude auf den nächsten Fall ist somit gegeben.

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