Hell-Go-Land

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: audio media, 2016, Seiten: 6, Übersetzt: Frank Arnold, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

Couch-Wertung:

80°
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Jörg Kijanski
Atmosphärisch dichter Insel-Thriller

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2016

Anna Krüger wuchs auf Helgoland auf, verliebte sich in ihrer Schulzeit in Leo und hätte sich ein ruhiges Leben auf der Insel mit einer kleinen Familie durchaus vorstellen können. Doch dann schlug das Schicksal dramatisch zu und es kam alles ganz anders. Anna ging zur Hamburger Polizei und nachdem sie die Insel sechs Jahre nicht mehr gesehen hat, kehrt sie nun als stellvertretende Leiterin der Polizeidienststelle Helgoland zurück, die gerade einmal aus vier Personen besteht. Doch während normalerweise dieser Job sterbenslangweilig ist, beginnt der Start für Anna turbulent. Sie erhält ein kleines Päckchen, in dem sich ein abgeschnittener Daumen befindet. Sie beginnt mit ihrem Chef Paul Freitag und dem Polizeimeisteranwärter Marten die Einwohner zu befragen, ob es einen Verletzten gibt als sie nur kurz darauf eine weitere schaurige Entdeckung macht. In ihrem Wohnzimmer hat jemand ein großes Herz an die Wand gemalt; offensichtlich aus Blut. Sollte es sich dabei um Menschenblut handeln, wurde womöglich jemand entführt und befindet sich in Lebensgefahr.

 

"Anna versuchte sich in Paul hineinzufühlen. Eine kleine Polizeidienststelle am Ende der Welt. Ein ruhiges Leben. Keine besonderen Vorkommnisse. Eine neue Kollegin würde vielleicht ein wenig Abwechslung mit sich bringen. Aber eigentlich saßen hier alle Beamten auf einem ruhigen Posten und hatten nur die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es auch auf dem Rest der Insel ruhig blieb. Und dann kam die Neue, und mit ihr der Horror. Abgetrennte Körperteile. Blut."

 

Währenddessen fragt sich die Haushaltshilfe Katharina Loos, warum die Ehefrau ihres Arbeitgebers Dr. Claus Strecker, vor zwei Jahren plötzlich verschwand und vor allem, was es mit der blutdurchtränkten Socke auf sich hat, die sie in der Wäsche findet? Und dann gibt es da noch diesen geheimnisvollen Raum im Keller, der stets verschlossen ist...

Eine kleine Insel, isoliert von der Welt.

Hell-Go-Land ist die Interpretation eines klassischen Themas. Eine Gegend, hier das beschauliche Eiland, ist von der Außenwelt abgeschnitten. Orkanartige Stürme und schwere Regenfälle führen dazu, dass der Schiff- und Flugverkehr von und zur Insel eingestellt wird. So kann Katharina Loos nicht zurück auf das Festland und Dr. Strecker bietet ihr an, bei ihm für die kommenden Tage einzuziehen. Damit erhält sie Gelegenheit, dem Geheimnis des Kellerraumes nachzugehen, was einen der drei Handlungsstränge des vorliegenden Romans von Tim Erzberg ausmacht. Der zweite Erzählstrang beinhaltet die aktuellen Ermittlungen, die dadurch erschwert werden, dass es auf der knapp tausend Einwohner zählenden Insel zwar ein Klinikum, aber kein Labor gibt. Auch sind DNA-Tests nicht möglich, so dass zunächst die Frage bleibt, ob es sich um menschliches oder tierisches Blut handelt, welches großzügig in Annas Wohnung verteilt wurde.

 

"Wie lange wird er noch durchhalten?"
"Oder sie?"
"Hm?"
"Könnte ja auch eine Frau sein. Wir wissen jedenfalls nicht, ob es ein Mann ist oder eine Frau."
"Klar."
"Es."
"Du denkst, dass es ein Kind ist?"
"Es. Das Opfer. Fällt euch was auf? Wir wissen immer noch so gut wie gar nichts."

 

Der dritte Teil der Erzählung liegt in der Vergangenheit über die Anna noch nicht hinweggekommen ist und die hier mit voller Wucht wieder auf sie einschlägt. Ihr geliebter Leo liegt auf dem Friedhof, nachdem er unter denkwürdigen Umständen die Klippen hinunterstürzte. Nach und nach zeigt sich, dass die aktuellen Ereignisse unmittelbar mit den dramatischen Ereignissen von damals zusammenhängen.

Der originelle Plot besticht vor allem durch die Beschreibung der sturmumtosten Insel. Atmosphäre vom Feinsten lässt einen das Unwetter ständig spüren. Zeitweise sehen sich die Polizisten genötigt Ausgehsperren zu verhängen. Schnell stellen sich Übermüdungserscheinungen bei den Ermittlern ein, Anna leidet zudem unter einer heftigen Migräne, die ihre Arbeit massiv beeinträchtigt. Betrachtet man dann noch die mangelnde Ausstattung der Polizei, so versteht man, dass es zu Pannen kommt und die Untersuchungen ein wenig auf der Stelle treten. Die spannendste Frage ist jedoch, was sich damals zugetragen hat, denn dies ist der Schlüssel zur Lösung des aktuellen Falles. Nur genau hier mauert Anna gegenüber ihrem Vorgesetzten, traut sich nicht, sich ihm zu öffnen, was die Zusammenarbeit erschwert. Insgesamt ist Hell-Go-Land ein von der Atmosphäre einer abgelegenen Insel geprägter Thriller, dessen Auflösung ein bisschen "einfach" erscheint. Ein kleines Manko, eines ansonsten durchweg gefälligen Romans.

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