Rain Dogs

  • Suhrkamp
  • Erschienen: Januar 2017
  • London: Serpent's Tail, 2015, Titel: 'Rain Dogs', Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2017, Seiten: 404, Übersetzt: Peter Torberg
Rain Dogs
Rain Dogs
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Jörg Kijanski
85°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2016

Der katholische Bulle überzeugt - wie immer.

Anfang 1987. Winter in Belfast. Detective Inspector Sean Duffy hat gerade eine schwere Zeit, denn seine Freundin Beth verlässt ihn. Dann erreicht ihn ein Anruf. Dem Mitglied einer finnischen Handelsmission, die sich mögliche Produktionsstätten für Mobiltelefone anschauen, wurde seine Geldbörse im Hotel entwendet. Duffy glaubt an einen Scherz, doch angesichts der wichtigen Geschäftsleute, soll er ermitteln. Dabei lernt Duffy auch kurz die englische Journalistin Lily Bigelow kennen. Am nächsten Morgen wartet ein Todesfall auf Duffy, eine Leiche wurde in Carrickfergus Castle gefunden. Vor Ort stellt er fest, dass es sich bei der Toten um Bigelow handelt. Aber warum sollte sich die junge Frau vom Dach des Burgfrieds in den Tod gestürzt haben?

 

"Die letzten drei Selbstmorde waren alles Kollegen. Haben sich das Hirn mit ihrer Dienstwaffe weggepustet. Natürlich mussten wir sie alle als "Tod durch versehentliches Abfeuern einer Schusswaffe" deklarieren."
"Druck der Gewerkschaft?"
"Aye, und von oben. Bei Selbstmord verfällt die Lebensversicherung, außerdem ist er schlecht für die Moral."

 

Wenn es jedoch kein Selbstmord war, dann kommt nur der Hausmeister Clarke Underhill als Mörder in Frage. Die Burg wurde um sechs Uhr abends geschlossen und erst am nächsten Morgen wieder geöffnet. Bei seinen Rundgängen fand Underhill niemanden in der Burg vor und da diese durch ein massives Eichentor, ein tonnenschweres Fallgitter sowie eine zwanzig Meter hohe Burgmauer gesichert ist, kann auch niemand in dieser Zeit die Burg betreten oder verlassen haben. Der Todeszeitpunkt wird auf nach sechs Uhr abends festgesetzt. Eine sogenannte "locked room mystery", die Duffy schon einmal lösen musste. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass einem Polizisten ein solches Rätsel zwei Mal serviert wird?

Locked room mystery, die Zweite.

In Die verlorenen Schwestern musste Duffy einen seltsamen Todesfall lösen. Eine Frau wurde in einem Pub aufgefunden, welches von innen abgeschlossen war. Nun also eine Burg, die niemand betreten oder verlassen konnte. Doch der betagte Hausmeister erscheint unverdächtig und bei der Toten gibt es Auffälligkeiten. Sie trug nur einen Schuh, diesen aber am falschen Fuß. Es gibt keinen Abschiedsbrief und ihr Notizbuch, welches die Journalistin stets bei sich trug, ist verschwunden. Duffy ermittelt erneut mit seinem Kollegen McCrabban sowie dem jungen Constable Alexander Lawson, wobei letzteres zu kleineren Spannungen führt. Schließlich hat Duffy einen bekannt altmodisch-eigenwilligen Musikgeschmack und mit U2 kann er beispielsweise gar nichts anfangen. Die Ermittlungen kommen lange nicht voran, da das Grundrätsel unlösbar scheint. Dann folgen Spuren zu der finnischen Handelsdelegation und auch Duffys früherer Kollege Tony McIlroy spielt eine zwielichtige Rolle.

 

"Ich fuhr zu dem leeren Haus in der Coronation Road, um zu Mittag zu essen, und mixte mir in einem Pintglas einen Wodka Gimlet. Wodka, Limettensaft, Soda, Eis - vier einfache Zutaten, die zusammen die meisten Probleme der Welt verschwinden lassen. Ganz gewiss nach zwei Gläsern, wenn man sparsam mit dem Soda ist."

 

Am nächsten Tag erschüttert ein weiterer Todesfall die Carrickfergus RUC, denn ihr Chief Super Ed McBain wird Opfer eines Sprengsatzes, der unter seinem Auto platziert war. Die beiden Fälle scheinen miteinander verknüpft, Spuren führen letztlich in höchste Regierungskreise und der Plot basiert teils auf dem wahren Fall des Jimmy Savile, der von Premierministerin Thatcher geadelt und vom Papst Johannes Paul II. ausgezeichnet wurde. Nach seinem Tod galt er als einer der schlimmsten Sexualverbrecher des Landes, zuvor wurde in ungeahntem Ausmaß vertuscht. Ansonsten gibt es die gewohnten Zutaten: Jura, Gimblet, Zigaretten und viel Musik. Und die ständige Suche nach Sprengsätzen unter Duffys BMW. Neu sind die Trennung von Beth und die Bekanntschaft mit einer jungen Katze, die bei Duffy einzieht.

 

"Sie haben keine Ahnung. Sie waren nicht dabei. Für Sie sind die Achtziger die siegreiche Thatcher, die geschlagenen Argentinier, Öl in der Nordsee, Gewerkschaftszerschlagung, Reagan und Thatcher im Wechselschritt. Für Sie, aber nicht für uns. Für uns sind die Achtziger Helikopter, tief hängende Wolken, Soldaten, verwirbelnde Aschewolken über der großen, grauen, sterbenden Stadt..."

 

Wie gewohnt bietet Adrian McKinty einen packenden und lebendigen Ausflug in das Nordirland der 1980er Jahre. 1987: Auch dieses Jahr ist bezeichnend für die Troubles in Ulster. Die RUC ist nunmehr seit sechszehn Jahren die Polizeieinheit mit der höchsten Todesrate der westlichen Welt. Ein unterhaltsames, wortwitziges Kriminalstück vor realistisch-bedrückender Kulisse. McKinty erweist sich im vorliegenden Fall einmal mehr als zuverlässiger Lieferant anspruchsvoller Plots. Ohne Übertreibung darf man sagen, dass die Sean-Duffy-Reihe mit zu den besten Krimi-Serien gehört, die derzeit im Buchhandel erhältlich sind.

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