Wintergewitter

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Suhrkamp Nova, 2016, Seiten: 438, Originalsprache

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München 1920. Kommissär Reitmeyer ist aus dem Krieg zurückgekehrt, versucht die dort erlittenen Traumata vor seiner Umgebung zu verbergen und dämpft aufkommende Panikattacken mit Geigenspiel. Dabei hat die Polizei alle Hände voll zu tun: Nahrungsmangel und Geldentwertung haben dazu geführt, dass die Stadt von einer regelrechten »Diebstahlseuche« heim gesucht wird und Schieber und Schleichhändler dicke Geschäfte machen. Da wird die junge Cilly Ortlieb, Kleindarstellerin in schlüpfrigen Produk tionen des Münchner Filmkonzerns Emelka, tot im Keller einer Gastwirt schaft gefunden. Was zunächst wie ein Unfall aussieht, entpuppt sich als Mord mit einer großen Menge Morphium. Während die rechte Einwohnerwehr durch die Straßen Münchens marschiert, sucht Kommissär Reitmeyer - von seinen Vorgesetzten argwöhnisch beäugt - in illegalen Spielclubs, Bars und Geheimbor dellen nach einem zweifachen Frauenmörder. Dabei begegnet er Gerti Blumfeld, die auf der Suche nach ihrer abgetauchten Schwester eines der Mordopfer kennengelernt hat und bald selbst auf die Todesliste des Täters gerät ...

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Letzte Kommentare:
20.12.2016 17:02:50
Archer

1920. Der Krieg ist seit fast zwei Jahren vorbei, doch in den Köpfen der Menschen hört er nicht auf. Kommissär Reitmeyer hat die Schrecken des Weltkrieges selbst miterlebt und er kämpft jeden Tag darum, dass niemand merkt, dass er Flashbacks hat, er ist ein sogenannter "Kriegszitterer" und "Krüppel". Paramilitärische Organisationen schießen wie Pilze aus dem Boden, heimlich unterstützt von der bayerischen Obrigkeit. Reitmeyer hat gleich mehrere Fälle auf dem Tisch, in denen er nicht vorankommt, weil er nicht gegen Männer der paramilitärischen Organisationen ermitteln darf. Dann gibt es zwei tote Frauen, auch diese oft in Begleitung von Offizieren gesehen, eine weitere Frau treibt einen Keil zwischen Reitmeyer und seinem besten Freund Sepp und dann gibt es noch einen Typen namens Hitler, der mit antisemitischen Sprüchen die Bevölkerung noch weiter aufhetzt: es ist eine dunkle, sehr dunkle Zeit, in der man kaum noch jemandem trauen darf.

Eigentlich fand ich den Kriminalfall selbst nicht so gelungen. Wenn man es genau nimmt, liegt alles nur an Gerti, die Informationen zurückhält, bewusst Sepp gegen Reitmeyer ausspielt und trotz Lebensgefahr für sich und andere niemandem was erzählt. Auch der Schluss war eher eine Notlösung, fand ich. Bei jedem anderen Krimi hätte ich dafür drei Punkte gegeben, aber dieses Buch bekommt glatt einen Bonuspunkt für die extreme Recherche und das Wissen, das hier über ein Kapitel deutscher Geschichte vermittelt wird, von dem ich überhaupt keinen Plan hatte. Eigentlich dachte ich ja, so von 1918 bis 1933 war mit der Weimarer Republik so ziemlich was Geiles am Laufen, aber hier erfährt man ganz andere Sachen, zumindest was München und Bayern allgemein angeht. Das ist eine ganz bittere Sache, was da gelaufen ist und die Art des Erzählens hat mich wirklich mitgenommen und Kopfkino entstehen lassen. Teilweise echt gruselig und schon daher für alle zu empfehlen, die etwas darüber erfahren möchten, wie es vor 100 Jahren abgelaufen ist.

29.11.2016 11:17:31
Nuigurumi

Sympathischer Ermittler im gar nicht goldenen München der 20er Jahre

Die Ermittlungen in Kriminalfällen gingen in den 20er Jahren in München zwar sehr langsam voran, aber die Menschen waren immer in Bewegung. Das Geld war jeden Tag weniger wert, es herrschte Wohnungsnot und es gab kaum Nahrungsmittel. Die wenigen vorhandenen waren von schlechter Qualität - für normale Leute jedenfalls, wie man in diesem Roman schnell merkt. Diebstahl war das vorherrschende Kriminaldelikt und das, was die Menschen am meisten bewegte, da geriet ein Mord, zumal an einer namenlosen Schauspielerin, schnell mal ins Hintertreffen…

In diesen Zeiten werden Kommissär Reitmeyer und seine Kollegen zu einem Wirtshaus gerufen, in dessen Keller die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde. Sie ist leicht angezogen und die Kneipengäste und der Kellner bestätigen, dass sie viel getrunken hat. Für sie ist klar, dass die Frau betrunken die Treppe hinuntergefallen und da sie ganz offensichtlich eine Prostituierte war, war es das. Doch Reitmeyer sieht das anders. Nicht nur, weil ihre Verletzungen nicht mit einem Sturz übereinstimmen, sondern auch, weil er sich plötzlich erinnert, die Frau schon einmal in einer Bar getroffen zu haben, wo sie ihm sagte, dass sie Angst habe und Schutz brauche. Da die Frau auch an jenem Tag angetrunken war, hatte Reitmeyer sie nicht weiter beachtet.

Auf der Suche nach dem Täter lernt Reitmeyer eine junge Frau kennen, die selbst ihre Schwester sucht. Die Wege der beiden kreuzen sich in der nächsten Zeit öfter, da sie sich im selben Milieu bewegen. Zum Teil helfen sie sich gegenseitig, zum Teil behindern und verdächtigen sie sich aber auch.

Wie schon der erste Band um Kommissär Reitmeyer "Der eiserne Sommer" hat auch dieses Buch eine ganz besondere Atmosphäre. Reitmeyer ist ein sehr sympathischer und menschlicher Ermittler. Gerade als weibliche Leserin schließt man ihn schnell ins Herz und wünscht ihm, dass er bald sein Glück findet. Nach dem Krieg leidet er an Panikattacken, die er zu verbergen versucht, um nicht als verrückt abgestempelt zu werden und vielleicht seinen Dienst aufgeben zu müssen. Sein "Team" besteht aus dem pessimistischen Steiger und Rattler, der nun nach dem Krieg wieder Polizeischüler ist und den beiden älteren Kollegen, vor allem Steiger, mit "modernen" Ermittlungsmethoden auf die Nerven geht.

Auch dieser Band ist für mich mehr ein historischer Roman als ein Krimi, was aber nicht abwertend gemeint ist. Hier steckt nur einfach so viel mehr drin als in einem normalen Krimi. Man merkt, dass die Autorin Geschichte studiert und sehr gut recherchiert hat, denn sie lässt den Leser diese schwierige Zeit mit dem aufkommenden Nationalsozialismus hautnah miterleben. Wie schon im ersten Band erkennt man die Macht des Militärs in allen Bereichen des Lebens und durch die Schilderungen der Lebensumstände versteht man viel besser als aus jedem Geschichtsbuch, wie Hitler an die Macht kommen konnte.

Diese Reihe um Kommissär Reitmeyer ist eine sehr gelungene Mischung aus sympathischen Figuren, polizeilichen Ermittlungen und historischen Fakten, die von der Autorin lebensnah beschrieben wird. Ich hoffe doch, dass es einen nächsten Band geben wird!

11.11.2016 22:18:30
Keiner999

Inhalt:

Die Münchener Bevölkerung erlebt im Jahre 1920 einen harten Nachkriegswinter. Die Menschen frieren, hungern und leben in ärmlichen Verhältnissen, Gaunereien und Betrügereien sind an der Tagesordnung. Kommissär Reithmeyer und sein Team haben reichlich Beschäftigung, außerdem hat der Kommissär selbst mit den Nachwirkungen des Krieges zu kämpfen. Immer wieder bringen ihn Panikattacken um seinen Schlaf. Da wird eine junge Frau tot aufgefunden, was zuerst wie ein Unfall wirkte, entpuppt sich dann als Mord. Als eine zweite Frau auf die gleiche Art zu Tode kommt, geht die Angst vor einem Serienmörder um. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Polizeibeamten auf immer neue Verwicklungen, die sich bis in die höchsten Kreise erstrecken.

Meine Meinung:

Der Autorin ist es, wie auch in dem vorhergehenden Roman, wieder hervorragend gelungen, die einzelnen Personen detailgenau darzustellen. Außerdem wurde das Gesellschaftsbild der damaligen Zeit sehr gut eingefangen. Die politische Entwicklung, mit der Tendenz zu dem, was Deutschland später ins Verderben stürzte , wurde sehr gut beschrieben.
Wer einen Krimi mit atemloser Spannung sucht, liegt bei diesem Buch nicht richtig. Der Leser jedoch, der Kriminalromane mit viel geschichtlichem Hintergrund und präzisen Ermittlungen liebt, ist hiermit bestens bedient.

Ich spreche eine Leseempfehlung aus und freue mich auf den nächsten Band mit dem sympathischen Kommissär Reithmeyer.

31.10.2016 11:20:06
Monika Chablais

Nachdem ich gerade den ersten Band mit Begeisterung gelesen hatte, habe ich mir gleich im Anschluss Band 2 vorgenommen.

Wir befinden uns hier im Jahre 1920. Der erste Weltkrieg hat seine Spuren hinterlassen, es herrscht Nahrungs- und Wohnungsmangel und es kommt natürlich auch immer wieder zu militärischen und politischen Machenschaften. Der Hass gegen Menschen jüdischer Abstammung nimmt zu. Hitler wird immer öfter erwähnt. Die Autorin bringt das Geschichtliche sehr gut rüber, wobei die Ermittlung in den beiden Todesfällen nicht zu kurz kommt. Wurden die Frauen ermordet ?

Ich habe mich gefreut, das Team um Kommissär Sebastian Reitmeyer wiederzutreffen. Allerdings haben er und alle Mitarbeiter sowohl physische als auch psychische Schäden aufgrund des Krieges davongetragen. Der Protagonist ist mir weiterhin sehr sympathisch, obwohl er seine Gefühle nicht auf die Reihe kriegt. Ich muss immer schmunzeln, wenn er da ermittlungstechnisch durch die Gegend radelt. Auch der Polizeischüler Rattler ist eine lustige Nummer, der immer wieder neue Ermittlungsmethoden vorschlägt.

Es ist erschreckend, was sich viele « bessere » Herren erlauben dürfen, obwohl sie in der Öffentlichkeit an die Sittlichkeit appellieren. Und es darf natürlich nichts an die Öffentlichkeit dringen. Reitmeyer versucht so gut wie möglich « verdeckt » zu ermitteln und fragt sich schlussendlich, wem auf dem Revier er überhaupt noch vertrauen kann. Der Kommissär tut sein Bestes, um zu verhindern, dass Unschuldige wegen der noblen Herren und zwecks Verschleierung gewisser Vorkommnisse angeklagt werden.

Überhaupt ist es erstaunlich, was sich da um 1920 so alles zuträgt. Sogar Rauschgift war schon ein Thema, von den « Schnallen » und Flittchen gar nicht zu reden. Mir scheint, dass man gleich in solchen einen Ruf kam, wenn man etwas cooler und nicht so geziemt war. Allerdings haben sich natürlich viele Frauen aus Geldsorgen prostituiert bzw. sie dachten, dass sie u.a. dadurch Filmstars werden könnten.

Die Ermittlungen von Reitmeyer laufen parallel zu den Recherchen von Gerti nach ihrer Schwester. Diese beiden Stränge fliessen dann nach und nach ineinander, was das Ganze recht spannend macht.

In der Anmerkung am Ende des Buches klärt uns die Autorin noch über einige geschichtliche Begebenheiten auf.

Fazit : Flüssig und interessant geschriebenes Buch. Wie schon erwähnt, wird in diesem Buch das Geschichtliche und Ermittlungstechnische sehr gut miteinander verflechtet, steigert die Spannung, woraus ein guter historischer Krimi resultiert.

28.10.2016 14:37:25
leseratte1310

Im Jahr 1920 kehrt Kommissär Reitmeyer aus dem Krieg zurück in ein München, wo Not herrscht. Die Geldentwertung hat dazu geführt, dass der Schwarzmarkthandelt blüht und Die Geschäfte von Dieben, Schiebern und Schleichhändler blühen. Dann wird eine Tote gefunden, die als Darstellerin in schlüpfrigen Produktionen des Münchner Filmkonzerns Emelka tätig war. Doch es ist nicht wie zunächst angenommen ein Unfall, sondern Mord durch Morphium.
Neben der Not gibt es in München aber auch das pralle Leben der „goldenen Zwanziger“. Reitmeyer bewegt sich auf der Suche nach dem Mörder durch Bars, Spielclubs und Bordelle. Dort ist auch Gerti Blumfeld auf der Suche nach ihrer Schwester. Während der Ermittlungen treffen der Kommissar und Gerti aufeinander. Gerti ist aber nicht ganz offen.Ich kenne Kommissar Sebastian Reitmeyer bereits aus „Der eiserne Sommer“. Nun ist er durch den Krieg traumatisiert, aber er möchte nicht, dass jemand von seinen Panikattacken erfährt. Das Geigenspiel betrachtet er als Therapie. Er ist ein sympathischer, korrekter und beharrlicher Typ, der seinen Beruf ernst nimmt. Mit seinen Mitarbeitern Steiger und Rattler bildet Reitmeyer ein sehr gutes Team. Sein Vorgesetzter steht nicht wirklich hinter seinen Mitarbeiter, seine Einmischungen stören eher. Aber auch die anderen Charaktere sind authentisch dargestellt.Dieser historische Krimi ist sehr angenehm zu lesen. Man erfährt ganz nebenbei ein Stück unserer Geschichte. Es ist beängstigend, wie sich in München die Rechtsradikalen breitmachen und man stellt fest, dass wir heutzutage Ähnliches erleben können. Die Handlung ist lebendig und spannend. Schon damals wurde Korruption und Erpressung genutzt, um Macht zu bekommen oder sie auszubauen.Ich kann diesen historischen Krimi nur empfehlen.