Tod eines Caddie

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • New York: Kensington Books, 1996, Titel: 'Buried Lies', Seiten: 331, Originalsprache
  • Köln: DuMont, 2001, Seiten: 287, Übersetzt: Monika Schurr

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Michael Drewniok
Schmutzige Intrigen hinter feiner Country-Club-Kulisse

Buch-Rezension von Michael Drewniok Feb 2016

Seit er vor Jahren den verhasst gewordenen Juristenjob an den Nagel gehängt hat, arbeitet Kieran Lenahan als professioneller Golfspieler für den Country Club von Milton, einer kleinen Stadt im neuenglischen US-Staat Connecticut. Seine Einkünfte bessert Lenahan durch den Handel mit Golfartikeln auf, die er in einem dem Clubhaus benachbarten Laden anbietet. Das alte Gebäude, in dem nicht nur der Laden, sondern auch das "Affenhaus" - die Unterkünfte für die meist illegal aus Mittel- und Südamerika in die USA gekommenen Hilfskräfte des Clubs - untergebracht ist, fällt eines Nachts einem Feuer zum Opfer, das außerdem einem Feuerwehrmann das Leben kostet. Der Brand wurde nach Ansicht des zuständigen Inspektors gelegt. Für die Polizei bearbeitet Detective Charles "Chickey" DiRienzo den Fall, dem Lenahan einst vor Gericht eine demütigende Niederlage bereitet hat. Seither hasst der Beamte den Ex-Anwalt und hat deshalb kein Problem damit, Lenahan als Brandstifter, Versicherungsbetrüger und Mörder zu verhaften.

Notgedrungen besinnt sich Lenahan seiner juristischen Fähigkeiten und beginnt in eigener Sache zu ermitteln. Für zusätzliche Komplikationen sorgt der mysteriöse Tod von Ian MacEwan. Der junge Mann hatte als Caddie für Lenahan gearbeitet, da dieser sich gerade auf einen wichtigen Wettbewerb vorbereitet. Nun hat er sich offenbar vor einen Zug geworfen, was als Erklärung zwar DiRienzo, nicht aber MacEwans Mutter zufriedenstellt. Lenahan gräbt tiefer und findet heraus, dass sein Caddie einerseits ein erfolgsarmer Spieler war und andererseits in den letzten Lebensmonaten zu viel Geld gekommen ist. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass MacEwan Lenahans Laden angesteckt hat.

Die Suche nach einem Motiv führt den Golfspieler in die Halbwelt von Milton, wo er die Aufmerksamkeit dunkler "Ehrenmänner" erregt. Während sich die Justiz auf ihn einschießt, bringen seine Ermittlungen nicht nur Lenahan in Lebensgefahr. Außerdem muss er nebenbei an einem wichtigen Golfturnier teilnehmen ...

Brot & (Mord-) Spiele

Viele Menschen lieben Krimis. Viele Menschen lieben Sport. Da liegt die Annahme einer Schnittmenge nahe: Viele Menschen lieben Krimis UND Sport! "Mensch" bedeutet auch "Kunde" - potenzieller Kunde genauer gesagt, was es erforderlich macht, diesen dorthin zu locken, wo er bereit ist die Börse zu zücken. Dieser Kampf wird an vielen Fronten gefochten. Wieso den durchaus zahlungswilligen Kontrahenten also nicht in die Zange nehmen?

Was in diesem Fall bedeutet, den Krimi dort spielen zu lassen, wo sich sportlich betätigt wird. Natürlich genügt es nicht, einfach die entsprechenden Kulissen zu verwenden. Wer einen Krimi im Sport-Milieu schreibt, sollte sich mit der jeweiligen Leibesübung auskennen. In unserem Fall bedeutet das: Autor Daly ist verpflichtet, mehr über Golf zu wissen, als nur Griff und Schlägerkopf auseinanderhalten zu können, da das anvisierte Fachpublikum ansonsten zu Recht veralbert bzw. ausgenommen fühlen dürfte.

In diesem Punkt müssen sich lesende Golfer allerdings keine Sorgen machen: "Conor Daly" - ein Pseudonym, das der Verfasser eventuell zu Ehren des (manchmal) genialen Turniergolf-Schreckens Jim Daly wählte - schwang selbst viele Jahre nicht nur selbst Holz, Putter & Eisen, sondern verdiente sich auch sein Studiengeld auf Golfplätzen, sodass er tatsächlich weiß, wie es hinter den Kulissen der "feinen" "Country Clubs" zugeht. Zudem existierte in den 1990er und frühen 2000er Jahren - es gibt auf dieser Welt nichts, das es nicht gibt - ein eigenes Sub-Genre für "golf mysteries" (hier findet man sogar eine Übersicht über golfspielende Detektive und Untaten auf grünem Rasen) Zumindest für einige Jahre fand Conor Daly "sein" Publikum: Menschen, die einen Sport lieben, der ohne größere Anstrengung zu betreiben ist, durchaus ein hohes Maß an Konzentration und Körperbeherrschung fordert und gleichzeitig einen elitären gesellschaftlichen Status suggeriert.

Clubhaus mit Kellerkindern

Zwar gibt es auf diesem Planeten inzwischen Golfplätze für jedermann & jede Frau. Nichtsdestotrotz bleiben jene, die sich sozial und auch sonst über ihre Mitmenschen erhaben fühlen, gern unter sich. Die Klub-Atmosphäre einer ansonsten vergangenen Zeit, in der Stil und Status und nicht Geld - das hatte der Gentleman einfach - Primärmaßstäbe setzten, bildet weiterhin einen Schirm, mit dem Golfer sich gern gegen den grellen Pöbel schützen.

Natürlich ist dies eine Scheinwelt, die den schnöden Alltag wegblendet, ohne ihn dadurch verschwinden lassen zu können. Der fiktive Milton Country Club ist ein Paradebeispiel für diese Scheinheiligkeit: Die Drecksarbeit lässt die Clubleitung durch illegale Immigranten aus Mittel- und Südamerika erledigen. Sie kann man mit der Drohung, der Einwanderungsbehörde einen Tipp zu geben, gefügig halten, mit einem Hungerlohn abspeisen und ins "Affenhaus" über der Garage für die Golfwagen sperren. Dass diese modernen Sklaven von anderer Seite offen kriminell unter Druck gesetzt werden, kümmert die selbsternannte Oberschicht erst recht nicht.

Auch Kieran Lenahan gehört nicht wirklich zur lokalen High Society. Er wurde in einem der "falschen" Viertel von Milton geboren, wohnt dort weiterhin und hat es nur aufgrund seiner Intelligenz erst zum Anwalt und dank seines Talents zum Golfprofi geschafft: eine ungewöhnliche Laufbahn, die eine unkonventionelle Hauptfigur generieren und Lenahan dorthin bringen soll, wo er nach dem Willen seines geistigen Vaters Kriminalfälle löst. Als leidlich erfolgreicher Wettbewerbsspieler gibt Lenahan zusätzlich Golfstunden und unterhält einen Laden für Golfartikel, denn selbstverständlich zahlt ihm der Club, der sich mit ihm schmückt, nur ein Grundgehalt.

Der Rest der (Leser-) Welt

Gibt es golftypische Verbrechen? Falls dem so ist, enthält sie uns der Autor zumindest in diesem Buch vor. Stattdessen präsentiert er uns eine ganze Kette illegaler Taten, die faktisch nicht vom Golfspiel abhängen: Brandstiftung, Mord, falsche Anschuldigung, Menschenhandel, Bedrohung von Leib & Leben. Hinzu kommt mehr als ein Hauch von "courtroom drama". Während "Conor Daly" die golfende Persönlichkeit des Verfassers repräsentiert, ist Kevin Egan nicht nur sein Geburtsname, sondern auch praktizierender Anwalt, der gleich eine weitere Leserfraktion bedient: jene, die es spannend finden, wenn spitzfindige Anwälte mit juristischen Tricks um in der Regel unschuldige Beklagte (sowie unter weitgehendem Ausschluss desselben) raufen.

Als "normaler" Kriminalroman funktioniert Tod eines Caddie tadellos. Um die lesenden Golfer (s. o.) zu bauchpinseln, fügt Conor den Nebenstrang eines wichtigen Golfturniers ein, an dem Lenahan quasi teilnimmt, während er undercover ermittelt bzw. vor den Schranken des Gerichts um seine Freiheit kämpft. Mehrere Seiten kehrt Conor immer wieder auf den Golfplatz zurück und lässt Lenahan kleine Bälle in Richtung ebensolcher Löcher schlagen, was er mit jener Mischung aus Spezialjargon und Sportlyrik beschreibt, die einem Golfer offenbar das Herz aufgehen lässt.

Der regelmäßige Krimileser, der auf seine Weise ebenfalls über Fallkenntnisse verfügt, stellt freilich fest, dass der Funke nur bedingt überspringen will. Conor geizt nicht mit kriminellen Taten und kuriosen Charakteren. Dennoch bleibt Tod eines Caddie nur kurz im Gedächtnis haften. Der Autor bietet viel - zu viel, statt auszuwählen und dem roten Faden nahezubleiben. Immer neue Verdachtsmomente flackern auf, werden durchgespielt und abgehakt. Ähnlich aufwändig sind Conors Blenden auf Lenahans vorgeblich kompliziertes Privatleben. Da gibt es eine On-/Off-Geliebte, eine neue Rivalin, einen ehemals kriminellen Assistenten, einen Polizisten, der den Golf-Detektiv hasst, einen kuriosen Richter, der so etwas wie ein Freund ist; die Liste lässt sich verlängern. Da keine dieser Figuren echtes Profil entwickelt, bleiben sie uns ähnlich gleichgültig wie der Held, die Opfer der begangenen Schurkenstücke oder die leicht ironisch überzeichneten Mitglieder des Golf-Clubs. Auf diese Weise erweist sich Tod eines Caddie als unterhaltsames Lesefutter ohne Chance zum Klassiker: kein Todesurteil für diesen Kriminalroman aber eben auch keine Empfehlung als Hinweis auf bisher übersehenes Lektürevergnügen.

Tod eines Caddie

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