Strandgut

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Berlin: DAV, 2015, Seiten: 6, Übersetzt: Sascha Rotermund, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

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Andreas Kurth
Hochspannung um ambivalenten Protagonisten

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2015

Nicolas Guerlain ist Personenschützer bei einem französischen Geheimdienst. Seit seine Freundin vor drei Jahren unter mysteriösen Umständen aus seinem Leben verschwand, ist Nicolas zuweilen neben der Spur. Und so passiert ihm bei den Filmfestspielen in Cannes ein ungeheuerliches Missgeschick. Weil er glaubt, seine Freundin im Publikum zu sehen, ist er abgelenkt und rammt Minister Faure versehentlich den so genannten Kevlar in den Unterleib, einen zum Koffer gefalteten Schutzschild. Der Vorfall geht durch alle Medien, die Karriere von Nicolas könnte ein schnelles Ende finden. Doch es kommt anders, im Vorfeld eines internationalen Gipfels im normannischen Badeort Deauville soll er auf Wunsch des Ministers die dortige Polizei bei den Vorbereitungen unterstützen.

In seiner Heimatstadt genießt Nicolas zunächst die scheinbare Ruhe, doch neben den Gipfel-Vorbereitungen haben die Polizisten mit der Suche nach einem verschwundenen Mann zu tun. Als Nicolas am Strand eine abgetrennte Hand findet, wird es richtig turbulent. Er schaltet sich gegen den Willen der Polizei in die Ermittlungen ein, die sich als überaus schwierig erweisen. Zusätzlich kompliziert wird die verworrene Situation durch die Vorbereitungen auf den Sicherheitsgipfel. Dabei wird auch Minister Faure anwesend sein wird - und Nicolas kommt bei seinen Nachforschungen gefährlichen Ungereimtheiten auf die Spur.

Der Leser taucht in die Gefühlswelt der Akteure ein

Benjamin Cors ist Journalist - und wie viele Kollegen ein guter Geschichten-Erzähler. Das zeigt er auch in seinem ersten Kriminalroman.

Der Autor schreibt in einem Plauder-Stil, der das Lesen seines spannenden Plots zu einem Vergnügen macht. Viele Fragen werden aufgeworfen, es gibt wechselnde Ermittlungsansätze und etliche Mutmaßungen. Der Leser erfährt beispielsweise, dass ein Mann in Deauville in einem Keller festgehalten wird. In diesen rätselhaften Passagen wird nicht enthüllt, wer er ist, wer die Entführer sind, oder um was es dabei genau geht.

Daneben gibt es regelmäßige Rückblenden in das Jahr 1967 - der Zusammenhang mit der Gegenwart bleibt aber lange völlig rätselhaft.

Der Autor beschreibt das Geschehen aus der Sicht unterschiedlicher Protagonisten, er wechselt dabei geschickt die Perspektiven und lässt seine Leser in das Leben und die Gefühlswelt der Akteure eintauchen. Cors baut so verschiedene Spannungsebenen auf, arbeitet immer wieder mit kleinen Cliff-Hangern, was die Sache noch interessanter macht. Zumal der Autor diese Stilelemente geschickt dosiert, und die Rückkehr zum jeweiligen Schauplatz keineswegs gleichmäßig oder gar vorhersehbar gestaltet.

Ungeahnte Talente des ambivalenten Protagonisten

Benjamin Cors erzeugt mit seiner Art des Erzählens plastische Bilder im Kopf des Lesers. Seine Schilderungen sind realitätsnah, man merkt bei der Lektüre, dass er in seiner Kindheit viele Sommermonate in der Normandie gelebt hat. Deauville, das Casino, der Hafen und die Fischer mit ihren Kuttern - das kommt alles sehr gut rüber. Und die Geschichte mit ihrer stetig steigenden Spannung leidet überhaupt nicht darunter.

Der Autor wartet zudem mit einem Protagonisten auf, der eine eher ambivalente Figur ist. Nicolas Guerlain hat in Bezug auf seine verschwundene Freundin eine heftige Obsession entwickelt, unter der sogar sein Beruf leidet. Als Ermittler entwickelt er dann jedoch unerwartete Talente, auch wenn diese nur langsam und in kleinen Portionen offenbart werden. Im Zuge der fortschreitenden Handlung punktet der junge Personenschützer jedoch immer mehr, jedenfalls war das bei mir so, und das spannende Mosaik seiner komplexen Persönlichkeit setzt sich langsam immer vollständiger zusammen.

Das Buch bietet ein Lesevergnügen der besonderen Art

Benjamin Cors schildert seinen Lesern jedoch nicht nur die malerischen Kulissen, sondern er bietet auch Einblicke in die geschundenen Seelen seiner Figuren. In dieser Hinsicht ist Nicolas nur einer von vielen. Der Personenschützer ist zwar die unumstrittene Hauptfigur, aber auch andere Neben-Protagonisten werden mit ihren ganz persönlichen Problemen und Motiven zeitweise in den Fokus gerückt. Mit seinem angenehmen Schreibstil und dem überaus verwinkelten Plot hat Benjamin Cors hier einen Kriminalroman vorgelegt, der ein Lesevergnügen der besonderen Art bietet. Für ein Erstlingswerk ist das Buch mehr als bemerkenswert, und Nicolas Guerlain hat noch so einiges an Potenzial. Man darf also gespannt sein, wie es im nächsten Buch weitergeht - vor allem, angesichts des überraschenden Endes. Dazu wird natürlich an dieser Stelle nicht mehr verraten.

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Letzte Kommentare:
04.06.2018 14:47:49
Gabriele Scheller

Leider wirkt der Krimi auf mich wirr und sehr bemüht. Die ersten 170 Seiten beweisen, dass man einen Krimi nicht am Reißbrett entwerfen kann. Der Held und Personenermittler bleibt blass und ist dem Leser eher unsympathisch, warum der Prolog ca. 60 Jahre zuvor spielt, interessiert einen irgendwann nicht mehr. Spannung geht anders.

24.04.2018 15:22:43
Hans Jürgen Johannes

Ich frage mich, warum so viele Kommentatoren/Innen zunächst den Inhalt referieren müssen, obwohl dies hinreichend referiert wird. Ist das dann eine "Fingerübung"? Und warum muss ich für diese einfache Frage, die ja im Grunde eine Kritik ist, 300 Zeichen verwenden? Fragen über Fragen! Und bis jetzt benötige ich noch sechs Zeichen. Toll, überschritten.

06.03.2018 10:32:34
breizh56

Ich kenne die Normandie gut und hatte mich auf das Buch gefreut. Leider empfand ich die ersten hundert Seiten quälend langatmig: Es kam keine Spannung auf, denn der Autor ergeht sich in Beschreibungen und Phantasien. Natürlich ist für den Leser eine Vorstellung von den Personen und Orten wichtig, aber über Mittelmeer-Sandkörner in Deauville zu sinnieren...na ja, wer's denn mag! Mehrere Seiten habe ich deshalb nur diagonal gelesen, was ich sehr selten mache. Nun muss ich entscheiden, ob ich das Buch zu Ende lese...

02.03.2018 15:19:00
walli007

Der Gipfel

Leider ist der Einsatz schief gegangen und das vor laufenden Fernsehkameras. Personenschützer Nicolas Guerlain ist in Ungnade gefallen, seit er seinem Schutzbefohlenen Minister Faure zu einem äußerst peinlichen Auftritt verholfen hat. Er wird in seine alte Heimat Dauville strafversetzt. Dort soll er die Polizei wegen des kommenden Gipfels beraten, er selbst soll allerdings während des Gipfels unsichtbar bleiben. Als am Strand eine abgetrennte Hand angespült wird, führen die Ermittlungen Nicolas Guerlain in eine ganz andere Richtung. Damit nicht genug, auch sein Nachbar ein älterer Fotograf ist verschwunden.

Mit einiger Situationskomik macht sich Nicolas Guerlain bei den Lesern bekannt. Wie er diesen ausfaltbaren Kevlarkoffer seinem Minister entgegen wirft und diesen dabei trifft. Mit solchen Personenschützern bedarf es fast schon keiner Attentäter mehr. Kein Wunder, dass Nicolas in der Normandie landet, dorthin wo man bekanntlich zweimal weint, einmal, wenn man dorthin muss und einmal, wenn man wieder weg muss. Doch wenn es Nicolas kalt überläuft, kommt er schon zu ernsthaften Ermittlungen. Die Gemeinde und auch seine Mutter ist in heller Aufregung über den aufgefundenen Arm und auch der verschwundene Fotograf beschäftigt die Gemüter. Und Nicolas lässt sich nicht so schnell aufs Abstellgleis schieben, ebenso wenig wie seine junge Kollegin Claire.

Wenn man sich erstmal etwas an der Küste Nordfrankreichs orientiert hat, werden einem die etwas urigen handelnden Personen schnell sympathisch. Nicolas Guerlain hängt zwar seiner Vergangenheit nach, was ihn manchmal bei der Ausübung seiner Arbeit behindert, aber wenn er sich im hier und jetzt befindet, ist er ein sehr gewitzter Ermittler, der manchmal gerade die Lücke sieht. Diese Fähigkeit kann er bei diesem verwickelten Fall gut gebrauchen. Lange fragt man sich, wie das alles zusammenpasst, um dann überrascht festzustellen, dass sich doch alles irgendwie fügt. Als erster Band einer Reihe ist dieser Roman für Liebhaber von Frankreichkrimis sehr zu empfehlen und auch jeder, der etwas skurrile Krimis mag, wird seine Freude an dem Buch haben.