Kaninchenherz

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Sandra Schwittau, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Andreas Kurth
Wenn die Friedhofsgärtnerin den Mörder jagt

Buch-Rezension von Andreas Kurth Aug 2015

Die frühere Kriminalkommissarin Gesine Cordes lebt in einem Wohnwagen am Rande eines Bauerhofes, und ist als Friedhofsgärtnerin tätig. Den Kontakt zu Familie und Freunden hat sie vor zehn Jahren abgebrochen, als ihr kleiner Sohn bei einem Unglücksfall ums Leben kam. Er hat eine Giftpflanze in ihrem Garten gegessen, Gesines Schwester hat nicht aufgepasst. Jetzt muss die Friedhofsgärtnerin mal wieder eine Beerdigung betreuen – und erlebt einen fürchterlichen Schock.

Während sie die Kränze in die Friedhofskapelle räumt, wird ihr an den Aufschriften deutlich, dass ihre Schwester Mareike zu Grabe getragen wird. Zwangsläufig begegnet sie Familienmitgliedern – und früheren Kollegen. Es stellt sich heraus, dass der Tod von Mareike einige Fragen aufwirft. Es sieht wie Selbstmord aus, könnte aber auch Mord gewesen sein. Und so gerät Gesine auch selbst in das Visier der Ermittler, denn die Ereignisse von vor zehn Jahren kommen auch wieder zur Sprache.

Autorin schweift immer wieder vom roten Faden ab

Annette Wieners erzählt ihre Geschichte überwiegend aus der Sicht ihrer Protagonistin Gesine Cordes. Der Einstieg mit der Verwirrung bei der Beerdigung ihrer Schwester Mareike ist ziemlich stark, doch dann geht es in Rückblenden zunächst um die Vergangenheit. Den Hintergrund aktueller Ereignisse Stück für Stück zu enthüllen ist eigentlich eine gute Erzählweise, aber bei Annette Wieners wirkt das eher wie zufällig zusammengeschrieben.

Die Autorin baut zwar Spannung auf, aber sie schweift immer wieder vom roten Faden ab – der ohnehin eher schwer zu erkennen ist. Immerhin gibt es so einige Überraschungen, die mögliche neue Tatverdächtige ins Licht der Aufmerksamkeit rücken. Aber der durchaus vorhandene Spannungsbogen wirkt auf mich am Ende nicht wirklich überzeugend.

Protagonistin ist schnippisch, trotzig und höchst eigenwillig

Gesines psychische Verfassung wird immer wieder eingehend geschildert. Hilflosigkeit und Angst werden mit zuweilen kindlich wirkendem Trotz und Stolz gepaart. Ausgiebig wird beschrieben, wie gut sie in ihrem neuen Beruf als Friedhofsgärtnerin zufrieden leben kann. Als sympathisch vermag ich Gesine Cordes allerdings nicht einzustufen.

Zu schnippisch reagiert sie auf die Nachfragen ihrer ehemaligen Polizei-Kollegen. Zu wenig souverän, stur, mehr als eigenwillig. Im Umgang mit ihrem Schwager und ihren Nichten ist sie mehr als unsicher, gegenüber ihren Eltern fährt sie konsequent die Stacheln aus. Insgesamt also eine eher zwiespältige Protagonistin, die sich vielleicht in den weiteren Folgen dieser neuen Reihe noch entwickeln wird.

Als kleine Einschübe fügt Annette Wieners einige Beschreibungen von Giftpflanzen ein, die Gesine Cordes offenbar in einem Notizbuch sammelt. Was ich von diesen Zwischentönen halten soll, kann ich ehrlich gesagt nicht beschreiben. Originell? Überflüssig? Schwer zu sagen. So richtig zu begeistern vermag mich das auf jeden Fall nicht.

Die weiteren Figuren spielen wirklich nur Nebenrollen

Annette Wieners setzt sehr stark auf die Rolle ihrer Protagonistin, die anderen Figuren spielen da wirklich nur Nebenrollen. Das wird durch die Rückblenden auf die Ereignisse vor zehn Jahren nicht abgemildert, sondern eher verstärkt. Man ist als Leser natürlich geneigt, sich zunächst gedanklich auf die Seite der Protagonistin zu schlagen. Allerdings wird es einem in diesem Buch nicht wirklich leicht gemacht.

Die ehemalige Kommissarin hat nicht nur einen schwierigen Charakter, das könnte man ja noch interessant finden. Sie spielt auch aus unverständlichen Gründen nicht mit offenen Karten, und den Grund dafür versteht man als Leser nicht – das wird auch am Ende der Geschichte nicht wirklich deutlich gemacht. Vielleicht ist diese Ambivalenz der Hauptperson von der Autorin durchaus gewollt – aber dann kann man das besser erzählen.

Wenn Drehbuchautoren einen Kriminalroman schreiben, ist das Ergebnis in aller Regel ein gutes Buch. Kaninchenherz ist durchaus lesenswert, aber sowohl bei der Protagonistin als auch beim Plot sehe ich da noch einiges Potenzial nach oben. Immerhin punktet das Buch mit dem mehr als überraschenden Ende dann doch noch kräftig. Damit zeigt Annette Wieners, dass sie es eigentlich besser kann. Und deshalb sollte man Gesine Cordes und ihrem nächsten Fall durchaus eine Chance geben.

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Letzte Kommentare:
02.01.2017 11:07:36
walli007

Vor zehn Jahren

Vor zehn Jahren ist der kleine Sohn von Gesine Cordes auf tragische Weise umgekommen. Gesine änderte ihr Leben daraufhin radikal, sie war damals Polizistin und nun arbeitet sie als Friedhofsgärtnerin. Überwinden wird sie den Verlust allerdings nie, sie lebt nur irgendwie weiter. Trotzdem ist sie schockiert als sie entdeckt, dass die Bestattung, die sie gerade vorbereitet, die ihrer eigenen Schwester ist. Obwohl Gesine den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat, ist nun die Zeit gekommen, sich den Ereignissen von vor zehn Jahren zu stellen. Auch der angebliche Selbstmord ihrer Schwester gibt Rätsel auf. Mareike war eigentlich nicht der Typ, der zu solchen Maßnahmen greift.

Gut kann man sich in Gesine Cordes hineinversetzen, die eigentlich abschließen wollte mit dem, was damals geschah. Zwar glaubt sie, dass der Tod ihres kleinen Philip nicht nur ein Unfall war, aber sie will einfach darauf verzichten weiter nachzuforschen. Ihre Schwester Mareike scheint etwas anderes im Sinn gehabt zu haben. Nach Jahren in Spanien war sie nach Deutschland zurück gekehrt. Offensichtlich wollte sie mit Gesine Kontakt aufnehmen und eine Annäherung herbeiführen. Und das, obwohl Gesine ihr immer vorgeworfen hat, sie habe nicht genug auf den Kleinen achtgegeben. Je mehr Gesine sich wieder mit ihrer Schwester beschäftigen muss, desto weniger ist sie überzeugt, dass diese ihren Tod selbst herbeigeführt hat.

Gesines Zerrissenheit, ihre Trauer, aber auch ihre Hartnäckigkeit, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen sind sehr lebensnah geschildert. Ihre Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Vergangenheit trägt die Handlung dieses Romans. Doch mit welcher Verächtlichkeit ihr die ehemaligen Kollegen begegnen und wie unschön das Verhältnis zu ihren Eltern ist, die ein sehr unterkühltes Verhalten an den Tag leben, das wirkt manchmal etwas übertrieben, so dass man sich zu fragen beginnt, ob die Gedanken in eine bestimmte Richtung gelenkt werden sollen. Gelöst werden kann dieser Fall nur, in dem die Vergangenheit mit der Gegenwart versöhnt wird. Ob und wie Gesine sich ihren Problemen stellt, bildet die Grundlage für einen fesselnden Spannungsroman, den die Sprecherin Sandra Schwittau mit angenehmer Stimme einnehmend vorträgt.

27.10.2016 14:49:39
BELSL

Ich war am Anfang der Lektüre schon in Versuchung das Buch beiseite zu legen da ich mich über die manchmal holprige Ausdrucksweise ärgerte und ein gewisses Niveau vermißte, Jenny Mills " Grab aus Stein", auch ein Debut, weist einige Mängel auf, aber die Lektüre ist doch um einiges anspruchsvoller und origineller, "Kaninchenherz" empfinde ich als sehr flach und ich hatte das Buch in einem Tag ausgelesen was nicht unbedingt für das Niveau spricht.
Die Charaktere wirken als hätte die Autorin möglichst schnell mit dem Schreiben fertig sein wollen, die Entwicklung wird nicht deutlich und sichtbar.
Ein Beispiel: das Verhältnis der Protagonistin zu ihren Nichten, am Anfang wollte sie nichts, aber auch nichts von ihnen wissen um sich am Schluß in eine liebevolle Tante zu verwandeln, das wirkt wie schnell hingeschrieben.
Auch das Motiv für ein Verbrechen wirkt auf mich nicht plausibel, ich finde es unglaubwürdig aus diesen Gründen einen Mord auf sich zu nehmen.
Empfehlen würde ich das Buch für eine Zugreise oder für das Wartezimmer des Arztes, wenn ich eine schnelle Ablenkung benötige für die nicht viel Konzentration benötigt wird.

13.07.2016 09:39:49
Buecherwurm101

Nachdem ich bei dieser Reihe mit Band 2 begonnen hatte, habe ich mir nun auch Band 1 gegönnt. Die Fälle sind in sich abgeschlossen, auch wenn die Protagonisten ihre Geschichte weiter verbindet.

Dies ist also der Neubeginn als Friedhofsgärtnerin der ehemaligen Ermittlerin Gesine Cordes.
Vor zehn Jahren wurde ihr damals zweijähriger Sohn Philipp tot aufgefunden. Die Umstände wurden nie geklärt. Gesine konnte nicht weiter in ihrem Haus mit ihrem Ehemann Klaus wohnen bleiben, auch ihre Ermittlertätigkeit war ihr nicht mehr möglich. Sie brach mit ihren Eltern und ihrer Schwester und begann ganz von vorn.

Die Arbeit in einer Friedhofsgärtnerei erfüllt sie. Sie hat es sich in einem Wohnwagen auf einer Wiese gemütlich gemacht. Auf dem Friedhof gibt es einen Bereich für Kindergräber, dort liegt auch ihr Sohn begraben, den sie jedoch nicht besuchen kann.

Bis eines Tages eine Beerdigung vorzubereiten ist und sie erst sehr spät erfährt, dass es die ihrer Schwester Mareike ist. Zu den Trauergästen gehören auch ihre Eltern, der Ehemann und die Zwillingstöchter ihrer verstorbenen Schwester. Auch heute klafft noch die Lücke zwischen Gesine und ihren Eltern, die ihr die Schuld am Tod ihres Sohnes geben. In Gesprächen kommen Ungereimtheiten auf und Gesine möchte dem Ganzen auf den Grund gehen. Es werden noch zwei weitere Menschen ermordet aufgefunden. Die Zusammenhänge scheinen fakt zu sein.

Wie hängt das alles zusammen? Hängt es überhaupt zusammen?

Die Kapitel sind in „vor 10 Jahren“ und dem Jetzt unterteilt. Es ist alles sehr leicht nachvollziehbar. Nichts ist verzwickt geschrieben.
Auch schön sind die einzelnen Seiten, auf denen die Giftpflanzen beschrieben werden.

Alles in Allem hat mir das Lesen sehr viel Freude bereitet. Spannend, informativ und alles in einem ineinander fließenden Schreibstil verfasst.

29.05.2016 15:52:24
Nuigurumi

Bei diesem Buch ist mir etwas passiert, was es bei einem Krimi noch nie gab: ich habe das Buch abends im Bett gelesen und es 10 Seiten vor Ende zur Seite gelegt, um zu schlafen! Das spricht nicht gerade für ein spannendes Ende... Aber ich wusste genau, wer der Mörder ist und die ganze Geschichte war so holprig, dass das Lesen einfach keinen Spaß gemacht hat. Dabei klingt die Idee so gut und der Titel vielversprechend: nach einem Schicksalsschlag wird eine Kommissarin zur Friedhofsgärtnerin und als 10 Jahre später ihre Schwester auf ihrem Friedhof beerdigt wird, holt die Vergangenheit sie ein.

Am Tag der Beerdigung ihrer Schwester Mareike sieht Gesine ihre Familie zum ersten Mal wieder, nachdem ihr 2-jähriger Sohn vor 10 Jahren in Mareikes Obhut an einer Pflanzenvergiftung starb. Gesine trifft Mareikes Mann und ihre Zwillingstöchter zum ersten Mal und wird auch wieder mit ihren Eltern konfrontiert. Mareikes Tod wird von einem Ex-Kollegen von Gesine und einer jungen Kommissarin untersucht, da nicht klar ist, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt.

Ich kann die Lektüre dieses Buches nur als holprig bezeichnen. Das liegt nicht am Stil der Autorin; sie schreibt gut. Aber die Übergänge zwischen den Kapiteln haben mir zu schaffen gemacht. Bei jedem neuen Kapitel musste ich mich neu reinfinden, da war nichts fließend und schlüssig. Das lag vor allem auch daran, dass ich nicht das Gefühl hatte, irgendeine der Personen wirklich kennen zu lernen. Sie sind mir alle fremd geblieben und es gab daher auch keine einzige, deren Handlungen ich nachvollziehen konnte. Die ganze Dynamik in Gesines Familie ist mir auch ein völliges Rätsel geblieben.

Zwischen den Kapiteln werden oft giftige Pflanzen vorgestellt, da Gesine nach dem Tod ihres Sohnes angefangen hat, sich intensiv damit zu beschäftigen. Aber ich verstehe nicht, was das bringen soll. Meiner Meinung nach unterbricht es den Lesefluss nur noch mehr.

Schöne Idee, guter Schreibstil, aber ich bin in dieses Buch nicht reingekommen und habe mich bis zum enttäuschenden Ende durchgequält. Und dann bleiben so viele Fragen offen - nicht zuletzt die nach der Bedeutung des Titels...

02.05.2016 16:01:51
Linda

Gesine war eine erfolgreiche Kriminalkommissarin, hat sich aber nach einem tragischen Unglück von ihrem alten Leben verabschiedet und arbeitet mittlerweile als Friedhofsgärtnerin.

Dass ihr Sohn als kleiner Junge gestorben ist, hat sie nie verkraftet und ist entsprechend gezeichnet. Sie lebt zurückgezogen in einem Wohnwagen und hat wenig Kontakt zu anderen Menschen, mit ihrer Familie hat sie überhaupt nichts mehr zu tun.

Bei ihrer Arbeit bleibt ihr die Familie aber irgendwann nicht mehr erspart, denn Gesines Schwester ist tot und wird auf dem Friedhof beerdigt, auf dem Gesine arbeitet.

Mareike, Gesines Schwester ist unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Alles deutet auf Selbstmord hin, aber ihr Mann glaubt nicht an diese These.

Bald ist klar: Mareike wurde ermordet.

Gesine bleibt nichts anderes, als sich ihrer Vergangenheit zu stellen, nicht zuletzt, als der Verdacht aufkommt, sie könnte ihre Schwester ermordet haben und die Polizei gegen Gesine ermittelt.

Die Geschichte ist recht düster, was zwar zum Thema passt, aber auch ziemlich erdrückend ist. Die Protagonisten blieben mir durchweg fremd, ich konnte selbst mit Gesine nicht warm werden.

Das Buch ist eher mit einem Familiendrama zu vergleichen, für mich ist es nicht wirklich ein Krimi. Stellenweise recht langatmig, fehlt die Spannung zwar nicht durchweg, für einen Krimi wird aber zu wenig geboten.

30.04.2016 20:46:11
c-bird

Die Vergangenheit muss bewältigt werden

10 Jahre sind vergangen seit Gesine Cordes ihren Beruf als Kriminalkommissarin aufgegeben hat und sich von ihrer Familie zurückgezogen hat. Damals kam ihr kleiner Sohn Philipp durch tragische Umstände ums Leben, die Schuld wiesen sich Gesine und ihre Schwester Mareike gegenseitig zu. Die Jahre vergingen, Gesine lebt mittlerweile in einem Wohnwagen und arbeitet als Friedhofsgärtnerin. Groß dann der Schock, als sie bei den Vorbereitungen zu einer Beerdigung feststellen muss, dass es ihre eigene Schwester Mareike ist, die von einem Zug überfahren wurde. Ein Selbstmord? Oder ein Mord? Alte Wunden werden aufgerissen und nicht nur das: Gesine wird zur Beschuldigten und muss sich ihrer Vergangenheit stellen damit endlich die Wahrheit ans Licht kommt.

Mit Gesine Cordes ist Annette Wieners eine tolle Figur gelungen. Eine Frau, die sehr eigen agiert und es erst nach Jahren der Trauer geschafft hat ins Leben zurückzufinden. Einen großen Teil des Buches nimmt die Aufarbeitung der Familientragödie in Anspruch. Eigentlich schon fast mehr ein Drama als ein Kriminalroman. In kleinen eingeschobenen Rückblicken erfährt man nach und nach was damals vor 10 Jahren wirklich geschehen war. Dabei wird die Trauer und Ohnmacht Gesines deutlich spürbar. Manche Sätze wirkten etwas abgehackt, doch diese sollten wohl die Trauer und die Gefühle Gesines verdeutlichen. Doch können Eltern wirklich so hassen? Schon fast übertrieben wirkten die Szenen auf mich, bei denen Gesine mit ihren Eltern konfrontiert wurde. Lügen und Schuld kennzeichnen diesen Krimi, der mit seinen kurzen Kapiteln eigentlich recht schnell zu lesen war. Die Spannung ließ etwas zu wünschen übrig, dennoch ein interessantes Buch.

„Kaninchenherz“ ist der Beginn einer Reihe mit Gesine Cordes. Ich bin gespannt, ob Gesine in ihren alten Beruf zurückkehren wird oder als Privatermittlerin tätig sein wird. Ansonsten kann ich das Buch mit gutem Gewissen empfehlen.
Autor: Annette Wieners