Die Suche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Sphere, 2007, Titel: 'Bite', Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Jürgen Holdorf, Elena Wilms, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Andreas Kurth
Wenn der Mückenstich tödlich ist

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jul 2015

Die Britin Erica Stroud-Jones hat als junge Wissenschaftlerin in den 90er Jahren als freiwillige Helferin für "Ärzte für Afrika" gearbeitet. Zehn Jahre später trifft sich sie mit ihrem neuen Freund Max in Amsterdam. Während Erica dort zu einem Medizinerkongress will, bei dem sie über ihre Forschungsergebnisse zur Bekämpfung von Malaria referieren soll, plant Max eine Ausstellung. Er ist Künstler und hat in den Niederlanden einen Galeristen gefunden. Im Prolog erleben die Leser jedoch bereits mit, wie gezielt Moskitos im Flugzeug nach Amsterdam freigelassen werden. Dort bricht schon nach kurzer Zeit eine Malaria-Epidemie aus – und die Experten stellen schließlich fest, dass es sich offenbar um einen Anschlag handelt. Derweil ist Erica spurlos aus dem gemeinsamen Hotel verschwunden. Max findet bei der niederländischen Polizei kein Gehör, und macht sich in seiner Verzweiflung selbst auf die Suche nach Erica. Er findet auch Ericas Tagebuch – und ahnt dabei nicht, welcher Alptraum ihm in den nächsten Tagen bevorsteht.

Rache, große Gefühle und menschliche Dramen

Wirtschaftsberichterstattung mag zuweilen spannend wie ein Thriller sein, aber dass ein Fach-Journalist ein derart spannendes Buch schreibt, ist dann doch einigermaßen überraschend. Nick Louth hat mit Die Suche einen Roman vorgelegt, der eine wirklich spannende Mischung enthält. Wenn mehrere Oberthemen in einem Buch vereinigt werden, ist die Gefahr groß, dass etwas zu kurz kommt, oder nur am Rande gestreift wird. Nick Louth hat mehrere große Themen für seinen Roman – und baut sie so geschickt in das Buch ein, das es wirklich passt. Der beste dramaturgische Kniff ist, dass die Tagebucheinträge von Stroud-Jones aus der Zeit von vor zehn Jahren und die Handlung in der Gegenwart sich abwechseln. Die Brutalität von Unabhängigkeitskämpfern in Afrika und das Leiden westlicher Geiseln wird hier schonungslos und offen geschildert. Die Ignoranz der großen Pharma-Konzerne gegenüber Heilmitteln bei Malaria – eines der Motive für Nick Louth, diesen Roman überhaupt zu schreiben – wird hervorragend in die kriminelle Handlung eingebaut. Daneben geht es um Rache, große Gefühle und einige menschliche Dramen. Alles in der richtigen Dosierung und ziemlich geschickt verknüpft – jedenfalls nach meiner Auffassung.

Psychisch und physisch schier unerträgliche Behandlung

Die Schilderungen im Tagebuch der jungen Wissenschaftlerin sind ziemlich harter Stoff für den Leser. Man kann sich kaum vorstellen, wie Menschen diese psychisch und physisch schier unerträgliche Behandlung in der Gefangenschaft über einen längeren Zeitraum aushalten. Das gilt vor allem angesichts der zeitweise völlig verschwundenen Hoffnung auf Rettung. Als dann in der Gegenwartshandlung auch noch klar wird, wie die damaligen Ereignisse mit dem aktuellen Geschehen zusammen hängen, muss man als Leser schon das eine oder andere Mal mal tief durchatmen. Nick Louth hat hier einen erstklassigen Plot zu Papier gebracht. Das Buch wirkt insgesamt sehr gut recherchiert – auch der afrikanische Part. Das Schicksal der Geiseln wird dabei von Louth vermutlich mehr als realitätsnah geschildert, aber auch die spätere Rolle der Rebellen in ihrem zerrissenen Land.

Ein Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient

Max ist ein teilweise naiver, aber sympathischer Protagonist – man fiebert als Leser gerne mit, wünscht ihm dabei, dass er seine Freundin wieder findet. Er hat es dann allerdings mit Kontrahenten zu tun, die offenbar ohne jeden Skrupel sind und vor nichts zurückschrecken. Ein Menschenleben scheint keinerlei Wert zu besitzen, wie die folgenden Morde zeigen. Dabei glaubt man als Leser mehrfach, mit dem jungen Mann zusammen auf der richtigen Spur zu sein, nur um von immer neuen Wendungen, die es reichlich gibt, abermals überrascht zu werden. Die Spannung setzt gleich zu Beginn ein und lässt bis zu den letzten Seiten nicht nach. Die Suche ist ein in meinen Augen Thriller, der diese Bezeichnung wirklich verdient.

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