Blood On Snow. Das Versteck

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2016, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Andreas Kurth
Showdown am Polarkreis

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2015

In einem kleinen Dorf in der norwegischen Finnmark, dem nördlichsten Verwaltungsbezirk des Landes, trifft ein junger Mann aus Oslo ein. Unter den einheimischen Samen und Nordnorwegern fällt Ulf Hansen sofort auf. Er behauptet hier jagen zu wollen. Tatsächlich ist er ein Klein-Dealer, der auf der Flucht vor dem "Fischer" ist, einem Kriminellen, der den Drogen-Markt in Oslo beherrscht, und den Hansen betrogen hat.

Nach seiner ersten Übernachtung - in einer Kirche - lernt er Lea und ihren Sohn Knut kennen. Sie ist Küsterin in der laestadianischen Gemeinde des Ortes, und in der Folge muss sich Ulf mehrfach mit dieser sehr speziellen Art des lutheranischen Glaubens auseinandersetzen. Aber vor allem muss er sich verstecken, denn er ist sich sicher, dass über kurz oder lang ein vom "Fischer" ausgesandter Killer auftauchen wird, um ihn zu töten. Er freundet sich langsam mit den Einwohnern an, vor allem mit Lea und Knut, aber seine Vorahnungen waren richtig, und schon bald wird es für ihn in der beschaulichen Finnmark lebensgefährlich.

Ungewöhnliche Liebesgeschichte ist in die Handlung eingebettet

Das Versteck ist der zweite Band einer kleinen Reihe von Jo Nesbø, in der der Autor vom gewohnten Erzählstil seiner Thriller erheblich abweicht. Zwar werden auch die Bücher dieser Reihe vom Verlag als Thriller bezeichnet, aber das sind sie im meinen Augen doch eher nicht. Es geht immerhin um Drogenhandel, um Mord, um Auftragskiller, also liegt hier ein Kriminalroman vor - aber kein Thriller.

Wie schon im ersten Band ist eine ungewöhnliche Liebesgeschichte in die Handlung eingebettet. Entsprechend ist der Erzählstil deutlich geruhsamer als in der Harry-Hole-Reihe des Norwegers.

Etlichen Fans von Jo Nesbø wird das nicht so recht gefallen, wie bereits an den negativen Äußerungen zu Der Auftrag abzulesen ist. Wer den Auftakt-Band also nicht mochte, kann sich die Lektüre der weiteren Romane der Reihe zweifellos schenken. Ich finde diesen Stilwandel dagegen faszinierend. Ein über die Jahre auf eine bestimmte Art Bücher festgelegter Autor, der damit überaus erfolgreich ist, probiert mit einer kleinen Reihe offenbar mal etwas ganz anderes aus - und das ist gut so.

Jo Nesbø schildert die Finnmark aus eigener Anschauung

Die Spannung steht hier nicht im Vordergrund, baut sich aber dennoch langsam auf. Dafür sorgen schon die Rückblicke und Selbstreflektionen von Ulf, der eigentlich Jon heißt, und als Klein-Dealer und Auftragsmörder in Oslo eine Rolle in der Organisation des "Fischers" gespielt hat. Neben diesen Schilderungen aus dem Leben des Protagonisten widmet sich Jo Nesbø durchaus ausführlich dem Leben in der Finnmark, wo er nach eigener Aussage in jungen Jahren viel unterwegs war und sogar eine Zeitlang gelebt hat.

Die Samen und ihre Kultur sind in den zurückliegenden Jahren von verschiedenen skandinavischen und anderen Autoren entdeckt worden, was man durchaus als eine Art Hommage an dieses kleine Volk betrachten kann. Überaus eigenwillig ist die Lebensweise der laestadianischen Gemeinschaft, einer sehr speziellen Unterart und Auslegung des lutherischen Protestantismus. Auch damit dürfte Jo Nesbø einige eigene Erfahrungen gemacht haben, und die baut er hier sehr geschickt in seinen Roman und die nicht alltägliche Liebesgeschichte ein.

Wer sich auf den neuen Stil einlässt, wird gut unterhalten

Jo Nesbø ist bekanntermaßen ein guter Geschichten-Erzähler, dass macht er auch in dieser kleinen Reihe deutlich. Er versteht es eben, den Leser mit seinen Schilderungen zu fesseln - es sei denn, man ist absolut auf Action, Mord und Totschlag fixiert. Der geschickte Wechsel zwischen zwei Zeitebenen, und die Ungewissheit, was als nächstes passieren könnte, sorgen dafür, dass man als Leser neugierig bleibt.

Die Gründe, die den Protagonisten zum Betrug an seinem Auftraggeber geführt haben, passen in den Stil dieser Roman-Reihe. In meinen Augen hat Jo Nesbø hier eine feine Mischung gefunden. Und die ist nun mal ganz anders, als man es von seinen vorherigen Romanen gewohnt ist. Wenn man sich auf diesen "anderen" Jo Nesbø einlässt, wird man allerdings hervorragend unterhalten.

Blood On Snow. Das Versteck

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Letzte Kommentare:
17.01.2017 09:46:56
Renate

...ich muß mich meinen Vorschreibern leider anschließen. Wer die anderen Bücher gelesen und toll gefunden hat weiß nicht wie ihm geschieht, wenn er plötzlich in einer Liebesgeschichte landet obwohl er einen Thriller lesen wollte. Das Buch war für mich eine große Enttäuschung, ich habe bis kurz vor Schluß immer noch gehofft daß was passiert...

30.04.2016 16:04:57
tom rothenbühler

no thrill - reicht als Kommentar, nur akzeptiert das das System nicht. Nesbo gehörte bis diese kleinen Reihe zu meinen ganz grossen Lieblingsautoren. Zwar bin ich auch verblüfft, dass einer seinen Schreibstil derart wandeln kann. Darüber hinaus bin ich jedoch insbesondere enttäuscht. Leider, wie auch der erste Band dieser Reihe, kein Geschichte, die mir gefällt.

24.03.2016 09:04:05
Daniel Hill

Naja, wer von der Harry Hole Reihe und "der Sohn" begeistert war, wird hier sicherlich enttäuscht.
Für den schnellen und unkomplizierten Lesespaß ist das Buch geeignet, jedoch darf man nicht zu viel Tiefgründigkeit erwarten.
Ich wartete auf den Nesboe-üblichen Knaller-Schluss, war sehr überrascht, dass das Buch so endete wie es endet. Die letzten 40 Seiten hätte ich mir am liebsten gespart.

10.11.2015 18:44:27
Jan Formann

Ich habe das Buch in der Originalsprache gelesen. Es ist zu 80 Prozent ein Liebesroman und ganz wenig ein Thriller.Nicht das das Buch schlecht ist, aber wer Jo Nesbø gewohnt ist, erwartet eher einen Thriller als eine Schnulze mit Liebe und Religion. Harry Holes Liebesgeschichte von der Harry Hole Reihe wird irgendwie hier wiederholt nur mit anderen Namen und in die Länge gezogen, so dass der Thriller im Hintergrund bleibt, so nebenbei.