Glut und Asche

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • New York: Simon & Schuster, 2011, Titel: 'Feast day of fools', Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2015, Seiten: 2, Übersetzt: Dietmar Wunder, Bemerkung: Gekürzte Lesung

Couch-Wertung:

85°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

3 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:95
V:3
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":1,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":1,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":2}
Jörg Kijanski
Wie ein alles vernichtender, brutaler Orkansturm

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2015

Danny Boy Lorca lebt in der Nähe der texanisch-mexikanischen Grenze, in deren Wüste er Zeuge eines grausamen Mordes wird. Doch während des gewaltsamen Aktes gelingt es einem anderen Mann, vor der mehrköpfigen Mörderbande, angeführt von dem Menschenschmuggler Krill, zu fliehen. Sheriff Hackberry Holland und Chief Deputy Pam Tibbs haben derweil noch andere Sorgen. Der vom Hass gegen die Mexikaner erfüllte Reverend Cody Daniels macht ihnen zu schaffen und zudem sucht FBI-Agent Ethan Riser nach einem vermissten Bundesbeamten. War dies womöglich der Mann, der in der Wüste entkommen konnte? Doch Riser mauert mit seinem Wissen und so bekämpfen sich Holland und Riser anstatt sich gegenseitig zu helfen.

 

"So etwas macht nur jemand, der einen Hochofen statt eines Hirns im Schädel hat. Für uns sind diese Typen keine abstrakten Fälle, sondern Alltagsrealität. Wir leben hier an der Grenze mitten unter ihnen und müssen uns mit diesen Kerlen auseinandersetzen. Und Sie haben nichts Besseres zu tun, als uns Informationen zu diesen Mistkerlen zu verweigern, auf die wir Anspruch haben."

 

Schon bald drohen sich die Ereignisse vollends zu überschlagen. Der skrupellose Rüstungsunternehmer Temple Dowling, der als "Bürgersoldat" ebenfalls für Ordnung sorgen möchte, ist ebenfalls hinter besagtem Bundesbeamten her. Gleiches gilt für einen russischen Pornoproduzenten und zu guter Letzt taucht einmal mehr der seit Jahren gesuchte Massenmörder Preacher Jack Collins auf. Dieser hätte vor einem Jahr beinahe Holland und Tibbs erschossen ...

In jeder Hinsicht ein mächtiges Werk.

Glut und Asche ist die gelungene Fortsetzung von Regengötter, der 2015 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde. Wie bei Fortsetzungen üblich, gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Figuren und im vorliegenden Fall stellt sich zudem die Frage, ob dem amerikanischen Erfolgsautor ein weiteres "Meisterwerk" geglückt ist. Eines vorab: Was der im Jahr 1936 geborene James Lee Burke hier auf seine Leser ablässt ist starker Tobak. Wer bei der kurzen Einleitung schon den Überblick verloren hat, dem könnte eine größere Belastungsprobe bevorstehen, um den Überblick zu behalten. Ach ja, eine mysteriöse Chinesin namens "La Magdalena", die ebenfalls eine zentrale Rolle spielt, ist noch gar nicht erwähnt worden.

Der Roman lebt von der rauen, kargen Landschaft mit ihrer Wüste, den Felsplateaus in der Grenzregion von Texas und Mexiko. Das viele Illegale über die Grenze zu fliehen versuchen, da sie sich ein besseres Leben erhoffen, ist manch einem Texaner ein Dorn im Auge und so gehen sie schon mal nachts heimlich auf die Jagd. Die Landschaft und die kulturellen Unterschiede zwischen Gringos und Wetbacks - vor allem auf der unteren Ebene der Gesellschaftsskala - sind zwei der Hauptthemen dieses Romans. Aber auch die mitunter skurril anmutenden Figuren sind in ihrer (Über-)Zeichnung durchaus von Interesse. Allen voran der Protagonist Hackberry Holland. Ein alter Kriegsveteran, dem seine lange Gefangenschaft in Nordkorea noch immer schlaflose Nächte bereitet; Navy Cross und Purple Heart hin oder her. Mittlerweile ist er zu einer Art Gutmensch mutiert und hat weitgehend seinen Frieden mit der Menschheit geschlossen, was ihm ein ums andere Mal lange Diskussionen mit seiner resoluten Partnerin Pam Tibbs einbringt. Allerdings kann der bald 80-jährige Sheriff nach wie vor ganz andere Seiten aufziehen, was gleich mehrere seiner zahlreichen Gegner zu spüren bekommen. In seine von Selbstmitleid und -ekel geprägte Gedankenwelt passt, dass er ein ambivalentes Bild zu Frauen hat.

Aber auch alle anderen Figuren sind stark überzeichnet oder besser gesagt, haben ganz ordentlich einen an der Klatsche. Und was hilft in solchen Fällen? Na klar, eine dicke Wumme. Eine Pistole ist da eher was für Schlappschwänze, das MG schon lange erfunden. So mangelt es an Gewaltorgien in diesem Buch nicht und wie so oft ist nicht unwesentlich der schnöde Mammon Schuld. Hier geht es konkret um die Wahrung eines Militärgeheimnisses, welches nicht in die Hände von al-Quaida fallen soll, womit das Durcheinander vollends komplettiert wäre. Großartig einmal mehr ist übrigens die völlig undurchsichtige Figur des Preachers Jack Collins, der den Lesern Albträume bescheren dürfte.

 

"Wer hat das getan?"
"Der Mann, der sich selbst als die linke Hand Gottes bezeichnet."
"Das ist Blasphemie."
"Jack Collins ist eine Beleidigung für den gesamten Planeten."

 

Sprachlich und inhaltlich ist Glut und Asche ein gewaltiges, ein gewalttätiges Werk. 700 Seiten, reichlich Schlägereien und Schießereien, körperliche Misshandlungen von Minderjährigen (vor allem in den mexikanischen Slums und deren Bordellen) und nicht zuletzt eine Sprache, deren Vulgarität und Explosivität nichts zu wünschen übrig lässt. Ist Glut und Asche somit nur ein weiterer Schmöker der Kategorie "Gewaltpornografie"? Nein, denn der betagte Autor hält seinen Landsleuten lediglich den Spiegel vor. In einem Land, wo jeder Vollidiot sich eine Waffe kaufen kann, wo "Stay my ground" zur Faustregel geworden ist und dem Gott des Kapitalismus alles untergeordnet wird, da scheint nicht mehr viel zu retten. Der "American Way of Life" in seiner düstersten Version, das ist Glut und Asche. Jeder gegen jeden, Egoismus pur und wenn die Argumente ausgehen oder gar nicht erst vorhanden sind, dann wird geprügelt und geballert. Dunkle Zukunftsvisionen ziehen auf. Aber James Lee Burke hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Erde noch zu retten sei. Ein grandioses Werk mit kleineren Ungereimtheiten, das aber vor allem zu umfangreich ausgefallen ist und dadurch etliche Längen hat. 200 Seiten weniger wären am Ende deutlich mehr gewesen.

Glut und Asche

Glut und Asche

Deine Meinung zu »Glut und Asche«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
13.11.2016 16:30:39
Oldman

Dieses Buch läßt mich mit ambivalenten Gefühlen zurück. Es spielt im tiefsten Hinterland von Texas und in Mexiko, und die Landschaftsbeschreibungen sind wirklich hervorragend. Aber die meisten Figuren handeln teilweise in sich nicht stimmig, und vor und während der diversen Metzeleien wird viel zu viel geredet, was völlig unglaubwürdig ist. Die Handlung kommt wegen der vielen nutzlosen Dialoge nur schwer voran, und es wäre schon besser gewesen, der Autor hätte sich auf weniger Buchseiten als fast 600 beschränkt. Dennoch war das Lesen dieses eigenwilligen Krimis irgendwie faszinierend, werde künftig noch andere Bücher von Burke lesen, bevor ich ein endgültiges Urteil für mich über die Qualität des Autors fällen kann.

15.09.2015 23:36:53
M.Reinsch

Als der Indianer Danny Boy Lorca dem Sheriff eines kleinen Kaffs nahe der mexikanischen Grenze, von einembrutalen Mord in der Wüste berichtet, den er mit angesehen hat, beginnt für Hackberry Holland ein weiterer Alptraum, in dem auch seine böse Nemesis „Preacher Jack Collins“ seinen festen Platz hat. Was als einfacher Mord beginnt, baut sich immer mehr zu einem Verwirrspiel „Jeder gegen Jeden“ auf, in dem auch die russische Mafia ein Wörtchen mit zu reden hat…
Keine Frage, James Lee Burke kann schreiben. Schon von den ersten Seiten an wurde ich schnell in seinen Bann gezogen. Sein Protagonist lässt für mich alle bekannten Ermittler in den Schatten treten: Ein fast 80 jähriger, knochiger, aber noch agiler, Koreakrieg-Veteran, der sich der Wahrheit verschrieben, ein Verhältnis mit seinem Chef-Deputy und eine furchterregende Nemesis hat. Jede Figur, und vor allem Jack Collins, sind sehr detailliert angelegt und man erfährt einiges über die Gründe ihres Verhaltens. So gibt es eigentlich kein Schwarz/Weiß sondern nur viele „Grauschattierungen. Gerade die sehr expliziten Personenbeschreibungen und Handlungsabläufe, hauchen dem Roman viel Leben ein. Dazu kommen unglaublich einfühlsame Landschaftsbeschreibungen, die dem Leser das Gefühl geben, selbst „Vor Ort“ zu sein. Sicher ist das manchmal etwas langatmig, aber der wunderbare Schreibstil lässt einen gerne darüber hin weg sehen. Das Burke eine gewisse Intoleranz gegenüber Mexikanern hat, zeigt sich an seinen Figuren von jenseits der Grenze. So wie anscheinend ganz Mexiko nur aus Tavernen, Hurenhäusern und korrupten Polizisten zu bestehen scheint. Sehr auffällig ist auch das starke Glaubensbekenntnis, das fast alle wichtigen Figuren mit sich herum tragen (wobei es jeder Protagonist auf andere Weise interpretiert und auslebt). Die Sprache ist meist rau und manchmal obszön, passt aber fast immer zum Geschehen und ist somit tolerabel. Der ganze Roman liest sich wie ein in die Moderne umgesetzter Western (inklusive „Shoot out“), um den einsamen Gesetzeshüter, der sich einen Teil des Gesetzes so hinbiegt, wie er es für richtig hält.
Fazit: Ein Moderner Western (eher Krimi als Thriller), dessen ersten Teil man zum besseren Verständnis wohl gelesen haben sollte. Mit Clint Eastwood oder Tommy Lee Jones in der Hauptrolle als Film sehr gut vorstellbar. Hard Boiled in Wort und Tat…