Fremde Treue

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 1991, Titel: 'Strange loyalties', Originalsprache
  • München: Antje Kunstmann, 2015, Seiten: 320, Übersetzt: Conny Lösch

Couch-Wertung:

84°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:94
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":1,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jürgen Priester
McIlvanney lesen ist wie auf Wolken schweben

Buch-Rezension von Jürgen Priester Mai 2015

Wie das Leben so spielt. Da wurde das Werk des schottischen Autors, der bis Mitte der 1990er Jahre etliche Romane veröffentlicht hatte, bei einer Verlagsübernahme (2013) zufällig wiederentdeckt und neu belebt. Übersetzungen wurden ins Ausland verkauft. Es keimte sogar die Hoffnung auf, dass McIlvanney seine mittlerweile bekannt gewordene "Laidlaw-Trilogie" fortsetzen könnte. Da klopfte plötzlich Gevatter Tod an seine Tür und trat ein. William McIlvanney starb am 5. Dezember 2015 im Alter von 79 Jahren in Glasgow nach einer kurzen Krankheit. Sein Vorhaben, noch "3-4 Sachen zu machen", konnte er nicht verwirklichen.

Der Schotte William McIlvanney genießt bei Krimikennern allerhöchste Anerkennung. Alle drei Romane der "Laidlaw-Trilogie", die der Autor zwischen 1977 und 1991 schrieb, belegten z.B. vorderste Plätze in der KrimiZeit-Bestenliste. Die allgemeine Hochachtung seiner Werke gründet nicht auf ausgeklügelten Kriminalstorys mit vordergründigen Spannungselementen oder irgendwelchen Action-Spektakeln, sondern ganz einfach auf der Schönheit seiner Poesie und seiner Lebensweisheit. Dem Rezensenten ist in der Kriminalliteratur nichts Vergleichbares untergekommen. Dafür gebührt ihm eine Wertung von 100° auf der Krimi-Couch-Werteskala.

Fremde Treue, der dritte Teil der "Laidlaw-Trilogie" ist nicht so düster wie seine beiden Vorgänger. McIlvanney schickt seinen Protagonisten aufs Land, in die Grafschaft Ayrshire. Dort herrscht natürlich nicht nur eitel Sonnenschein (wir sind in Schottland), doch die Probleme der Menschen erscheinen weniger komprimiert als in seiner Großstadt wie Glasgow. Es geht um gelebte und nicht gelebte Beziehungen, verpasste Gelegenheiten und sonderbaren Verbundenheiten (Strange Loyalties). Erst gegen Ende Handlung kehrt McIlvanney zu dem zurück, was wir Leser landläufig unter Krimi verstehen.

Jack Laidlaw, der rastlose Kripomann aus Glasgow, nimmt sich eine Auszeit. Nicht, um mal auszuspannen, was dringend geboten wäre. Sein unermüdlicher Einsatz für Recht und Gerechtigkeit frisst ihn auf. Sein Privatleben gleicht einem Scherbenhaufen. Er trinkt zuviel, fast täglich. Er hat die Orientierung verloren. Neben den beruflichen und häuslichen Belastungen lässt ihm der Unfalltod seines Bruders Scott einige Wochen zuvor keine Ruhe. Er fühlt sich mitschuldig, weil er sich zu wenig um Scott gekümmert hat. Dabei gibt es am Unfallhergang nichts zu deuten. Scott ist nachts sturzbetrunken in ein vorbeifahrendes Auto gelaufen. Den Fahrer trifft keine Schuld. Aber was geschah vorher?

Jack fährt nach Graithnock, gar nicht so weit von Glasgow entfernt, wo Scott zuletzt gelebt und gearbeitet hat. Er will sich mit Scotts Frau unterhalten, Freunde und Bekannte aufsuchen, den Rektor und die Kollegen der Schule, an der Scott unterrichtet hatte. Jack stößt auf eine Mauer des Schweigens. In Scotts Vergangenheit muss es ein dunkles Geheimnis gegeben haben, über das niemand, der darin irgendwie involviert war, sprechen möchte. Mit der ihm eigenen Verbissenheit versucht Laidlaw, dieses Geheimnis zu lüften, und die Lösung führt ihn zurück auf die aktuellen Fälle, mit denen sich seine Kollegen in Glasgow gerade beschäftigen.

Verlage, Medien und auch wir Leser möchten Kategorien. So wird William McIlvanney gerne als "Godfather of Tartan Noir" bezeichnet, an dem sich so bekannte Autoren wie Ian Rankin orientierten. Was hinter diesem grandiosen Titel steckt, ist relativ einfach. McIlvanney und seine Nachfahren schreiben über einfache Menschen aus der gebeutelten Mittelschicht, der Unterschicht, der Halb- und Unterwelt. Deren Leben ist nun mal eher "noir", geprägt vom täglichen Kampf zu überleben. Die daraus resultierenden Konflikte und größere oder kleinere Straftaten, oft einer Verzweiflung geschuldet, sind ein großer Teil ihrer Realität. Deshalb ist die Stimmung in diesen "Noir-Romanen" so düster. Die Protagonisten sind die Verzweifelten, die Ausgegrenzten, die Gebrochenen, über die wir eigentlich nichts lesen wollen und doch fasziniert sind, weil sie vielleicht die dunkle Seite in uns selbst ansprechen.

William McIlvanney ist nun nicht der erste, der "Noir-Romane" schrieb, aber er ist einer der wenigen, die mit einer wunderschönen Sprache gesegnet sind. Der Rezensent als Laie auf dem Gebiet der Sprachwissenschaften kann das nicht weiter konkretisieren, sondern nur seine Hochachtung und Begeisterung ausdrücken. McIlvanney zu lesen ist ein Genuss. Da wir die Romane hier in deutscher Übersetzung vorliegen haben, gilt das uneingeschränkte Lob auch der Übersetzerin Conny Lösch. Ohne ihre Fähigkeiten und Erfahrung wäre der Genuss nur halb so groß.

Auch wenn es an vordergründiger Spannung und dramatischen Szenen mangelt, ist man schnell gebannt von Laidlaws Reise in die Vergangenheit. Wer die Krimi- oder Thriller-Massenware mal leid ist, der könnte sich mal Fremde Treue zuwenden. Der Roman ist ohne Kenntnis der beiden ersten Teile der Trilogie lesbar.

Fremde Treue

Fremde Treue

Deine Meinung zu »Fremde Treue«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
16.07.2018 05:06:55
Rock HunterDOHLE

Die Idee, die dem Buch zugrunde liegt, ist von Ted Lewis geklaut, merkt das denn keiner? Der Roman "Get Carter" oder "Jack rechnet ab" von 1970 wurde durch die Verfilmungen mit Michael Caine und später mit Sylvester Stallone bekannt
McIlvanneys Buch ist nur ungleich humorvoller und birgt tolle Zitate und Metaphern, eine Technik, die ein andere Schotte, Philipp Kerr, in seiner Bernie-Gunther-Reihe gerne aufgegriffen hat.

13.07.2017 18:13:02
Oldman

Dieses Buch ist der dritte Teil einer Trilogie. Die ersten beiden Habe ich noch nicht gelesen, was hier keine Rolle spielt, denn man kann die Story auch genießen, wenn man die beiden Vorgänger nicht kennt. Es ist nicht erstaunlich, daß der von mir überaus geschätzte Ian Rankin den Autor als eine Art von Inspiration bezeichnet. Denn er schreibt in einem etwas altmodischen und literarischen Stil, sprachlich ein Genuß, wenn auch die reine Krimihandlung und die Spannung dabei etwas auf der Strecke bleiben. Für mich absolut eine Entdeckung, die beiden früheren Bücher werde ich mir noch besorgen. Schade, der Autor ist bereits verstorben, eine Fortsetzung der Reihe ist daher nicht mehr zu erwarten.

15.11.2015 14:14:36
frankiefuerther

deutsche erstausgabe der re-edition von 2013 - endlich!
existentialistischer klassiker des "tartan noire": jack laidlaws alkoholgeschwängerte rückkehr in die düsteren ecken seiner eigenen vergangenheit und das "neue" schottland der thatcher- ära: oberflächlich, angepasst, verlogen.
wallanders schweden erscheint dagegen wie eine sonnendurchflutete wiesenlandschaft.
der vergleich mit camus hinkt nicht.
lesen - unbedingt lesen!