Frau Maier sieht Gespenster

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Bielefeld: Pendragon, 2015, Seiten: 304, Originalsprache

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Sabine Bongenberg
Ein bisschen zuviel Geflüster

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2015

In den 80er Jahren gab es für die Teenager-Leserinnen des Schneider-Buch-Verlages eine Serie, die sich "Romantik-Thriller" nannte. Hier wimmelte es nur so von alten Gemäuern, Geheimgängen und unerklärbaren Phänomenen, die dazu geeignet waren, die jeweiligen Protagonistinnen in den Wahnsinn oder aber in tiefe Furcht zu treiben. Die Heldinnen hießen Jessica (oder Jenny), waren 17 oder 18 Jahre alt und pflegten durch lange Gänge zu hetzen, während hinter ihnen eine Stimme "Jessicaaaaaaa" (oder "Jennyyyyyyy") flüsterte.

Auf ein ähnliches Phänomen trifft auch Frau Maier, die ihre neue Stelle als Reinigungskraft in einem alten Schloss antritt. Nicht nur, dass sie als erstes des längst dahin geblichenen Ludwig König von Bayern in voller Montur erblickt, nein auch hier wird ihr das Leben durch flüsternde Stimmen zur Hölle gemacht. Als ob diese Phänomene nicht schon ausreichen würden, um das Leben einer vom Leben gebeutelten Rentnerin zu erschweren, wird auch noch ein Angestellter des Schlosses ermordet und auch im generellen Schlossbetrieb stellen sich diverse Fragen zu eigenartigen Vorgängen.

Mit ihrer Figur der Frau Maier hat Jessica Kremser eine Darstellerin geschaffen, die an das berühmte Vorbild der "Miss Marple" erinnert, wenn diese auch im Gegensatz zu der bekannten englischen Dame konsequent ihren Vornamen verweigert. Dennoch bleibt es hier bei einer bloßen Ähnlichkeit, denn wo Miss Marple freundlich resolut bleibt, schüchtert Frau Maier zurück und blockiert sich – und damit auch ein zügiges Fortschreiten des Krimis – manchmal unnötig. Im Laufe der Handlung wird ansatzweise ersichtlich, aus welchem Grund die Heldin vor menschlichen Kontakten zurückscheut. Hier wäre es dennoch manchmal interessant zu erfahren, welche Erlebnisse sie in ihre Einzelgängerinnen-Rolle trieben und warum diese ihr Leben bis heute so beeinflussen konnten. Hier begnügt sich die Autorin leider zu oft damit, nur an der Oberfläche zu kratzen.

Nicht schlüssig erklärt wird auch, warum sich eine gestandene alte Dame von vermeintlich unerklärlichen Phänomenen so mir-nichts-dir-nichts in Bockshorn jagen lässt. Vielleicht ließ sich Frau Kremser hier von den eingangs erwähnten Romantik-Thrillern leiten und vergaß dabei, dass solche Erscheinungen vermutlich einem Teenager Angst einjagen, aber bei einem Erwachsenen wohl kaum den gewünschten Effekt zeigen dürften. Die hier Handelnden führen sich aber tatsächlich wie leicht zu verunsichernde Jugendliche auf: Ständig fühlt sich jemand beobachtet, spürt ein paar Augen auf seinen Nacken gerichtet und regelmäßig richten sich die Härchen an den Unterarmen auf. Beim ersten oder zweiten Mal mag dieser Einfall ja recht originell anmuten, beim fortschreitenden Einsatz drängen sich jedoch langsam Zweifel an der Geschäftsfähigkeit der Protagonisten auf.

Unabhängig von diesem teilweise unnötigen Hokuspokus hat Jessica Kremser auch mit ihrem dritten Band der "Frau Maier"-Serie leichte und angenehme Unterhaltung geschaffen. Für diese Leichtigkeit sorgen die Aufteilung der Handlung in Wochentage und die angenehm zu lesenden kurzen Kapitel. Große geistige Anstrengung wird vom Leser hier nicht erwartet und das dürfte das eigentliche Manko der Geschichte darstellen. Keine der Personen sorgt für eine sonderliche Überraschung, Ecken und Kanten, die möglicherweise für interessante Ansätze sorgen könnten, fehlen ganz. Dennoch – als eine leichte Urlaubslektüre am See, bei der allenfalls ein plötzlich einsetzendes Gewitter für die Gänsehaut sorgen dürfte – durchaus zu empfehlen.

Frau Maier sieht Gespenster

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