Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • New York: Crown, 2014, Titel: 'Peter Pan must die', Originalsprache
  • München: Heyne, 2015, Seiten: 576

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Jörg Kijanski
Kurzweiliges Mainstreamprodukt

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2014

Zwei Tage nach dem Tode seiner Mutter wird Carl Spalter bei deren Beerdigung erschossen. Zahlreiche Zeugenaussagen belasten Ehefrau Kay, die ihren Mann nicht nur betrog, sondern auch das millionenschwere Erbe alleine zugesprochen bekommt. So wird sie zu 25 Jahren Haft verurteilt, doch offenbar gab es einige Lücken bei den polizeilichen Ermittlungen. Jack Hardwick, einst Ermittler bei der New York State Police bevor er diese unfreiwillig verlassen musste, wendet sich an Dave Gurney, Ex-Topermittler in Mordfällen beim New York Police Departement, der ihm noch einen Gefallen schuldet. Während Hardwick nur darauf aus ist, die Verfahrensfehler zu beweisen und somit Kays Freispruch zu erwirken, willigt Gurney in den Fall nur ein, weil ihn die Wahrheit interessiert.

 

"Ich bin beeindruckt davon, wie Sie Entscheidungen treffen."
"Ich treffe sie, sobald mein Hirn und Bauch einer Meinung sind."

 

Denn schon eine erste Besichtigung der Wohnung, aus der angeblich der tödliche Schuss abgegeben worden sein soll, macht Gurney stutzig. Von dort, wo ein Stativ gestanden hat und Schmauchspuren gefunden wurden, kann der tödliche Schuss unmöglich abgegeben worden sein. Carls Tochter sowie dessen Bruder hatten zudem ebenfalls Grund genug, Carl nach dem Leben zu trachten. Zwar war Kay die Alleinerbin, aber nur in dem Fall, dass sie das Erbe auch antreten kann. Gurneys Jagdfieber ist geweckt und schon bald gerät er auf die Spur eines gefährlichen Serienmörders...

Große Action, viel Tempo, ordentlich Verwirrung

Der vierte Fall der Dave-Gurney-Reihe steht seinen Vorgängern in puncto Tempo und Action in nichts nach und so verwundert es kaum, dass der Protagonist einmal mehr einen hochgefährlichen Serienmörder jagt und dabei sein eigenes Leben nur allzu freiwillig aufs Spiel setzt. Sehr zum Leidwesen seiner Frau Madeleine, aber auch das kennt man ja schon zur Genüge. Neu ist, dass Madeleine sich Hühner zugelegt hat, für die umgehend ein Stall mit Außenfläche gebaut werden muss, damit diese Auslauf haben. Auch so kann man vom eigentlichen Thema ablenken und dem geneigten Leser auf die Nerven gehen.

Zunächst wird sehr schnell klar, dass der Mord so, wie er vor Gericht verhandelt wurde, nicht stattgefunden haben kann, da bei dem Schusswinkel ein Hindernis im Wege stand. Auch einige Zeugenaussagen scheinen nicht zu stimmen und schon bald ist klar, dass das Gerichtsverfahren fehlerhaft war und allein deshalb schon ein Freispruch winkt. Nun könnte man also vor Gericht ziehen, die Freilassung Kays bewirken und das Buch wäre nach hundert Seiten zu Ende, doch wäre dies ja nur der halbe Spaß. Wenngleich zusätzlich schnell klar wird, dass ein besonders gerissener und skrupelloser Serienmörder seine Hand im Spiel hat, so bleiben immerhin zwei Fragen bis zuletzt offen: Wie dem Mörder mit dem Künstlernamen "Peter Pan" das Handwerk legen und – vielleicht noch interessanter – wer war dessen Auftraggeber? Hier käme Kay als Alleinerbin durchaus wieder ins Spiel, ebenso Carls drogenabhängige Tochter und Carls ehrgeiziger Bruder, der dringend einen größeren Millionenbetrag benötigt.

Lockerer Erzählstil, viel Buch für wenig Geld

John Verdon ist für jene Krimifans eine Empfehlung, denen es vor allem um Verwirrung (nicht nur bei der Auflösung), große Action und noch höheres Lesetempo geht. Im lässigen, mitunter holzschnittartigen Plauderton erzählt Verdon seine Geschichte, die tatsächlich einige überraschende Wendungen aufweist - womit hier nicht ein Todesfall unter dem bereits erwähnten Federvieh gemeint ist. Wer sich nicht an der inflationären Benutzung von Wörtern die mit SCH... anfangen stört und die wahlweise für eine Körperausscheidung oder für die vulgäre Beschreibung einer ebensolchen Frau stehen, kann bedenkenlos zugreifen. Hier gibt es noch viel Buch für kleines Geld. Zudem fallen zahlreiche Menschen dem gesuchten Killer durch Anschläge zum Opfer, am Ende wird durch ein hollywoodeskes Finale die Zahl der Opfer gar dreistellig.

Nach dem Ende des Romans, den man schnell wieder vergessen hat, zumal auch der Protagonist nicht wirklich sympathisch ist, bleibt jedoch eine Frage, die sich schon bei den Vorgängern stellte: Wie kommt man beim Heyne-Verlag auf die Buchtitel oder anders formuliert, wie kann aus "Peter Pan must die" der sperrige deutsche Titel Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks werden?

Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks

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Letzte Kommentare:
12.08.2017 12:59:04
Marc B.

Ein Erklärungsversuch zu der Frage ganz zum Schluss:

"Wie kommt man beim Heyne-Verlag auf die Buchtitel oder anders formuliert, wie kann aus »Peter Pan must die« der sperrige deutsche Titel Die Unbarmherzigkeit des Augenblicks werden?"

Ich persönlich finde den Titel an sich auch "sperrig", allerdings passt er zum Ende des Buchs. Denn da steht wörtlich:

"... der in einem einzigen unbarmherzigen Augenblick alles verloren hatte."

10.08.2015 11:54:49
Schneeglöckchen

Dies ist ein von Anfang bis Ende spannender Thriller.
John Verdon hat mit Dave Gurney einen etwas ungewöhnlichen Charakter geschaffen. Gurney geht vollkommen in seiner Aufgabe auf und vergißt dadurch die meiste Zeit, daß er ein Privatleben hat. Das ist für seine Frau Madeleine nicht gerade schön, aber sie akzeptiert es.
Im Gegensatz zu meiner Vorrezensentin kann ich kein Herumgejammere erkennen und die Geschichte verliert auch keineswegs an Spannung.
Bei Verdon nimmt das Privatleben der Ermittler eher weniger Platz ein, was ich sehr gut finde.
Die anderen Figuren sind ausreichend geschildert.
Die Hauptsache ist das zu lösende Rätsel und Verdon gelingt ein spannender Aufbau. Des Rätsels Lösung zum Schluß ist so einfach wie genial.

09.08.2015 09:17:49
boadicea

Leider geht das Herumgejammere der Ehefrau wieder gewaltig auf die Nerven, die nebenbei, wie Rezensent Marcel Feige schon bei Nr. 2 bemerkt, kocht und kocht und kocht und den Garten und die Haustiere betreut, obwohl sie noch berufstätig ist und ihr toller Ehemann schon im Ruhestand ist, von Haushaltsarbeit aber gar nichts hält.
Dadurch verliert die Krimihandlung wieder arg an Spannung, ich werde die weiteren Krimis dieses Autors nicht mehr lesen!!!

28.05.2015 19:09:43
Edith Sprunck

Dieser Thriller ist für mich die kurzweilige Geschichte eines kniffligen Kriminalfalles, fast im Plauderton unterhaltsam erzählt. Die Story ist übersichtlich -mit Überschriften versehen- gegliedert, flüssig lesbar und logisch aufgebaut. Dave Gurney, ein pensionierter Ermittler (aus vorherigen Büchern bereits bekannt) sowie der aus dem Polzeidienst gefeuerte John Hardwick und dessen noch im Polizeidienst aktive Freundin ermitteln gemeinsam in einem Mordfall. Die Ermittlungen erfolgen an der Polzei vorbei. Diese hat sich anscheinend in der Vergangenheit als unfähig und korrupt erwiesen, weshalb eine Täterin wegen besagten Mordes bereits offenbar unschuldig verurteilt und inhaftiert wurde. Es folgen weitere Morde, wobei der Killer zwar in gewisser Weise bizarr, aber insgesamt etwas farblos daher kommt. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten des nun ermittelnden Trios werden gut heraus gearbeitet, u.a. durch die Schilderung ihrer Art, welche Schwerpunkte sie wie und warum setzen. Interessant und kreativ sind die psychologischen Gedankengänge, die sowohl die Ermittlungen begleiten als auch die Erforschung der Ursache für Gurneys wiederkehrendes dringendes Bedürfnis, sich in Gefahr zu begeben. Gewürzt wird die Geschichte mit horrormäßigen Einwürfen, insbesondere zum Schluss. Die Lösung des Falles ist überraschend und gut gelungen.
Unterhaltsam und auf angenehme Weise spannend. Nicht mehr und nicht weniger.