Cobra

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Cape Town: Human & Rousseau, 2013, Titel: 'Kobra', Originalsprache
  • München: audio media verlag, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Frank Engelhardt
  • Berlin: Aufbau, 2016, Seiten: 439

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Jörg Kijanski
Neuer Lesestoff vom südafrikanischen Krimi-Großmeister.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Sep 2014

Als auf einem Weingut in Franschhoek drei Männer förmlich hingerichtet werden, ahnt Kaptein Bennie Griessel von der Valke, der Spezialeinheit innerhalb der Kripo Kapstadts, schnell, dass er vor einem besonderen Fall steht. Zwei der Ermordeten waren bestens ausgebildete Leibwächter, doch von der zu schützenden Person fehlt jede Spur. Nach ersten Ermittlungen erfährt Griessel in der britischen Botschaft, dass es sich bei dem verschwunden Mann um den englischen Mathematikprofessor David Patrick Adair handelt, der einen Algorithmus entwickelt hat, mit dessen Hilfe Computerprogramme in der Lage sind, finanzielle Transaktionen zu verfolgen. Damit ließen sich milliardenschwere Geschäfte diverser krimineller Organisationen aufdecken, allerdings könnte man genauso gut die beteiligten Großbanken und Regierungen bloßstellen.

 

"Er könnte also ein Serienmörder oder sonst was sein."
"Richtig."
"Sie haben aber kein Problem damit, einem solchen Typen Personenschutz zu bieten?"
"Kaptein, wenn Sie mit Bargeld einen neuen Wagen kaufen wollen, fragt der Händler auch nicht nach, ob Sie vorbestraft sind."
"Ein Bulle mit Bargeld für ein Auto? Sehr witzig."

 

So kommt es nicht unerwartet, dass die diplomatischen Telefone heiß laufen und der Geheimdienst die Ermittlungen an sich zieht. Aber Griessel, der nach wie vor mit privaten Problemen zu kämpfen hat, will sich den Fall nicht abnehmen lassen. Dabei hat er zunächst nur einen Ansatzpunkt. Am Tatort wurden Patronenhülsen gefunden, auf denen eine Cobra eingraviert war. Wie Griessel von Interpol erfährt, gab es in den letzten Jahren bereits mehrere perfekt ausgeführte Mordanschläge weltweit, bei denen es sich offenbar um denselben Täter handelt. Die Suche nach dem Verschwundenen Professor steht unter hohem Zeitdruck, denn die Cobra mordet weiter...

Packender Plot und spannende Einblicke in ein interessantes Land.

Bennie Griessel von der Valke-Einheit in Kapstadt hat es nicht nur mit einem schweren Fall von internationaler Tragweite zu tun, sondern kämpft gleichzeitig mit seinen privaten Problemen. Seit über einem Jahr ist er trockener Alkoholiker und seit mehreren Monaten mit der berühmten Sängerin Alexa zusammen, was zu Schwierigkeiten fühlt, da er ihr gegenüber Minderwertigkeitsgefühle hat. Überhaupt hadert er mit sich und seinem Schicksal, sein Selbstvertrauen ist arg angekratzt und so geht es dem Protagonisten wie dem Land, welches die grandiose Kulisse für diesen Fall gibt. Die Apartheid scheint überwunden, aber noch immer sind viele Wunden offen. Südafrika hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Das Vertrauen in die Politik ist schwach, die Korruption bei der Polizei nach wie vor vorhanden und zudem befindet man sich in einem Überwachungsstaat. Kameras beobachten großräumig das öffentliche Leben und Telefonate wie Handys werden nicht selten abgehört.

Ein Problem mit dem auch der Taschendieb Tyrone Kleinbooi zu kämpfen hat. Mühsam versucht er seinen Lebensunterhalt und das Studium seiner Schwester zu finanzieren. Als es ihm gelingt, in einem Einkaufszentrum einer schönen Frau die Geldbörse zu entwenden, gerät sein Leben jedoch gänzlich aus den Fugen. Zunächst wird er vom Wachdienst überwältigt, doch noch bevor es zu einer Befragung kommt, taucht ein geheimnisvoller Fremder auf und erschießt die Wachleute. Tyrone kann fliehen, doch der Leser ahnt bereits das drohende Unheil, denn die Cobra hat erneut zugeschlagen.

 

"Wenn ihr euch noch einmal meiner Schwester nähert, zerstöre ich die Karte."
"Wir wissen genau wo sie ist. Wenn du die Karte nicht lieferst oder wenn damit irgendetwas nicht in Ordnung ist, werden wir sie umbringen."
"Sie steht unter Polizeischutz."
"Ach ja? Glaubst du, das würde uns aufhalten?"

 

Wie die beiden Erzählstränge letztlich zusammengeführt werden ist eindrucksvoll gelungen und ebenso packend geschrieben. Zahlreiche kurze, knackige Wechsel der Erzählstränge erhöhen das Lesetempo und bekunden, warum Deon Meyer der bekannteste und erfolgreichste Krimiautor des schwarzen Kontinentes ist. Dass er gleich drei Serienfiguren am Start hat macht sein Werk abwechslungsreich und noch interessanter. Meyer, der bereits zwei Mal den Deutschen Krimipreis (2006, 2009) gewann, schreibt seine Romane übrigens auf Afrikaans, bevor sie ins Englische und dann in knapp dreißig Sprachen übersetzt werden.

 

Ein britischer Professor. Auf einem südafrikanischen Weingut, das einem Deutschen gehörte.
Wo war die Zeit geblieben, als dieses Land als schlimmster Schurkenstaat der Welt galt und niemand hierher kam? Damals konnte man jedenfalls sicher sein, dass der Verdächtige ein einheimischer Scheißkerl war.

 

Mit Cobra unterstreicht Deon Meyer einmal mehr, dass er zu den wichtigsten Krimiautoren unserer Zeit zählt. Nicht nur, dass er spannend unterhält, er lässt auch seine Heimat mit ihren Problemen und Facetten lebendig werden, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu erheben. Nicht nur für Afrika-Freunde ein klarer Kauf!

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