Sieben Tage

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Kapstadt: Human & Rousseau, 2011, Titel: '7 Dae', Originalsprache
  • München: audio media, 2012, Seiten: 5, Übersetzt: Frank Engelhardt
  • Berlin: Aufbau, 2014, Seiten: 430

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Marcel Feige
Schon war es wieder ein Thema. Jissis!

Buch-Rezension von Marcel Feige Okt 2012

Bennie Griessel, gestürzter, mit sich und der Welt hadernder Held aus Der Atem des Jägers und Dreizehn Stunden, hat seit fast einem Jahr keinen Alkohol mehr angerührt. Auch seine neue Freundin Alexa Barnard, einst eine erfolgreiche Sängerin, ist seit mehreren Monaten trocken. Der bevorstehende Abend ist deshalb ein besonderer: Alexas Comeback steht bevor.

 Doch daraus wird nichts, denn Bennies Kommandeur bestellt ihn zum Dienst. Ein Heckenschütze droht, alle 24 Stunden auf einen Beamten in Kapstadt zu schießen, sollte die Polizei nicht endlich den Mörder der erfolgreichen Juristin Hanneke Sloet verhaften. Angeblich, so behauptet der Attentäter, stehe der Mörder unter dem Schutz der südafrikanischen Politik.

 Tatsächlich aber scheinen die mit dem Fall betrauten Beamten trotz intensivster Bemühungen nicht einen einzigen Hinweis auf Sloets Mörder gefunden zu haben, zumindest ist dies Bennies Erkenntnis, nachdem er sich durch die Ermittlungsakten gewühlt und die Gespräche mit Sloets Angehörigen und Kollegen wiederholt hat.

 Dieses Aufkochen bereits bekannter Fakten ist notwendig, lähmt die eigentliche Thrillerhandlung allerdings auf den ersten 50, 60 Seiten. Trotzdem legt man den Roman nicht aus den Händen, denn natürlich ist klar, dass Bennie früher oder später auf eine neue Spur stoßen wird. Außerdem überspielt Deon Meyer den dramaturgischen Hänger geschickt, indem er Bennie immer wieder auch mit seinen privaten Problemen konfrontiert: mit seinem Sohn Fritz (der sich ein Tattoo stechen lassen möchte, was seine Schwester Carla gar nicht toll findet), mit seiner Tochter Carla (die sich über ihren Bruder echauffiert, aber selbst einen tätowierten Freund hat) und mit Alexa, die alleine gelassen wieder rückfällig wird. Sowieso ist dies eine der Stärken Meyers: das Ausleuchten seiner Figuren, nicht zu intensiv, dass es langweilt, aber trotzdem fesselnd genug, dass der Leser mitleidet.

Und dann ist da natürlich noch der Heckenschütze, in dessen Kopf der Leser immer wieder blicken darf und dort allerlei Widersprüchlichkeiten feststellt. Was treibt diesen Attentäter an? Sind es tatsächlich Korruption und Gewalt, die seit dem Ende der Fußball-WM wieder an jeder Ecke lauern, seit die Bemühungen, das Land auf Hochglanz zu polieren, erloschen sind? Ist wieder alles beim Alten?

 

Hautfarbe, ständig ging es um die Hautfarbe, egal was man tat oder dachte, oder sagte, schon war es wieder ein Thema. Jissis!

 

Umso überraschender, dass die Auflösung von Sieben Tage konventionell daherkommt. Die Anschlagserie und der Mord an Hanneke Sloet haben weder mit den Seilschaften zu tun, die das Ende der Apartheid überdauerten, noch mit den gesellschaftlichen Zuständen im heutigen Südafrika, die Deon Meyer über weite Teile seines Romans ausbreitet. Es sind die bereits aus anderen Kriminalromanen sattsam bekannten, zwischenmenschlichen Motive: Sex, Eifersucht, Rache, angeheizt durch moderne Medien wie Facebook oder Twitter, die auch in Südafrika den Alltag der Menschen bestimmen.

Vielleicht ist genau das auch die Moral der Geschichte: Am Ende ist Südafrika ein Land wie jedes andere auch.

Denn wenn Roger Smith so etwas ist wie der Totengräber Südafrikas, dann ist Deon Meyer der Hoffnungsträger. Zwar fließen in seine Romanen die politischen und sozialen Missstände seines Heimatlandes ein, aber er zeichnet bei weitem kein so gnadenloses und dystopisches Bild wie Kollege Smith. Deon Meyer lässt den Leser immer auch die Schönheiten Südafrikas erkennen.

Nur konsequent, dass Bennie Griessel zu guter Letzt auch wieder zu seiner Alexa findet und beide zu dem Glauben, dass ihnen und ihrem Land eine Zukunft vergönnt ist.

Fazit: Zwar ein konventioneller Thrillerplot, aber dank Deon Meyers Gespür für Figuren und Kulissen immer noch weit über dem Krimistandard, der ansonsten unsere Buchregale flutet.

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