Wenn der Mond stirbt

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • München: dtv, 2014, Übersetzt: Claudia Feldmann
  • London: Weidenfeld & Nicolson, 2013, Titel: 'The Honey Guide', Originalsprache

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Andreas Kurth
Prediger und Politiker wo ist der Unterschied?

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2014

In der kenianischen Metropole Nairobi wird eine junge Massai ermordet aufgefunden. Weil sie zu einer ethnischen Minderheit in der Millionenstadt gehört, wird ein Polizist mit dem Fall betraut, der ihrer Volksgruppe angehört. Mollel gilt in der Bevölkerung als Held, seit er beim Einsturz eines großen Hauses vielen Menschen das Leben rettete. Bei der Polizei hat Mollel allerdings einen ziemlich schlechten Ruf, weil er sich sehr von seinen Kollegen unterscheidet. Deshalb wird ihm Kiunga zur Seite gestellt, ein gradliniger, junger Kollege. Das Weihnachtsfest steht bevor, und die Präsidentschaftswahlen auch die Ermittlungen der beiden Polizisten werden dadurch nicht gerade erleichtert. Die wenigen Spuren am Tatort führen in das Prostituiertenmilieu, und die Polizisten stoßen auf einen Wahlbetrug sowie betrügerische Umtriebe eines populären Predigers. Als Mollel plötzlich erkennt, dass er in seinem Eifer auch die Mitglieder seiner Familie in Gefahr gebracht hat, überstürzen sich am Wahltag die Ereignisse.

Ein ganzer Strauß von Themen

Richard Crompton hat hier eine rasante Mischung aus Kriminalroman und Polit-Thriller vorgelegt, der tiefe Einblicke in die gesellschaftlichen Strukturen von Kenia bietet. Dabei greift er in seinem Buch mehrere Themen auf, die allerdings allesamt miteinander verwoben sind. Als zeitliche und inhaltliche Vorlage dienen dem Autor die kenianischen Präsidentschaftswahlen von 2007, die offenbar manipuliert wurden. Richard Crompton erzählt in seiner Geschichte welche ethnischen und politischen Verwicklungen mit der Wahlfälschung zusammen hängen. Ein an den Manipulationen beteiligter Politiker ist aber auch in den Kriminalfall verwickelt, zumindest sieht es lange Zeit so aus. Die sich daraus ergebenden Querverbindungen führen wieder zu anderen Erkenntnissen. Richard Crompton hat diesen Strauß von Themen überaus geschickt miteinander verwoben, er bietet dem Leser viele Informationen und Erkenntnisse, ohne sich dabei zu verheben, was durchaus möglich gewesen wäre.

Eine Lösung aus vielen Puzzleteilen

Fast nebenbei thematisiert er auch die Beschneidungspraxis bei den Massai, die zwar offiziell verboten, aber offenbar bei dem einen oder anderen Stamm noch immer an der Tagesordnung ist. Die weibliche Leiche war beim Auffinden beschnitten, aber Mollel und Kiunga erfahren bei ihren Ermittlungen, dass sie unbeschnitten nach Nairobi kam. Dieses Nebenthema hätten man noch weiter vertiefen können, aber unter Umständen wäre das auf Kosten der Dynamik und Spannung des Romans gegangen. So hat der Autor in meinen Augen ein gutes Maß gefunden. Die verschiedenen Rätsel nehmen im Laufe der Geschichte ohnehin immer mehr zu, und es ist letztlich nur der Hartnäckigkeit der Polizisten zu verdanken, dass sie aus vielen Puzzleteilen doch eine Lösung zusammensetzen.

Unversöhnliche Gegensätze

Und während das Puzzle sich zu einem immer besseren Bild fügt, vermittelt Richard Crompton seinen Leser so ganz nebenbei vielfältige Informationen und Eindrücke aus seiner Wahlheimat. Neben einem plastischen Bild von Nairobi bekommt man einen Eindruck davon, wie nach amerikanischem Vorbild die so genannten evangelikalen Gemeinden immer mehr Zulauf haben. Wie die politische Korruption steht auch der religiöse Wandel im Gegensatz zum alltäglichen Zorn der Menschen, der sich vor allem in Unruhen in den Slums niederschlägt. Die Kenianer sind mit ihren unzulänglichen Lebensbedingungen unzufrieden, und die anhaltende Feindschaft zwischen den einzelnen Stämmen befeuert die explosive Lage ungemein.

Ein mehr als lesenswertes Buch

Daneben wird der ohnehin schon explosive Kriminalfall auch noch mit einiger Action und guten Dialogen gewürzt. Insgesamt hat der Autor einen ungewöhnlichen Roman vorgelegt, mit Schauplätzen und Protagonisten, die den europäischen Leser schnell in ihren Bann ziehen. Der Mord an der jungen Frau bleibt für Ermittler und Leser lange Zeit ziemlich undurchschaubar, die aufgeheizte Atmosphäre und die spezielle Umgebung in der kenianischen Metropole bewirken ein Übriges. Ein mehr als lesenswertes Buch, mit Protagonisten, die noch einiges Potenzial haben.

Wenn der Mond stirbt

Wenn der Mond stirbt

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Letzte Kommentare:
17.12.2017 02:38:56
Jens

Gut geschrieben, und gut gelesen. Uve Teschner gehört inzwischen zu meinen Lieblingssprechern.
Das Buch ist nicht gerade leichte Kost - mit den vielen Namen und Stämmen musste ich sehr aufpassen, um nicht durcheinanderzukommen, und stellenweise habe ich sogar zurückgespult.
Was Männer Frauen antun, was Menschen anderen Menschen antun, das scheint auf allen Kontinenten gleich zu sein - und ist immer wieder bedrückend.
Interessant fand ich die Einflechtungen des Märchens in die Geschichte.
Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich meinte, verstanden zu haben was es hieß, es ginge um die Bienen, nicht um das Mädchen:
Die Bienen sind die Leidtragenden der Gier der anderen.
Der Vogel ist der Verführer - und kommt ungeschoren davon.
Gegen Ende zu wurde es für mich dann ziemlich verworren und vermutlich müsste ich die letzten Kapitel _noch mal_ hören.
Insgesamt finde ich es immer spannend, mal einen Krimi aus einem anderen Kulturkreis zu hören.

19.09.2014 14:27:17
monika erwin

monika: "wenn der Mond stirbt" von
Richard Crompton


18.09.2014
Ich bin begeistert, das Buch ist goßartig.
Ich konnte es kaum aus den Händen legen.Es war ein Krimi und Sachbuch in einem. Einfach nur Klasse!! Werde es weiter empfehlen. Vielleicht gibt es eine Fortsetzung. Es ist richtig, für einen Laien, dazu zähle ich auch, ist ein Glossar am Ende sehr hilfreich.

03.09.2014 11:36:34
Dagmar

Ich war während der Unruhen beruflich in Kenia und habe die Unruhen zum Teil miterlebt. Dáher habe ich das Buch mehr als Sachbuch, denn als Krimi gelesen und war vollkommen gefesselt.
ich kenne mich ein bisschen in Kenia aus und konnte die kenianischen, im Buch kursiv gedruckten Begriffe, gut einordnen. Für einen Laien wäre aber ein Glossar am Ende des Buches schön.
Das ist eine kleine Kritik am Verlag, das Buch ist großartig und gibt einen hervorragenden Einblick in die damaligen Ereignisse.

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