Ich finde dich

  • Page & Turner
  • Erschienen: Januar 2014
  • New York: Dutton, 2013, Titel: 'Six years', Seiten: 351, Originalsprache
  • München: Page & Turner, 2014, Seiten: 416, Übersetzt: Gunnar Kwisinski
Ich finde dich
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Andreas Kurth
85°

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2014

Liebeskummer und dunkle Machenschaften

Als Politik-Professor führt Jake Fischer im kleinen Lanford ein eher beschauliches Leben. Für seine Studenten ist er ein geduldiger Zuhörer, mit seinem Freund Benedict, ebenfalls College-Professor, zieht er ab und an um die Häuser. Allerdings nagt immer noch die Erinnerung an den Verlust seiner geliebten Natalie an ihm. Vor sechs Jahren trennte sie sich nach einigen glücklichen Monaten urplötzlich von ihm, heiratete innerhalb weniger Tage einen bisher unbekannten Mann. Damals musste er ihr das Versprechen geben, niemals nach ihr zu suchen. Doch jetzt ist ihr angeblicher Ehemann tot. Und bei der Beerdigung geht eine völlig fremde Frau hinter dem Sarg her. Jake startet trotz seines Versprechens intensive Nachforschungen. Niemand scheint sich an Natalie zu erinnern, und auch ihn will in dem Ort, in dem er Natalie kennen lernte, keiner kennen. Die Liebe seines Lebens scheint spurlos verschwunden zu sein, sogar für ihre Existenz gibt es plötzlich keine Beweise mehr. Jake gibt keine Ruhe – und gerät in einen Strudel von Ereignissen, der ihn zu einem von der Polizei gesuchten Mann macht und seine bisherige Existenz zu zerstören droht.

Ein faszinierender Thriller

Harlan Coben hat mal wieder einen richtig guten Thriller vorgelegt. Und das faszinierende daran ist: Er kommt so gut wie ohne Action aus. Es gibt hier und da mal etwas auf die Nase, es sind auch Tote zu beklagen, aber die immense Spannung entsteht durch die Geschichte - hier ist der Plot der Star. Und das macht der Autor überaus geschickt, denn die ersten Seiten lesen sich eher wie ein Liebesroman. Jake Fischer ist eine Art "everybodys darling" auf dem Campus in Lanford – aber er leidet wie ein Hund. Seine eine große Liebe hat ihn nach wenigen wundervollen Monaten schmählich verlassen – für ihn absolut überraschend und unerklärlich. Seit sechs Jahren denkt er ständig daran, und hat doch sein damals gegebenes Versprechen gehalten, ihr nicht hinterher zu spionieren.

Harlan Coben zieht alle Register

Was scheinbar banal beginnt, nimmt schnell Fahrt auf. Jake versucht gegen alle Widerstände, und vermutlich sogar wider besseres Wissen, das Rätsel um Natalies Aufenthalt zu lösen. Er wird dabei so tief in dunkle Machenschaften hineingezogen, dass ihm auch beste Kontakte irgendwann nicht mehr wirklich nützlich sind. Harlan Coben zieht bei dieser Geschichte alle Register als guter Erzähler, er arbeitet mit falschen Verdächtigungen, dunklen Andeutungen, Sackgassen und anderen dramaturgischen Kniffen, zu denen auch zahlreiche Cliffhanger gehören. Wenn der Leser mal kurz glaubt, die Lösung vor Augen zu haben, merkt er ganz schnell, dass er auf dem sprichwörtlichen Holzweg ist. Lange bleibt die ganze Angelegenheit völlig wirr und undurchsichtig, aber Jake Fischer ist ein Getriebener – und er zieht den Leser mit sich.

Sympathischer und verzweifelter Protagonist

Es dauert lange, bis sich ein wahres Puzzle aus Erkenntnis-Bruchstücken zusammensetzen lässt. Und dadurch erreicht Coben sein Ziel, den Leser förmlich mitfiebern zu lassen. Das wird auch durch den Charakter des Protagonisten leicht gemacht. Jake tritt als Ich-Erzähler auf, und er wird vom Autor als ebenso sympathischer wie verzweifelter Bursche dargestellt. Der Leser hat dabei keinerlei Informationsvorsprung, es gibt keine anderen Sichtweise oder Rückblenden. Die vielen Fragen, die sich Jake stellt, geistern auch dem Leser durch den Kopf, und Harlan Coben versteht es meisterhaft, hier den Spannungsbogen immer weiter hochzuschrauben.

Ein typisches Buch für das Wochenende

Aber auch die weiteren Protagonisten sind überzeugend gestaltet. Da ist Jakes Freund Benedict, der eine mehr als wichtige Nebenrolle spielt. Da ist eine Kollegin mit besten FBI- und Regierungskontakten, deren tatsächliche Rolle lange unklar bleibt. Benedict spielt im Personaltableau eine wichtige Rolle, alle anderen Nebenfiguren sind auch authentisch dargestellt, tauchen aber nur am Rande immer mal wieder auf. Der Kern der Geschichte ist Jakes verzweifelte Suche nach Natalie – und die Ereignisse darum herum. Insgesamt ist Ich finde dich ein überaus faszinierender Thriller, den man kaum mehr aus der Hand legen möchte, wenn man erst einmal von der Geschichte gefesselt ist. Also ein typisches Buch für das Wochenende – wenn man bei der Lektüre von der Arbeit unterbrochen wird, ist es schwer auszuhalten.

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