Abbey Road Murder Song

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Jumbo, 2013, Seiten: 4, Übersetzt: Jäger, Simon

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Jochen König
Mr. Paul McCartney, weißt du wie ich leide?

Buch-Rezension von Jochen König Okt 2013

Cry Baby Cry

Unweit der Abbey Road-Studios wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Nackt und notdürftig versteckt. Sergeant Breen ermittelt, teilweise gegen die Widerstände seiner Kollegen und Vorgesetzten, zuerst alleine, später mit Constable Helen Tozer, die sich als wahrer Beatles-Fan entpuppt. Wie das Opfer. So trägt sie entscheidend zur Mordermittlung bei, obwohl ihr, aufgrund des Geschlechts, noch mehr  Probleme bereitet werden als ihrem gebeutelten Kollegen Breen.

Carry That Weight

Es dauert, bis das Duo der Lösung des Falls und sich selbst näherkommt. Doch als es dann endlich geschieht, gibt es weitere Opfer. Eines davon ist die Weltpolitik.

Mit dem ungleichen Paar Breen und Tozer hat Shaw auf Anhieb ungewöhnliche – weil eben kaum extravagante – Protagonisten geschaffen. Der zaudernde Sergeant Breen möchte es allen recht machen und moralisch integer bleiben, weswegen er permanent bei seinen Kollegen aneckt. Als Ire in London hat er bereits einen schweren Stand, der durch einen Akt der Feigheit und einen sensiblen Magen, nicht besser wird. Dass der Tod seines Vaters ihn aus der Bahn geworfen hat, interessiert weder Täter, Opfer noch seine Kollegen.

Wild Honey Pie

Die nassforsche Helen Tozer leidet darunter, dass sie eine Frau ist, deren Rolle sich in der englischen Polizei darauf beschränken sollte, Tee und Gebäck zu holen, eventuell noch den lästigen Schreibkram zu erledigen. Wenn es nach großen Teilen der männlichen Polizeibelegschaft geht jedenfalls. Dass Tozer in der Lage ist, einen Spermafleck auf einem, in der Nähe des Tatorts gefundenen, Kleidungsstück zu identifizieren, bringt ihr kein Lob ein (außer vom unbedarften Breen), sondern den Ruf ein schamloses Flittchen  zu sein. Kein Wunder nimmt sie doch DIE Pille!

Dass diese Rollenverteilung in den ausgehenden Sechzigern keineswegs dem Ende zuging, zeigt u.a. die "Prime Suspect"-Reihe Lynda La Plantes, deren Hauptfigur Jane Tennison ab 1991  – immerhin als Vorgesetzte -  mit ähnlichen Ressentiments zu kämpfen hat wie Helen Tozer.

Come Together

Während in der Außenwelt die Rock- und Popmusik ihren Siegeszug antritt, die freie Liebe propagiert wird, Veränderungen gravierender Art voranschreiten,  hängt im (angeblich) staatserhaltenden Teil der Haussegen mächtig schief. Unverständnis für sich ändernde Lebensumstände, Korruption und Dienstvergehen, gerne getarnt als Korpsgeist,  machen die Arbeit für redliche Beamte wie Breen und unorthodoxe Geister wie Helen Tozer zum Spießrutenlauf. Nahezu zwangsläufig, dass die beiden Fremdkörper aufeinander zustreben.

Everybody’s Got Something to Hide Except Me and My Monkey

Dieser Part des Romans ist William Shaw sehr gut gelungen. Der verzweifelte Kampf seiner beiden verletzten Hauptfiguren gegen die Betulichkeit des Konformismus und eingeschränkte Denkungsweisen, den jeder auf seine eigene Art führt, lässt eindrücklich auf weitere Folgen hoffen. Die Vergangenheit hält noch offene Fragen bereit, die intendierte Zukunft auch. Tozer und Breen haben vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten vor sich.

Das Spiel mit dem Zeitkolorit gehört nicht zu Shaws Stärken. Zwar gibt es ein paar wissenswerte Auslassungen über die Spätfolgen der Beatlesmania, und auch die Hintergründe zum Biafra-Konflikt sind  so gewählt, dass das Interesse des Lesers erhalten bleibt. Doch Beides fast unabhängig von der erzählten Geschichte, bzw. den Geschichten.

The Ballad Of John And Yoko

1968 war das Jahr des  "Weißen Albums", die Beatles kaum mehr als ein disparater Haufen Individualisten, die sich noch zwei Jahre gelegentlich ins Studio retteten, bevor die Fab Four endgültig auseinanderfielen. Vom gemeinsamen Geist, den noch die Filme Richard Lesters propagierten, war nichts mehr zu spüren. Hardcore-Fans blieben zwar erhalten, doch das Gros nutzte die Möglichkeit sich vielen anderen Bands zuzuwenden.  Shaw betreibt zwar ein wenig Namedropping am Rande, doch weder das wilde Swinging London mit all seiner Vielfalt noch dessen Schattenseiten spielen eine großartige Rolle (Zum Vergleich bietet sich geradezu ein Blick auf Michelangelo Antonionis "Blow Up" an. In dem ebenfalls eine abgelegte Frauenleiche eine Rolle spielt. Ermittler ist allerdings und konsequent ein Fotograf; Polizisten kommen bestenfalls als Streikbrecher vor. Und die Yardbirds ersetzen, als eine Band von vielen Möglichen, die Beatles),

Ob-La-Di, Ob-La-Da

Der Mordfall selbst könnte zu jeder anderen Zeit spielen, und die Beziehung zum Völkermord im Herzen Afrikas wird erst sehr spät und ziemlich willkürlich gezogen. Das ist keineswegs uninteressant, wirkt aber aufgesetzt. Die Plausibilität wird strapaziert, glücklicherweise nicht ganz gebrochen. Was zum Großteil daran liegt, dass William Shaw in der Lage ist, eindrucksvolle und weitgehend nachvollziehbare Figuren zu entwerfen.

Happiness Is A Warm Gun

So bleiben die Einflüsse  der Zeitgeschichte recht aseptisch, während die individuellen Geschichten den Roman zu einem lesenswerten Debüt machen.

Abbey Road Murder Song

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Letzte Kommentare:
27.06.2015 10:03:56
sherly

Dieses Buch hat mich von der ersten Sekunde angesprochen, da der Titel und das Cover aus der Masse herausstechen und ich beides einfach genial finde. Ein Blick auf den Klappentext bestätigte den ersten Eindruck, hier gibt es mal etwas Neues. Die Geschichte spielt im Jahre 1968 im Swinging London, die Zeit der Beatles Hysterie. Und schon sind wir bei der Handlung. Unweit der berühmten Abbey Road Studios wird eine Frauenleiche gefunden. Auf den Fall werden Detective Cathal Breen und seine junge Kollegin Helen Tozer angesetzt. Was erst mal nicht weiter ungewöhnlich klingt, ein Mann und eine Frau arbeiten gemeinsam an einem Fall, ist für die 60er aber fast schon eine Sensation, eine weibliche Polizistin bei einer Mordermittlung. Und so geht es hier nicht nur darum einen übrigens sehr spannenden Fall zu lösen, sondern Tozer muss sich immer wieder in einer von Männern dominierten Welt beweisen. Denn die meisten Frauen bei der Polizei sind Sekretärinnen und werden allenfalls zum Kaffee kochen eingesetzt. Und wenn es nach den meisten Männern ginge, dürfte das auch gerne so bleiben. Doch Tozer ist taff und klug zugleich und versteht es sich durchzusetzen. Außerdem ist sie ein großer Beatles Fan und bringt ihren ruhigen, besonnen Kollegen Breen mächtig auf Trab. So gibt es in "Abbey Road Murder Song" eine interessante und ungewöhnliche Rahmenhandlung, die einen guten Einblick in das London der 68er gewährt. Dazu kommt ein verzwickter Fall, der den beiden Ermittler eine Menge abverlangt und mitten hinein führt in die Welt der Beatles-Fans. Als Leser kann man herrlich miträtseln und wird geradezu eingesogen von der düster-tragischen Atmosphäre, die sich wie ein dunkler Schatten auf die pulsierende Stadt legt. William Shaw ist hier ein tolles Debüt gelungen und dass es sich um den Auftakt einer Serie um Breen und Tozer handelt, lässt mein Leserherz höher schlagen. Denn gerne möchte ich mehr so raffinierte Fälle mit diesem sympathischen und ungleichen Ermittlerpaar lesen.

12.09.2014 11:14:22
Igelmanu66

„Pass auf. Du hast es vermasselt, und ich wäre fast dabei draufgegangen. Beim Mord an dem Mädchen hast du’s auch vermasselt, indem du den falschen Mann verhaftet hast. In Cornwall hast du, nach allem, was man so hört, so ziemlich alles vermasselt, was man vermasseln kann. Fang jetzt bloß nicht an und häng dich in meine Fälle rein, okay?“

Detective Cathal Breen hat es zur Zeit nicht leicht. Ohnehin hat er aufgrund seiner irischen Abstammung regelmäßig mit Vorurteilen gegen ihn zu kämpfen. Aber seit sein Vater, den er bis zu seinem Tod gepflegt hat, vor ein paar Monaten gestorben ist, steht er ein wenig neben sich. Plötzlich bekommt er es angesichts eines Angreifers mit der Angst zu tun und plötzlich wird ihm bei einem Leichenfund übel. Bei seinen Kollegen hat er derzeit keinen guten Stand. Und dabei will er wirklich mit ganzem Herzen ein guter Polizist sein!

London, im Oktober 1968. Die Welt ist scheinbar im Umbruch. Die Haare werden länger, dafür die Röcke kürzer. Die Mädchen nehmen die Pille und scheinen sich nur noch für eins zu interessieren, nämlich für Paul, John, George und Ringo. Als in der Nähe der Abbey Road Studies die Leiche einer jungen, unbekannten Frau entdeckt wird, führen die Ermittlungen sehr schnell zum Beatles-Fan-Club. Doch rebellierende Jugendliche sind nicht unbedingt kooperativ…

„Warum sind Sie weggerannt? … Ich wollte mich nur kurz mit Ihnen unterhalten.“ – „Weil Sie von der Polizei sind natürlich.“

Die Ermittlungen gestalten sich also schwierig. Zudem hat man Breen eine junge Polizistin als Assistentin zugewiesen. Trainee Detective Constable Helen Tozer ist eine echte Exotin – die erste Frau in der Behörde, die Polizeiarbeit tun und sich nicht auf das Annehmen von Telefonaten und das Kaffeekochen beschränken will. Natürlich hat sie es nicht leicht, traut ihr doch niemand etwas zu. („Ein Weibsstück beim Observieren? Ach du Scheiße!“) Selbst das Autofahren ist ihr untersagt. Auch Breen hat zunächst Vorbehalte ihr gegenüber, das ändert sich aber, als er sie näher kennenlernt. Sie zeigt Mut und Entschlossenheit und sie unterstützt ihn…

„Irgendwie passen Sie nirgendwo rein. Deshalb sind Sie so gut in dem, was Sie machen. Sie schleppen keine Altlasten mit sich herum.“

Die beiden sind wirklich ausgesprochen interessante und sympathische Charaktere! Was man von einigen ihrer Kollegen nicht unbedingt sagen kann. Die Polizei wird durchaus kritisch betrachtet, in der Handlung wird auch der Fall des Detective Sergeant Norman Pilcher thematisiert, der – wie man im Anhang erfährt – „im September 1973 der Rechtsbeugung für schuldig erklärt wurde, als herauskam, dass er seinen Opfern erst Drogenvergehen angehängt und anschließend Geld von ihnen erpresst hatte. Während seiner fünfjährigen Dienstzeit beim Drogendezernat hatte Pilcher Donovan, Mick Jagger, Brian Jones, Keith Richards, George Harrison und John Lennon wegen Drogendelikten festnehmen lassen.“ Er wurde zu 4 Jahren Haft verurteilt. Das Ganze in die Handlung eingebettet war für mich (als alten Beatles-Fan) ausgesprochen amüsant.

„Ratet mal, wen Pilcher gerade mit seinen Leuten nach Paddington Green verfrachtet.“- „Wen?“ – John Lennon und seine japanische Schnalle.“ – „Pilcher? John Lennon?“ – „Warum?“ – „Drogen. Die haben John Lennon auf Drogen gefilzt. Sind schon unterwegs, und deshalb scheißt sich der Chef jetzt in die Hosen.“ – „Drogen?“ – „Ja, John Lennon und diese Alte, diese Yoko Boko.“ – „Yoko Boko? Wer soll das sein?“

Und damit nicht genug! Eine weitere wichtige Rolle spielt im Buch der Bürgerkrieg 1967 in Biafra, die Pogrome 1966 und 1967 im muslimischen Norden Nigerias und die britische Haltung dazu. Sehr interessant und das Nachwort enthält noch weitere ergänzende Infos zum Thema.

In der Summe ergibt das einen wirklich spannenden Krimi, mit tollen Charakteren, viel Zeitgeist und mehreren überraschenden Entwicklungen, die zu einer für mich unerwarteten Auflösung führen. Ich habe mich wirklich von diesem Buch gut unterhalten gefühlt!

„Abbey Road Murder Song“ ist laut Klappentext der Auftakt zu einer Reihe um die Ermittler Breen und Tozer. Beim nächsten Band werde ich wieder dabei sein!

14.06.2014 13:59:41
Daniel Thomas FOS

Kritik „Abbey Road Murder Song“

Das Buch Abbey Road Murder Song, geschrieben von dem Journalisten und Buchautor William Shaw, ist ein Kriminalroman, der 1968 in London und der englischen Grafschaft Cornwall spielt. Er thematisiert den Mordfall einer jungen Frau, die sich als Beatle- Fan entpuppt.
Die Protagonisten Detective Cathal Breen und seine junge Kollegin Helen Tozer klären den Fall auf.
Dabei stoßen sie auf die mannigfaltige Widersprüchlichkeit dieser Zeit, die auf der Aufbruchstimmung und der Tendenz basiert, an Althergebrachtem festzuhalten.

Gekonnt führt William Shaw den Leser in den Zeitgeist der 60-iger Jahre in London ein.
Es ist die Zeit der berühmten Musikgruppe der Beatles. Schon mit dem ersten Teil des Titels weist der Autor auf die Abbey Road Studios hin, in denen die Band ihre Songs aufnimmt. Abbey Road ist übrigens das vorletzte Album, bevor die Beatles sich 1969 auflösen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Ermordete zu Lebzeiten Beatle-Fan gewesen ist. So treibt die Beatle-Begeisterung der jungen Inspektoranwärterin Helen Tozer, die Ermittlungen wesentlich nach vorn.

William Shaw stellt den lockeren Lebensstil in der Künstlerwelt heraus, indem er die frühere Lebensweise der Mutter der Ermordeten beschreibt. Er erwähnt beiläufig die Verhaftung von John Lennon wegen Drogenbesitz.

Der Autor arbeitet im Zusammenhang mit dem Mordfall exakt die konservativen und reaktionären Standpunkte und Sichtweisen in der Gesellschaft der 60-iger Jahre heraus, die sich der damaligen Aufbruchstimmung und freien Lebensweise entgegenstellen und hierzu im krassen Widerspruch stehen.
So erlebt die junge Polizei-Praktikantin Helen Tozer erhebliche Widerstände, sich in dem Männerberuf der Polizei durchzusetzen. Bereits bei ihrer Einführung herrscht ablehnendes Schweigen im Polizeibüro und sie wird vom Dienststellenleiter hinausgeschickt, als sie ihre Meinung äußerte, die einen männlichen Kollegen kritisiert. Aber auch bei den Ermittlungen in der Grafschaft Cornwall wird sie nicht als gleichwertige Polizeikollegin anerkannt, sondern es wird ihr vielmehr die gesellschaftlich etablierte Frauenrolle zugewiesen. Wie selbstverständlich schicken sie ihre männlichen Kollegen in die Küche, um Kaffee zu kochen. Diese Motive der Frauenfeindlichkeit und Voruteile gegen Frauen in der Männerberufswelt der damaligen Zeit flechtet der Autor geschickt und provokativ im gesamten Roman immer wieder ein.

Ressentiments und Vorbehalte gegen alles, was fremd ist und gegen alle, die woanders herkommen,
lässt Shaw die Protagonisten in dem Ermittlungsverfahren immer wieder aufdecken.
So werden farbige Neuankömmlinge sofort schon wegen ihrer Andersartigkeit als verdächtig eingestuft. Und auch der langjährige Seargent Breen hat wegen seiner irischen Abstammung im Londoner Polizeibüro immer noch Schwierigkeiten.
Die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen gilt in der Durchschnittsbevölkerung als tabu. Für die Eltern ist es eine Schmach. Es ist kein Zufall, dass Shaw ein solches gesellschaftlich nicht akzeptiertes Liebesverhältnis als einen Baustein für die Zuspitzung der Geschichte einbringt, die schließlich im Tod einer der jungen Frauen mündet.
Ein weiterer Baustein für den Tod der jungen Frau ist die Scheinheiligkeit der Gesellschaft, die der Autor geschickt darstellt. So löst sich der scheinbar unzweifelhafte Idealismus der Biafra-Förderer auf in persönlichen Eigennutz, der schließlich zur Veruntreuung der Spendengelder führt mit im weiteren Verlauf tödlichen Folgen.
Eine zweifelhafte Moral findet sich aber auch im Polizeibüro. So stellt sich ein angesehener Polizeikollege als korrupt und käuflich heraus.

Der Exkurs in die Weltpolitik wird aber sehr knapp gehalten. Der Bürgerkrieg in Biafra hätte meiner Ansicht nach eine weitere thematische Aufarbeitung nötig gehabt. Für den Gang in dieser Kriminalgeschichte ist er gerade eben ausreichend beschrieben.

Der Autor stellt den Protagonisten Cathal Breen provokativ als Antihelden dar, obwohl doch die damalige Gesellschaft des Aufbruchs auf Idole und Helden aus ist.
So fällt Breen gleich zu Anfang der Geschichte vom Baum, als er eine Katze retten will. Er ist in keinster Weise ein cooler Aktivist, sondern hat einen schwachen Magen und erbricht beim Anblick einer Leiche. Aus Feigheit kommt er in einer kritischen Situation einem Kollegen nicht zu Hilfe.

Ist also das vorliegende Buch überhaupt kein Kriminalroman sondern eher ein Gesellschaftsroman? Hat es etwa sein Thema verfehlt und langweilt den Leser, der sich eigentlich auf einen spannenden Krimi freut?
Diese Frage kann klar verneint werden. Die Spannung nimmt nämlich im Verlauf der Geschichte immer mehr zu. Es gibt weitere Tote und der Roman gipfelt schließlich in einer dramatischen Verfolgungsjagd und einem actionreichen und hochspannenden Finale.

William Shaw liefert uns mit dem vorliegenden Buch einen geglückten Kriminalroman. Interessant ist die Verknüpfung zwischen der Kriminalgeschichte und der Darstellung der Gesellschaft und des Zeitgeistes der 60-iger Jahre. Dabei stellt er oft provokativ die Widersprüche und Vorurteile der damaligen Zeit dar und prangert sie gesellschaftskritisch an. Zu kurz kommt dabei das weltpolitische Thema des Biafra-Konfliktes. Gelungen aber ist dem Autor dabei der Spagat zu einer hochbrisanten Kriminalhandlung, deren Spannung immer mehr zunimmt und in einem actionreichen Finale endet.

Somit ist das vorliegende Buch noch mehr als ein üblicher Kriminalroman und kann als wertvolle Literatur weiterempfohlen werden.

Willam Shaws erster Kriminalroman ist ihm gut gelungen und es bleibt zu hoffen, das weitere in ähnlich hoher Qualität folgen werden.

13.06.2014 12:43:00
Malte Grüner FOS 12b

London, Oktober 1968.
Im London der 60er Jahre lebt die Jugend ihr Leben in vollen Zügen.
Sie lassen sich die Haare lang wachsen, tragen bunte, knallige Kleidung, hängen vor den Wohnungen ihrer vergötterten Idole, selbst wenn diese Verhaftet werden rum, hierbei geht es um die Beatles. Die Beatles, ihre Fan schar und ihre verrückte Kultur begleitet nahezu die gesamte Handlung.
In der Handlung geht es um ein Mädchen, das nackt und ermordet, von einer Nanny mit ihren Pflegekindern, unter einer Matratze gefunden wurde. Dieser Mordfall geht an Detective Cathal Breen - der vor kurzem seinen Vater verloren hat und deswegen ein wenig psychisch Schwach wirkt, auch hat er kurz bevor der Fall kam seinen Kollegen bei einem Angriff im Stich gelassen und ist deshalb dem Spott seiner Kollegschaft ausgesetzt. Zu allem Überfluss wurde ihm für den Fall eine junge Frau namens Helen Tozer zur Seite gestellt, die sich bei der CID – dem Morddezernat von London – beworben hat. In den 60er Jahren sind weibliche Kolleginnen absolut verhöhnt, sie werden höchstens zur Betreuung bei psychischen Problemen oder wo Kinder im Fall beteiligt waren eingesetzt. Ansonsten wurden sie nicht sehr wertgeschätzt.
Helen Tozer kämpft auch mit einigen Problemen. Ihre Schwester wurde damals ermordet und der Fall wurde nie aufgeklärt und somit konnte die Familie nie ganz damit abschliessen. Sie ging deshalb zur Polizei, dort hat sie am Anfang aber keinen leichten Start, erarbeitet sich im Laufe der Handlung jedoch den Respekt von ihrem Kollegen Cathal Breen. Der Fall mit der nackten Toten geht Tozer nah, da ihre Schwester in ungefähr dem gleichen Alter war.
Der Fall der jungen Frau scheint auch unlösbar, es gibt niemanden der sie vermisst und es gibt nur einen einzigen Anhaltspunkt – Sie muss Beatles Fan gewesen sein. Die ersten Ermittlungen verlaufen sich in Sackgassen und das junge Mädchen scheint nicht Identifizierbar zu sein. Erst Tozer die Ermittlung in die Richtung der Beatles Fans lenkt und die beiden ein Bild der Toten in der Zentrale des Beatles Fanclubs abgeben scheint sich etwas Handfestes zu ergeben, ein Fan erkennt die Frau und teilt ihnen den Namen mit – Morwenna Sullivan. Dann beginnt die Ermittlung ins rollen zu kommen.
Das Buch zeigt führt einen durch Glitzer, Glamour, einen Haufen von zeitgenössischen Verhaltens- und Denkweisen sowie Intrigen, Korruption einen Hauch Rassismus und politischen Fanatismus.
Die Dunkle Seite von London die sich hinter dem ganzen Glitzer und Glamour der 60er Jahre versteckt ist ein entfachtes Feuer. Auf offener Straße werden afrikanische Einwanderer diskriminiert, die englische Armee führt in Afrika einen blutigen Krieg. Die afrikanischen Einwohner im Roman gründeten eine Organisation in England um gegen dieses zu kämpfen – und das mit allen verfügbaren Mitteln, wodurch es im Verlauf des Buchen zu der einen oder anderen Überraschung kommt.
Angenehm ist es, dass es keinen herausstechenden Helden gibt sondern nur 2 Polizisten die mit Problemen, in den Weg gelegte Steinen und einer herausfordernden Ermittlung klarkommen müssen.
Auch fand ich gut, dass man einen guten Einblick in die damalige Polizeiarbeit bekommt – so fernab von moderner DNA-Analyse und anderen modernen Hilfsmitteln. Man wurde allgemein gut in das Leben der damaligen Zeit versetzt.
Die Geschichte um die beiden Polizisten Tozer und Breen wie sie den Fall lösen, das zwischenmenschliche der beiden und wie sich beide Problemen stellen müssen wurde gut aufgebaut und enthält einige gute fesselnde Stellen. Dadurch verzeiht man den teilweise nicht gut gelungenen Übergänge, das etwas vorhersehbare und nicht an Spannung zunehmendes Ende und die klar führende Linie durchs Buch.
Der Lockere und Humorvolle Schreibstil des Buches wirkt teilweise sehr gezwungen, was an der Übersetzung des Buches aus dem englischen liegen kann, passt aber im Allgemeinen gut.
Das Buch ist ein Spannender Krimi, mit Zeitgenössischen und -geschichtlichem Hintergrund der von Anfang bis Ende fesselnd ist und sie wie im Flug lesen lässt.

13.06.2014 11:17:56
Fabian Loch FOS

In dem Krimi Buch Abbey Road Murder Song geschrieben von William Shaw, welches im Jahre 2013 unter dem Verlag Suhrkamp als Taschenbuch erschinen ist, handelt es sich um einen Detektive, der bei einer Ermittlung eines ominösen Mordfalles zum ersten Mal in der geschichte der Polizei als Ermittlungspartner einen weiblichen Detektive zur Seite gestellt bekommt, um diesen Fall zu lösen.
Der Autor hat die Absichtm deutlich zu machen das Frauen im Jahre 1968 während der anfängen der Emanzipation es schwer hatte, sich in der Männerwelt zu behaupten. Wobei er keinesfalls den Zeitgeist vernachlassigen wollte.

Im Jahre 1968, ein Wendepunkt in der Gesellschaft, wo die Jugend nicht mehr so verklemmt ist, wie die ältere Generation und viele junge Mädchen die Veränderung mit ihren Popidole, den Beatels. welche diese veränderung überhaupt möglich gemacht haben ausgibig durchleben. In mitten dieser Veränderung wird ein paar Ecken weiter eine anonyme Leiche entdeckt, welche nachausgiebigen Ermittlungen von Cathal Breen und seiner erstmaligen Partnerin Helen Tozer, wohl ein Beatelsfan war. Dies führt den eher prüden Breen und seine flippige Kollegin Tozer in die Fangemeinden der Beatles. Doch der wahre Grund ihrer Todes ist wesentlich schlimmer als man es sich vorstellen könnte.

Meiner Meinung nach hat der Autor durch den Themenwechsel an den Themenanfängern, sowie die vielen Nebeninformationen es nicht geschafft den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, weshalb man sich jedes Kapitel neu überwinden muss dieses Buch weiter zu lesen.
Doch wem es gelingt, dem steht ein durchschnittlicher Krimi bevor, mit einem durch und duch eingehaltenen Zeitgeist , vielen gut herübergebrachten zwischenmenschlichen Beziehungen neben der Hauptgeschichte und vielen Informationen über das Leben in London 1968.

Anhand der Schreibweise erkennt man, dass der Autor seine Worte gezielt einsetzt, um den Zeitgeist bei zu behlten und gleichzeitig auch nah an der Hauptgeschichte zu bleiben.

Dieses Buch ist meiner Meinung nach gut geeignet für alt eingelesene Krimifans, welche neben der Geschichte auch wert auf Zwischenmenschlichkeit legen und es verstehen den Zeitgeist zu beachten.
Doch ich finde den Preis von 14,95€ leider nicht gerechtfertigt für ein durchschnittliches Krimibuch.

12.06.2014 23:31:41
K_Schlüsener_92

London, Oktober 1968

Die junge Gesellschaft in England und besonders die in London befindet sich im Umbruch. Der bis dato einmalige Erfolg der Beatles und andere Pop-Gruppen stellt die Welt der Jugend förmlich auf den Kopf. Rebellisches Verhalten gegenüber den Eltern und provokantes Verhalten gegenüber der Öffentlichkeit bestimmen den Zeitgeist. Dass man sich über Miniröcke und lange Haare empört, ist für die heutige Jugend unvorstellbar, doch sind dies damals völlig unbekannte Tabubrüche gewesen.

Ob dies auch dazu geführt hat, dass die junge blonde Frau, welche ermordet in einem Hinterhof gefunden wurde, nicht vermisst wurde?

Die von einer Nanny gemeldete Leiche ruft das CID auf den Plan. Detective Cathal Breen wird mit dem Fall beauftragt und bekommt alsbald eine weibliche Kollegin, Miss Helen Tozer, als Unterstützung zugeteilt. Durch die strikte Rollenverteilung der damaligen Zeit sorgt dies schon von Anfang an dafür, dass sich Breen von seinen Kollegen aufgrund seiner neuen Kollegin blöde Sprüche anhören muss.
Nach einem Raubüberfall, bei dem er angeblich feige reagierte, hat er bereits einen schweren Stand bei den anderen Polizisten des CID.

Besonders an den Dialogen rund um die Einführung von Helen Tozer ist mir das erste Mal aufgefallen, dass die teilweise enthaltenen Witze auf biegen und brechen in den Text gepackt wurden. Ob dies an der Schreibweise des Autors oder an dem Umstand, dass Witze und sprachliche Spitzfindigkeiten nicht immer vernünftig übersetzbar sind liegt, kann ich nicht beurteilen. Den Stand von Frauen im Polizeidienst und in der Gesellschaft im Allgemeinen, lässt sich aufgrund der Dialoge hingegen sehr gut erkennen.

Die Unterstützung der jungen und gutaussehenden Kollegin kann Breen nach dem Verlust seines Vaters, welchen ihn emotional schwer getroffen hat, gut gebrauchen. Es dauert jedoch eine gewisse Zeit, bis er das selbst erkennt.

Helen Tozer spielt sowohl auf der zwischenmenschlichen Ebene eine wichtige Rolle, aber sie liefert auch wichtige Hinweise zu den Ermittlungen. Als bekennender Beatles-Fan lenkt Sie die Strafverfolgung auf das Umfeld der Band und sorgt durch Ihre Verbindung zu der Groupie-Szene für entscheidende Hinweise.

In den ersten Kapiteln werden oft die emotionalen Zustände von Detective Breen und auch deren Hintergründe beleuchtet, was ich bei einer gelungenen Charakterentwicklung für sehr wichtig halte. Leider wird diese Art der emotionalen Entwicklung meines Erachtens nach nicht kontinuierlich fortgesetzt, sodass dem Leser zu späteren Zeitpunkten häufig eine flache Gefühlsdarstellung geboten wird, die sich hauptsächlich auf das zwischenmenschliche von Breen und Tozer fokussiert.

Erste Ermittlungen des Duos gehen relativ schnell in eine Richtung, die auf ein Familiendrama schließen lässt, doch der unerbittliche Ehrgeiz der beiden Ermittler führt schließlich zum wahren Täter.

Die Art und Weise wie die Ermittler an ihr Ziel kommen und der Täter schließlich überführt wird, weist klassische Merkmale eines Kriminalromans auf. Viele unerwartete Wendungen in der Geschichte und erst im Nachhinein zu erkennende Zusammenhänge sind ebensolche.

Im Verlauf der Geschichte wird durch die Einführung des Charakters Ezeoke der Biafra-Krieg in Nigeria thematisiert. Dies finde ich sehr gut gelungen, denn obwohl die Situation in Biafra dem ersten Anschein nach nur wenig Bezug zu dem Buch hat, ist sie für den weiteren Verlauf der Geschichte unerlässlich. Im Nachtrag des Buches findet der Leser weitere Informationen zum Biafra-Krieg, die helfen sollen, den Konflikt und somit auch die Charakterzüge von Ezeoke besser verstehen zu können.

Das Gesamtwerk rund um Detective Breen und Constable Tozer ist gelungen und spannend geschrieben. Meines Erachtens nach hätte eine schneller ansteigende Spannungskurve dem Buch gut getan. Des Weiteren sind die Phasen zwischen Spannung und Entspannung oftmals sehr ausgedehnt, sodass ich ab und an kurz davor war, die Lust am Weiterlesen zu verlieren. Zum Ende hin befand sich die Spannungskurve, wie es für einen Kriminalroman üblich ist, auf einem nahezu durchgehend hohen Niveau.

Ein Highlight an diesem Buch ist die exzellente Darstellung der damaligen Zeit. Auch wenn ich diese nicht persönlich erlebt habe, konnte ich mich wunderbar in die 60er Jahre hineinversetzen. Dabei wurden nicht nur die schönen Dinge thematisiert, sondern auch Themen wie die damals noch weit verbreitete Diskriminierung von Frauen, die teilweise sogar gesellschaftlich akzeptierte Fremdenfeindlichkeit sowie Korruption und Polizeigewalt. Besonders interessant ist, dass vieles davon völlig wertfrei in den Gesamtkontext einfließt. Negativ aufgefallen ist mir der Umstand, dass die Beatles zwar relativ oft im Kontext behandelt werden, aber im Endeffekt doch recht wenig Einfluss auf die Geschichte haben. Gerade vor dem Hintergrund des Buchtitels hätte ich persönlich mehr in dieser Richtung erwartet.
Es wird zwar das Umfeld der Beatles umfangreich beleuchtet, aber die Band selbst wird meiner Meinung nach zu wenig thematisiert.

Der Schreibstil des Buches ist im Allgemeinen sehr angenehm. Durch die lockere und flüssige Art findet man auch nach einer längeren Unterbrechung wieder mühelos in die Geschichte hinein. Der erste Kritikpunkt zum Stil bezieht sich auf die Teilweise künstlich wirkenden Dialoge, was ich jedoch schon an vorheriger Stelle thematisiert habe.

Des Weiteren ist mir einige Male aufgefallen, dass die Brüche von einem Kapitel zum nächsten teilweise sehr ausgeprägt sind. Man ist natürlich von einem Kriminalroman gewohnt, dass der Spannungsbogen innerhalb eines Abschnittes zum Ende hin ansteigt um dann bei Beginn des nächsten Kapitels wieder abzuflachen, jedoch war eben diese Phase der aufgelösten Spannung für meine Begriffe oftmals zu lang. Das Buch wurde dadurch unnötig in die Länge gezogen, ohne dem Leser einen wirklichen Fortschritt in der Geschichte oder eine Vertiefung der Charaktere zu bieten.

Abschließend möchte ich noch ausführen, wem ich dieses Buch empfehlen und wem ich lieber davon abraten würde es zu kaufen, Ich persönlich würde das Buch zunächst nicht generell weiterempfehlen. Fans von Krimis und Leser, welche die damalige Zeit miterlebt haben oder eine gewisse Affinität zu eben dieser haben, werden nicht zuletzt aufgrund des sehr gut dargestellten Zeitgefühls definitiv auf ihre Kosten kommen. Auch die erzählte Geschichte ist ein Kriminalroman in seiner Reinform, sodass der Spaß am Lesen definitiv nicht zu kurz kommen wird. Junge Leser hingegen, welche mit dem zeitlichen Kontext wenig anfangen können und Leute, die einfach nicht an dem Genre interessiert sind, werden eventuell schnell gelangweilt sein.

Unter Berücksichtigung der angeführten Kritikpunkte in Verbindung mit der spannenden Geschichte ist das Buch ‚Abbey Road Murder Song‘ insgesamt jedoch ein solider und lesenswerter Kriminalroman. Die Ankündigung, dass dies nur der erste Titel einer Buchserie rund um die beiden Ermittler Cathal Breen und Helen Tozer sein soll, klingt sehr vielsprechend und lässt auf weitere spannende Fälle hoffen.

12.06.2014 23:14:56
NicolaKruse92

Das Buch "Abbey Road Murder Song", geschrieben von Willam Shaw und ins Deutsche übersetzt von Conny Lösch, erschienen über den Suhrkamp-Verlag ist ein in den "Svinging-Sixties" spielender Kriminalroman, in welchem parallel zum hippen sowie fröhlichen und farbenfrohen Dasein der neu entstandenen Hippie-Generation, ein tragischer Mord an einem Mädchen aufgeklärt wird. Wie sich im weiteren Verlauf des Buchs herausstellen wird, ist dieser jedoch um einiges verflochtener als man zunächst annehmen mag und zieht eine Reihe weiterer Morde hinter sich her. Ermittelnder Detective in diesem Fall ist Sgt. Cathal Breen, welcher aber Aufgrund seiner irischen Wurzeln, von seinen Kollegen auch etwas abwertend, Paddy genannt wird. Die in einem Müllhaufen gefundene Leiche, welche Aufgrund ihres entkleideten, nackten Daseins keinerlei Anhaltspunkte ihrer Identität liefert, wirft also weitaus mehr Fragen auf als diese beantworten kann. Während die Ermittlungsarbeiten anfangs noch etwas stockend voran schreiten, stößt eine weitere Charaktere hinzu, welche sich neben Breen schnell als weitere Protagonistin herausstellt.

Die junge aufgeweckte und auch mal etwas vorlaute Trainee Detective Constable Hellan Tozer wird Breen für diesen Fall zur Seite gestellt, was weder Breen noch dem weiteren Team sonderlich gefällt, da es in den 60ern nicht üblich war, dass Frauen bei der Polizei ermittelnde Positionen einnehmen. Jedoch erwischen wir Breen relativ zügig dabei, wie er Tozer kennen und allmählich auch schätzen lernt. Im weiteren Verlauf des Buches wird einem auch klar, das Tozer einen großen Teil dazu beiträgt, den Mordfall aufzuklären.

Wir lernen C. Breen als einen ruhigen, etwas peniblen und hilfsbereiten, etwas altmodischen aber auch sehr selbstständigen Detective der alten Schule kennen und im Gegenteil zu ihm ist H. Tozer noch recht jung und unerfahren. Sie ist, wie die meisten jungen Leute der 60er, ein großer Fan der Beatles, welche zum Zeitpunkt der Ermittlungen unweit des Fundortes der Leiche, ihr Album "White" aufnehmen. Diese Leidenschaft Tozers gegenüber den Beatles wird sich im Weiteren noch als sehr nützlich erweisen. Ihr junges Denkvermögen erlaubt ihr Sichtweisen und Ideen, zu denen Breen nicht so schnell in der Lage ist, ihre Idee das es sich bei dem Mädchen um einen Beatles-Fan handeln könnte erweist sich später als richtig. Als Tozer in ihrer jungen, rebellierenden und sturen aber auch verletzlichen Art, vor Breen flüchtet und den Polizeiwagen unerlaubter Weise "entwendet", nachdem er sie unerwartet auf ihre ermordete, kleine Schwester anspricht, findet sie allein und auf eigene Faust, den Namen und die letzte bekannte Anschrift der Toten heraus.

Währenddessen wird Breen, ihr Vorgesetzter, von ihr allein im Regen stehen gelassen und muss sich ein Taxi zurück zum Revier nehmen. Um diese Informationen heraus zu bekommen riskiert sie also ihren Traumjob, was uns zeigt, dass sie ebenfalls eine sehr mutige Person ist, welche jedoch auch schnell und unüberlegt handelt.



Im weiteren Verlauf, führt das Buch den Leser auf tragische Weise zu einem Irr Pfad, ausgelöst durch den Tod der jungen Morwenna Jane Sullivan, dies ist der nun bekannte Name der Toten, stirbt der noch verbliebene Rest ihrer Familie ebenfalls.
Meiner Ansicht nach, ist dies mit der spannendste und beste Teil in diesem Buch, da einem dort die Spannung gerade zu fesselt. Für eine Weile wird man im Glauben gelassen, dass der Mörder Morwennas gefunden sei, jedoch bleibt es weiterhin sehr spannend um ihr frühzeitiges Ableben und dessen Hintergründe. Es wird wesentlich komplizierter als man es annehmen möchte.

Alles in allem ist es ein gut verständlich geschriebenes Buch, in welchem man sich auch sehr gut hineinversetzen kann, wenn man selbst auch nicht die Zeit von Sex, Drugs & Rock'n'Roll der 60er Jahre miterlebt hat, da der Zeitgeist oftmals gut beschrieben und beiläufig vermittelt wird, durch das z.B. nähere Erläutern von Kleidung oder der Umgebung. Besonders oft wird auch erwähnt, dass Leute rauchen, was zu dieser Zeit an jedem Ort gang und gäbe war. Was mich jedoch etwas stört, dass leider oftmals die Spannung am Ende eines jeden Kapitels am höchsten ist, und dort abrupt abbricht, um im nächsten Kapitel wieder bei null zu beginnen. Dies macht das Buch an manchen Stellen etwas träge. Ein richtiger An- und Abstieg des Spannungsbogens ist, wie ich finde, eigentlich erst zu erkennen, wenn man das Buch komplett gelesen hat und im Nachhinein alles Revue passieren lässt.



Dieses Buch ist auf jeden Fall etwas für Leute, welche Kriminalromane lieben, jedoch kann ich mich nicht zu diesen Leuten zählen. Zwischenzeitlich fiel es mir schwer mit dem Lesen zu beginnen, jedoch habe ich oftmals auch gar nicht gemerkt, dass mich die Story wohl doch so sehr packte, dass ich erstaunt darüber war, wie viel ich nun doch am Stück gelesen hatte.


Zu aller Letzt hoffe ich, einen guten Einblick in das Buch gegeben zu haben, ohne doch zu viel zu verraten und hoffe, dass ich Ihr Interesse an diesem Buch geweckt habe, um sich nun selbst eine Meinung darüber bilden zu können.


Nicola Kruse, 12.06.2014

29.10.2013 20:08:11
Eglfinger

Inhalt:
"Swinging London – die Stadt ist ein einziges Beatles-Album: bunt, laut und fröhlich. Miniröcke beherrschen die Bürgersteige, Mini Cooper die Straßen. Die ganze Welt scheint nur noch aus Musik und Mode zu bestehen. Doch der Spaß ist nicht endlos:
Unweit des Abbey Road Studios wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Auf der Suche nach ihrem Mörder lernen Detective Breen und seine Kollegin Tozer Londons düstere Kehrseite kennen.

London, Oktober 1968: Die Jungen, Wilden und Schönen haben die Macht ergriffen. Sie haben ihre eigenen Fernsehprogramme und Radiosender, ihre Boutiquen und eine eigene Sprache. Die Röcke werden kürzer, die Hosen enger. Im Abbey Road Studio entstehen die wahrscheinlich wichtigsten Alben aller Zeiten. Und vor dem Studio warten Hunderte junge Frauen darauf, dass SIE erscheinen: die Beatles.

Doch nur eine Straßenecke weiter zeigt sich ein anderes London. Die anonyme Leiche einer jungen Frau wird entdeckt. Der einzige Anhaltspunkt, den Detective Cathal Breen und seine Kollegin Helen Tozer haben: Sie muss ein Beatles-Fan gewesen sein. Ihre Ermittlungen führen die beiden vom Fan-Club der Fab Four zu einer Gerichtsverhandlung gegen John Lennon und zu George Harrisons Haus. Aber der wahre Grund, wieso das Mädchen sterben musste, ist viel tragischer, als sie es sich hätten träumen lassen." (Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/abbey_road_murder_song-william_shaw_46475.pdf)

Meine Meinung:
Der Roman beginnt sehr trist und langatmig. Detective Breen wird als Feigling dargestellt, der seinen Kollegen Pilcher alleine lässt, während dieser von einem Chinesen mit einem Messer angegriffen wird. Die ganze Truppe ist zerstritten und man fühlt sich eher, als liegt ganz London im Blues. Von einem Swinging London habe ich hier nichts gemerkt. Besser wird es mit dem Auftreten von Constable Tozer, die Anwärterin zum Detective ist. Zum damaligen Zeitpunkt eine Ausnahme, da zu dieser Zeit weibliche Polizisten noch nicht mal Dienstfahrzeuge fahren durften. Detective Breen soll zusammen mit Tozer den Mord an einer jungen Frau aufklären, die unweit der Abbey Road Studios, in denen die Beatles ihre Alben aufnahmen, gefunden wird. Die Leiche scheint Beatles-Fan gewesen zu sein und die junge Tozer, die sich in der Szene auskennt, führt Breen in das Thema ein. Die Ermittlungen führen die beiden zu einer Gerichtsverhandlung gegen John Lennon, der sich wegen Drogenbesitz verantworten muss. Zu dieser Gerichtsverhandlung kam es damals tatsächlich, weil Detective Pilcher, eine reale Person, Berühmtheiten, wie John Lennon und Mick Jagger, Drogendelikte angehängt hatte und sie damit erpresste. Pilcher wurde 1973 der Rechtsbeugung für schuldig befunden. Als der Mordfall später aufgeklärt scheint, gibt sich Breen nicht zufrieden und bohrt weiter. Dabei stößt er auf eine Gruppe Schwarzafrikaner, die sich für die Unabhängigkeit Biafras einsetzen. Der Biafra-Krieg und die Haltung Großbritanniens dazu scheint auch das eigentliche Thema des Autors zu sein. Nigeria wurde im Jahr 1960 von Großbritannien unabhängig. Wie so oft in Afrika wurden die Grenzen von den ehemaligen Kolonisten mit dem Lineal gezogen, so dass ein Vielvölkerstaat entstand, in denen die verschiedenen Völker um die Vormachtstellung stritten. Der Süden, in denen vor allem die christlichen Ibos lebten, putschten die unerfahrene Regierung und erklärten den Biafra-Staat. Es kam zum Bürgerkrieg und Großbritannien stellte sich auf die Seite des Nordens, muslimisch geprägt, in der Hoffnung Zugang zu den Bodenschätzen, vor allem Öl, zu erhalten. Während des Bürgerkrieges starben 3 Millionen Menschen, wobei die Zahl in der Höhe von manchen Wissenschaftlern bezweifelt wird.
Ich bin der Meinung, dass es dem Autor nicht gut gelungen ist, die einzelnen Handlungsstränge zu verweben. Sie sind eher aneinandergereiht, worunter die Spannung leidet. Die Geschichte wird auch nicht durch das actionreiche Finale spannender. Auch die Beziehung zwischen Detective Breen und Constable Tozer war mir zu klischeehaft.

Mein Fazit:
Ein zu Beginn zäher Roman, der im Verlauf der Geschichte flüssiger wird. Es ist weniger ein Krimi, sondern mehr die Anspielung auf ein Thema, was in Großbritannien vielleicht noch nicht wirklich aufgearbeitet ist, und von einem Swinging London ist in diesem Roman auch nichts feststellbar. Ich gebe 65 Grad.

21.10.2013 21:53:03
Torsten

Bemerkenswert wie unterschiedlich doch über dieselbe Polizei zu derselben Zeit geschrieben werden kann - während z.B. Colin Dexters "Der letzte Bus nach Wodstock" zu der Zeit geschrieben wurde zu der der Roman auch spielt, hat William Shaw 2013 einen Roman geschrieben der 1968 spielt.
Und Shaw beschreibt (im Gegensatz zu Dexter) sehr deutlich und ausführlich die seinerzeit herrschende, übliche und akzeptierte gesellschaftliche Situation, besonders auch was den Umgang mit Frauen angeht. So ist der Alltagssexismus genauso präsent wie die allgemeine Einschätzung, dass Frauen bei der Polizei bestenfalls zum Teekochen taugen - insofern ist eine Frau als Ermittlerin bei der Kripo (CID) schon sehr besonders.
So ist das Interessante an diesem Roman weniger der Kriminalfall an sich, als vielmehr die Zeit und die Gesellschaft in der er stattfindet. Das titelgebende "Swinging London" bildet dabei einen ziemlichen Kontrast zu den Bereichen in dem sich die Arbeit und die Ermittlungen abspielen - da swingt nämlich überhaupt (noch) nichts, sondern die althergebrachte Rollenverteilung ist in einer reaktionären, teilweise rassistischen Gesellschaft fest etabliert.
Insgesamt ergibt das einen Roman der sehr schön diese gegensätzliche Atmosphäre beschreibt. Der Mordfall an sich wird natürlich auch gelöst, wobei für mich die zusätzliche politische Dimension nicht unbedingt hätte sein müssen - ein "normaler" Kriminalfall hätte dem geschilderten Zeitgeist auch keinen Abbruch getan.
Wenn das der Auftakt einer Reihe ist, dann würde ich das jedenfalls sehr begrüssen.