Das Geheimnis von Benwick Castle

  • Tally-Ho
  • Erschienen: Januar 2013
  • Berlin: Tally-Ho, 2013, Seiten: 226, Originalsprache
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension vonOkt 2013

Für Fans klassischer, britischer Whodunits ein Vergnügen.

Schottland 1937: Am 13. August macht sich Sir Alasdair Benwick auf den Weg nach Glasgow, ohne dort jemals anzukommen. Spuren über seinen Verbleib gibt es ebenso wenig wie Hinweise auf ein mögliches Verbrechen, so dass die Polizei keine Ermittlungen aufnimmt. Adrian Benwick wendet sich an John Stableford, der ihm als Detektiv bei der Suche nach seinem vermissten Bruder behilflich sein soll. Stableford nimmt mit seiner Frau Harriet die Einladung Benwicks an und reist gemeinsam mit seinem Freund Dr. Percy Holmes und dessen neuer Freundin Penelope in die schottischen Highlands, wo in Brigadun die Familie der Benwicks - von der Außenwelt nahezu vollständig isoliert - lebt.

Schnell wird Stableford klar, dass er es nicht mit einem normalen Fall zu tun hat, denn offenbar lebte Alasdair in einer Traumwelt, sah sich als Nachfolger der legendären Ritter der Artussage und glaubte in Brigadun ein neues (oder gar das alte?) Camelot gefunden zu  haben. Um sich herum scharte er neben seiner Familie alte Kriegsgefährten und hielt Hofstaat, wobei er seinen "Getreuen" mit Namen aus der Artussage ansprach. Stableford und Holmes erkennen  bald, dass nahezu jeder im Umfeld Alasdairs ein ausreichendes Motiv hatte, diesen zu ermorden, denn nichts deutet darauf hin, dass Alasdair Brigadun jemals verlassen hat...

Artussage, Macbeth und Sherlock Holmes.

Seinen ersten Fall hat John Stableford unter dem Pseudonym Stanford  Blake als Detektivroman veröffentlicht und erregte damit die Aufmerksamkeit von Adrian Benwick, was zur Folge hat, dass dieser Stableford fortwährend mit Mr. Blake anredet. Da wie eingangs erwähnt alle im Umfeld von Alasdair Benwick lebenden Personen mit Zweitnamen in Anlehnung an die Artussage ausgestattet sind, führt dies zu anfänglichen Irritationen beim Lesen. Auch die Lebenswelt von Alasdair selbst, mit ihren zahlreichen Anspielungen auf die Artussage, mag zur Verwirrung beitragen, sofern man diese nicht kennt. So darf man sich beispielsweise nicht wundern, dass man sich in Brigadun permanent auf der Suche nach dem Questentier befindet. "Wenn dies ein Detektivroman wäre, würde ich ihn jetzt aus der Hand legen und vermutlich nie wieder aufschlagen", sinniert selbst Stableford auf Seite 68.

Sieht man von dem gewöhnungsbedürftigen Einstieg ab, entwickelt sich zunehmend ein klassischer Whodunit im Stile bester britischer Tradition mit starken Anleihen bei - allen voran - Sir Arthur Conan Doyle. Die Parallelen zwischen Sherlock Holmes und John Stableford sind unübersehbar.

 

"Ihre unangenehme Angewohnheit, alles zu wissen, muss es für Sie schwer machen, Freunde zu finden."

 

Selbstredend ist der Psychiater Dr. Percy Holmes das Pendant zu Dr. Watson, was auch das Mitführen eines alten Armee-Revolvers erklärt.

 

"Ah, Dr. Holmes, Sie haben die Fälle Ihres Namensvetters studiert. Nun, ich folge Ihrer Ansicht, dass wenn das Unmögliche eliminiert ist, die Wahrheit wie unwahrscheinlich sie auch sein mag übrig bleibt." HolmesHo Hdgfuidgh
"Und doch würde man es doch eigentlich niemanden hier zutrauen. Aber einer von ihnen ist es gewesen, nicht wahr?"
"Einer ist es gewesen."
"Und Sie wissen, wer es war?"
"Ich habe eine Vermutung."
"Eine Vermutung, die Sie nicht mit mir teilen wollen?"
"Ganz richtig, mein lieber Holmes. Das ist das Problem mit uns Meisterdetektiven: Wir denken viel, aber reden wenig. Das gibt uns eine geheimnisvolle Aura und verstärkt den Enthüllungseffekt, wenn wir endlich den Mund aufmachen."
"Und macht Sie zu einer Idealbesetzung für den Stummfilm, dessen Ära allerdings vorbei zu sein scheint."

 

Das Geheimnis von Benwick Castle ist sehr "britisch" geprägt und setzt einige Vorkenntnisse (nicht nur zur Artussage) voraus, um dem Verlauf besser folgen zu können. Gleichwohl ist der Plot ebenso unterhaltsam wie humorvoll und so kommen nicht nur Sherlock-Fans auf ihre Kosten. Zahlreiche Anspielungen beispielsweise auf einen bekannten Fall von Hercule Poirot werden von einem charmanten Augenzwinkern begleitet.

Das Geheimnis von Benwick Castle

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