Norderney-Flucht

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2013, Seiten: 239, Originalsprache

Couch-Wertung:

25°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
1 x 21°-30°
0 x 11°-20°
2 x 1°-10°
B:33.5
V:3
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":1,"5":1,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":1,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":1,"98":0,"99":0,"100":0}
Lars Schafft
Apokalyptischer Insel-Unfug

Buch-Rezension von Lars Schafft Sep 2013

Im Wust der Regio-Krimis braucht es hin und wieder ausgefallene Ideen, um wahrgenommen zu werden. Dachte sich wohl auch Autor Manfred Reuter bei seinem zweiten auf der ostfriesischen Insel Norderney angesiedelten Roman um Kommissar Gent Visser: Entvölkern wir das Eiland doch einfach komplett und lassen dann unter den wenigen Zugereisten ein, zwei Morde geschehen! Klingt ambitioniert, daraus einen vernünftigen Plot entstehen zu lassen? Mehr als das. Und Reuter scheitert vollends damit.

Frühsommer an der Nordseeküste: Die Fähre "Frisia IV" macht sich auf ihre letzte Fahrt des Tages von Norddeich nach Norderney. Unter anderem an Bord: ein buntes Grüppchen, das Hochzeit feiern will sowie die beiden Polizisten Visser und Voss. Kurz bevor sie die Passage durchs Watt hinter sich gebracht haben, geschehen eigenartige Dinge. Der Funkkontakt bricht ab, Handys haben keinen Empfang und Norderney präsentiert sich menschenleer. Fluchtartig müssen die wenigen Einwohner und die vielen Touristen die Insel verlassen haben. Visser, Voss & Co. machen gute Mine zum bösen Spiel, nisten sich ein, sind bald aber auch selbst komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Dann geschieht ein Mord. Und noch einer.

Die Situation, die Manfred Reuter auf Norderney schildert, ist natürlich eine aus dem Genre altbekannte, schon Agatha Christie spielte damit in Mord im Orientexpress: ein Verbrechen in einer überschaubaren Gruppe, zu der weder ein Fremder hinzustoßen noch sich ein Bekannter verdünnisieren kann. Großer Auftritt für Hercule Poirot bei Christie, hier in Norderney-Flucht leider nur zu arg bemüht. Ein gewiefter Ermittler ähnlicher Liga fehlt freilich.

Nicht, dass der eigentliche Mordfall weit hergeholt wäre. Der ist in der Tat logisch und passend auf der Insel angesiedelt. Insofern könnte man auch mit dem ganzen Roman leben. Allerdings nicht mit Reuters hanebüchenem Konstrukt drumherum, das so viele Fragen offen lässt, dass die eigentliche Kriminalgeschichte kläglich im Hintergrund vor sich hin mäandert. Wieso funktioniert keine Technik mehr? Wohin und womit sollen mal eben gut 30.000 Menschen eine Nordseeinsel verlassen haben? Wie kann eine Fähre im wenige Meter tiefen Watt komplett sinken? Darauf und auf viele weitere Fragen liefert der Autor absolut keine Antworten. Und das ist mehr als unbefriedigend.

Auch vom Stil her betrachtet kann Manfred Reuter nicht punkten. Adjektivgeschwängerte Sätze mit dermaßen vielen Übertreibungen, dass selbst Jogi Löws Spielanalysen ("Enormes Laufpensum!") rational wirken. Vom "Exodus" ist die Rede, von der "Apokalypse" gar. Aus den recht überschaubaren Fähren zwischen Festland und den vorgelagerten Inseln werden direkt "Stahlkolosse", die "majestätisch" in der Sonne glänzen. Nichts gegen die Frisia-Flotte, aber so umwerfend sind die Schiffe dann nun wirklich nicht. Zwischendurch quält sich der Leser zudem durch so detaillierte Ortsbeschreibungen Norderneys, dass er nach der Lektüre problemlos dort Taxifahrer werden könnte. Die gespenstische Stimmung einer Insel ohne Bewohner bleibt letztendlich zwischen den Buchdeckeln verborgen.

Schade an Norderney-Flucht ist nicht die Idee, das Agatha-Christie-Setting auf die Ostfriesischen Inseln zu übertragen. Daraus hätte durchaus etwas werden können. Nur dafür bedarf es keiner "Apokalypse", sondern schlicht eines kalten Winters wie Anfang des Jahres. Und der Roman wäre akzeptabel geworden. So bleibt unterm Strich ein grober Unfug.

Norderney-Flucht

Norderney-Flucht

Deine Meinung zu »Norderney-Flucht«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
18.06.2017 11:14:16
kompass

Die Idee scheint am Anfang recht packend, aber leider ist das Buch so schlecht geschrieben, dass ich immer wieder darüber nachdenken musste. Irgendwann, nach der x-ten Beschreibung weiterer Details des Exodus kam mir die Idee, mal eine Rezension zu lesen und siehe da, ich wurde vorgewarnt, dass das Buch keine Auflösung der Vordergründigen Handlung haben würde. Meiner eigene Dummheit weiterzulesen, obwohl alles dagegen sprach, gebürt dann auch die Strafe: nämlich die Rekenntnis eines der schelchtesten Bücher jemals gelesen zu haben. Unfassbar.

18.08.2015 13:53:08
Doris Leiting-Peters

Ich hätte gerne mein Geld zurück!! Das Buch, das recht spannend anfängt, erweckt den Eindruck, als wäre dem Autor die Lust oder Fähigkeit verloren gegangen. Es hat einfach keinen logischen Abschluss, wer war da nur der Lektor und was hat den Verlag veranlasst, Derartiges zu veröffentlichen?
D. Peters

22.06.2014 22:50:47
Manfred Voigt

Schlimm genug sind schon die vielen handwerklichen Fehler und Verstöße gegen Logik und gesunden Menschenverstand, aber am frechsten ist das Offenlassen des Verschwindens der Menschen von der Insel.
Wenn der Autor eine an sich interessante Idee nicht zu Ende denken kann, sollte er ein solches Buch nicht anfangen oder sogar das Schriftstellern lassen.
Manfred Reuter, bitte so nicht weiter !!!

22.12.2013 23:28:07
Sandra Naumann

Krimi-Einheitsbrei gibt es genug. Im Grunde folgen alle dem gleichen öden, langweiligen Schema F.
Daher ist Norderney-Flucht zwar ungewöhnlich, aber genau dadurch auch eine wohltuende Abwechslung zum Ostfriesen-Geblubber, wie K.-P. Wolf es beispielsweise bietet. Der Norderney-Kenner weiß sofort, wo er sich auf der Insel befindet und hat das Bild vorm geistigen Auge, selbst dann, wenn er in Wanne-Eickel sitzen sollte.
Cliffhanger sind bekanntlich nicht jedermanns Sache und es ist sicher mutig, den Leser am Ende mit der gleichen Frage "Was ist eigentlich passiert" zurückzulassen. Aber eben diesen Mut zeichnet einen guten Autor aus, wenn er auch mal das Ungewöhnliche wagt, vom klassischen Schema abweicht und sich damit den Zorn mancher sogenannter "Experten" auf sich zieht.
Ich habe es gerne gelesen und werde es auch weiter empfehlen.

22.11.2013 21:44:44
Janna Mülling

Endlich mal intelligent

Endlich ohne Klischees, endlich sprachlich sauber, endlich keine elenden, lokalen Anbiedereien. Da sieht man, dass ein Autor aufgebrochen ist, um Anspruch in die teils unerträglich oberflächliche Krimi-Landschaft zu bringen. Allzu simpel, allzu künstlich aufgeregt und erschreckend ungebildet sowie überheblich kommen viele Massenkrimis sogenannter etablierter Autoren daher. Wie gut, dass sich Manfred Reuter diesem Niveau nicht anschließt, sondern Spannung, Humor, Kreativität und Leichtigkeit ins Geschäft bringt. Der Literaturbetrieb als solcher sollte ihn nicht stören. Er würde ihn vermutlich ohnehin nur langweilen. Weiter so, Manfred Reuter!

12.10.2013 17:03:45
Anne Bleileven

Das dümmste Buch, das ich je gelesen habe...Schon in der Mitte des Krimis schwant einem, dass es keine Antwort auf das Verschwinden der 30.000 Menschen geben wird. Denkt der Autor, dass die Leser blöd sind? Ich hätte wirklich gerne mein Geld zurück. Dieses Buch ist so dumm und unlogisch, dass ich es nicht einmal unserer Bücherei schenken kann. Das zu lesen, kann man wirklich keinem Menschen zumuten.