Grün

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Meckenheim: Cleevesmedia, 2012, Seiten: 286, Originalsprache

Couch-Wertung:

55°
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Wolfgang Weninger
Es grünt so grün, wenn provenzalische Blüten blühen

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Jun 2013

Wo die Reichen und Schönen ihre Villen haben und über allem der Lavendelduft hängt, der dem Romantikstreben des frankophilen Deutschen stark entgegenkommt, treibt die Leiche Edgar Baumanns im Pool seines Anwesens und seine Frau Valerie hat das zweifelhafte Vergnügen, dies der Polizei zu melden. In ihrer Verzweiflung ruft sie auch den Kochbuchautor und Krimischriftsteller Anselm Bernhard zu Hilfe, der obwohl ein wenig unorthodox gestrickt, der frischgebackenen Witwe nicht nur unter die Arme greifen soll, denn der Verblichene ist nicht etwa einem Hitzschlag erlegen, sondern hat sein Ableben der übermäßigen Anstrengung beim Vernaschen eines seiner zahlreichen Betthäschen zu verdanken. Da das Mädel nicht verfügbar ist und irgendwer den Leichnam in den Pool gekippt haben muss, hat Freund Anselm sein ganzes Geschick aufzuwenden, um Madame bei der Suche nach der Wahrheit zu unterstützen.

Doch Anselm kommen Zweifel daran, dass Edgar Baumann nur wegen schnöder körperlicher Umtriebe das Zeitliche gesegnet hat, denn dieser hatte ganz offensichtlich auch andere Ziele, die in der Erforschung von Heil- und Küchenkräutern lagen. Denn warum hat er sich am Markt mit einer Frau getroffen, die überall als Kräuterhexe bekannt war, die aber kaum jemand kannte? Und weshalb mischen sich plötzlich Kontrahenten ein, die ihre Brötchen mit Pharmazeutika und Ähnlichem verdienen wollen?

Aber nicht nur Anselm stellt Fragen, auch die Polizei bleibt nicht untätig. Allerdings ist Kommissar Luc Vidals Zugang zum Tod Monsieur Baumanns ein gänzlich anderer, denn dieser hat sich auch mit den Geschehnissen im Krieg beschäftigt, und da gab es genügend Freiheitskämpfer und Kollaborateure und Kinder aus Verbindungen zwischen Franzosen und Deutschen. Dinge, über die man lieber den Mantel des Schweigens hüllt. Wer da zu tief gräbt, der kann schnell zu einem unliebsamen Element werden, der die Garotte zu spüren bekommt.

Irgendetwas ist auf jeden Fall ziemlich faul in der Provence, denn plötzlich findet man die Leiche der Blondine, die Baumann die letzten Minuten verschönert hat und auch andere Menschen aus dem Umfeld der Villa und der Pflanzensucher sehen dem Tod ins Auge ...

Warum Tom Burger seinen Roman ausgerechnet in der Provence spielen lässt, erklärt er ausführlich im Anhang von Grün - Le vert de la Provence und eigentlich hätte man diese Aufklärung bereits an den Anfang der Geschichte wissen müssen, denn das hätte zum Verständnis der sehr konstruierten Story sicherlich beitragen können. Denn die Hintergründe um Erd-Burzeldorn und "Die Kinder der Schande" werden im Verlaufe der Handlung nicht ausreichend thematisiert.

Die Person des Anselm Bernhard krabbelt durch die 280 Seiten aus dem Verlag cleevesmedia, wie eine vertrottelte Version von Hercule Poirot, er hat nur immer wieder das Glück, dass seine kleinen, grauen Zellen dabei nicht beschädigt werden und ihn die Menschen rundum mit ihrem Beschützerinstinkt von fast allem Unbill fernhalten bis sich alles aufklärt.

Und der arme französische Kommissar Luc Vidal, ein eifriger Beamter, der gut in einen der Louis de Funes-Filme gepasst hätte, der überall Gespenster vermutet und sich an seinen Vermutungen überarbeitet, bis es endlich zu einer ihm genehmen Klärung der Verbrechen kommt, kann als Kontrapunkt zu Anselm Bernhard gesehen werden.

Wobei mir bei der Lektüre dieses Buches nie klar war, ob die leichten Anflüge von Humor mit Absicht geschrieben wurden oder doch eher nur passiert sind, um von der fehlenden Spannung abzulenken. Denn diese kommt erst im letzten Drittel des Romans, wo hoffentlich noch niemand das Buch zur Seite gelegt hat, ohne die Auflösung vorgesetzt zu bekommen, die zwar plausibel ist, aber nicht vom Hocker reißt.

Tom Burgers Erstling ist nett zu lesen, kann stellenweise auch unterhalten, hat aber im Endeffekt noch zu wenig Charakter, um den Leser in den Bann zu ziehen. Vergleicht man diesen Versuch in der Provence mit dem Erstling von Jean-Luc Bannalec Bretonische Verhältnisse, dann gewinnt die Geschichte aus der Bretagne trotz noch weniger Spannung deutlich an Lokalkolorit. Da fehlt Tom Burger die Fähigkeit, mit Worten Bilder zu zeichnen. Deswegen liegt das Lesevergnügen deutlich unter dem vorgenannten Konkurrenten auf dem Buchmarkt, aber man darf gespannt sein, ob das mit einem eventuellen Nachfolger besser wird, denn die Person des Anselm Bernhard hätte durchaus Potenzial zu einem Serienhelden, wenn sie noch besser ausgearbeitet wird.

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