Stirb für mich

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • München: Page & Turner, 2013, Seiten: 480, Übersetzt: Kristian Lutze

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Jörg Kijanski
Eine etwas andere Entführung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2013

In London wird Alyshia, die Tochter des zwielichtigen indischen Milliardärs Frank D’Cruz entführt. Mit der Einführung einer neuen  Technologie will dieser den Markt für Elektrofahrzeuge in England erobern. D’Cruz hat Kontakte in alle relevanten Gruppen bis hinein in die politische Spitzenebene. Daher setzt er umgehend alle Hebel in Bewegung um sicherzustellen, dass sich die Polizei sowie der Geheimdienst aus dem Entführungsfall heraushalten. So verlangen es die Entführer, die ansonsten überraschender Weise keine Forderungen stellen. Sie wollen zudem nur mit seiner Exfrau Isabel sprechen, der Mutter von Alyshia. Wenngleich er offiziell die Polizei heraushalten will beauftragt D’Cruz Charles Boxer, der Isabel vor allem bei den Telefonaten mit den Entführern helfen soll. Charles Boxer kämpfte im ersten Golfkrieg, war Detective im Morddezernat der Met und arbeitet nun selbstständig als Kidnapping-Consultant, nachdem er zuletzt den gleichen Beruf in einer großen Firma inne hatte.

Während im Hintergrund die Ermittlungen laufen stellt sich heraus, dass im Zusammenhang mit der Entführung bereits mehrere Beteiligte ermordet wurden. Hier  treffen nicht nur die Interessen diverser Londoner Gangs aufeinander, sondern auch die alten asiatischen Geschäftspartner von D’Cruz sind offenbar beteiligt. So führen interessante Spuren von muslimischen Terrororganisationen bis hin zum pakistanischen Geheimdienst ISI …

Ein Kidnapping-Consultant als Protagonist

Den Originaltitel Capital Punishment hätte man deutlich besser übersetzen können, zumal der deutsche Titel nicht unbedingt einen Bezug zur Handlung erkennen lässt. Gleichwohl sterben im vorliegenden Buch mehrere Menschen, da die involvierten Kreise von Terroristen bis hin zum indischen und pakistanischen Geheimdienst nicht gerade zimperlich sind. Bei all den vorkommenden Organisationen und deren handelnden Figuren (überwiegend mit asiatischen Namen) kommt es mitunter vor, dass man den Überblick verlieren kann.

Einen weiten Bogen hat Robert Wilson gesponnen, der nach seinem "Javier-Falcón-Quartett" (drei dieser vier Romane wurden zu KC-"Volltreffern") Sevilla den Rücken kehrt und mit Charles Boxer einen neuen Protagonisten vorstellt. Ein Kidnapping-Consultant, das ist doch mal was Neues. Zumal der vorliegende Entführungsfall ebenfalls etwas Besonderes darstellt, denn – wie bereits erwähnt – gibt es keine Forderungen und somit auch keinen Handlungsansatz für Ermittlungen.

 

"Wenn die Entführung überhaupt einen terroristischen Hintergrund hat, geht es meinem Eindruck nach um etwas, was bereits läuft. Sie ist selbst kein konkreter Schritt zu einem bevorstehenden Anschlag."
"Das gefällt mir nicht."
"Was gefällt Ihnen nicht? Ich dachte, wir reden rein theoretisch." "Theorien, die auf konkreten Tatsachen basieren, wie zum Beispiel D’Cruz´ Verbindungen zu Leuten, die terroristische Kontakte haben."

 

D’Cruz ist ein durchtrieben-hinterhältiger Machtmensch, der zwar andere gerne manipuliert, aber nur selten über sich redet. Als sich jedoch herausstellt, dass in seiner Karriere möglicherweise die Ursache für die Entführung seiner Tochter liegt, wird es schnell unübersichtlich. Erst als Gangster im Schmuggelgeschäft tätig, dann als Bollywood-Star mit Kontakten zur indischen Mafia und später als einer der reichsten Inder und einflussreicher Industrieboss mit besten Kontakten zu Regierungen und Geheimdiensten.

MI5, MI6, SCD7, aber auch verschiedene Geheimdienste und Londoner Gangs spielen mit

Die Handlung spielt nicht nur in London, sondern auch in asiatischen Ländern; hier vor allem in Mumbai/Indien (auch als Bombay bekannt). Das selbst rund hundert Seiten vor Schluss noch neue Personen ins Spiel gebracht werden, trägt zum besseren Verständnis nicht gerade bei. Im Gegenteil: Ein ums andere Mal überzieht Robert Wilson ordentlich. Dennoch ist der Plot jederzeit spannend. Zunächst etwas zu dialoglastig geht es später mit Hochgeschwindigkeit zum Finale, in dem einige Londoner Kleinkriminelle mehr und mehr in den Mittelpunkt geraten. Auch die Frage nach Sinn und Zweck der Entführung bleibt lange unbeantwortet. Die Perspektiven wechseln ständig zwischen den diversen Beteiligten, was die Lesegeschwindigkeit erhöht. Die meisten Figuren sind allerdings ein wenig klischeehaft geraten.

Charles Boxer wird weitere Aufträge erhalten. Der zweite Band ist bereits fertig und setzt am letzten Satz des vorliegenden Buches an. Stirb für mich ist somit ein gelungener Start in eine neue Serie. Gerne mehr davon!

Stirb für mich

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Letzte Kommentare:
05.11.2014 20:58:06
Herr Lazaro

Korrektur

Es sollte heissen "Das ist doch kein Qualitäsmerkmal einer guten Geschichte!" statt "Das ist doch Qulatitäsmerkmal einer guten Geschichte! "
(120 unsinnige Zeichen folgen) . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

05.11.2014 20:51:24
Herr Lazaro

Nach den Javier Falcon Romanen nun ein neues Terrain und ein neuer Protagonist: Charles Boxer, ein Mann, von dem klar ist, dass er nicht klar einer bestimmten Seite des Gesetzes steht, ein Mann, der auch bereit ist, jemanden kaltblütig zu töten.

Das mag manchen Leser verstören, doch warum sollen die hauptfiguren von Thrillern eigentlich immer moralisch einwandfrei und ethisch handeln? Das ist doch Qulatitäsmerkmal einer guten Geschichte! Und dies ist meiner Meinung nach eine gute Geschichte: Schlüssig konstruiert, mit mehreren, mit einander verwobenen Handlungssträgen sowie Spannung und Action. Zudem noch gutes Lokalkolorit und viele unterschiedliche Motive der einzelnen handelnden Personen.

Dass der englische Titel "Capital Punishment" (der übrigens nicht, wie Kommentator manni meint, "bestraftes Kapital" bedeutet, sondern "Todesstrafe", machmal auch im Sinne von "Höchststrafe" verwendet wird) besser als der Deutsche ist, ist nicht weiter ungewöhlich, schadet aber dem guten Roman nicht.

Mehr davon bitte, Herr Wilson.

17.11.2013 18:43:21
Oldman

Warum ist mir dieser Autor bislang nicht aufgefallen ? Nach der Lektüre dieses Buchs interessieren mich definitiv auch seine anderen Werke. Dieser Plot ist äußerst vielschichtig konstruiert, die Handlung erfährt einige unerwartete Drehungen und Wendungen, ohne daß der rote Handlungsfaden aus den Augen verloren wird. Die meisten Protagonisten sind moralisch zumindest fragwürdig. Dennoch habe ich mich dabei ertappt, wie ich für zwei Schwerstkriminelle fast ein wenig Symathie entwickelt habe. In so einem Fall muß die Personenbeschreibung ganz einfach gelungen sein, wobei die Psychologisierung niemals aufdringlich ist und den Leser nicht mit seitenlangen Ausuferungen zulasten der Story belästigt. Kurzum, ein m.E. sehr guter Krimi, der durchgehend spanned erzählt wird und Lust auf mehr von diesem Autor macht. Offensichtlich wird es eine Fortsetzung geben, bin schon neugierig.

16.09.2013 14:34:40
manni

Dämlicher Deutscher Buchtitel, der Originaltitel (etwa:"Bestraftes Kapital" trifft den Inhalt schon besser. Trotzdem: Robert Wilson stand für mich für absolute Qualität in Wort und Inhalt, davon ist er hier weit entfernt. Fast alle Hauptprotagonisten führen ein Leben ohne einen Funken Moral, bzw. haben sonstige Verhaltensdefekte ,wie soll mich da die Entführung einer Milliardenschweren Rotzgöre beeindrucken. Die ganze verquaste, aufgesetzte Psychonummer nervt, das die Reichen und Schönen dieser Welt einen Knall haben muß ich mir nicht auf über 500 Seiten antun. Als Thriller funktioniert die fade Story nicht, weil diese Geschichte schlicht konstruiert und unglaubwürdig daher kommt. Wilsons Zenit scheint überschritten, schade. 40°.

10.09.2013 16:53:12
Marius

Bitte machen Sie nicht den Fehler und lassen Sie sich von dem Titel oder dem Klappentext dieses Buches täuschen. „Stirb für mich“ von Robert Wilson mutet zwar zu Beginn wie der hundertste Aufguss eines Entführungsthrillers an, entwickelt sich aber schnell zum undurchschaubaren Spiel zwischen verschiedenen Parteien, Charakteren und einer famosen Hatz, die mich fesseln konnte.

Mag es auch vorgeblich um die Entführung der Industriellen-Tochter Alyshia D'Cruz und die Unternehmungen des Ex-Militärs Charles Boxer gehen, sie zu befreien - „Stirb für mich“ führt schnell eine Vielzahl von Protagonisten und Gruppen ein, die ihr Interesse an Alyshia und ihrem Vater Frank D'Cruz haben. Das erfordert vom Leser einige Aufmerksamkeit, liest sich aber interessanter als der nächste Abklatsch eines platten Kidnapping-Krimis.

Was sich schon im grandiosen Sevilla-Quartett Wilsons andeutete, führt er auch in „Capital Punishment“ (so der viel treffendere Originaltitel) fort. Geheimdienste und ihre klandestinen Operationen bekommen genauso ihren Platz im Buch wie interessant Exkurse über Terror und das moderne Indien. All das macht das Buch in meinen Augen sehr lesenswert und überzeugt dank der Schreibe Wilsons und seinem Talent, die komplizierte Welt da draußen nicht unnötig einfach machen zu wollen.

Etwas überrascht war ich aber trotzdem schon: Einer der laut New York Times „besten Thrillerautoren der Welt“ legt ein neues Werk vor und das Interesse ist dabei verschwindend gering? Zugegeben, wer glaubt noch irgendwelchen Lobpreisungen, die von Kollegen oder Zeitungsredaktionen über Autoren ausgeschüttet werden?
Bei Robert Wilson finde ich die Vorschusslorbeeren allerdings ausnahmsweise einmal gerechtfertigt, schließlich war er ja bereits mehrere Male auch für die Dagger-Awards, also die britischen Buchpreise für Kriminalliteratur, nominiert. Auch „Stirb für mich“ ist wieder für einen Dagger nominiert – und das meiner Meinung nach völlig zu Recht.

Ein vielschichtiges Buch mit einigen Strängen, die erfordern, dass der Leser einen Überblick über die Protagonisten behält, und ein Einblick in das heutige Indien. Spannung ist definitiv vorhanden, auch wenn sich der deutsche Verlag den nichtssagenden Titel und den unglücklich formulierten Klappentext hätte schenken können. Außergewöhnlich gut!