Das dreizehnte Opfer

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • London: Harper, 2012, Titel: 'Birthdays for the dead', Seiten: 496, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2013, Seiten: 512, Übersetzt: Andreas Jäger

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Lars Schafft
Schräg, schräger, MacBride

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2013

Der Schotte Stuart MacBride hat viele, treue Fans - wegen seiner Logan-McRae-Reihe. Er steht für recht brutale "Police Thriller" mit schrägem Humor - und für Übertreibungen. Mit Das 13. Opfer beginnt er eine neue Reihe um DC Ash Henderson und seinen sehr ungleichen Sidekick, der Kriminalpsychologin Dr. Alice McDonald. Und schlägt dabei (leider) über alle Stränge.

Junge Mädchen werden entführt, aufs Schlimmste gefoltert und zu jedem ihrer Geburtstag erhalten die Eltern eine Grußkarte mit einem Foto ihrer misshandelten Tochter. Die Polizeibeamten aus der fiktiven Stadt Oldcastle ermitteln seit Jahren ohne jeglichen Erfolg. Was sie alle nicht wissen: Hendersons älteste Tochter Rebecca wurde ebenfalls ein Opfer des "Birthday Boy", wie ihn die englische Presse mittlerweile nennt. Die deutsche Übersetzung ist mit "der Gratulator" an dieser Stelle unfreiwillig komisch bis peinlich.

Als nun Leichenteile gefunden werden, nimmt Ash Henderson die Fährte mit neuem Elan wieder auf. Doch keiner traut keinem und DC Henderson muss weiterhin verbergen, dass er ein persönliches Interesse an diesem Fall hegt. Denn er hat noch eine zweite Tochter ...

Stuart MacBride ist dafür bekannt kein Blatt vor den Mund zu nehmen, dazu gilt er in der britischen Krimiszene als ausgewachsener Schelm. Insofern muss man sich fragen, wie viel von dem, was man in Das 13. Opfer liest, ernst gemeint sein kann. Protagonist Henderson erleidet einfach bereits im ersten Teil der neu angekündigten Serie zu viel, als dass man ihn als reale Figur auffassen könnte.

Henderson, nicht mehr der jüngste, prügelt sich munter mit der schottischen Unterwelt, lebt in einem heruntergekommenen Haus, wird von seiner Exfrau gehasst und schreckt nicht davor zurück, ihren neuen Liebhaber mehr oder weniger grundlos (der Grund erschließt sich am Schluss des Buches) brutalst möglich zu foltern. Überhaupt: Dieser Henderson ist alles andere als ein sympathischer Kerl, neigt er doch zu Gewalt, Alkohol und Drogen auch wenn er letztere seit längerem nicht zu konsumieren versucht. Drücken wir es so aus: Henderson ist ein Arschloch par excellence.

Ihm zur Seite stellt MacBride die Profilerin Dr. Alice McDonald, ein junges wie hässliches Entlein, das sich ohne gehörigen Alkoholkonsum nicht in die Lage eines Täters versetzen kann, sich aber im Laufe der Ermittlungen für den Detective Constable als große Hilfe erweist.

Das 13. Opfer ist ein extremer Thriller, und zwar in jeder Hinsicht zu lang, zu brutal und zu spannend. Wer Stuart MacBrides schrägen und tiefschwarzen Humor mag und darüber hinaus weiß, dass man nicht immer alles für gegeben halten sollte, was er schreibt, wird wunderbar unterhalten mit einer gehörigen Portion Thrill. Wer das Ganze hingegen hinterfragt, wird dazu neigen, es Sartire oder gar Trash zu nennen oder eben einfach MacBride.

Unterm Strich bleibt vieles im 13. Opfer unglaubwürdig und übertrieben, zu deutlich geschildert insbesondere die Folterszenen der Mädchen. Und so mag jeder Leser selbst entscheiden, wie viel Realität er in dieser Geschichte sehen mag.

Stuart MacBrides kann's besser und so warten wir auf den nächsten Logan-McRae-Krimi. Dass er sich schlussendlich doch an die Regeln des Krimis hält und mit dem Mörder nicht jemand x-beliebigen aus dem Hut zaubert, ist indes ehrbar, aber im vorliegenden Fall schlecht umgesetzt. Das Finale ist schräg, schräger, MacBride. Und für viele Leser sicher ein Quäntchen zu viel des Guten Thrill.

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