Am Freitag schwarz

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: audio media, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Herbert Schäfer

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Jürgen Priester
Die Börse eine andere Art von Spielhölle

Buch-Rezension von Jürgen Priester Nov 2012

Wenn wir heute den Begriff "Black Friday" hören oder lesen, denken wir unwillkürlich an den Börsencrash an der New Yorker Wall Street im Oktober 1929, der den Beginn einer großen Weltwirtschaftskrise (Great Depression) markierte. Dabei war es an der Ostküste der USA noch Donnerstag, als es damals zu dramatischen Kursverlusten kam, deren Auswirkungen auf den europäischen Markt sich allerdings erst am Freitag zeigten. Was den Amerikanern nun der "Black Thursday" ist, hat bei uns als "Schwarzer Freitag" Eingang in die Geschichte gefunden. Der Freitag scheint als Unglückstag geradezu prädestiniert, wie es Ereignisse nicht nur aus der Finanzwelt belegen. Der Aberglaube mahnt, besonders an einem Freitag, den 13. vorsichtig zu sein. Aber auch in der christlichen Tradition gilt der Freitag als Unglückstag, weil an ihm die Passion und Kreuzigung Christi stattfand (Wiki).

Black Fridays lautet nun der Originaltitel von Michael Sears´Debütroman. Er spielt selbstredend an der New Yorker Börse, denn dort war der Autor etliche Jahre als Menaging Director für zwei Wall-Street-Unternehmen tätig. Die gleiche Funktion übt auch Jason Stafford, der Held des Romans, aus. In Anlehnung an eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 2005, die in den USA als "Operation Wooden Nickel" bekannt geworden war, erzählt Sears vom Aufstieg und Fall eines versierten Maklers, der versucht, sich über einen riskanten Auftrag zu rehabilitieren.

Jason Stafford ist ein moderner Glücksritter. In nur wenigen Jahren hat er als Börsenmakler durch Risikobereitschaft und jede Menge Glück ein stattliches Vermögen angehäuft und sich kontinuierlich mit allen Statussymbolen der Neureichen ausstaffiert: chice Wohnung, flottes Auto, schöne Ehefrau. Als er eines Abends nach Börsenschluss die Tagesergebnisse seiner Abteilung überprüft, fällt ihm ein Zahlendreher in den Daten auf. Ein beträchtlicher Minus-Betrag ist genau ein Jahr vordatiert und damit auch seine Fälligkeit. Natürlich ist Stafford verpflichtet, dies sofort zu korrigieren, aber das würde die eh schon miserable Tagesbilanz noch weiter verschlechtern. Er unterlässt es also und, siehe da, keiner scheint es zu merken. Aus der Unterlassungssünde entwickelt Stafford nun ein System von Verlustvorträgen. Alle profitieren, die Boni waren nie besser. Irgendwann fliegt seine Manipulation auf. Er wird verhaftet, verurteilt, eingekerkert. Geld weg, Luxus weg, Frau mit Sohn weg.

Als Stofford vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen wird, will er sich vorrangig um seinen Sohn Kid kümmern. Dieser hat eine autistische Disposition und braucht viel Zuwendung und Förderung. Dies sieht Stafford bei der Mutter nicht gewährleistet. Sie hat sich in den Süden abgesetzt, wo ihre Eltern leben und wo sie schon einen neuen Lover gefunden hat. Stafford ist durch seine Bewährungsauflagen in seiner Mobilität eingeschränkt, finanziell geht es ihm auch nicht besonders gut. Deshalb nimmt er einen für ihn ungewöhnlichen Auftrag an, der ihm aber genügend Zeit lässt, für seinen Sohn da zu sein. In einem Börsenunternehmen sind Unregelmäßigkeiten aufgetaucht. Im Umfeld ist es schon zu mysteriösen Todesfällen gekommen. Stafford soll nun quasi als Außenstehender mit Insiderwissen Licht ins Dunkle bringen. Es wird ein lebensgefährliches Unterfangen, weil viel Geld auf dem Spiel steht und es mit der Moral der Akteure nicht weit her ist.

Michael Sears Erzählung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, die sich auch im Wesen des Helden Jason Stafford widerspiegeln. Da sind zum einen der Makler und sein Arbeitsplatz , dem Börsenparkett, auf dem er sich heimisch fühlt(e). Ein Ort, an dem neben den seriösen Geschäften mit dem Geld anderer Leute gezockt, auf Getreideernten gesetzt oder mit Nahrungsmittelpreisen spekuliert wird. Menschen, die einzelne Mitmenschen in den Ruin treiben und zum Hunger ganzer Völker beitragen. Zu ihnen gehörte auch der Hauptprotagonist des Romans, der wohl durch seinen Gefängnisaufenthalt und seinen sozialen Abstieg geläutert, der anderen Seite in ihm mehr Raum gibt. Als Stafford seinen Sohn bei der Schwiegermutter abholt, ist dieser mangels Zuwendung völlig verstört und kaum zu bändigen. Stafford konzentriert sich auf des Wohl seines Sohnes und meldet ihn in einer ambulanten therapeutischen Einrichtung an, die sich auf autistische Kinder spezialisiert hat. Nähe und Therapie wirken sich schnell positiv auf den Zustand des Kindes aus. So ganz nebenbei lernt Stafford auch noch eine attraktive Frau kennen.

Autor Michael Sears schreibt auf seiner Homepage, dass es in seiner entfernten Verwandtschaft Fälle von Autismus gegeben habe und dass er sich deshalb auch genauer mit dieser Störung befasst habe. Es gelingt ihm, seine Beobachtungen zum Verhalten autistischer Kinder sehr eindrücklich zu vermitteln. An dieser Stelle soll auch der deutsche Verlag (dtv) wegen der inhaltsbezogenen Titelgebung lobend erwähnt sein. Am Freitag schwarz bezieht sich auf die besondere Vorliebe des Jungen, zu jedem Wochentag nur Kleidung einer bestimmten Farbe zu tragen.

Es kommt immer gut, wenn jemand auf eigene Erfahrungen (Wallstreet-Business) zurückgreifen kann und/oder sich intensiv mit einem Thema(Autismus) befasst hat. Am Freitag schwarz ist nun kein Roman, den man unbedingt gelesen haben muss, der aber aufgrund der beiden doch sehr unterschiedlichen Handlungsstränge immer abwechslungsreich und spannend daherkommt. Der Empathie, mit der der Autor seinen Plot vorträgt, kann sich auch der Leser nicht verschließen.

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