Draußen lauert der Tod

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Bielefeld: Pendragon, 2012, Seiten: 264, Originalsprache

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Matthias Kühn
In den Wäldern um Traunstein

Buch-Rezension von Matthias Kühn Mai 2012

Es mag traurig sein, aber bevor ich zu diesem Krimi und seinem Inhalt komme, scheint es mir zwingend, etwas über die Verpackung, den Titel und das Marketing zu sagen. Ich will keine großen Vergleiche ziehen, aber man stelle sich vor, Der lange Abschied von Chandler hieße "Im Tal lauert der Tod" und darunter stünde "Los-Angeles-Krimi". Dieses Buch hier soll, wenn es nach dem Verlagsmarketing geht, offenbar vor allem rund um den Chiemsee verkauft werden. Ein Regionalkrimi also.

Axel Hacke stellte im August 2012 in einer Kolumne im SZ-Magazin erschüttert fest, dass fast nur noch Regionalkrimis erscheinen: "Einige Tage später reiste ich in den Chiemgau und suchte dort eine Bahnhofsbuchhandlung auf. Was sah ich? Einen Tisch voller Chiemgau-Krimis: Draußen lauert der Tod von Wolfgang Schweiger, Blut und Wasser von Roland Voggenauer, Chiemsee-Blues von Thomas Bogenberger, bitte, das sind auch nur wenige von vielen". Er versucht, das zu verstehen – und scheitert. Immerhin kommt er zu dem Schluss: "Ich sage: Erst wenn der letzte deutsche Lehrer und der letzte deutsche Journalist einen Regionalkrimi geschrieben haben werden, werdet ihr merken, dass man’s auch übertreiben kann."

Es reicht, es reicht, jetzt zum bereits von Axel Hacke erspähten Buch, das einen wirklich bescheuerten Titel trägt, der schon einmal als deutscher Verleihtitel für einen Film von Mika Kaurismäki herhalten musste; für den ist der Autor sicher nicht zur Verantwortung zu ziehen. Dieses Buch ist glücklicherweise nur zum Teil ein Regionalkrimi. Und Wolfgang Schweiger ist weder Lehrer noch Lokaljournalist: Er ist ein erfahrener Autor, der ein paar Krimis der härteren Gangart, zahlreiche Drehbücher und ein paar echte Thriller geschrieben hat. Jetzt zur Story – oder, besser, zu den Storys.

Keine Region für alte Männer?

Wo ich schon Chandler erwähnt habe: Wie Der lange Abschied, so besteht auch dieses Buch aus zwei Geschichten, die nicht sehr gut ineinander verwoben sind. Bei Chandler liegt darin ein guter Teil der Anziehungskraft, hier wirkt es etwas gezwungen – eben in Richtung Lokalkolorit. Der Krimi kann vom Verlag nur dann ordentlich vermarktet werden, wenn er eben im Chiemgau spielt. Und der Autor lässt sich darauf ein.

Schweiger beginnt mit der besseren der beiden Geschichten: In Mannheim begibt sich ein Mann auf die Flucht, nachdem er einem Toten einen Geldkoffer weggenommen hat. Aus diesem Klassiker der Storyeröffnung entwickelt sich eine Geschichte im Stil von "No Country for Old Men": Schwab verlässt den Tatort, wird aber dabei von zwei Typen gesehen, die gerade zum Auto des Toten fahren. Die kennen nun sein Kennzeichen, und Schwab weiß: Die kriegen ihn. Er vergräbt den größten Teil des Geldes und haut ab – in Richtung Süden, in eine Gegend, die, wie es heißt, touristisch zwar erschlossen, aber noch nicht überlaufen ist. Welche Gegend das sein soll, weiß Schwab noch nicht. Es soll bestimmt nicht der Chiemgau sein.

Story-Mix in vertrautem Umfeld – mit vielen Zufällen

Schwab haut also ab – direkt hinein in die zweite Geschichte. Was für ein Zufall: Auf Höhe des Chiemsees wird er in einen Unfall verwickelt. Und dann ist der Mann, der ihn aus dem Auto holt, auch noch ausgerechnet Andreas Gruber, Schweigers Serienheld. Flankiert wird der Kommissar, der sich auf ein Konzert von Paul Anka freut, vor allem von seiner Kollegin Ulrike Bischoff und seiner Lebensgefährtin. Gruber leistet Erste Hilfe und besucht den Patienten sogar im Krankenhaus, aber eigentlich hat er gerade einen Fall an der Backe – die zweite Geschichte des Buches. Und die ist etwa so behäbig wie ein Schweizer Tatort, wenn nicht gar aus dem Vorabendprogramm. Aber sie hat, für den Verlag zumindest, den Vorteil: Die Geschichte um den ertrunkenen und vielleicht sogar ermordeten Ex-Unternehmer Grabowski spielt in der Region rund um Traunstein.

Es ist nicht zu viel verraten: Der Rest des Buches spielt nun im Chiemgau, in Traunstein und Umgebung. Wir verfolgen die nicht immer spannende Ermittlungsarbeit des Duos Gruber/Bischoff, wobei ältere Fälle immer mal erwähnt werden – man muss sie aber nicht kennen. Wolfgang Schweiger erzählt das alles mit Geschick und durchaus souverän, auch wenn der Kreis der Verdächtigen im Fall Grabowski doch etwas zu groß ist; da ist bei weitem nicht alles aufregend, beispielsweise wirkt der Besuch einer alten Dame im Seniorenheim doch etwas fad, Eierlikör inklusive. Schweigers Sätze sind allerdings meistens kurz und schlank, die Entwicklungen stehen fast immer im Vordergrund, was den Roman durchaus schnell macht. Auch halten sich zum Glück die Dialoge im Dialekt in Grenzen. Dass die beiden Fälle irgendwann miteinander verknüpft werden, liegt auf der Hand. Gruber ist hinter Schwab her, er glaubt ihm seine Geschichte und stellt sich sogar schützend vor ihn – nicht ganz glaubwürdig ist das zwar, aber so kann Schwab weiterhin auf der Flucht bleiben. Und das ist es allemal wert.

Am Ende packt Schweiger seine Liebe zum harten Krimi aus, was für einige Überraschungen sorgt. Da passt der Vergleich zum Film der Brüder Coen wieder besser, da kriegt Schweiger wieder die Kurve vom biederen Vorabendkrimi zum Hard-boiled-Thriller. Auch wenn sich der Autor bei seinem eigenen hohen Tempo ein paarmal verhaspelt: Das Finale nimmt richtig Fahrt auf. Und dann ist alles vorbereitet – für den fünften Band. Der dann hoffentlich nicht wieder einen solch blöden Titel trägt. Und der, ebenfalls hoffentlich, weniger behäbig daherkommt und nicht ganz so schludrig lektoriert ist: Der Umgang mit Satzzeichen kann einem den Spaß manchmal fast vergällen.

Draußen lauert der Tod

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