Das Pazifische Kartell

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Mexiko: Tusquets, 2010, Titel: 'La prueba del ácido', Seiten: 243, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2012, Seiten: 311, Übersetzt: Matthias Strobel

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Thomas Kürten
Ich hatte ein kleines Palmenhäuschen und ließ die Füchsin herein

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2012

Dass in Mexiko ein grausamer, menschenverachtender und brutalstmöglicher Drogenkrieg herrscht, bleibt sogar uns in Deutschland nicht verborgen. Mit erschütternder Regelmäßigkeit berichten auch hierzulande die Medien über immer wieder neue Massenmorde und Hinrichtungen zwischen konkurrierenden Banden. Und ja, auch die Ankündigung der mexikanischen Regierung, den Drogenkartellen den Krieg zu erklären haben wir hier vernommen und ab und zu Festnahmen ranghoher Mafioso gehört. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Wie sich der Alltag derjenigen darstellt, die in diesem Staat täglich für Recht und Ordnung sorgen sollen, davon kann man sich in unseren Breiten kein rechtes Bild machen.

Die Fiktion kann da eine Hilfe sein. Elmer Mendoza beschreibt in seinem Roman Das pazifische Kartell, wie die Polizei den täglichen Wahnsinn be- und verarbeitet. Der Leser begleitet einen Kommissar, Edgar Mendieta, von allen nur "der Zurdo" genannt, bei den Ermittlungen in einem Mordfall. Die betörende Nachtclubtänzerin Mayra Cabral de Melo wird erstochen auf einem Feld gefunden. Wenig später findet man auch ihre Freundin Roxana in der gemeinsamen Wohnung erstochen auf. Der Zurdo war Mayras Charme wenige Monate zuvor auf einer Party mit anrüchigem Unterhaltungsprogramm erlegen. Diese sehr persönliche Verbindung mit dem Opfer macht den Fall für ihn so interessant.

Mayra verdiente ihr Geld in einem Nachtclub, der einigen einflussreichen Männern aus Politik und Wirtschaft gehört. Doch sie tanzte dort nicht nur, sondern begleitete ausgewählte Herren… sie wissen, was ich meine. Dass gleichzeitig einige zwielichtige Gestalten ermordet werden, die diversen, konkurrierenden Drogenkartellen zugehörten, lenkt das Interesse des Zurdos für den Mordfall Mayra nicht ab. Immer wieder ist von dem "Krieg gegen den Drogenhandel" die Rede und der Zurdo erhält sogar den Befehl von seinem Vorgesetzten, die pikanten Ermittlungen (immerhin muss er Politikern auf die Füße treten) ruhen zu lassen. Doch die zahlreichen Opfer des Drogenkrieges sind dem Kommissar egal, während er dem Mörder Mayras auf den Fersen ist.

Ein verlorener Kampf

Stilistisch fällt der Roman des Mexikaners Mendoza aus der Reihe. Punkt und Komma verwendet er zwar, doch sonst packt er Dialoge regelmäßig in einen Absatz, so dass man raten muss, wer gerade wem was sagt. Nach einigen Seiten der Gewöhnung für den Leser klappt das dann aber erstaunlich gut. Der Stil bringt Tempo und Atmosphäre.

Bemerkenswert auch einige der Charaktere, die Mendoza auflaufen lässt. Neben dem ebenfalls hoffnungslos in Mayra verliebten Spanier, der unglücklicherweise auf den Namen Miguel de Cervantes hört, wie der Autor des Don Quijote. Es stellt sich später heraus, dass es sich bei diesem Mann um einen Terroristen handelt, der die Namen diverser spanischer Autoren nutzt, aber da ist dieser Cervantes längst über alle Berge.

Oder der liebestrunkene, ehemalige Boxer, der in seiner Laufbahn wohl ein paar Schläge zu viel vor die Stirn bekommen hat. Ein Genuss sind seine Verhöre in denen er immer wieder faselt:

 

"Ich hatte ein kleines Palmenhäuschen… und ich ließ die Füchsin herein…"

 

Bezeichnender Weise ist die einzige Figur, die der Autor eines natürlichen Todes sterben lässt, der Anführer des pazifischen Kartells. Um seine Nachfolge zu regeln treffen sich die Regionalfürsten des Kartells zu seiner Beerdigung, insbesondere um seiner Tochter die Treue zu schwören und ihr im Kampf gegen ein anderes Kartell zu folgen. Doch die Erbin hat schon den Tod von vier Verrätern beschlossen. Was den Roman besonders macht, das ist dieses Arrangement roher Gewalt, das die handelnden Personen umgibt. Hinterhalte, Massaker und gezielte Hinrichtungen bestimmen den Alltag der mexikanischen Drogenkartelle. Dazwischen bewegt sich McGiver, ein Schmuggler und Waffenhändler, der die Kartelle beliefert und auch selber den einen oder anderen Mord ausführt. Seine Geschichte bildet die Rahmenhandlung, den Kampf zwischen zwei Kartellen und ihre Verflechtungen in der mexikanischen Gesellschaft.

Vor dem Hintergrund von Korruption, Vetternwirtschaft, Protektion und politisch-wirtschaftlicher Einflussnahme scheint der Krieg gegen die Drogen ein von vorn herein verlorener Kampf zu sein. So sieht es auch der Zurdo, der mit den Ermittlungen um die Drogentoten keine Zeit verschwendet. Und das in einer erschreckenden Konsequenz. Das pazifische Kartell ist eine harte Prüfung für seine Leser. Sowohl stilistisch als auch inhaltlich ist der Roman alles andere als leicht verdaulich. Aber es lohnt sich durchzuhalten bei diesem Highlight lateinamerikanischer Kriminalliteratur.

Das Pazifische Kartell

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Letzte Kommentare:
18.11.2014 13:04:26
uknig

Die erste Empfehlung für dieses Buch lautet: Schreibblock daneben legen und die wichtigsten Personen notieren. Denn hier gibt es eine Menge an Charakteren und Namen. Da verliert der Leser schnell den Überblick. Zudem schreibt Mendoza ohne Anführungszeichen und kennzeichnet die wörtliche Rede nicht. Aber daran gewöhnt man sich und der Aufwand lohnt sich (siehe auch große Rezension).
Das pazifische Kartell ist ein grimmiges Portrait der mexikanischen Gesellschaft, die fest in den Händen der Drogenbarone ist. Dabei sind die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwunden, die Drogenleute haben auch Staat und Polizei im Griff.
Kommissar Mendieta, genannt El Zurdo und die Hauptfigur, scheint resigniert zu haben. Den Kampf gegen das Verbrechen kann die Polizei gar nicht mehr gewinnen. Der Mord an einer Edelnutte trifft ihn auch persönlich: Mendoza charakterisiert El Zurdo meisterlich. Fazit: Keine leichte Kost, aber sehr intensiv und spannend.