Sanctus

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 2011, Titel: 'Sanctus', Seiten: 400, Originalsprache
  • Köln: Lübbe Audio, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: David Nathan

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Wolfgang Weninger
Spritziges, modernes Klostermärchen

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mär 2012

Ein Debütroman eines britischen Fernsehschaffenden, der glaubt, sich als Autor berufen zu fühlen, ist Sanctus von Simon Toyne, der als Bastei Lübbe Taschenbuch in der Übersetzung von Rainer Schumacher auf 560 Seiten das letzte wirkliche Geheimnis des Glaubens enthüllen soll.

Diese Geschichte beginnt in einer fiktiven Kleinstadt irgendwo in Kleinasien, dort wo die Wiege vieler Religionen liegt und an einem Felsen in einer Zitadelle lebt ein Orden, der die Wahrheit und das größte Mysterium bewahrt. Abgeschottet von der Außenwelt ist man darauf bedacht, dass kein Sterbenswörtchen nach draußen dringt, aber einer der Mönche begehrt auf, als er nach seiner Initiation mit dem Geheimnis konfrontiert wird. Eine Flucht nach draußen ist zwecklos und deshalb klettert der Bruder eine Felswand hoch, platziert sich dort als lebendes Kreuz und als er genügend Beachtung durch Besucher und Medien hat, springt er in den Tod.

Das ist natürlich ein Fall für den örtlichen Polizisten, der hier den Namen Arkadian trägt, besonders integer ist und verhindern will, dass sich die Bewohner des Klosters auf illegale Weise des Leichnams bemächtigen und genau das versuchen diese ohne Rücksicht auf Verluste.

Nach Jahrzehnten der Trennung sieht die Schwester des Mönchs dessen Todessprung und sofort schnappt sie das nächste Flugzeug und reist in das entlegene Tal, in dem das Kloster und die Leiche ihres Bruders sind. Dabei gerät sie schon bei der Anreise zwischen die Fronten. Zum Einen wollen sich die Ordenshüter ihrer bemächtigen, aber da gibt es noch eine zweite Gruppe von Aktivisten, die das Geheimnis des Klosters aufdecken und den Mönchen an die Kutte will und dafür ist die unwissende Schwester wohl das perfekte Lockmittel. Und zum Anderen ist natürlich auch Inspektor Arkadian daran interessiert, die Hintergründe des Todessprungs zu entlarven. Deswegen beginnt ein Wettlauf zwischen Verbergen und Aufdecken, doch keiner traut dem Anderen und die Jagd nach dem Geheimnis wird tödlich ...

Sanctus ist also ein weiteres Exemplar aus dem mittlerweile ziemlich verpufften Hype um alles, was mit Kirche, Orden und geheimen Botschaften und Ritualen zu tun hat. Von Anfang an muss dem Leser klar sein, dass es sich hier um eine reine Fiktion handelt und der Autor einen Thriller geschrieben hat, dessen einzige Absicht es ist, dass er den Leser unterhalten soll. Und das hat Simon Toyne dann auch über weite Strecken geschafft.

Der Aufbau der Handlung ist gelungen und der Autor produziert von der ersten Seite an Spannung, die bei den wilden Verfolgungsjagden zwischen den einzelnen Gruppen auch kaum Pausen einlegt. Fast von Beginn an weiß der Leser auch, wer die Guten und die Bösen sind und welche Gruppierung vielleicht noch in der Grauzone arbeitet, doch im Endeffekt passiert alles sehr flott und leitet auch in ein großes Finale über, wo im Film die Pyrotechniker Schwerstarbeit verrichten müssten.

Die Charakterisierung der Personen erfolgt nicht über seitenlange Psychoanalysen. Toyne gibt genau so viel von den Figuren preis, wie der Leser wissen muss und das in kleinen Portionen über die gesamte Story verteilt. Dabei fällt es dem Leser gelegentlich schwer, die Sympathiewerte zu verteilen, aber das legt sich bis zum Schluss doch deutlich.

Sanctus ist ein modernes Klostermärchen, in dem geraubt, gemordet und gebrandschatzt wird und in dem auch die Fantasie nicht zu kurz kommt. Der spritzige Schreibstil tut sein Übriges, um den Leser bei der Stange zu halten und deshalb macht der Roman Spaß, auch wenn die Verschwörungstheorien schon längst nicht mehr ganz neu wirken. Dieser Roman ist leichte Urlaubslektüre, die mit Spannung nicht geizt und zu den besseren Vertretern dieser Sorte harmloser Unterhaltung zählt.

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