Mandels Büro

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2012, Seiten: 336, Originalsprache

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Andreas Kurth
Rockmusik kann tödlich sein

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mär 2012

Max Mandel und Siegfried Singer sind Musikjournalisten, mit besten Kontakten in der ebenso bunten wie selbstsüchtigen Szene. Als der Rock'n'Roll-Express überraschend eingestellt wird, setzen sich die beiden in das von Mandels Onkel geerbte Büro am Berliner Nordhafen - und wollen auch Privatdetektive werden. An dem Morgen, als die bekannte Schauspielerin Veronika Malleck eines Morgens das Büro betritt, beginnt für Sigi – aus dessen Perspektive als Ich-Erzähler die Geschichte geschildert wird – scheinbar eine neue Zeitrechnung. Die beiden Branchen-Neulinge sollen ihrem untreuen Ehemann Leo Tillmann nach spionieren. Die betrogene Ehefrau will Beweise, um bei der zu erwartenden Scheidung besser dazustehen. Mandel und Singer tarnen ihre Schnüffelei als Arbeit für eine große Reportage. Nachdem Tillmann im Anschluss an ein Konzert getötet wird, sind sie scheinbar raus aus dem Fall – um kurz darauf bis über die Ohren wieder darin zu stecken. Und es dauert nicht lange, bis es turbulent und gefährlich für die beiden Detektive wird.

Bücher fesseln den Leser schnell, wenn gleich am Beginn ein Mord oder etwas vergleichbar Spektakuläres passiert. Ist das nicht der Fall, müssen die Leser schon auf den ersten Seiten des Romans durch die besondere Sprache oder die spezielle Atmosphäre überzeugt und gefesselt werden. Das gelingt Berni Mayer ganz ausgezeichnet, vor allem, weil er hier zwei Berufsgruppen in Kombination in den Fokus rückt, die ihre ganz eigene Faszination auf die Menschen ausüben. So sind Privatdetektive in den Augen der Leser recht spezielle Menschen. Und in der Literatur gibt es ja reichlich prominente Vorbilder. Da sind das geniale Paar Sherlock Holmes und Dr. Watson, viele werden an Philipp Marlowe denken, oder in neuerer Zeit vielleicht auch an Jim Rockford, der wiederum einen ganz anderen Typus Privat-Schnüffler verkörpert hat, als etwas Holmes oder Marlowe. Ganze Kohorten von Zuschauern und Lesern haben bei der Suche nach den bösen Spitzbuben mitgefiebert, im Geiste sogar geholfen, und halten sich nicht selten ganz persönlich für gute Detektive. Und weil eben viele Menschen das unausgesprochene Gefühl haben, den Job des Detektivs auch hervorragend machen zu können, kommen leicht dilettierende Figuren wie Mandel und Singer besonders gut an.

Aber auch der eigentliche Beruf von Max Mandel und Sigi Singer ist faszinierend für die Masse des Publikums. Journalisten können und dürfen hinter die Kulisse schauen. Und speziell Musik-Journalisten kommen den Stars und Sternchen eben ganz nahe, dürfen hinter die Bühne, und schnappen Dinge aus dem Umfeld der glamourösen Musiker und Sänger auf, die dem gemeinen Volk verborgen bleiben. Und wer sich bestens im Showbusiness auskennt, kann doch seine Kontakte auch nutzen, um ein wenig herum zu schnüffeln. Dass es dann ganz anders läuft, macht die Helden nur noch menschlicher und steigert sogar die eigentümliche Faszination. Und irgendwie wachsen die beiden sympathischen Typen ja auch in ihre neue Aufgabe hinein.

Berni Mayer lässt gerade noch rechtzeitig auch einen Mord passieren, bevor er sich völlig in einem Milieu-Roman verläuft. Dabei bietet er dem Leser in angemessener Dosis Berliner Lokalkolorit, etwa wenn Singer über den "Hausordnungsfaschismus" in dem Gebäude am Nordhafen sinniert. Neben dem Hauptstadtflair bekommt man auch reichlich Einblick in die Musikbranche und in journalistische Gepflogenheiten. Das Buch ist augenscheinlich gut recherchiert und der Autor brilliert mit authentischen Dialogen. Zuweilen übertreibt Mayer seine fachmännischen Ausflüge in die Musikwelt etwas, aber es ist gerade noch erträglich.

Äußerst angenehm ist, dass es endlich mal nicht um einen Serienmörder geht. Der Autor hat vielmehr einen originellen Plot mit schillernden Figuren entworfen, denn auch die Beschreibung der rechtsradikalen Umtriebe kommt nicht zu kurz. Die Handlung bleibt zwar lange Zeit undurchsichtig und wirr, wird aber von der Detektiv-Arbeit der beiden Protagonisten getragen, die hohen Unterhaltungswert hat. Die Spannung steigt nach dem ersten Mord kräftig an, und nach dem zweiten Toten wird es "knackig", obwohl Mandel und Singer weiterhin zwischen Slapstick und Professionalität schwanken. Berni Mayer ist ein höchst unterhaltsamer Krimi abseits des Mainstreams gelungen, und seine beiden unkonventionellen Helden haben durchaus das Potenzial für weitere Romane.

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