Der Sandner und die Ringgeister

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • München: Piper, 2011, Seiten: 314, Originalsprache

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Andreas Kurth
Unterhaltsames Erstlingswerk mit Potenzial

Buch-Rezension von Andreas Kurth Feb 2012

Der Sonntag beginnt für Hauptkommissar Josef Sandner denkbar unschön. Zuerst wird ihm vor der eigenen Wohnungstür vom Hauswart ein kopfloser Hahn vor die Nase gehalten, mit der Bitte um sofortige Ermittlungen. Und dann muss er noch auf den Friedhof, wo eine unschön zugerichtete Leiche gefunden wurde. Einem jungen Musiker wurde ein Pentagramm in die Brust geschnitten. Die Nachforschungen im Umfeld der Gothic-Band gestalten sich schwierig und überaus zäh. Das Opfer lebte lange Jahre in einem Kinderheim, war selbst schon Vater eines Kindes, das allerdings in Pflegschaft gegeben wurde. Sandner und seine Kollegen können sich zunächst keinen Reim auf die Sache machen, vor allem die Suche nach einem Motiv für den Mord bleibt vorerst ergebnislos. Doch dann wird der Kommissar auf dem Weg zum Manager der Band bewusstlos geschlagen – und dieser liegt ermordet in seinem Hotelzimmer. Langsam dämmert den Polizisten, dass sie offenbar in eine ganz neue Richtung ermitteln müssen. Doch führt das wirklich zum Ziel?

Josef Sandner ist eine ungewöhnliche, aber durchaus sympathische Figur. Ein Ur-Münchener und ein absoluter Instinkt-Polizist. Er hat so seine Ecken und Kanten, ist bodenständig und mit der für die bayrische Landeshauptstadt wohl unabdingbaren Schlitzohrigkeit  hinreichend ausgestattet. Wie derzeit leider üblich ist auch dieser Ermittler vom Autor mit privaten Problemen bedacht worden, aber beim Sandner wirken die Kalamitäten im Umfeld durchaus authentisch. Und vor allem hat Roland Krause diesen Teil seiner Geschichte so geschickt in die Handlung eingeflochten, dass dadurch auch die Ermittlungen in den Mordfällen durchaus befördert werden. Die Nebenhandlung um den geköpften Hahn wird humorvoll – wenn auch mit ernstem Hintergrund – aufgelöst und passt ausgezeichnet in das Bild, das man sich als Leser von Josef Sandner gemacht hat.

Roland Krause hat mit seinem Erstlingswerk ein wirklich unterhaltsames Buch vorgelegt. Phasenweise schwankt die Geschichte zwischen Komödie, Kriminalroman und Milieu-Studie. Dabei ist der Autor kein Freund langer Schachtelsätze, sondern es wird knapp und präzise geschildert, was Sache ist. Fast schon stakkato-hafte Formeln charakterisieren Land und Leute, und bringen auch die Handlung jeweils auf den Punkt.  Dabei bringt er durch das bajuwarische Idiom angemessen Lokalkolorit in den Roman. Dieses Stilmittel setzt er ebenso geschickt wie wohldosiert ein. Zuweilen sind ja solche Romane für Menschen, die nördlich des Weiswurst-Äquators sozialisiert wurden, kaum zu lesen. Roland Krause nutzt aber den Dialekt sehr geschickt, um seine lebensphilosophischen und sozialkritischen Anmerkungen gewissermaßen "en passant" unterzubringen.

Dabei haben seine Ermittler einen überaus kniffligen Fall zu lösen, in dem es endlich mal nicht um einen brutalen Serien-Täter geht. Vielmehr deutet der Autor politische Verwicklungen bis in die höchsten Ebenen an, und er streift geschickt weitere Themenkreise. Da geht es um Missbrauch im Heim, um die unselige Rolle der Kirche beim Betrieb von Kinder- und Jugendheimen, um Rivalitäten in den Reihen der Polizei, um Seilschaften in der Politik, um mitmenschlich motiviertes Mobbing in der Nachbarschaft und auch um die knallharten Verhältnisse in der Musikbranche. Dabei hat man allerdings nie das Gefühl, der Autor könne sich inhaltlich überhoben haben. Vielmehr deutet Roland Krause an, dass nicht nur in seinem Ermittler, sondern auch in seinen schriftstellerischen Fähigkeiten genügend Potenzial für weitere Romane mit dem Sandner Josef steckt. Und darauf kann man sich deshalb mit Recht freuen.

Der Sandner und die Ringgeister

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Letzte Kommentare:
15.06.2014 13:17:11
Hans Jürgen Möller

Wenn man alle Wolf Haas Romane gelesen hat (aus Österreich, mit dem Privatdedektiv Brenner, wer Haas nicht kennt, das sollte man dann aber nachholen), mag von dessen Stil fasziniert sein. Da mag man dann auch mal was adaptieren. Wenn das aber in die vielzitierte Hose geht, dann geht einem ein derartiger Schreiber als Plattitüden-Kasper doch gehörig auf die Nerven. Zumal: Spannend war da nix.