Die Quelle der Seelen

  • Bastei Lübbe
  • Erschienen: Januar 2011
  • New York: Bantam Dell, 2008, Titel: 'The thieves of faith', Seiten: 529, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2011, Seiten: 637, Übersetzt: Diana Beate Hellmann
Die Quelle der Seelen
Die Quelle der Seelen
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Jürgen Priester
39°

Krimi-Couch Rezension von Jürgen Priester Okt 2011

Märchenstunde mit Onkel Richard

Der Dunkle Pfad Gottes und Die Quellen der Seelen sind der 1. und 2. Teil der in den USA so erfolgreichen – wir wollen das mal glauben - "Thieves of ..-Reihe des Amerikaners Richard Doetsch, in deren Mittelpunkt der deaktivierte Meisterdieb Michael St.Pierre steht. Ein missglückter Coup und der läuternde Einfluss seiner Frau Mary ließen ihn seinem kriminellen Tun entsagen. Als Chef eines Wach- und Sicherungsunternehmens bestreitet er jetzt das Leben eines ehrbaren Bürgers. Nur zwingende äußere Umstände oder Freundschaftsdienste können ihn dazu bringen, seine Ausrüstung erneut zu schultern. In Der Dunkle Pfad Gottes musste er, um das Geld für die Krebstherapie seiner Frau aufzubringen, die "Schlüssel der Macht" aus dem hochgesicherten vatikanischen Museum stehlen. Ein Auftrag, den er zwar erfolgreich beendete, doch für seine Frau kam jede Hilfe zu spät.

Einsam und verzweifelt sitzt Michael St.Pierre nun in seinem verwaisten Haus, kommt nur mechanisch seinen Pflichten nach, als er unerwarteten Besuch bekommt. Genevieve Zivera, die Leiterin eines Waisenhauses in Italien, mit der er sich während seines Vatikan-Abenteuers angefreundet hat, bittet ihn, aus einem Kunstatelier in Genf ein bestimmtes Gemälde zu stehlen und dieses zu vernichten. Auf der Rückseite des Bildes befinde sich ein Hinweis auf eins der größten Geheimnisse der Menschheit. Ihr eigener Sohn Julian sei dahinter her wie der Teufel nach den Seelen und das Bild dürfe in keinem Fall in seine Hände geraten.

Für einen Meisterdieb ist das ein leichtes Spiel. Wieder zuhause findet Michael St.Pierre im Nachlass seiner Frau einen Brief, in dem sie eine letzte Bitte an ihn formulierte, er möge doch nach seinen leiblichen Eltern forschen. Erste Anlaufstelle sei der Anwalt Stephen Kelley. St.Pierre muss nicht lange suchen, denn der Anwalt gibt sich als sein Vater zu erkennen. Die Wiedersehensfreude dauert aber nicht lange, denn Vater Kelley wird kurz darauf entführt. Der Entführer ist kein anderer als Genevieves Sohn Julian, der nun, nachdem St.Pierre das aufschlussreiche Gemälde zerstört hat, nach einem anderen Weg sucht, an das Große Geheimnis heranzukommen. Als Führer einer obskuren christlichen Sekte stehen ihm nicht nur unbegrenzte Geldmittel zur Verfügung, sondern auch weitreichende Verbindungen bis hinein ins russische Machtzentrum. Denn nach Russland, genauer gesagt, ins unterirdische Labyrinth des Kremls wird die Suche führen.

Der Legende nach soll sich im Brautschatz der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, die sich anschickte, den russischen Monarchen Iwan III zu heiraten, eine Jahrtausende alte goldene Schatulle befunden haben, deren Inhalt ewiges Leben spenden könne, aber gleichzeitig das Böse in die Welt hinaus ließe. Diese Schatulle gilt es nun zu finden. Mit dem gerade erst wiederentdeckten Vater als Geißel hat Julian Zivera ein probates Druckmittel St.Pierre gegenüber in der Hand. Dieser macht sich auch stante pede nach Moskau auf. Begleitet wird er von seinem alten Freund Paul Busch, einem pensionierten Polizisten, und Susan Newman, einer bezaubernden Anwältin, die er in der Kanzlei seines Vaters kennengelernt hat. In Moskau beginnt dann die große Action.

Die Quellen der Seelen ist einerseits ein sentimentales Lamento über Liebe, Einsamkeit und Familienbande, das sich durch Übertreibungen und Redundanzen selbst bloßstellt, und andererseits krude sinnlose Action, bei der herumgeballert wird wie in einem schlechten Film. Als wäre das allein nicht schon schlimm genug, leistet sich Richard Doetsch wieder reichlich Schnitzer. Wie schon in Der dunkle Pfad Gottes häufen sich die Ungereimtheiten – zum Beispiel treffen die Protagonisten unterwegs zur ach so geheimen Schatzkammer auf zwei Personen, die sich dort gerade reichlich bedient haben, finden aber später die schwere Tür zur Geheimkammer verschlossen und versiegelt vor. Unstimmigkeiten wie diese machen letztendlich den gesamten Plot unglaubwürdig. Das wiegt weitaus schwerer als der Mystery-Touch, den die Geschichte gegen Ende annimmt. Wenn aus der Schatulle des Lebens das todbringende Böse herauswabert und nur von der jahrhundertealten Hüterin beherrscht werden kann, dann verlässt die Geschicht zwar den Boden der Realität, das kann man dem Autor aber als künstlerische Freiheit durchgehen lassen.

Die Michael-St.Pierre-Reihe ist einfachste Unterhaltung, passgenau auf die amerikanische Familie zugeschnitten. Ein bisschen Herz/Schmerz für Mom, die Action für Dad und die Kinder lernen für's Leben, dass die Familie das Wichtigste überhaupt ist: Erst die Familie macht uns zu vollständigen Menschen. Dieser Satz ist wohl die Kernaussage der Geschichte, ständig wiederholt findet er im "Ende gut, alles gut" seine Bestätigung. Dass auf dem Weg zum "kleinen Glück" Mitmenschen gemeuchelt werden wie Fliegen mit einer Klatsche, ficht keinen der Protagonisten an. Man muss halt Prioritäten setzen.

Die Quellen der Seelen ist ein Genre-Mix der unfreiwilligen Art, der nur mit viel Toleranz zu ertragen ist. Schwarz-Weiß-Malerei wie aus einem Märchenbuch mit einem ultra-bösen Wolf im Schafspelz und nahezu unerträglichen Gutmenschen nimmt dem Plot jeglichen Realitätsbezug. Besäße Doetsch auch nur einen Funken Humor, dann hätte er daraus eine wunderbare Parodie machen können. So bleibt nur ein hanebüchener Thriller, der wohl nur von der verlagseigenen Lesejury (Klappentext) beklatscht wird.

Die Quelle der Seelen

Richard Doetsch, Bastei Lübbe

Die Quelle der Seelen

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