Loser

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Seeling, 2011, Seiten: 200, Originalsprache

Couch-Wertung:

81°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:87
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jochen König
I’m a loser baby, so why don’t you kill me?

Buch-Rezension von Jochen König Sep 2011

"Loser" ist nicht mehr beim Gmeiner-Verlag erschienen, sondern bei Seeling, ansonsten gilt aber immer noch, dass in "der deutschen Krimi-Landschaft Schriftsteller nur darauf warten, entdeckt zu werden. Und wie in Peter Warks Fall: auch völlig zurecht entdeckt werden sollten!" So Lars Schafft in seiner Rezension zu Warks 2003 erschienenem Absturz.

Inhaltlich (und räumlich) hat sich Wark weit von seinem, auf den Kanaren spielenden Roman, und auch seiner Reihe um den Journalisten Jörg Malthaner, entfernt. Der Titel des Romans gibt ziemlich genau seinen Inhalt wieder. Loser ist die Geschichte und der Spitzname eines Verlierers. Andreas Broschkat, der nach Knast, "Drogenkarriere" und Arbeit als Taxifahrer in Frankfurt als Türsteher vorm "Ravers Palace" steht und ein letztes großes Ding durchziehen möchte, um seinem älteren Bruder Jens, dem der Absprung aus der Kriminalität glückte, nach Australien zu folgen. Doch wie das so oft ist bei den "letzten, großen Dingern", diesmal der Überfall auf einen Geldtransporter, sie bergen ein ebenso großes Risiko in sich und können Kopf und Kragen kosten.

Loser ist ein nahezu schnörkelloser Gangster-Krimi. Peter Wark arbeitet sich geschickt durch die Biographie Andreas Broschkats. Während dieser sich behutsam auf den letzten Überfall vorbereitet, wird in Rückblenden die Geschichte seines Lebens, und rudimentär das seiner Geschwister Jens und Marianne, erzählt. Nur selten rutscht Wark ins Melodramatische ab, erhebt den Zeigefinger und beschwört die Macht der Vorbestimmung (siehe: Kristine, die zu Schulzeiten Andreas und Jens als Zuhälter anheuert, dann, sich verplappernd, ihren "Beschützern" einen Gefängnisaufenthalt beschert, um Jahrzehnte später verbraucht in einer Peep-Show zu enden.).

Warks Roman ist bemerkenswert unaufgeregt, und das tut ihm gut. So wird deutlich, dass die Geschichte der beiden Brüder eben keine unausweichliche Entwicklung darstellt, nicht von vornherein festgelegt ist. Zwar aufgewachsen bei den Großeltern, aber nirgendwo Missbrauch oder absolute Gefühlskälte in Sicht, ganz normale Biographien, allerdings in einem Milieu, in dem das Verbrechen, quasi am Wegesrand, als Verlockung liegt. Okay, etwas Mobbing, aufgestaute Wut und Begehren, das nicht befriedigt werden kann, gesellen sich zum Leben am Rand der Armutsgrenze hinzu.

Gleichzeitig wird deutlich, dass Verbrechen nicht die zwangsläufige Konklusion dieses Lebens ist. Sondern die Einfachste. Schwester Marianne macht es – unbemerkt – vor, Bruder Jens kann unabhängig folgen. Nur Andreas erwischt es mit voller Wucht. Obwohl auch er nicht rettungslos verloren ist. Sport rettet ihn vor dem Untergang im Drogensumpf, und sein Chef und Gönner Jürgen bietet ihm ein bescheidenes, aber durchaus rechtschaffenes Auskommen als Türsteher. Selbst (Bett)-Freundin Biggy könnte eine Alternative sein, wenn Andreas in der Lage wäre, diese zu erkennen. Doch genug ist nie genug und die Sehnsucht brennt. Nach etwas anderem.

Das schildert Wark mit folgerichtiger Konsequenz. Sein Protagonist ist keineswegs unsympathisch, kein Verbrecher aus Not oder Leidenschaft, sondern jemand, der glaubt, der Schlichtheit seines Alltags entkommen zu müssen und dabei die falschen Schlüsse zieht. Und dabei auf ungeahnte Weise für eine letzte Familienzusammenführung sorgt.

Innovationspreise wird Loser nicht gewinnen. Aber eine spannende, glaubwürdige, mit unterschwelligem Humor und klarer Linie erzählte Geschichte bietet der Roman allemal. Nicht dunkelster Noir, der die Schattenseiten der Wohlstandsgesellschaft auslotet, aber auf dem besten Weg dorthin. Erzählerisches Talent hat Wark allemal, seine Schnappschuss-Rückblenden machen Lust auf jeden weiteren Blick in die Vergangenheit seiner Figuren. Er vertändelt sich nicht und bringt auch die gegenwärtige Geschichte zu einem passenden Abschluss. Nur ganz selten geht der Sozialpädagoge mit dem besorgten Bürger, der vor den Verlockungen der Unterwelt warnt, einen Schulterschluss ein. Aber das ist zu verschmerzen.

Und wenn letztlich die Technologie dem Gangster klassischer Ausprägung ein Schnippchen schlägt, ist auch das äußerst konsequent erzählt. Peter Wark beweist sich einmal mehr als Autor mit Potenzial. Zu schade, wenn er Geheimtipp bliebe. Auf den Nachfolger des Losers darf man gespannt sein.

Loser

Loser

Deine Meinung zu »Loser«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
02.01.2012 09:27:18
Manuela

Nicht, weil er ein schlechterer Mensch ist als andere, sondern weil er schlechtere Startvoraussetzungen hatte, wird Andreas Broschkat zum "Looser". Das wird im Lauf des Buches immer deutlicher, das die Lebensgeschichte
dieses Losers erzählt. Sein Weg scheint vorbestimmt zu sein, und zwar von klein auf. Irgendwann wird ihm, dem Kriminellen, der sich als Taxifahrer und Türsteher versucht, das klar. Da kommt
das Angebot eines mysteriösen Fremden gerade recht, das einen
großen Reibach verspricht und Loser damit völlig neue
Perspektiven eröffnet.Die Sache wird furchtbar schief gehen, das
deutet sich schon zu Beginn des Buches an. Und doch wartet am Ende
eine echte Pointe. Das alles ist in einem knallharten Realismus erzählt, der den Leser schnell in seinen Bann zieht, der aber nichts für zartbesaitete Naturen ist, denn die Sprache ist mitunter
derb.Das Buch beschreibt fast
vier Jahrzehnte im Leben eines Entwurtzelten, für den jeder Tag
ein Kampf ums Überleben ist.
Denoch gibt es sie, die Lichtblicke in Losers Leben.
Düster, aber auch mit einem grimmigen Humor kommt das alles daher.
"Loser" ist eine echte Perle, die man halt nur entdecken muss.

28.12.2011 12:08:00
Kurt

Andreas, genannt Loser, ist auf dem Weg nach unten. Das ist er schon sein
Leben lang, aber erst in den letzten Jahren wird ihm das bewusst. Er hat nie
eine Chance gehabt. Er ist und bleibt ein Krimineller, das ist ihm klar.
Seine Versuche, ein kleinbürgerliches Leben zu führen, scheitern allesamt. Ob
er Taxi fährt, sich als Türsteher verdingt oder aber beim Schwimmen alle seine Probleme vergessen will: er scheitert daran. Er hat nur noch eine Chance: er will mit seinem letzten Coup genügend Geld erbeuten, um ein neues Leben in Australien anfangen zu können. Doch auch das geht grausam schief.
Wie Autor Peter Wark diese Geschichte eines Chancenlosen erzählt, ist beeindruckend und im deutschen Krimi eher Ausnahme als Regel. Diesem Buch ist jeder Anflug von Regionalromantik so
was von gründlich ausgetrieben, dass es eine wahre Freude ist.
Weiter so!

27.12.2011 17:58:11
Reinhard

Mit Loser hat Peter Wark ein für die deutsche Krimilandschaft außergewöhnliches und mutiges Buch geschrieben. Denn der Autor macht es dem Leser nicht leicht. Es fehlt an einer echten Identifikationsfigur und die Story ist in Rückblenden erzählt, die vom Leser Konzentration und Aufmerksamkeit fordern. Der rote Faden der Geschichte würde alleine für einen ordentlichen Plot ausreichen: Hauptfigur Andy plant einen letzten großen Coup, der ihm ein neues Leben am anderen Ende der Welt ermöglichen soll. Dass es soweit nicht mehr kommen wird, ahnt der Leser schon nach dem Prolog. Doch das Scheitern Andys wird großartig erzählt. "Loser" ist kein Krimi für die Anhängerschaft von Kluftinger und Co., sondern eher ein wirklich außergewöhnliches Werk in der Tradition amerikanischer noir-Literatur.

17.10.2011 12:23:09
EinLeser

nachdem ich heute Nacht aus 1. Quelle mitbekommen habe, daß das Buch im Handel ist, war ich heute früh gleich dort um festzustellen, daß die Hausbuchhandlung vom Autor noch nicht mal was über das Buch weiß!.
[Ja und - was soll uns das jetzt sagen? Dass man es in der Buchhandlung eins weiter kaufen kann und soll? Sehr kryptisch. jkö]