Der bessere Mensch

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Innsbruck: Haymon, 2011, Seiten: 300, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Die Major-Schäfer-Reihe sollte kein Geheimtipp mehr sein!

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Aug 2011

Eigentlich ist es schon ein kleines Wunder, dass Major Schäfer nach seinem letzten Einsatz wieder so schnell in den Dienst zurückkehren kann. Dabei helfen ihm starke Antidepressiva, die ihn vor allem vor einem Kontrollverlust bewahren sollen. Seine Mitarbeiter sind sichtlich überrascht von ihrem Chef, so freundlich und gut gelaunt sahen sie ihn schon lange nicht mehr, wenngleich der Jähzorn immer mal wieder durch dringt und er in gewohnter Manier urplötzlich Leute anschnauzt.

Der neue Fall führt Schäfer zu Hermann Born, Rentner und ehemaliger Vorsitzender der rechtsextremen Nationalpartei, der nun tot in seiner Wohnung liegt. Bei dem Anblick seiner Leiche dreht sich selbst dem hartgesottenen Schäfer der Magen um, denn der Mörder übergoss Borns Schädel mit reichlich Phosphorsäure. Die Ermittlungen werden intensiv, aber zunächst ergebnislos voran getrieben. Als einige Tage später ein bekannter Chef eines Drogen- und Zuhälterrings ermordet wird, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Schäfer und sein engster Mitarbeiter Bergmann können den Mörder zwar noch am Tatort überraschen, allerdings gelingt diesem die Flucht, bei der er Bergmann niederschießt, welcher schwer verletzt ins Krankenhaus kommt. Der maskierte Täter, der zuvor schon Born umbrachte, kann anhand von Haaren, die am Tatort gefunden werden, endlich personifiziert werden. Es handelt sich um Paul Kastor, einen Serienmörder, dem Schäfers Vorgesetzter Oberst Kamp schon vor fünfzehn Jahren auf der Spur war und der sich damals, nach einer langen Verfolgungsjagd eingekesselt von der Polizei, erschoss…

Der dritte Band der Major-Schäfer-Reihe sollte endgültig die Chance bieten, aus einem "Geheimtipp" ein Fall für die breite Krimifangemeinde zu werden. Hervorragend werden die Figuren von Georg Haderer weiter entwickelt, wobei auch den Mitarbeitern von Schäfer ein wenig mehr Platz eingeräumt wird. Gleichwohl steht und fällt die Reihe mit ihrem Protagonisten, der trotz starker Medikamente immer wieder in seinen alten Jähzorn zurückfällt. So ganz trauen seine Leute ihm noch nicht, obwohl er offensichtlich beste Laune zu haben scheint. Doch dann wird er an einen weiteren Tatort gerufen, wo eine türkische Jugendliche erstochen in der elterlichen Wohnung aufgefunden wird. Schäfer, der noch nie einen besonders guten Draht zur türkischen Bevölkerung hatte, denkt sofort an einen Ehrenmord und in der Tat sprechen die Indizien für eine Tat des Vaters. Da Schäfer bei dessen Verhaftung jedoch weit über das Ziel hinausschießt und zudem ein Besuch des türkischen Premierministers ansteht, sieht sich Kamp kurzerhand gezwungen, Schäfer offiziell zu suspendieren und nach Salzburg zu versetzen. Nicht ganz ohne Hintergedanken, denn dorthin floh vor vielen Jahren besagter Paul Kastor und so soll Schäfer den Spuren des damaligen Falles noch einmal nachgehen. Irgendwo müssen die am Tatort vorgefundenen Haare ja herkommen.
So lernt also auch die Polizei in Salzburg den launischen Ermittler kennen, sehr zur Freude der Leser/Innen, denn die Dialoge mit Schäfer und dessen mitunter sehr sprunghafte Gedanken gehören zum unterhaltsamsten Teil der Geschichte, über deren Inhalt hier nicht mehr verraten werden soll.

 

"Sie haben es sehr wahrscheinlich mit einem Psychopathen zu tun…"
"Ja, das weiß ich auch…"
"Nicht in dem Sinn, wie es umgangssprachlich gebraucht wird. Mit einem Menschen, auf den das klinische Bild der Psychopathie zutrifft: affektarm, aber dennoch fähig, sich selbst und anderen Gefühle vorzumachen… er kann sich konfliktfrei für einen guten Menschen halten, während er einen anderen tötet … asoziales Verhalten ohne ein vordergründig erkennbares Motiv, egozentrisch und von den eigenen Ideen überzeugt bis zur Wahnvorstellung, unfähig, die Folgen einer Tat abzuschätzen … oft auch angstfrei … deshalb auch sehr risikobereit und in seinen Reaktionen schwer einzuschätzen …"
"Sie sprechen von unserem Innenminister …"

 

Wortwitz bei den Dialogen, gelungene Charaktere und eine originelle Handlung, die einige Überraschungen vorhält, sind die Ingredienzien dieses vorzüglichen Romans. Zudem gibt es, wie schon beim Vorgänger Ohnmachtspiele, eine nicht alltägliche Auflösung. Mehr davon!

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Letzte Kommentare:
17.04.2016 14:01:09
trafik

Ich bin ein Fan von Georg Haderer und seinem Kommissar Johannes Schäfer.
Das stimmt, die Geschichte ist diesmal vielleicht nicht so spannend. Dafür überzeugt Georg Haderer immer wieder mit seinen Figuren in den Krimis.
Hoch und Tiefs werden so beschrieben wie das Leben halt wirklich ist. Das gefällt mir Der Schreibstil von Haderer.
Kann mit anderen deudschsprachigen Krimiautoren sehr gut mithalten.
Nochdazu kommt er aus Österreich. Einfach Spitze!

14.03.2013 07:49:33
rolandreis

So wie das Buch begann hatte ich mir ein wenig mehr erwartet. Dann aber entstanden rund um den Ermittler mehrere Stränge (Mordfall Born und auch wieder türkisches Mädchen), dnach er abgezogen und in Salzburg weiter ermittelt. Das Ganze trug bei mir nicht zu einem zusammenhängenden Spannungsbogen bei. Eher plätscherte die GEschichte nach meinem Empfinden so dahin. Daher von mir "Kann man lesen, muss man aber nicht" und 75 von 100 Punkte.