Krimi-Hörspiele:
Mediatheken / 68
"Grow"
Tiefer kann man kaum fallen
Der Schweizer Rundfunk öffnet nun zum fünften Mal mit seinem neuen Tatort, das Tor in die nahe Zukunft. Autor ist wie gewohnt Dominik Bernet, Regie führte Mark Ginzler. Protagonisten sind die Ex-Kommissarin Laura Martini und ihr Ex-Chef Luzy Kalberer, inzwischen Chef des allmächtigen Swiss Health Institut, kurz SHI. Die beiden waren zunächst spinnefeind, bis sie mehr und mehr Vertrauen zueinander fanden und zuletzt gemeinsam agierten. Die Handlung spielt immer um 2056 irgendwo in der Schweiz.
Inhalt
Grow: DAS Schweizer Unternehmen mit seinem Haarmittel eines der reichsten Unternehmen der Schweiz und der Welt. Seinen Firmen- und Produktionssitz hat es an einem der letzten Gletscher der Alpen. Weil der wichtigste, geheime Rohstoff aus dem Gletscher stammt. Nach der Vision des Gründers wird dort in Hightech-Jurten gelebt und gearbeitet. Und dann stirbt dieser Haarwuchsmittel-Milliardär Toni Rose in seiner geliebten und vertrauten Eisgrotte. Ausgerechnet. Aber Morde gibt es in der Schweiz nicht mehr. Laura und Luzy fliegen mit einer Drohne zum Gletscher, um vor Ort Klärung zu suchen. Dort finden sie sich in einer verschwiegenen, teils esoterischen Gemeinschaft wieder. Tonis Bruder Rose hat inzwischen die Leitung übernommen und macht weiter wie bisher. Unterstützt vom Hologrammklon des toten Bruders. Vera und Klara, die beiden Frauen im Leben des Milliardärs beäugen sich skeptisch und widerwillig. Heimlich lassen Laura und Luzy eine Obduktion machen. Kommen sie einem Mord auf die Spur? Hat sich der Tote absichtlich klonen lassen?
Das Hörspiel
Das Hörspiel ist ein Grauen. Tiefer kann man nicht fallen. Sicher, jede Menge tolle Effekte, gute Sprecher und viel Atmosphäre mit Musik. Aber die Handlung ist hanebüchen. Wie wird man denn mit einem Haarwuchsmittel steinreich? Nach gut 30 Minuten beginnt überhaupt erst etwas Handlung. Ansonsten wird permanent gekichert. Der Autor schleudert dem Hörer einen Sprachwitz nach dem anderen zu. Die sind aber nicht witzig, sondern plump. Auch möchte der Autor dem Hörer seinen Kenntnisreichtum von Geschichte, Literatur und Musik vorführen. Außer der Obduktion besteht das Hörspiel nur aus Dialogen. Die Figuren sind allesamt ohne erkennbaren Charakter. Luzy und Laura sind brav geworden. Das Anliegen des Autors ist ja richtig: Er warnt vor einer Zukunft mit KI und allgegenwärtigen Regierungen. Und vor Konzernen, die aus Sch*** Geld machen.
Fazit
Ein Ausrutscher dieser tollen Redaktion, die hiermit einen Schlussstrich unter die Reihe setzen sollte.
Couch-Wertung: 40°
ARD Sounds & SRF
"Hase tot"
Eine Überforderung
Der 212. Radio Tatort entführt den Hörer wieder in die Pfalz mit ihrem sympathischen Sprachklang. Autorin der 7. Episode mit dem Team aus Landau ist Uta-Maria Heim, die schon die 2. Episode schrieb. Trotz wechselnder Autoren bleibt das Setting erstaunlich gleich: Protagonistin ist die junge Kommissarin Anima King, die gerade nach Ludwigshafen zur Kripo gewechselt ist. Anima hadert mit ihrer Chefin Fe Ekkelsberg, die ihre Förderin ist, aber im Umgang auch nicht einfach.
Inhalt
Der Einstieg ist nicht so, wie Anima es sich vorgestellt hat. Keine spannende Ermittlungsarbeit, sondern ein Lehrgang zum Umgang mit Gewalt gegen Frauen, also eher präventive Arbeit. Doch die Wirklichkeit holt Anima schnell ein. Martina Stadler hat ihren Mann Gunnar wegen Gewaltanwendung angezeigt. Beim Hausbesuch trifft Anima auf den kläffenden Dackel Frau Hase und ein Jagdgewehr, das an der Wand hängt! Doch bevor sie etwas unternehmen kann, folgt ein Auftrag von Fe: Milan Helfer wurde vor die S-Bahn gestoßen. Er hat nicht überlebt. Milan war als Gewalttäter aktenkundig. Er hat immer wieder seine Ex-Freundin Lucy Stadler misshandelt. Aber Lucy kann nicht Täterin sein, sie war mit ihrer Tochter Nora unterwegs. Kommt sonst jemand aus der Familie in Frage? Jedenfalls nicht die Großmutter Gertraud Stadler, die ist dement und lebt im Heim und liest Patricia Highsmith auf ihrem ebook. Und wieder eine Wendung: Gunnar Stadler wird erschossen. Dank Frau Hase kommen die Ermittler der Lösung des Falles nahe. Der Hund hat eine Stück Stoff erwischt.
Das Hörspiel
Wie auch in den anderen Episoden gibt es immer wieder innere Dialoge von Anima. Auch ist Anima nicht nur Ermittlerin, sondern auch Privatperson. Sie hadert mit ihrer Mutter und wird ihren Vater nicht los. Er war selbst Täter in der elterlichen Ehe. Die Geschichte wird abwechslungsreich und unterhaltsam erzählt. Trotz des wichtigen Themas Gewalt gegen Frauen, wird nicht ohne Augenzwinkern erzählt und manches selbstkritisch hinterfragt. Allerdings kann der Hörer der Handlung kaum folgen, weil man bei der Anzahl von Namen und Familien den Überblick verliert. Dann kommt noch hinzu, dass zwei Sprecher auch noch jeweils verschiedene Personen spielen. Da helfen auch die kurzen Zusammenfassungen der Anima wenig. Wem es gelingt, die Konzentration nicht zu verlieren, wird den Fall schneller als Anima lösen können, weil sie einem entscheidenden Hinweis nicht folgt. Der Plot kann auch nicht wirklich überzeugen. Genauso wie der Titel: Hase tot. Die Jagd nach den Tätern ist ja nach diesem Bläsersignal nicht abgeschlossen, sondern geht immer noch weiter.
Fazit
Professionell gemacht, aber letztlich eine Zumutung für die Hörer.
Couch-Wertung: 70°
ARD Sounds
"Krimi-Hörspiele: Mediatheken / Tipps 68" von Malte Stamer, 09.2026
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Fotos: istock.com / tolgart


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