The Responder

Serien-Kritik von Carola Krauße-Reim (08.2022) / Fotograf: Rekha Garton

Die etwas andere Polizeiserie

Drehbuchautor Tony Schumacher hat selbst als Polizist in Liverpool gearbeitet. Er weiß, wie es nachts auf den Straßen der englischen Metropole zugeht. Seine Erfahrungen machen die Handlung authentisch, auch wenn sie fiktiv ist.

Chris Carter fährt Nachtstreife

Chris Carter ist degradiert und muss jetzt wieder Nachtstreife fahren. Er geht seinen Job mit viel Herz an, beugt die Regeln, wenn es ihm richtig erscheint und steht kurz vor einem totalen Zusammenbruch. Die Arbeit belastet seine Ehe, die finanziellen Schwierigkeiten nagen an ihm und jede Nacht hat er

„Spucke im Gesicht und Blut an meinen Stiefeln“.

Jetzt bekommt er auch noch Polizeianwärterin Rachel an die Seite gestellt, die noch nicht von der Realität der Nachtstreifen desillusioniert ist und streng die Regeln befolgen will. Als Chris´ Kumpel Carl Sweeney ihn bittet Casey ausfindig zu machen, weil die ihm Drogen gestohlen hat, willigt Chris nur widerwillig ein. Doch er will Casey helfen und sucht nach ihr. Chris weiß nicht, dass dies der Beginn einer Tragödie ist, die immer größere Bahnen zieht und ihn in einen Strudel reißt, der seine Familie bedroht und aus dem er vielleicht nicht mehr herauskommt.

Erschreckendes Gesellschaftsporträt

„The Responder“ ist eine Polizeiserie der anderen Art. Die Staffel besteht aus sechs Teilen, welche sechs aufeinander folgende Tage und Nächte im Leben von Chris erzählen. Doch hier wird nicht wild drauf losgeballert, es gibt keine Verfolgungsjagden und die Polizisten sind nicht cool, sondern mental belastet und desillusioniert. Schnell und dennoch still wird hier eine Gesellschaft dargestellt, die ihren Ordnungshütern alles abverlangt und sie dennoch nicht zu würdigen weiß.

Liverpool ist dafür genau der richtige Schauplatz: soziale Brennpunkte gibt es genügend, Drogenprobleme auch und die staatlichen Kräfte scheinen unterbesetzt und damit überfordert. Das erschreckende Gesellschaftsporträt hat Chris Carter als Mittelpunkt, dennoch scheint er stellvertretend für die Lage der Polizei im Allgemeinen zu stehen.

Die Schauspieler brillieren bis in die Nebenrollen

Martin Freeman kennt man u.a. als den Hobbit Bilbo oder als Sherlock Holmes Freund Dr. Watson. Mit Chris Carter geht er eine ganz andere Rolle an. Freeman verkörpert fesselnd den psychisch angeschlagenen Polizisten. Ihm nimmt man das moralische Dilemma zwischen dem vermeintlich schnellen Geld und der verpflichtenden Gesetzestreue eines Polizisten ab.

Die Figur bekommt durch Freemans Spiel gerade in den ruhigeren Szenen in der Familie oder mit der sterbenskranken Mutter eine emotionale Tiefe, die der Härte während der Polizeiarbeit gegenübersteht. Den Spagat zwischen privaten Problemen und beruflichem Stress muss sich auch seine junge Kollegin Rachel stellen. Adelayo Adedayo zeigt die Polizeianwärterin mit manchmal etwas sehr zurückhaltender Mimik als unschlüssige Frau, die nichts falsch machen will. Auch ihr nimmt man die Rolle ab, ebenso wie allen anderen Schauspielern. Hier wird die verzweifelte Ehefrau genauso gut gezeigt, wie die Drogenkurierin Casey und ihr etwas unterbelichteter Freund.

Selbst die drogendealende Ärztin, die Handlanger des Bosses und der gutmütige Penner auf der Straße sind so brillant gespielt, dass sie alle zusammen eine Gesamtbild abgeben, dass die Miniserie durchaus zu einem Highlight des Jahres 2022 macht.

Fazit

Ein fesselndes Polizeidrama mit moralischem Tiefgang und unverhohlener Gesellschaftskritik. Ein guter Plot und hervorragend agierende Schauspieler garantieren über vier Stunden spannendes Fernsehvergnügen. Da kann man gespannt sein auf die schon angekündigte 2. Staffel.

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Bilder: © 2021 Dancing Ledge Productions / Rekha Garton

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