Wald der toten Jäger von Werner Schmitz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Kosmos (Frankch).

  • Stuttgart: Kosmos (Frankch), 2016. ISBN: 978-3440152218. 256 Seiten.

'Wald der toten Jäger' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: Bei der Jagd kann die Luft verdammt bleihaltig sein 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Lautes Getrampel, blendende Lichter, Schreie – ein Sonder-Einsatzkommando der Polizei stürmt die einsame Jagdhütte von Hannes Schreiber in der Eifel. Der Reporter des Hamburger »Magazin« hat sich für ein Sabbatjahr in sein Revier zurückgezogen – und steht nun im Mittelpunkt einer Mordermittlung. Während einer Drückjagd im Nachbarrevier Schulte-Appelhoff hatten sich Hannes und sein Kumpel Mattes Frühauf auf Hochsitze an der Reviergrenze gesetzt, um ein wenig abzusahnen. Hannes erlegt auch einen Hirsch, der über die Grenze gewechselt war. Aber auf einer Kanzel ganz in der Nähe wird während der Gesellschaftsjagd Familienoberhaupt Richard Schulte-Appelhoff erschossen – und Schreiber ist für die Polizei tatverdächtig. Aber es gibt keine Beweise gegen ihn, das Geschoss ist keiner Waffe zuzuordnen, er kommt wieder frei – und beginnt seinerseits, den Mörder zu suchen, um jeglichen Tatverdacht auszuräumen. Dabei sticht der Journalist in ein Wespennest, es gibt weitere Tote, und für Hannes Schreiber wird es ebenfalls lebensgefährlich.

Schmitz lässt sei Alter Ego noch ein kriminalistisches Abenteuer erleben

Der ehemalige Stern-Reporter Werner Schmitz hat in den 80er Jahren einige Kriminalromane mit sozialkritischem Hintergrund geschrieben. Fast 20 Jahre später folgten »Schreiber und der Wolf« sowie »Das Karparten-Projekt«. Beide Romane waren dicht und kompakt erzählt, lebten nicht nur von Spannung und Action, sondern hatten auch gesellschaftskritische Untertöne. Gegenüber den beiden Vorgängern fällt der »Wald der toten Jäger« leider deutlich ab – ist aber dennoch ein lesenswertes Buch.

Eigentlich wollte der Wattenscheider Autor keinen Krimi mehr schreiben, aber nun hat er sein Alter Ego Hannes Schreiber doch noch mal ein jagdliches und kriminalistisches Abenteuer erleben lassen. Das Buch ist spannend und humorvoll, und mit einer guten Prise Selbstironie gewürzt. Werner Schmitz hat fast zwei Jahrzehnte als Reporter im NRW-Landesbüro des »Stern« gearbeitet, daher ist klar, welche Zeitschrift mit dem »Magazin« im Roman gemeint ist. Überhaupt scheint der Autor wieder reichlich autobiographisches Material verarbeitet zu haben.

Schmitz nimmt viele Anleihen aus der eigenen Vita für seinen Protagonisten

Wie aus der beruflichen Praxis gewohnt, hat Schmitz offenbar viel Recherche-Arbeit in den Roman investiert. Für eine Szene, die in einer Arrestzelle der Polizei spielt, ließ er sich in Trier nach eigenen Angaben einen solchen Raum zeigen. Als es um die Beschreibung einer komplizierten Schulterverletzung ging, holte er sich Expertenrat von einem Wattenscheider Orthopäden.

Hannes Schreiber stammt auch aus Wattenscheid, und vermutlich verfügt der Autor über eine ähnliche Jagdhütte, wie sie im Roman beschrieben wird – schließlich ist die Eifel auch seine jagdliche Heimat. Die Jägersprache beherrscht Schmitz, seit er Anfang der 1990er Jahre selbst die Prüfung abgelegt hat und seither passioniert dem Waidwerk nachgeht.

Beim Recherche-Wettlauf zwischen dem alten Schlachtross Hannes Schreiber und der jungen und ambitionierten Journalistin Mirja Thelen werden so einige Klischees bedient. Und leicht frauenfeindlich sind diese Passagen auch. Der einsame Wolf Schreiber nutzt seine Kontakte zum Magazin und dessen personelle Ressourcen, um eine knackige Geschichte zu schreiben. Die junge Frau muss sich mit Rick Schulte-Appelhoff einlassen, um an Infos zu kommen. Sie scheint die Affäre allerdings zu genießen, da der junge Rick als charmanter Beau geschildert wird. Naja, könnte so sein, ist aber dennoch zu sehr aus der Trickkiste gegriffen.

Gesellschaftskritik ist nicht so kraftvoll wie von Schmitz gewohnt

Werner Schmitz erzählt seine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven. Neben dem Blickwinkel von Schreiber wird die Sichtweise der jungen Journalistin geschildert, die schnell so einiges erlebt – unter anderem findet sie eine weitere Leiche im Wald der toten Jäger. Gesellschaftskritik gibt es auch wieder, aber nicht so kraftvoll wie gewohnt. Und zudem wird erst am Ende klar, was Schmitz ausdrücken will. Dazu also hier kein Wort, um die Spannung zu erhalten.

Wer Kriminalromane aus der Jäger-Szene mag, und auch mit der entsprechenden Sprache leicht vertraut ist, kommt bei diesem Roman voll auf seine Kosten. Aber auch für Leser, die die sprachlichen Besonderheiten nicht so kennen, bietet Werner Schmitz unterhaltsame und spannende Lektüre. Hannes Schreiber ist ein alter Macho, verhält sich persönlich aber fair gegenüber der jungen Kollegin. Und das ist dann wiederum keinesfalls frauenfeindlich.

Andreas Kurth, Februar 2018

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