Miss Lizzie kehrt zurück von Walter Satterthwait

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel New York nocturne - The return of Miss Lizzie, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1910 - 1929.

  • New York: Mysterious Press, 2016 unter dem Titel New York nocturne - The return of Miss Lizzie. 290 Seiten.
  • München: dtv, 2006. Übersetzt von Ursula-Maria Mössner. ISBN: 978-3423245142. 314 Seiten.

'Miss Lizzie kehrt zurück' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

1924. Es ist drei Jahre her, dass Amanda Burton und Miss Lizzie gemeinsam ein haarsträubendes Abenteuer bestanden haben. Jetzt ist Amanda stolze sechzehn Jahre alt und hingerissen von der Aussicht, den Sommer bei ihrem Onkel in New York verbringen zu dürfen. Gemeinsam machen John und Amanda die Stadt unsicher und tauchen abends ein in die glitzernde Halbwelt der Roaring Twenties. Doch das süße Leben findet ein jähes Ende, als Amanda eines Morgens ihren Onkel tot in seiner Bibliothek auffindet – erschlagen mit einem Beil! Es zeigt sich, dass seine Verbindungen zur Halbwelt weitreichender – und krimineller – waren, als sie ahnte. Und noch schlimmer: Amanda selbst wird von der Polizei verdächtigt. Zum Glück taucht unverhofft Miss Lizzie auf und lehrt Polizei und Unterwelt das Fürchten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Und die Lizzie mit dem Beile...« 80°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Es liegt nahe, nach der Lektüre von Walter Satterthwaits Buch »Miss Lizzie kehrt zurück« auf den bekannten Kinderreim hinzuweisen:

Lizzie Borden mit dem Beile,
hackt Mama in 40 Teile.
Das Ergebnis freut sie sehr,
bei Papa wird’s ein Teil mehr.

...denn auch hier spielt ebendiese Lizzie Borden wie im Vorgängerband eine tragende Rolle. Nachdem Miss Lizzie drei Jahre zuvor der dreizehnjährigen Amanda Burton aus der Klemme half, als diese unter dem Verdacht stand, ihre Stiefmutter mit einem Beil erschlagen zu haben  welch eine Parallele zu Lizzies eigenem Fall viele Jahre zuvor  benötigt Amanda abermals Hilfe. Da ihre Eltern für längere Zeit verreist sind, wird sie zu ihrem Onkel John nach New York geschickt; ein Abenteuer für Amanda. Sie erlebt das New York der 20er Jahre, der »Roaring Twenties«, und genießt ihre erste Woche in vollen Zügen, bis sie eines Morgens aufwacht und die Leiche ihres Onkels in der Bibliothek findet: Er wurde offensichtlich mit einem Beil erschlagen. Sie tätigt zwei Anrufe, einen bei der Polizei und einen bei ihrem Bruder.

Die Polizisten machen kurzen Prozess und nehmen das junge Mädchen mit aufs Revier. Bei ihrer Vorgeschichte liegt es doch nahe, dass niemand anderes als sie John Burton getötet hat. Rettung naht in Gestalt eines Anwalts, der sie aus der Zelle befreit und ins Hotel Alonquin bringt, wo nicht nur Miss Lizzie auf sie wartet, sondern auch deren Freundin Dorothy Parker sowie ein Privatdetektiv. Amandas Bruder hatte Lizzie Borden kontaktiert, da der Familienanwalt nicht zur Verfügung stand. Wenn schon die Polizei nicht gewillt ist herauszufinden, wer ihren Onkel wirklich ermordet hat, dann müssen die drei den wahren Täter eben selbst entlarven.

Die Roaring Twenties, Harlem und der legendäre Cotton Club

Walter Satterthwait lässt hier die 20er Jahre so aufleben, dass man ein gutes Gefühl für das Leben in der damaligen Zeit erhält. Er lässt einige reale Personen auftreten wie die bereits erwähnte Dorothy Parker, bekannte Theaterkritikerin und Journalistin, die tatsächlich im Hotel Alonquin residierte, oder Owney Madden, den Besitzer des legendären Cotton Club, den auch Amanda mit ihrem Onkel besuchte. Ebenso hat die spätere Leinwanddiva Mae West einen Gastauftritt, vielleicht noch begleitet von weiteren Personen, was sich jedoch dem Leser nicht unbedingt erschließt, wenn er nicht über ein bestimmtes Hintergrundwissen verfügt. Dies ist aber auch nicht notwendig, denn alle Figuren wirken sehr real, ob sie es nun sind oder nicht.

Ungeachtet der Tatsache, ob Lizzie Borden den grausamen Mord, dessen sie angeklagt war, begangen hat (dieses Rätsel wird verständlicherweise auch hier nicht gelüftet), wird sie als sympathische Person dargestellt, die sich in vielen Lebenslagen zu helfen weiß, sei es durch Hartnäckigkeit oder auch mal durch Kartentricks. Man muss Walter Satterthwaits Stil einfach mögen. Er lässt die Geschichte von einer erwachsenen Amanda im Rückblick erzählen, das erkennt man an den entsprechenden Einschüben. Ihre Erzählweise ist absolut nicht kindlich, aber locker und amüsant. Der Autor weist eigentlich allen seinen Figuren einen charakteristischen Sprachstil zu, von dem man auf deren sozialen Hintergrund schließen kann.

Uneingeschränkt empfehlenswert

Der Fall an sich bietet zwar keine Spannung auf Höchstniveau, aber dennoch gelingt es dem Autor, den Leser wie gebannt an sein Buch zu fesseln. Seite um Seite liest es sich so gut, man möchte gar nicht aufhören. Da Satterthwait andeutet, dass Amanda später in einem ähnlichen Metier wie Pinkerton, der Privatdetektiv, arbeitet, kann man vielleicht noch auf weitere Abenteuer von Amanda Burton hoffen. Dass Miss Lizzie ein weiteres Mal mit von der Partie sein wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Sie stirbt 1927, drei Jahre nach ihrem hier geschilderten New York-Besuch und da der Autor sich an Fakten hält, würde er sicher auch in diesem Fall so verfahren.

»Miss Lizzie kehrt zurück« ist ein Krimi, den man wirklich uneingeschränkt empfehlen kann: dem Jugendlichen, der seine ersten Krimi-Versuche unternimmt, dem Erwachsenen, der mal etwas anderes als 08/15-Krimis lesen möchte und allen anderen, die einfach herrlich entspannende Lektüre mit einen winzigen Schuss Realität zu schätzen wissen.

Ihre Meinung zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück«

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Krimi-Tina zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 13.04.2009
Die Fortsetzung von „Miss Lizzie“. Amanda besucht ihren Onkel in New York und wird prompt wieder mit einem Axtmord konfrontiert. Bei dem sie diesmal die Hauptverdächtige ist. Zum Glück steht ihr auch wieder Miss Lizzie zur Seite..
Auch dieses Buch ist wie sein Vorgänger nicht so sehr wegen der Krimihandlung, sondern wegen der liebevollen Ausführung der Charaktere und der detaillierten Darstellung der Sitten im damaligen New York bemerkenswert. Alles wieder geschildert aus der Sicht eines halbwüchsigen Mädchens.Witzig und mit viel Charme.89°
anath zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 24.06.2008
Nach "Miss Lizzie" war dieses Buch ein Muß und landete auch entsprechend schnellstmöglich in meinen Händen. Und das war gut so, denn diese Fortsetzung fällt im Vergleich zum ersten Teil nicht ab - im Gegenteil, es wird mit gleicher Qualität erzählt und die Spannung ist sogar noch größer als bei der ersten story.
So ganz einfach ist die Raterei allerdings nicht. Zwar hatte ich so meinen Anfangsverdacht der sich zum Ende hin auch bestätigte, aber jedes Kapitel, praktisch jeder Abschnitt bot neue Verdächtige, neue Motive, neue Möglichkeiten. Ideal ! Genial !
Und die kartentricksende Miss Lizzie ist als Detektivin nur schwer zu toppen ! Schade, daß sie nun mit diesem Buch von der Bühne abtritt . Ich werde sie vermissen.
Juergen zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 01.01.2007
Was fuer ein witziges, spannendes, wundervolles Buch!!! Der trockene Humor ist klasse, die historischen Figuren sind geschickt eingebaut, das alte New York interessant geschildert.
Ich werde jetzt auch "Miss Lizzie" lesen.
Sniesewitz zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 27.11.2006
nun ja, "Miss Lizzie" hat mir eindeutig besser gefallen als dieses Buch hier, aber dennoch ist das hier amuesant geschrieben mit wunderbar trocknem Humor, gut zu lesen und eine gute Beschreibung der Zwanziger Jahre in NYC.
Simone L. zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 03.10.2006
Klasse Fortsetzung von "Miss Lizzie". Nachdem ich "Miss Lizzie" geradezu verschlungen habe, habe ich mir bei "Miss Lizzie kehrt zurück" mehr Zeit gelassen, ich wollte einfach nicht, dass das Buch ein Ende nimmt. "Miss Lizzie kehrt zurück" hat alles was ein toller Krimi braucht, Spannung, Witz und charmante Darsteller in einer pulsierenden Stadt.

Neugierig geworden? - Viel Spaß beim Lesen!
Anja S. zu »Walter Satterthwait: Miss Lizzie kehrt zurück« 26.09.2006
Ich liebe die Buecher von Herrn Satterthwaite, ganz besonders "Miss Lizzie". Der Nachfolgeband ist zum Glueck genauso gut. Die Atmosphaere der "Roaring Twenties" in NYC wird kongenial wiedergegeben, Gastauftritte haben Dorothy Parker, Mae West und andere lokale Groessen. Spannung und trockener Witz kommen ebenfalls nicht zu kurz.
Ein gaaaaaanz wunderbares Buch!!!!!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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