Drei Zeugen zu viel von Steve Hamilton

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 2017 .
Ort & Zeit der Handlung: USA / Chicago, 2010 - heute.
Folge 2 der Nick-Mason-Serie.

  • New York: G. P. Putnam's Sons, 2017 Exit strategy. Übersetzt von Karin Diemerling. 289 Seiten.
  • München: Droemer, 2018. Übersetzt von Karin Diemerling. ISBN: 978-3-426-30499-0. 352 Seiten.

'Drei Zeugen zu viel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Darius Cole, der Pate von Chicago, will Rache nehmen an den drei Männern, die ihn lebenslang hinter Gitter gebracht haben. Und Nick Mason, Killer wider Willen, weil er sich an ihn verkaufen musste, um zu überleben, wird sein Werkzeug sein. Das gesuchte Trio aber ist mit neuen Identitäten im Zeugenschutzprogramm des FBI abgetaucht und wird rund um die Uhr von US Marshals bewacht. Nick muss das Programm knacken, um herauszufinden, wo die drei »Zielobjekte« sich aufhalten – eine lebensgefährliche Aufgabe. Denn der Detective, der ihm vor Jahren ein Totschlagsdelikt anhing, das er nicht begangen hatte, ist ihm hart auf den Fersen.

Das meint Krimi-Couch.de: Wird seine »Exit Strategy« Nick Mason aus den Klauen des Paten von Chicago befreien? 80°

Krimi-Rezension von Annette Wolter

Nick Mason hat Pech. Einer der drei absolut wichtigsten Auftragsmorde ist in die Hose gegangen, und er hat danach einen gravierenden Fehler begangen, der auch bittere persönliche Folgen für ihn bereithält. Um die er sich aber nicht wirklich kümmern kann. Denn Nick ist ein Gefangener in seiner Luxuswohnung.

Jeder Gang von ihm wird Tag und Nacht beschattet und dazu hat er auch noch einen Detective und die Schergen des Paten Darius Cole am Hals. Er will aufhören, aber das ist nicht so einfach, wenn man sich einmal mit »dem Teufel eingelassen hat«.

Darius Cole kann vom absoluten Hochsicherheitsknast in den USA alles steuern, und seine langen Arme reichen überall hin. Cole will raus und das kann nur funktionieren, wenn es eine Wiederaufnahme seines Prozesses gibt. Drei Menschen müssen eliminiert werden. Einen hat Nick geschafft, aber ein Blutbad hinterlassen.

»Steve Hamilton schreibt über Chicago wie einst Balzac über Paris, zwei Städte der verlorenen Illusionen.« Das sagt die Süddeutsche Zeitung über Steve Hamilton. Der Autor wurde 1961 in Detroit geboren, studierte an der University of Michigan kreatives Schreiben. Bereits an der Universität wurde er mit einem Preis ausgezeichnet. Seitdem hat er zahlreiche Romane verfasst, zehn davon in der Serie um den Ermittler Alex McKnight. Für seine Werke erhielt er eine Vielzahl an Preisen. Neben Ross Thomas ist er der einzige Autor, der jemals den Edgar Award, den renommiertesten US-Krimi-Preis, sowohl für das beste Debüt als auch für den besten Roman gewonnen hat. Mit seiner Familie lebt er in dem kleinen Ort Cottekill, etwa hundertfünfzig Kilometer nördlich von New York City. Beindruckend ist, dass der Autor seine Bücher neben seinem normalen Job bei IBM meisten nachts geschrieben hat.

Der unglückliche und sympathische Mörder

Nick Mason, der kreative Auftragsmörder, ist nicht einer der üblichen Psychopathen oder dumpfen Gesellen, die man sonst oft erlebt. Er ist die Hauptfigur des Buches und hat vor einiger Zeit, als er vor der Wahl langer Gefängnisjahre oder seinen Dienst für eine Unterweltgröße verrichten, eigentlich eine für jeden nachvollziehbar vernünftige Wahl getroffen. Im Original heißt der Thriller »Exit Strategy«. Der Titel trifft den Kern des Ganzen einfach besser.

Eigentlich wollte Nick nämlich bloß eines: Ein normales Leben, in dem er auch wieder Kontakt zu seiner Tochter haben möchte. Aber das ist nicht so einfach, wenn man sich in einer Stadt, die mittlerweile eine der upgefucktesten in den USA ist, in diesen Kreisen bewegt. Laut Statistik gibt es dort mehr Morde als in New York und Los Angeles zusammen. Auch Nick kommt aus Canary Town/Chicago und hat sich offensichtlich für die dunkle Seite entschieden und nicht alle Entscheidungen können so einfach revidiert werden.

Klar, es gibt immer wieder Stories um den abgebrühten Killer, und den beinharten Cop, der ihm auf den Fersen bleibt, aber hier baut der Autor Emotionen, Gefühle und Differenzierungen ein. Die Handlung ist rasant und trotzdem irgendwie nachvollziehbar.

Fans von tiefsinnigen Psychothrillern kommen absolut zu kurz

Ein Killer wider Willen und eine atemlose Jagd quer durch die USA – ein rasanter Gangsterthriller von Amerikas vielfach preisgekröntem Krimiautor Steve Hamilton. Die Beschreibung trifft es ganz gut.

Mich hat weniger die schnelle und blutige Handlung, als die detaillierte Beschreibung von Chicago (der Gangsterstadt par exellence) gefesselt: Al Capone, »Canary Town«, die Yards oder die gruseligen Schlachthöfe. Eben die arme Südseite von Chicago, wo die Menschen leben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens geboren sind.

Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, interessiert es mich sehr, ob und wie es mit dem sympathischem Killer Nick weitergeht, und ich zudem werde noch einmal Upton Sinclairs Werk über die Chicagoer Schlachthöfe in den 20er Jahren (das eben da in Chicago Canary Town spielt). Somit war »Drei Zeugen zu viel« eine gute Inspiration.

Mein Tipp: Band 1 und Band 2 nacheinander lesen. Aber funktioniert durchaus auch als Stand Alone. Fans von tiefsinnigen Psychothrillern kommen absolut zu kurz.

Annette Wolter, Juni 2018

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