Die Affäre Carambol von Stefan Lehnberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Tropen.
Folge 2 der Johann-Wolfgang-von-Goethe-&-Friedrich-Schiller-Serie.

  • Stuttgart: Tropen, 2018. ISBN: 978-3-608-50354-8. 224 Seiten.

'Die Affäre Carambol' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

In Franckfurth am Main geht es nicht mit rechten Dingen zu. Im Geheimen werden Boten in die Regimentsstädte entsandt und gleichzeitig riesige Mengen Mehl in die Stadt geliefert. Der Stadtrat ist verzweifelt, denn für den französischen Consul Napoleon Bonaparte muss es ganz so aussehen, als würde die Stadt einen Aufstand planen. Da bereits zwei Stadträte unter ungeklärten Umständen zu Tode ge- kommen sind und niemand weiß, wem noch zu trauen ist, werden die bewährten Ermittler Goethe und Schiller zu Rate gezogen. Doch die Nachforschungen gestalten sich schwieriger als gedacht. Vor allem, als eine gewisse brünette Baronin Goethe den Kopf verdreht und er darüber völlig vergisst, die Verbrecher aufzuspüren.

Das meint Krimi-Couch.de: Napoleon und die Mehl-Verschwörung 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Frankfurth am Main zur Zeit der französischen Besatzung. Die Dichter Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe werden in die Stadt gerufen, um in einem ziemlich merkwürdigen Kriminalfall zu ermitteln. Die Stadträte haben Kenntnis von berittenen Boten in 121 Garnisonsstädte erlangt. Diese Kuriere, nicht vom Stadtrat beauftragt, wecken die Befürchtung, dass sich in der Stadt eine geheime Verschwörung anbahnt. 

Kurz darauf werden auch noch zwei Mitglieder des Stadtrats ermordet. Goethe und Schiller sollen inoffiziell ermitteln, was es mit diesen Vorfällen auf sich hat. Die beiden machen sich mit viel Enthusiasmus an ihre Recherchen. Offenbar spielen geheim gehortete Mehl-Vorräte ein wichtige Rolle – und die beiden Dichter-Detektive geraten schnell in höchste Gefahr.

Stefan Lehnberg plant 13 Folgen seiner Krimi-Reihe

Nach »Durch Nacht und Wind« hat Schauspieler und Comedy-Autor Stefan Lehnberg mit »Die Affäre Carambol« nun schon seinen zweiten Kriminalroman um das Ermittler-Duo Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe vorgelegt. Man muss den ersten Band – der von den Lesern der Krimi-Couch sehr wohlwollend aufgenommen wurde – nicht gelesen haben, um in diesen Frankfurter Fall hinein zu finden.

Der Tropen-Verlag hat mit Lehnberg offenbar einiges vor, die Bücher der Reihe sind hochwertig aufgemacht und werden vom Verlagsmarketing kräftig gepusht. Dabei sprechen die Romane ganz für sich, die von Stefan Lehnberg benutzte altmodische Sprache ist dazu geeignet, den Leser in diese so andere Zeit zu versetzen. Aber auch der Autor selber hat einiges vor, im Interview mit der Krimi-Couch sprach er davon, 13 Bände dieser Reihe schreiben zu wollen.

Lehnberg hat erneut gut und umfangreich recherchiert

Im Unterschied zum ersten Band tritt Hofrat Friedrich Schiller in einer neuen Rolle auf. Er ist deutlich selbstbewusster gegenüber seinem Freund Goethe. Das mag daran liegen, dass der Geheimrat in seiner Heimatstadt Frankfurt in amouröse Verstrickungen gerät, die sein Urteilsvermögen zeitweise offenbar zeitweise eintrüben. Goethes Schwärmerei für eine ominöse Gräfin spielt in der Geschichte eine wichtige Rolle, mehr wird hier aus dramaturgischen Gründen nicht verraten.

Stefan Lehnberg hat den historischen Hintergrund in meinen Augen ausgezeichnet recherchiert. Er baut einige Begriffe in die Geschichte ein, die eifrige Leser möglicherweise gleich mal bei Google nachschauen. So werden nur wenige zuvor wissen, dass »Terzerol« eine am Beginn des 19. Jahrhunderts weit verbreitete Schusswaffe war.
Ähnlich verhält es sich mit dem Namensgebenden »Carambol« – hierzu mag der Leser selber sehen, was er in Erfahrung bringt.

Der Autor kann seine komische Ader nicht verleugnen

Stefan Lehnberg zeigt auch mit seinem zweiten Roman, dass er eine Geschichte gut erzählen kann. Die Dialoge sind authentisch, und die Situationskomik wirkt nie künstlich. Im Grunde kein Wunder bei einem Autor, der aus dem komödiantischen Fach kommt. Lehnberg sagt dazu, er plane die Komik nicht eigens ein, sondern das falle ihm beim Schreiben halt ein. Er kann nicht anders – aber das ist auch gut so.

Lesefreundlich ist die Einteilung des Buches in 37 Kapitel unterschiedlicher Länge.

Goethe ist – trotz seiner amourösen Ablenkung – insgesamt der bessere Ermittler. Als Leser sympathisiert man dann allerdings schnell eher mit Schiller, der einerseits die dramatische Geschichte erzählt, andererseits nicht so arrogant und abgehoben wirkt wie der Geheimrat Goethe.

Auch Stefan Lehnbergs zweiter Roman mit Goethe und Schiller als amüsantes und skurriles Ermittler-Duo vermag bestens zu unterhalten. Atemlose Spannung kommt immer dann auf, wenn die beiden dem Rätsel vermeintlich näher kommen, oder in höchste Gefahr geraten. Leben und Werk der beiden Dichter spielen immer wieder eine Rolle, was als schmückendes Beiwerk hochinteressant ist. Ein feiner Schmöker für ein langes Wochenende.

Andreas Kurth, April 2018

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venatrix zu »Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol« 21.05.2018
Eigentlich wollten Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller anno 1801 nur auf einen Sprung bei Goethens Mutter in Frankfurt vorbeischauen. Die Reise scheint unter keinem guten Stern zu stehen, benötigen sie doch 4 (!)Kutschen und einen Tag länger als geplant.
Und auch der Aufenthalt dauert länger als gewollt. Die beiden werden nämlich in einen Kriminalfall verwickelt, der es in sich hat: Zwei ermordete Stadträte, mysteriösen Mehllieferungen und falsche Postboten lassen auf eine Verschwörung schließen. Doch wer gegen wen?

Ein Aufstand gegen Napoleon, der Frankfurt hohe Kontributionszahlungen auferlegt hat? Das hätte fatale Folgen und so werden die beiden scharfsinnigen Dichter von den übriggebliebenen Stadträten beauftragt, die Hintergründe zu erforschen.

Längere Zeit ist nicht klar, ob Frankfurts Obrigkeit nicht selbst hinter den Malversationen steckt…

Meine Meinung:

Diese Kriminalgeschichte wird wie schon der erste Fall “Durch Nacht und Wind” von Friedrich Schiller erzählt. Kurz wird auch auf das erste Abenteuer eingegangen.

Wir begleiten die beiden Freunde bei ihren Ermittlungen, die sie als nicht ganz ungefährlich herausstellen. So wird Goethe auf einer Gesellschaft vergifteter Wein gereicht, später geraten sie in einen Hinterhalt usw. usw.

Dieser aktuelle Kriminalfall ist ebenso Fiktion wie der erste. Die Schilderungen von Frankfurt und Umgebung sowie die Lebensgewohnheiten entsprechen geschichtlichen Fakten. Das Bild der Stadt mit Stadtmauer, als Verkehrsknotenpunkte, die durch Napoleon zerstörten Häuser und die als Lager verwendete Kirche sind authentisch.
Ebenso (fast) authentisch ist die Sprache, der sich die Darsteller in diesem Krimi bedienen. Der Autor hat sie der Originalsprache behutsam aber realistisch angepasst. Dennoch liest sich das Buch leicht und flüssig.

Das Wortgeplänkel zwischen Schiller und Goethe verleitet häufig zum Schmunzeln. Besonders als es um das Honorar für das erste Buch geht (s. 144/145), erkennt der geneigte Leser, dass in dem distinguierten Geheimrat Goethe ein mittleres Schlitzohr steckt.

Das Buch ist wieder in einer tollen Aufmachung erschienen: Das Format etwas kleiner als üblich, in einem hochwertigen Hardcover-Einband mit goldfarbener Prägung. Schiller und Goethe stehen sich wir zwei Duellanten gegenüber.

Fazit:

Wer auf der Suche nach einem "richtigen" Krimi ist, ist hier falsch. Wer aber eine humorvolle Geschichte in einem authentischen historischen Umfeld für kurzweilige Unterhaltung sucht, wird hier fündig. Dafür gebe ich gerne 5 Sterne.
BLK zu »Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol« 09.04.2018
Endlich! Der 2te Band des Goethe-Schillerschen Ermittlerduos!
Wieder begeistert die schöne altertümliche Sprache, der witzig-liebevolle - fiktive - Umgang mit den beiden Lichtgestalten der Weimarer Klassik, die Stefan Lehnberg hier von einer ganz anderen Seite erfahren lässt - ausgedacht, aber in deren Persönlichkeitsstruktur ganz bestimmt so angelegt! Außerdem - wer es nachprüft weiß es - ist alles sauber recherchiert, alles KÖNNTE so gewesen sein.
Dieses Mal sind die Abenteuer in Goethes Geburtsstadt Frankfurt angesiedelt, Frankfurt um 1800. War die akribische Recherchearbeit des Autors kennt, weiß, dass man hier nicht nur ein herrliches Krimivergnügen sondern ebenso einen Einblick in die Lebens- und Zeitumstände geboten bekommt. Voller Entzücken bin ich vom ersten Satz an eingetaucht in diese Welt, diese herrliche Sprache, die ein ebensolches pures Lesevergnügen versprechen - wie schon im ersten Band (Durch Nacht und Wind) und das wird neben aller Spannung eines Krimis genossen. Da ist viel Tempo drin - aber auch genauso stille Momente. Wunderbar! Man mag gar nicht heraus aus diesen Büchern. Total begeistert, warte ich schon sehnlichst auf Band drei!
books4ever zu »Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol« 30.03.2018
Spannender Krimi mit skurrilem Ermittlerduo

In ihrem zweiten Kriminalfall sehen sich die beiden Schriftsteller Goethe und Schiller mit einer äußerst brisanten politischen Situation konfrontiert. Jemand setzt alles daran, es so aussehen zu lassen, als würde sich die Stadt Franckfurth auf einen Aufstand gegen Napoleon Bonaparte vorbereiten. Es werden riesige Mehlvorräte angehäuft und mysteriöse Boten in alle Regimentsstädte gesandt. Zwei Stadträte sind bereits auf merkwürdige Weise ums Leben gekommen und so setzt man nun Goethe und Schiller darauf an, die Vorkommnisse zu untersuchen. Bei ihren Ermittlungen begeben sich die beiden mehr als einmal in tödliche Gefahr.

Mit „Die Affäre Carambol“ ist Stefan Lehnberg ein wirklich außergewöhnlicher und äußerst unterhaltsamer Kriminalroman gelungen. Den ersten Band „Durch Nacht und Wind“ kannte ich noch nicht, dies hat jedoch beim Lesen kein Problem dargestellt.
Die Idee, zwei berühmte deutsche Schriftsteller als Protagonisten für einen Kriminalroman zu nehmen, finde ich eine gelungene Abwechslung zu all den anderen Krimis, in denen meist die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernimmt. Goethe und Schiller sind mir auch direkt ans Herz gewachsen und ich war doch ein wenig traurig, als die Geschichte nach nur knapp 220 Seiten zu Ende war. Gerne hätte ich die beiden noch etwas länger bei ihren Abenteuern begleitet. Neben den beiden Schriftstellern finden sich noch weitere historische Persönlichkeiten, beispielsweise Fürst Karl Anselm von Thurn und Taxis, in der Geschichte wieder.

Ein weiterer Pluspunkt war aus meiner Sicht die leicht altertümlich angehauchte Sprache des Romans. Diese verleiht der Handlung mehr Authentizität und hat es mir leichter gemacht, mich in das Jahr 1801 zurückzuversetzen. Hierbei bleibt die Geschichte jedoch verständlich und auch der Lesefluss wird hierdurch nicht gestört.
Auch die äußere Gestaltung des Buches mit der goldenen verschnörkelten Schrift und dem Einband in Leinenoptik ist sehr passend gewählt und macht einen hochwertigen Eindruck.

Alles in allem ist „Die Affäre Carambol“ ein kurzweiliger Kriminalroman mit einigen spannenden Szenen, der nie langweilig wird. Leider war die Geschichte viel zu schnell zu Ende und ich hätte gerne noch weitergelesen. Somit freue ich mich sehr auf einen weiteren Fall mit Goethe und Schiller, der hoffentlich bald kommen wird!
Von mir erhalten die beiden sympathischen Ermittler 80°!
PMelittaM zu »Stefan Lehnberg: Die Affäre Carambol« 19.03.2018
1801: Frankfurt steht bereits unter der Knute der Franzosen, und nun scheint es jemand darauf anzulegen, dass es wieder zum Krieg kommt. Geheimrat von Goethe und Hofrat Schiller, die gerade in Frankfurt weilen, werden vom Rat der Stadt beauftragt, Nachforschungen anzustellen, wer dahinter steckt.Goethe und Schiller haben bereits in „Durch Nacht und Wind“ ihre Ermittlerfähigkeiten bewiesen – auf diesen Roman wird übrigens in einem Kapitel sogar eingegangen, und der Leser darf sich wundern, wie raffiniert Goethe ist.Der zweite Fall der beiden ist ganz anders geartet als der erste, was mir sehr gut gefällt, außerdem ist der historische Hintergrund stimmig. Leider hat es sich der Autor aber wieder nicht nehmen lassen, den beiden Dichtern und damit auch mir, der Leserin, zu viel Action zuzumuten. Wenn ich schon zwei große „Dichter und Denker“ habe, will ich eigentlich auch ein bisschen mehr Köpfchen eingesetzt sehen. Leider begeben sich die beiden aber, noch mehr als in Band 1, immer wieder in haarsträubende Situationen, aus denen sie mit mehr Glück als Verstand entkommen können. Die Actionszenen wirken bei mir leider gar nicht, ermüden mich eher, und lassen mich diese auch schon mal überfliegen.Der Fall an sich erscheint mir ein bisschen an den Haaren herbeigezogen, auch da hätte ich mir etwas Handfesteres gewünscht, vor allem auch etwas, das ich mir selbst hätte erschließen können. Erschließen konnte ich mir dann allerdings doch die „überraschende“ Wendung am Schluss, die dann auch nicht wirklich gezündet hat.Erzählt wird wieder von Schiller selbst in Ich-Form und altertümlicher Sprache, die das Ganze authentisch wirken lässt, und einigem an Humor. Schon die Reise nach Frankfurt, mit all ihren kuriosen Geschehnissen, macht viel Spaß. Auch gut gefallen hat mir der Auftritt manch historischer Persönlichkeit, wie etwas des Generalerbpostmeisters von Thurn und Taxis oder des Verlegers Cotta.So gut der Roman auch anfing, und so erfreut ich bin, dass sich der Fall so ganz anders gestaltet als im ersten Band, so enttäuscht bin ich, dass er wieder in zu viel Action ausartet und Goethe und Schiller kein gutes Bild abgeben. 66°
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